Folge 65: Religion und kirchliche Feiertage

Tjoa, da verrätst du dich leider und zeigst, dass deine angeblichen Erfahrungen mit Gläubigen größtenteils Paulanergartengeschichten sind. :sweat_smile: Denn im Christentum besteht selbst unter Erzkonservativen schon lange breiter Konsens, dass die Bibel nicht 1:1 als das Wort Gottes zu verstehen ist.

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Ne, weil ja hinter ner Paywall.

Von den Weihnachtsmuffeln wird doch immer behauptet, dass das Familien-Geseiere eh nur geheuchelt wäre.

Ich wüsste aber nicht, dass es eine Pflicht gebe irgendwen an den Feiertagen zu besuchen. Wer sich also einmal jährlich darüber beschwert bei Schwiegermutter Essen zu müssen, der hat in der Tat ein größeres Problem als jene, die darauf einfach verzichten.

Ich verzichte lieber drauf. Nach den anstrengenden Arbeitstagen vor Weihnachten und Silvester, brauch ich Entspannung und keine 2stündige Zugfahrzt, um mit Leuten zu essen, die ich auch das ganze Jahre sehen könnte, wenn ich möchte.

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Dacht des bezieht sich auch auf den Rest des Jahres^ Ne hast schon richtig geschrieben. Dann wünsch ich dir ruhige und entspannte Weihnachten.

Nein, du hast gerade nur den einen Dogmatismus und das eine Glaubenssystem durch einen anderen Dogmatismus und ein anderes Glaubenssystem ersetzt.

Der springende Punkt ist, dass es so etwas wie „die wissenschaftliche Methode“ gar nicht gibt. Denn das was überhaupt als als legitime Methode betrachtet wird, ist hochgradig Abhängig von der Theorie die verwendet wird um einen Sachverhalt zu untersuchen. Ebenso gibt die Theorie vor, was man überhaupt als legitime Frage betrachtet und das man überhaupt als Tatsachen anerkennt.

Der Wechsel von einer Theorie zu anderen (bei Kuhn Paradigmen genannt) ist auch laut Kuhn eher mit der Konvertierung von einer Religion zu einer anderen vergleichbar, weil das Paradigma immer über sich selbst sagt, dass es das bessere sei und der Normalwissenschaftler gar nicht rational beschreiben kann, warum er sich für ein bestimmtes Paradigma entschieden hat (oft ist er sich des Paradigmas seiner Fachrichtung nicht einmal bewusst).

Lakatos hat ziemlich gut herausgearbeitet, dass der Harte Kern immer aus einem Geflecht von a priori Annahmen, metaphysischen Überlegungen und undefinierten Begriffen besteht.

Feyerabend hat zum einen heraus gearbeitet, dass die Wissenschaft immer dann Fortschritt gemacht hat, wenn man sich eben nicht an die gängige Methodik hält. Er hat auch gezeigt, dass die Wissenschaftler gar nicht nach ihren Idealen agieren (z. B. ignorieren der Brownschen Bewegung).

Newton und Galilei, die heute so gerne als rationale Wissenschaftler gesehen werden, waren hochgradig religöse Menschen. Galilei, beschrieb die Planetenbahnen mit Epizykel, weil er sagte, dass in dem von Gott geschaffenen Sonnensystem, sich Planeten nur auf der perfektesten aller Bahnen, nämlich der kreisrunden Bahn bewegen konnte. Newton sagte, dass Gott regelmäßig ordnend ins Sonnensystem eingreift und die Planeten wieder an die richtige Stelle setzt.

Darüber hinaus hatte Feyerabend gezeigt, dass jeder Versuch in der Wissenschaft mehr zu sehen, als Voodoo, Schwarze Magie oder Marxismus immer in Dogmatismus endet.

Ganz im ernst, schon deine kurzen Ausführungen zeigen, dass du nicht die geringste Ahnung hast, was Wissenschaft überhaupt ist, dass du dich nie auch nur ein bisschen mit Wissenschaftstheorie beschäft hast, sondern das für dich ein laienhaftes Zerrbild von dem du glaubst was Wissenschaft ist, deine Religion ist. In deinem Dogmatismus und deinem Eifer, den du hier zur Schau stellt, unterscheidest du dich auch nicht gerade von einem Evangelikalen oder Salafisten.

