Folge 174: Wie umgehen mit Querdenkern? - Schrottbücher im Netz

Morgen läuft nun, nach über 10 Jahren, mein Abo aus. Ein komisches, wenn auch sich richtig anfühlendes Gefühl.
Holger hat vom Anfang an und immer schon gern und stark polemisiert, wenn es bspw. um seine persönliche Abneigung zum öffentlich geförderten Schlager ging. Auch wenn ich ihn bei diesem Thema in vielen Kritikpunkten sogar recht gebe, fand ich ihn in seiner radikalen Auslegung aber dennoch zumindest schwierig. Als Altenpfleger (und deswegen habe ich dieses Bsp. hier auch gewählt) weiß ich einfach nur zu gut, wie viele Menschen diese Sendungen schauen. Menschen, die genauso ihre Beiträge zahlen zudem noch wirklich der Generation Analogfernsehen angehören und daher das Programm aktiv verfolgen.
Aber nun gut, unbestreitbar ist sein Beitrag zur Offenlegung und Dokumentation der Abgründe einiger Fernsehsendungen der 2010er und in der Gewichtung war mir dieser immer ungleich größer als die eingangs beschriebene Bsp.-Kritik.
Als diese Themen irgendwann abgearbeitet waren, mußten aber neue Themen gefunden werden und auch hier hat Holger anfänglich großartige Arbeit geleistet. Heute kaum noch vorstellbar schwer muß es gewesen sein bspw. das mediale Echo zu dem Aufstieg der AFD dokumentieren und einordnen zu wollen, ohne von der einen oder anderen Seite vereinnahmt geworden zu sein. Holger hat es geschafft. Geschafft in diesem Zusammenhang (meiner Meinung nach) die Balance zwischen trockener Analyse und der persönlichen Haltung zu waren und vor allem (für den Zuschauer nachvollziehbar) zu kommunizieren. (Das

-Gehabe kam gefühlt erst 2021 als neu ausgerufenes Konzept hinzu.) Noch heute gebe ich hier und da, in der einen oder anderen Variation gern Holger wieder, als er mal im übertragenen Sinne feststellte, „daß es Wasser auf den Mühlen jener Menschen welche `Lügenpresse!´ rufen, ist, ihnen diese Berichterstattung vorzusetzen.“
Doch heute? Wenn ich die Beiträge der letzten Monate überspitzt zusammen fassen darf: der öffentliche Diskurs zu dem Thema Covid (und ALLEN, was mit daran hängt) sollte natürlich auch medial statt finden. Aber bitte mittels eines heißen Stuhls, wo (moderiert durch Mailap) möglichst viele Schreihälse den Kritiker nieder brüllen… Das sind die Punkte, die mich aber ratlos werden lassen. Man soll auch diese Assoziationen sein lassen, da sich die Geschichte doch nur reimt und niemals 1:1 wiederholt. Doch mich überkommt bei solchen Ansagen dennoch einfach der Gedanke an die Schauprozesse des Volksgerichtshof (meinetwegen auch auf LSD) und ich bekomm diesen Gedanken auch nicht weg!
Um auch diesen Punkt abzuschließen: Klar gab es 2 Veto-Ausgaben, in welchen Menschen zu den Auswirkungen der Maßnahmen interviewt wurden. 2 in 2 Jahren Covid. Ist in dieser Zeit nichts mehr passiert, was der rede wert gewesen wäre? 2G und die damit aktiv voran getriebene Spaltung (in der Umsetzung weitergereicht an die Kulturbetriebe und den Einzelhandel) ist nur das aktuellste Bsp. von Themen, nach welchen ich auch bei MG nicht einmal zu suchen brauche. Statt dessen kann Holger es aber kaum länger als 1 Woche aushalten, um in der MT nicht wenigsten einen Beitrag zu verfassen, der diese Covidioten als Betrueger, Nazis und Verschwörungstheoretiker kennzeichnet… Ausgewogenheit sieht für mich einfach anders aus!
Nun gut, meine Prognose:

  • Holger hat ja nun auch (wenn auch nur indirekt) verkündet, daß er sich wohl immer weiter seinen woken Klientel zuwenden will in dem er es sich z.B. im Zweifel (und vielleicht auch trotz Angemessenheit) nehmen lassen wird (in seiner Eigenschaft als männliche, weiße Hete ohne Religion, Behinderung oder Migrationshintergrund) überhaupt noch über Themen wie Rassismus zu sprechen (Schweigen war ja schon immer des beste Mittel zur Konfliktbehebung); und falls nötig und Holger sympathisch, wird auch einem Denunzianten und ganz klar Extremisten eben schnell mal ein auf Leib und Leben bedrohter Dokumentarfilmer
  • außer im Zusammenhang mit der GEZ werden wir von ihn keinerlei kritische Berichterstattung zur sich stark verändernden Medienlandschaft hören; nichts zur wieder auferstandenen (in die Privatwirtschaft übergeben) Zensur durch die Riesen des Internets; nichts zur (politisch motivierten?) verweigerten Sendelizenzen durch die Landesmedienanstalten (aktuelles Bsp. RT); von Julian Assange und die (praktisch nicht vorhandene Berichterstattung) ganz zu schweigen
  • Sorry, mein Fehler: natürlich werden wir kritische Berichterstattung zur sich stark verändernden Medienlandschaft hören. Und zwar, wenn MG zum „Opfer“ wird. Aber das ist ja dann auch etwas ganz anderes… (Ja, warum eigentlich???)

Mein Schluß: ich möchte Holger noch jenes Bild von John Heartfield aus dem Jahre 1931 mitgeben, welches zu den Krisen-Parteitag der SPD angefertigt wurde und wie folgt unterschieben wurde :

`Die Tierärzte von Leipzig: "Selbstverständlich werden wir dem Tiger die Zähne ausbrechen, aber zunächst einmal müssen wir ihn gesundpflegen und herausfüttern"´

Vielleicht findet man sich ja einmal wieder in einer anderen Zeit und/oder an einen anderen Ort.
Dennoch: Adieu MG!

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