Das ist Quatsch. Es ist richtig und wichtig den Namen von dem Typen zu nennen, sein Gesicht unverpixelt zu zeigen, seinen Namen vollstaendig mit Vor- und Nachnamen auszusprechen und das Video zu zeigen. Natuerlich soll man keine Stellen zeigen in denen Menschen getoetet werden. In der israelischen Berichterstattung wurde uebrigens auch genau das gemacht, es wurde darauf bestanden entsprechende Stellen das Tatvideos zu zeigen. Nur so lernt man etwas ueber diesen Menschen und was fuer kranke kaputte Gestalten es gibt und was fuer ein akutes Problem Antisemitismus ist.
Dem Typen „keine Aufmerksamkeit zu schenken“ nach dem Motto „aetschibaetsch Kindergarten“ bringt gar nix und bedeutet im Endeffekt nur, dass man das Problem verharmlost, weil man es nicht in seiner gesamten realen Brutalitaet offenbart. Wenn man anfaengt ueber Sachen nicht mehr zu berichten, weil man Angst hat jemandem eine Buehne zu geben, dann darf man ueber gar nichts mehr berichten, weil jede Form der Berichterstattung jemandem nuetzt. Zu denken man wuerde irgendwie dadurch, dass man sein Gesicht nicht zeigt oder seinen Namen nicht ausspricht, irgendwie einen Einfluss auf zukuenftige Taten haben, ist absurd.
Es geht darum dem Problem Ausdruck zu verleihen. Der Typ sieht harmlos aus, koennte dein Nachbar von nebenan sein. Es zeigt wie real das Problem ist. Das Gesicht zu verpixeln oder den Nachnamen auszulassen macht das Problem abstrakt und verharmlost es.
Nein, normale Menschen lernen so etwas ueber die Gedankentwelt in der diese Menschen leben und man lernt etwas ueber die Hintergruende der Tat. Und das ist die Aufgabe von Journalismus.
Spiegel TV hat zum Beispiel das Taetervideo in ihren Beitrag mit eingebaut (natuerlich nicht die Szenen in denen Menschen erschossen werden) und das ganze recht treffend analysiert, auch wenn der Beitrag ansonsten ein paar Recherchefehler enthaelt.
Es wird spätestens im kommenden Jahr zu einem großen, von den Medien riesig begleiteten Prozess kommen, wo ohnehin sein Name und sein Gesicht zu sehen sein werden.
Dieser Typ ist, so makaber es klingt, als Person der Zeitgeschichte einzuordnen. Daher ist eine Namensnennung und ein Zeigen seines Gesichts völlig in Ordnung.
Ja gut, deine Kritik richtet sich ja in erster Linie an Bild & Co - ich hab nur das unverpixelt wiedergegeben was die berichtet haben. Größere Bauchschmerzen hatte ich bei der Mutter des Getöteten - wollte aber auch hier letztlich die gnadenlose RTL-Berichterstattung so zeigen wie sie nun mal war.
Was? Wie soll so eine Luege denn nicht auffliegen? Und was ist das ueberhaupt fuer ein Ansatz die Bevoelkerung auf diese Art zu beluegen? Sind wir jetzt in der Sovjetunion oder wie?
Das Video gibt tausende Einblicke, das kann man gar nicht alles auflisten.
Wenn man sich das Video anschaut merkt man zum Beispiel recht schnell, dass sein Judenhass und sein rechtsextremes Denken und seine ganze Radikalisierung einfach nur auf der Tatsache beruht, dass er ein sozialer Versager ist. Er beschimpft sich selber und bezeichnet sich selber als NEET, der eh nix auf die Reihe kriegt. Er entschuldigt sich dann noch bei seinen Zuschauern fuer sein Versagen. Das ist so absurd, dass man merkt wie unfassbar gestoert der Typ ist. Ausserdem sieht man auch durch das Video Polizeiversagen in Aktion. Die blockieren eine Kreuzung, sind ziemlich nah an ihm dran, schiessen ihm in den Hals, er ist kurz ohnmaechtig, dann steht er ruhig auf und faehrt im Schneckentempo (60 km/h auf dem Tacho) weg und kann erfolgreich fliehen? Und dann noch wie ungeplant das war und wie willkuerlich und unnoetig er die Frau umbringt, obwohl das eigentlich gar nicht in sein krankes Weltbild passt, etc…
So ein Video ist ein unfassbar wertvolles historisches Zeitdokument. Das einfach zu verschweigen ist meiner Meinung nach der voellig falsche Ansatz.
Nein, ich denke hier ueberwiegt die abschreckende und traumatisierende Wirkung fuer die meisten Menschen. Da ziehe ich dann auch die Grenze.
Stimmt, die Mutter zu anonymisieren, wäre ebenfalls - allerdings diesmal aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes - vernünftig gewesen. Ich muss zugeben, dass ich den Beitrag nach ein paar Minuten nur durchgeskippt habe und mir dabei der von dir angesprochene Ausschnitt „durch die Lappen“ gegangen ist.
Man darf mich gerne für ein Sensibelchen halten.
Sensationsgeilheit zu thematisieren und stark zu kritisieren, ist selbstverständlich gut und richtig!
Darauf wollte ich gar nicht hinaus.