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Dinge, die nicht mal beobachtbare Resultate erzeugen, sind letztlich auf dem selben Level wie Wissenschaft? Ist das jetzt echt die Quintessenz?

Das Problem der „beobachtbaren Resultate“ ist, dass sie selbst eine Abhängigkeit zur Theorie haben, was wiederum vorschreibt welche Mittel zur Beobachtung verwendet werden dürfen und darüber hinaus in einer Beobachtungssprache formuliert sind, die sich selbst aus der verwendeten Theorie ergibt. All das bieten Voodoo, Schwarze Magie, Marxismus und Astrologie auch.

Lies doch einfach mal Wider den Methodenzwang, da führt das Feyerabend auf viele vielen Seiten aus.

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Erklär mir das mal an einem Beispiel. Wissenschaftliche Experimente kann ich wiederholen mit immer wieder dem selben Resultat - wie soll das bei Schwarzmagie funktionieren?

Jaja, ich les vorher noch das Unabomber Manifest fertig…

Dafür musst du ja zunächst einmal das Experiment als valide Methode annehmen und nicht als spezifischen Einzelfall ablehnen. Und es gibt auch Experimente, die fehlschlagen. Da ist ja dann in der Regel die Frage ob das die Theorie falsifiziert, ob eine falsche Prämisse vorlag, ob ein technischer Fehler vorlag, ob das Experiment falsch aufgebaut wurde…

Aber es gibt ja auch Denkrichtungen in der Wissenschaftstheorie, die auch im Experiment einen eigenständigen Mehrwert sehen (der Neue Experimentalismus zum Beispiel).

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Wer gerne wissen möchte wie religiöser Fundamentalismus politisch eingreift und über Menschen bestimmt, kann sich gerne mal folgendes Video anschauen (ist in Englisch):

Und ja, es geht hier um Amerika aber solche Zustände sind überall möglich, wenn man Fundamentalisten in der Politik keinen Einhalt gebietet. Und viele der „gemäßigten“ Gläubigen scheinen aus irgendeinem Grund diese Leute ja gewählt zu haben…vllt weil sie innerlich denen zustimmen, obwohl sie nach Außen den Schein erwecken möchten, dass sie nicht radikal sind. Und wer jetzt anfängt mit " Religionen werden missinterpretiert", der sollte die „heiligen“ Schriften nochmal lesen. Es gibt Textstellen, die nun mal nicht viel Interpretationsspielraum lassen.

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Aron Ra ist halt auch nur ein Aktivist in der atheistischen Sache. Ob ich da nun einen Pfarrer habe der predigt oder einen atheistischen Aktivisten macht keinen unterschied. Außerdem ist das Wissenschaftbild was er da vertritt falsch und trivial. Für mich schlussendlich auch wieder nur jemand, der das eine Glaubenssystem durch ein anderes Glaubenssystem ausgetauscht hat.

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Ok, er ist ein Aktivist und das macht sein Wissenschaftsbild in wie fern „falsch und trivial“? Ich will einfach nur verstehen, was genau dich an seinen Aussagen und Wissenschaftsverständnis genau stört?

Es ist für mich zumindest ein Unterschied ob jemand Fakten zu seinen Aussagen liefert oder einfach sagt „The magical skydaddy did it.“ Denn mit dem Letzten kannst du ja alles begründen, rechtfertigen und auch alles zurechtbiegen.

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Mit ersterem auch, wenn sich genügend willige Gläubige dafür finden. :innocent: Allein die letzten beiden Jahre haben sehr klar gezeigt, dass viele unserer heutigen „Folge der Wissenschaft“-Jünger nicht den blassesten Schimmer von den von dir angepriesenen „Fakten“ haben. Es gibt einfach nur Fakten, denen sie mehr und Fakten, denen sie weniger Glauben schenken - meist ohne es mit eigenen Worten fachlich begründen zu können. Die Glaubwürdigkeit hängt oft davon ab, wie nahe die Verkünder dieser Fakten dem eigenen ideologischen (bzw. pseudo-religiösen) Lager sind. Sobald die Fakten aus einer Ecke kommen, die nicht der jeweils eigenen Glaubensrichtung entspricht, handelt es sich um schwere Ketzerei.

Diese Wissenschaftsjünger haben also genauso wie klassisch religiöse Menschen ihre eigenen Päpste, Imame, Rabbiner usw., deren Worten sie nahezu uneingeschränkt Glauben schenken. In einem gewissen Maße mag das auch okay sein. Sicherlich haben sich viele dieser Wissenschaftler ihre Glaubwürdigkeit legitim erarbeitet. Nichtsdestotrotz darf man auch bei ihnen nie an Unfehlbarkeit glauben.

Doch genau das ist passiert: Solange bspw. ein bestimmtes Grüppchen von Wissenschaftlern steif und fest behauptet hat, die Wuhan-Labor-Theorie sei Verschwörungsgeschwurbel, haben das deren naive Jünger ebenso steif und fest nachgeplappert. Nicht nur nachgeplappert, sondern auch mit religiösem Eifer jeden Ketzer aggressiv angegriffen, der es wagte, das Gegenteil zu behaupten. Was bitte hat dieses alberne Geplänkel noch mit Wissenschaftlichkeit zu tun? :sweat_smile: Natürlich ist die wissenschaftliche Aufklärung als Gegengewicht zur tiefreligiösen Prägung für die Entwicklung unserer Zivilisation enorm wichtig. Doch so wie es sich in letzter Zeit entwickelt, wird die einstmals als nüchtern und unbestechlich angepriesene Wissenschaft immer mehr zur ideologisch und emotional aufgeladenen Ersatzreligion.

Daraus lernen wir: Menschen wollen glauben. Oder auch: Menschen brauchen Glauben.

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Der Vortrag fand ja an der Texas Tech statt und ich bin ehrlich gesagt erschrocken, dass so ein flaches Zeug dort im Rahmen einer Veranstaltungsreihe erzählt wird. Er nutzt im übrigen auch selbst falsche Zahlen, wenn er bei 4:55 sagt, dass das Corona-Virus eine „Fatality“ von 2% hätte. Real liegt diese Zahl bedeutend geringer im 0,X% Bereich. Auch nimmt er sich am Anfang die absurdesten Verschwörungstheorien heraus, wie die Theorien einer zweiter Erden, Außerirdische, Repiloiden, obwohl diese mit dem eigentlich Vortragsgegenstand ja wenig zu tun haben. Wenn er fragt: „Wie kann es sein, dass heute so viele Leute daran glauben?“, nimmt er a priori an, dass früher weniger Leute an solche Theorien geglaubt hat, ohne einen Beleg für diese Annahme zu liefern. Er geht nicht der Frage nach, ob das heute durch das Internet einfach nur sichtbarer ist. Von da zieht er dann die Verbindung zu den Republikanern und christlichen Politikern. Was er die ersten gut 10 Minuten da macht ist eine populistische politische Rede, aber nicht etwas, was in einen Hörsaal gehört.

In dem Bereich von ca. Minute 10 - Minute 20 geht er über eine ganze reihen von Dingen ein, die falsch in religösen Büchern stehen, vor allem Dinge die historisch so nie stattgefunden haben. Und da stimmt, natürlich haben die Geschichten so nicht stattgefunden. Aber zum einen sind sich die absolute Mehrheit von Gläubigen dieser Tatsache bewusst (er sagt ja auch, dass Rabbiner selbst sagen, dass der Exodus so nie stattgefunden hat) und 2. Wie will er da in der weiteren Argumentation verwenden? Da gehe ich dann später drauf ein, wenn er sagt die Schulbildung soll „Mainstream Science“ sein.

Aber gehen wir doch mal ein par Sätze durch, die im dem Video so fallen:

Science adjusts its views based on what is observed. (bei 18:56)

Das ist schlicht und ergreifend falsch, denn reale Wissenschaft funktioniert so nicht und reale Wissenschaftler handeln so nicht. Feyerabend führt in „Wider den Methodenzwang“ hier zum Beispiel die Brownsche Bewegung an, die vor der Entwicklung der Theorie der Thermodynamik gefunden wurde. Diese hat nicht dazu geführt, dass „die Wissenschaft“ aufgrund ihrer Beobachtung ihre Theorie über die Beschaffenheit der Stoffe und die Art wie Energie und Temperatur funktionieren überdacht haben. Die Brownsche Bewegung wurde schlicht als Anomalie gesehen und ignoriert.

Kuhn beschreibt in „Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“, dass der Normalwissenschaftler in der Phase der Normalwissenschaft nicht die Bereitschaft hat, das Paradigma nach dem er arbeitet zu hinterfragen oder zu diskutieren. Auf jeden Gegenentwurf reagiert der Normalwissenschaftler abwertend und feindseelig und sieht dies als „Hirngespinst“ oder „Pseudo-Wissenschaft“. Wenn nach Kuhn in der Phase der Krise die Anzahl der Anomalien so groß werden, dass das Paradigma nicht mehr aufrecht erhalten werden kann, dann wechseln in der Phase der Revolution die Wissenschaftler das Paradigma. Das entspricht nach Kuhn aber auch Konvertierung von einer Religion zur anderen, weil zum einen das neue Paradigma über sich selbst sagt, dass es besser sei als das alte und die Wissenschaftler auch keine rationalen Gründe angeben können, warum sie sich dem neuen Paradigma zuwenden.

In der Phase der Normalwissenschaft werden im übrigen Nachweise die das Paradigma falsifizieren in der Regel nicht akzeptiert. Tritt eine Vorhersage, die das Paradigma tritt nicht ein, dass ist entweder das Experiment Schuld, es gab einen technischen Fehler, es wurde mit falschen Prämissen gearbeitet oder der Normalwissenschaftler ist gescheitert. Erst wenn viele auf die gleiche Falsifikation stoßen, wird diese als Anomalie angenommen aber anschließend in der Regel ignoriert.

Lakatos schreibt, dass der Wissenschaftler sich für ein bestimmtes Forschungsprogramm entscheidet, weil der glaubt, dass sich hieran ergiebig arbeite lässt, weil er glaubt, dass es eine starke positive Heuristik hat.

If I say that I believe something, it means that this it what I believe is true or a closest to the truth, but I don’t know, but I cant show it. (bei 19:15)

Das was er hier verwendet um den „Gläubigen“ vorzuwerfen ist schlussendlich, wenn man Lakatos folgt der Beginn eines jeden Forschungsprogramms. Nehmen wir doch mal Newton: Der war schlussendlich damit unzufrieden, dass sich die Planeten und angeblich kreisrunden Epizyklen bewegen sollten. Darum glaubte er zunächst, dass da eine Kraft sein muss, mit der sich die Massen gegenseitig anziehen. Dies bildet dann wiederum den Harten Kern eine Forschungsprogramms. Da konnte er zu Beginn aber auch nichts zeigen sondern musste an einen Schutzgürteln aus Beobachtungsdaten, Prämissen, Annahmen, Ad-Hoc Theorien usw. arbeiten.

Sinngemaß: Faith is not a reliable path to truth at all. (bei 19:50)

„Wahrheit“ ist keine Kategorie in der Wissenschaft. Er beruft sich in seinem ganzen Vortrag auf eine groteske Vulgärinterpretation des Falsifikationismus. Dabei sagte Popper selbst, dass (natur)wissenschaftliche Theorien nicht wahr sein müssen, „Wahrheit“ ist nicht das wonach man sucht. Sie müssen lediglich nützlich sein (also Vorhersagekraft entfalten) und möglichst nicht falsifiziert sein (gibt noch ein par andere Kriterien, die tuen hier aber gerade nichts zu Sache.

Der Begriff Wahrheit tauch erst wieder bei Feyerabend auf, wo aber sinngemäß davor gewarnt wird, dass Dogmatiker die Wissenschaft als Weg zur Wahrheit verkaufen können, weshalb er für eine Trennung von Staat und Wissenschaft plädiert.

Every science points to the same reality (bei 20:04)

Nein, einfach nein. Die Theorie unter der ich die Welt beobachte gibt mir auch vor, welche Fragen und Methoden in überhaupt als legitim erachte. Die daraus gewonnen Beobachtungdaten werden dann häufig dafür genommen zu sagen, alle Daten deuten darauf hin, dass die Theorie korrekt die Theorie also die Realität korrekt wiedergibt. Was hier aber eigentlich passiert ist, dass die Theorie sich selbst nährt.

Es können im übrigen nach nachweislich falsche Theorien verwendet werden. In den Technikwissenschaften werden z. B. die nachweislich falsche newtonsche Mechanik verwenden, weil diese zwar falsch ist, aber hinreichend nützlich ist und man für den Bau eines Autos nicht die Relativitätstheorie bemühen muss.

If you teaching other people’s children then yould be held to standard of mainstream science […] Otherwise you’re just lying to them and there is to excuse for that (bei 21:16)

Da erinnere ich mich gerne an den Schulatlas, der noch in den 1990er Jahren verwendet wurde, in dem es eine Karte gab, wo dargestellt war, wo die drei menschlichen „Großrassen“, die Europide, die Mongolide und die Negride so beheimatet waren. Das heißt nach ihm, es war besonders in der ersten Hälfte des 20. Jhd. gar kein Problem, dass dort in Schulen die Rassentheorie unterrichtet wurde. War ja damals der „Mainstrem Science Path“ und sonst hätte man die Kinder ja angelogen.

Wenn wir in die Vergangenheit schauen, dass stellten sich viele wissenschaftliche Erkenntnisse und Theorien als falsch heraus. Nach Aristoteles hab es vier Elemente, Feuer, Wasser, Luft und Erde und jedes der Elemente will zu seinem vorherbestimmten Platz zurück. Und da der Stein wie Erde ist, hat er das Ziel zu seinem Platz zurück wollen, weshalb er nach unten fällt. Über Galileis Epizyklen habe ich bereits gesprochen. Newton machte sich Gedanken darüber, dass wenn die Planeten durch Gravitation und Bewegung in ihren Bahnen sind, diese sich ja am Äther reiben müssen und damit irgendwann in die Sonne fallen müssen, weshalb er davon ausging, dass Gott die Planeten wieder an die richtige Stelle setzt.

Das zeigt doch noch mal, dass „Wahrheit“ ein Anspruch in der Wissenschaft sein kann, sondern lediglich Nützlichkeit einer Theorie. Damit macht aber auch sein Vorwurf der Lüge keinen Sinn.

Damit ich hier nicht falsch verstanden werde: Die Naturwissenschaften haben Theorien mit enormer Nützlichkeit ausgearbeitet. Diese werden wiederum von den Technikwissenschaften verwendet um gute technische Artefakte zu schaffen ohne die wir z. B. hier gar nicht kommunizieren können. Aber das zwischenmenschliche Leben und die Gesellschaft besteht halt auch aus mehr. Wenn man hier die Naturwissenschaften als Quelle der einzigen Wahrheit annimmt ist man nicht besser als der evangelikale Christ oder salafistische Moslem. Wogegen ich mich verwahre ist der Missbrauch der Wissenschaft als Ersatzreligion.

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Ach und eine weitere Sache finde ich auch noch interessant:

  • Galilei beschrieb die Planetenbahnen in Epizykel, da er sagte, dass die von Gott geschaffenen Planeten sich nur auf der perfektesten aller Bahnen bewegen können.
  • Newton studierte auch viele religöse Schriften, sein Ziel war es gottes Plan die Welt zu verstehen.
  • Einstein sagte in der Einstein-Bohr-Debatte um die Quantenphysik „Gott würfelt nicht“
  • Hawing setzte sich in seinen populärwissenschaftlichen Büchern auch intensiv mit Gott und Religion sowie dem Verhältnis zwischen Physik und Religion auseinander.

Es scheint doch aller Betrachtung nach so, dass die Großen der Naturwissenschaft ein weitaus entspannteres Verhältnis zur Religion hatten und haben als die heutigen Atheismus- Mudschahidin und Skeptiker-Spinner, die im übrigen selbst seltenst Teil des aktiven Wissenschaftsbetriebs sind oder waren.

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Wer die Bibel gelesen hat, der weis, dass das „Wort Gottes“ niemand anderes als „Jesus Christus“ ist - und keine Bücher.
(Nur mal so am Rande bemerkt!)

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Dem kann ich nur zustimmen. Versteht mich nicht falsch, ich will den Glauben an sich nicht zensieren oder verbieten (ich mache den auch nicht verantwortlich sondern den Gläubigen). Nur ab dem Moment wo der Gläubige selber anfängt Menschen zu zensieren, über sie zu bestimmen und zu diskriminieren (was wir in der Vergangenheit und heute noch erleben), dann sollte man dringend eingreifen, z.Bsp. Beschneidungen in der jüdischen und muslimischen Gemeinde.

Danke für die ausführlichen Antworten. Es gab viele Sachen die ich nicht gewusst und recherchiert habe.
Mortalität habe ich hier nochmal nachgelesen:

Da sprechen sie in den USA von ca. 1,5%.

Der Satzt bezieht sich auf die Tatsache, dass wir heutzutage einen anderen Wissenstand und vorallem Zugang zu diesem Wissen haben, als von vor 400 Jahren z.Bsp. Es gibt durch das Internet und öffentliche Bibliotheken keinen Grund mehr sich der Ignoranz zu verfallen.

Es fällt halt nicht schwer diese Verbindung zu ziehen, wenn es den Tatsachen entspricht. Wobei die Demokraten nicht besser sind.
Es gibt eine schöne Studie dazu:

https://www.prri.org/research/american-religious-landscape-christian-religiously-unaffiliated/

Dann würde ich diese Personen aber nicht als „Normalwissenschaftler“ bezeichnen. Jeder Wissenschaftler ist in der Lage sein Paradigma zu wechseln, wenn der Prozess allerdings eine Falsifizierung überhaupt ermöglicht. Das ist doch der Grund warum sich viele wissenschaftliche Bereiche ständig korrigieren und verbessern.

Ja, so funktioniert das nun mal. Du kannst nicht einfach von einer Falsifikation auf ein Resultat stoßen. Du brauchst Kontrollexperimente/Kontrollgutachter die das bestätigen.

Es ist natürlich die Limitierung der technischen Möglichkeiten, dass sich die meisten Wissenschaftler nur auf Annahmen und Ad-Hoc-Theorien berufen konnten. Heute sieht die Situation anders aus und in der Zukunft vllt. noch besser (hoffe ich).

Stimme ich vollkommen zu. Wissenschaft muss unabhängig kooperieren. Die Frage ist dann natürlich wer das ganze finanziert. Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing. Leider trifft das Kredo auch in der Wissenschaft zu.

Naja die „Theorie“ in der Wissenschaft ist bereits ein durch wissenschaftliche Methode verifizierter Sachverhalt in der Natur. D.h. wir sprechen bereits über einen Aspekt, der bereits mehrfach geprüft, bestätigt und angenommen wurde (es sei denn, es wird in der Zukunft korrigiert, wenn neue Erkenntnisse zum Vorschein treten).

Es kommt auf den Inhalt an: z. Bsp. Wenn ich behaupte, dass morgen Gottes Zorn auf uns herabregnet und 80 Mio Menschen vernichtet und es nicht eintritt, dann habe ich gelogen. Oder wenn ich behaupte, dass ich krank bin (obwohl ich es nicht bin) und nicht in die Schule möchte, dann habe ich auch gelogen (das muss aber niemand wissen).
Ich vermute er benutzt den Begriff Lüge als Beschreibung einer Falschbehauptung, die trotz besseren Wissens und vorsätzlich getätigt wird. Aber da muss ich auch sagen, dass Wissenschaftler/Pädagogen/Philosophen etc. auch nicht unschuldig sind.

Dem kann ich zustimmen.

Dieses Zitat kannte ich nicht, bin aber auch auf einen interessanten Artikel gestoßen (ist etwas älter):

So hat jede wissenschaftliche und philosophische Arbeit angefagen. Es war nie das Interesse Gott zu widerlegen, sondern seine Schöpfung zu verstehen. Es hat sich aber im Verlauf der Jahrhunderte nun mal entwickelt, dass es immer weniger Beweise für die Schöpfung durch ein mächtiges Wesen gibt. Und nur weil wir es jetzt nicht verstehen, heißt es nicht, dass wir es nie verstehen werden.

Ich versuche ja nicht anderen den Kopf abzuschlagen. Finde den Vergleich daher komplett daneben. Ich würde mich auch nicht als „Skeptiker“ in dem Sinne bezeichnen, weil viele von denen in eine fragwürdige Richtung abgedriftet sind.

Puh das war jetzt lang. Jedenfalls danke für das lange Feedback.

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Bitte beachte, dass „Glaube“ nichts Religionsexklusives ist.
Das trifft auf alle Weltanschauungen, die Menschen haben zu.
Und da bedarf es keinen Blick auf den Kommunismus wo man genau das feststellt, was Du zu Recht kritisierst.

Bein den Beschneidungen bin ich persönlich pragmatischer Realist:
Wenn Du es verbieten bzw. unter Strafe stellen würdest, dann würden die betreffenden Leute es dennoch tun. Nur halt z. B. im Ausland - oder halt illegal durchgeführt.
Denn: Prüfen & verhindern wirst du es nicht können.
Da stellt sich halt die Frage, ob man es nicht besser medizinisch kontrolliert von einem Arzt durchführen lässt.

Super Beiträge von Euch, sowohl von der einen, als auch der anderen Seite. :slightly_smiling_face: :+1:
Ich habe nichts Nennenswertes hinzuzufügen. Ich wollte eigentlich nur einen kleinen Kontext als Ergänzung anhängen, wenn das in Ordnung ist.

Aron ist Teil einer atheistischen Strömung, die stark dogmatisch ist und verglichen mit anderen Strömungen wenig Offenheit für diverse Weltansichten bietet.

Ich bin nicht mehr so auf dem aktuellen Stand, was die atheistische Szene betrifft. Der Großteil meines Wissens bezieht sich auf den Status Quo von vor 8 bis 16 Jahren. Seitdem hatte ich nur sporadisch mit Atheisten der Öffentlichkeit zu tun. Unter anderem habe ich mir über die Jahre ein paar Videos angeschaut, durch die zu sehen war, wie Aron seine Sache durchgezogen hat. Mir fiel ständig auf, dass er immer dogmatischer und aggressiver wird, was sich auch eben auf seine Offenheit für diverse Weltansichten auswirkt. Leute, die heute noch Aron folgen, sind dementsprechend ähnlich und verhalten sich ähnlich dogmatisch.

Aus diesem Grund wollte ich den Kontext bieten zur Person AronRa, die relativ umstritten ist in der atheistischen Szene und längst nicht von den meisten akzeptiert wird. Deswegen würde ich dazu raten, den Typen jetzt nicht zum Dreh- und Angelpunkt von jeder Argumentation gegen den öffentlichen Atheismus zu machen, weil das einfach unfair wäre gegenüber einem sehr großen Teil der Atheisten, die ihm genauso in vielen Punkten widersprechen, aber vor allem natürlich bezüglich seiner extrem dogmatischen Art.

Der Atheismus, den ich persönlich am wertvollsten finde, ist der „alte“ oder „konservative“ oder „puristische“ oder in welche Schublade man ihn auch immer stecken möchte.

Im Grunde bedeutet Atheismus nur, dass man die Existenz von Göttern oder wie auch immer gearteten „höheren Mächten“ nicht annimmt (assume/assert) ( (NICHT „ablehnt“ oder „leugnet“ oder ähnliche Strohmänner!!).
Welche Weltanschauung ein Atheist hat, ist nicht definiert. Ein Atheist kann auch Wissenschaft, Philosophie und sonstige Anschauungen, die typischerweise mit Atheismus verknüpft werden, ablehnen. Das Wort „Atheist“ bedeutet einfach nur, dass kein Glaube vorhanden ist.

Meiner Erfahrung nach, hat sich der Atheismus (leider) in vielerlei Hinsicht zu einem Dogmatismus á la Aron entwickelt. Das hat eben auch damit zu tun, dass jener ständig mit weiteren Weltanschauungen so verknüpft wird, als wären beide unzertrennlich. Der Wissenschaftsdogmatismus ist da ein gutes Beispiel. Wenn man sich als normale Person, die sich mit dem Thema gerade vertraut macht, Leute wie Aron anguckt, bekommt man das Gefühl, dass man sich als Atheist gleichzeitig als hardcore „Die Wissenschaft“ (was auch immer „die“ Wissenschaft sein soll…) Befürworter erklären und verstehen muss. Das ist einfach nur falsch und geht viel weiter über den eigentlichen Atheismus hinaus.
Bspw. kann man Atheist sein, ohne hardcore Corona Lover zu sein, wie es Aron zu sein scheint. Und man muss auch nicht alles in einen Topf werfen. Differenzieren hilft eigentlich immer bei der Wahrheitssuche. Das hat @Bossmang aber schon gut erklärt. :+1:
Das ist auch einer der vielen Gründe, warum ich mich seit Jahren nur noch marginal mit dem Thema beschäftigt habe, obwohl ich mich davor wirklich sehr intensiv damit beschäftigt und dafür engagiert habe.

Ironischerweise denken eben bei weitem nicht alle Leute, die sich als Atheisten bezeichnen würden so, sondern das ist wieder diese typische laute Minderheit. Und das repräsentiert auch AronRa.
Das ist auch der Grund, warum es mittlerweile relativ einfach geworden ist, gegen die atheistische Seite zu ballern, wenn immer solche Leute und deren Gefolgschaften, wie bspw. AronRa als Aushängeschild für den Atheismus und somit gleichzeitig als Zielscheibe für Atheismus-Kritiker missbraucht werden.

Zum ersten mal bin ich auf diese Argumentationslogik gestoßen, als eine Person ernsthaft gefordert hat, dass man Doping im Profi-Sport einfach erlauben soll, weil das Verhindern sowieso nichts bringe.
Dabei ignorierte sie, dass, wenn es wirklich so wäre, alle Menschen, die Profi-Sportler werden wollen würden, gezwungen wären deren Körper permanent schwer zu schädigen, nur um eine Chance zu bekommen, mit den Besten mitzuhalten. Das heisst, es wäre nicht nur eine halbwegs ehrliche Sport-Kultur gestorben, sondern es wäre unmöglich Profi-Sport zu machen und gleichzeitig gesund zu bleiben. Das ist einfach nur zynisch und macht Menschenleben kaputt. Aus diesem Grund finde ich die „pragmatische“ Lösung in solchen Fällen uneträglich und nicht mit gutem Gewissen realisierbar.

Das ist insbesondere beim Thema Beschneidung so. Es ist auch nicht erlaubt, Mädchen zu beschneiden, obwohl das „Prüfungs“-Argument von Dir dort wohl genauso zutrifft. Es ist ebenso nicht erlaubt, Unmengen von Kokain zu verticken, auch wenn es fast immer unentdeckt bleibt. Ab und zu hat eben eine Razzia Erfolg und genauso kann man ab und zu herausfinden, wenn bspw. ein Mädchen illegal beschnitten werden soll oder wurde.

Dieses „wir können es eh nicht kontrollieren, also lassen wir es legalisieren“ Argument finde ich eigentlich immer schwachsinnig. Es ergibt einfach keinen Sinn, weil man damit echt alles, selbst die schlimmsten Taten, durchgehen lassen könnte, wenn man nur einen oder zwei Schritte weiterdenkt.

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