Gehen wir mal davon aus, daß das nicht auffliegt.
Welchen Unterschied macht es, ob der Täter „Friedhelm Müller“ oder „Karl Schmidt“ heisst?
Und was ist mit der Maskierung?
Ich hab’s mir nicht angesehen. Will ich auch nicht.
Jedenfalls ist nichts von dem, was du aufzählst davon abhängig, daß du seinen Namen oder Gesicht kennst.
SOLL das deiner Meinung nach nicht gerade eine abschreckende Wirkung haben?
Ist ja nicht das erste Mal und eine Möglichkeit, die Sache zu betrachten - ich finde es aber weit besser, wie z.B. BildBlog sowas handhabt:
Die verpixeln die Fotos aus der bild und schreiben dazu, daß die Verpixelung im Original nicht da war.
Ganz einfach, weil es bigott wäre, diese rücksichtslose Berichterstattung zu bemängeln und dann exakt das gleiche zu tun.
Das ist ein schmaler Grat, keine Frage - aber sicher nicht bigott. Denn ich ordne das Gezeigte ja ein, indem ich dazu einen kritischen Kontext liefere. Der Zuschauer sieht es in diesem Fall ja mit ganz anderen Augen. Also inwiefern tue ich denn „exakt“ das Gleiche?
Wird es. Das Video ist ueberall im Internet. Und ich halte es wie gesagt fuer ganz ganz falsch und gefaehrlich die Bevoelkerung auf diese Art und Weise zu beluegen. Das ist Wasser auf die Muehlen aller Verschwoerungstheoretiker.
Primaer bin ich fuer Aufklaerung. Und ich sehe einen Unterschied zwischen abschrecken und traumatisieren. Zu zeigen wie Leute abgeballert werden ist fuer die meisten Menschen nicht aushaltbar. Davon lernt man nix, das ist einfach nur Tortur. Die schalten dann ab.
Weil du auch das unverpixelte zeigst. Wenn du der Meinung bist es unverpixelt zu zeigen ist falsch, warum tust du es dann? Was spricht dagegen es zu verpixeln mit dem Hinweis, dass es original nicht verpixelt war? Wird es dadurch weniger kritisch?
Darum geht es doch überhaupt nicht, verdammt!
Es geht darum, daß der Name völlig egal ist!
Und maskiert isser auch immer noch.
Du zeigst Dinge trotzdem unverpixelt. Klar setzt du einen anderen Kontext, aber das kann in einigen Situationen egal sein - wenn z.B. Gesichter unverpixelt gezeigt werden, ist es egal, was der Sprecher im Off erzählt.
Weil es dann nicht die selbe Wirkung hat. Ich will ja dem Zuschauer das „Grauen“ so zeigen wie es ist.
Aber ich verstehe diese Argumentation und weiß, dass das problematisch ist. In 11 Jahren FKTV habe ich solche Diskussionen auch immer wieder führen müssen.
Im Übrigen müsste zur Verpixelung dann konsequenterweise auch die Verfremdung der Stimme dazu kommen. Und dann stellt sich die Frage der Authentizität.
So in etwa dürfte die bild auch argumentieren
Dir geht es ja meist nicht um die Inhalte dieser Berichte, sondern um die Art der Berichterstattung an sich - das ist für den Zuschauer und auch für den Moderator eine schwer zu erbringende Abstraktionsleistung.
Ich denke, der Zuschauer wird auch erkennen, was du meinst, wenn der Beitrag verpixelt ist.
Das erleichtert dann auch den Abstand vom Inhaltlichen und die Konzentration auf die jeweilige Metaebene, auf die du eigentlich hinaus willst.
Ansonsten ist es dieselbe Sensationsheischerei, die auch RTL und die bild bevorzugen, um Publikum anzuziehen.
Inwiefern? Kommen dann Vorwürfe, der Beitrag sei gefälscht?
Das wäre es dann, wenn ich etwa auf YouTube dem Ganzen eine Überschrift geben würde wie „Hier kann man den Täter sehen“ oder „So sieht die Mutter des Opfers aus“. Das ist doch unzutreffend. Ich konzentriere mich ganz klar auf die Medienberichterstattung über Halle, ich betrachte das aus einem sekundären, kritischen Blickwinkel. Da kannst du jetzt noch so oft behaupten, das sei das Gleiche wie Bild und RTL - das weise ich entschieden zurück!
Natürlich tust du das, die Intentionen mögen ja auch unterschiedlich sein.
Aber am Ende des Tages ist es das gleiche: Die Bilder werden weiter verbreitet, worin auch immer sie eingebettet sind.
Die Verpixelung einer Person z.B. dient dem Zweck, ihre Persönlichkeitsrechte zu wahren. Und die ignorierst du genau wie deine Quellen es tun.
Ach, geht es bei dem Killer von Halle (der sich selbst gefilmt hat) jetzt um seine Persönlichkeitsrechte? Ich dachte, es geht darum, ihm keine Plattform zu bieten.
Und die Mutter hat natürlich ebenso freiwillig dieses Interview gegeben - wenn auch in einer Situation, wo sie möglicherweise nicht vollkommen in der Lage war, dies wirklich rational zu entscheiden. Aber sie hat dem zugestimmt.
WENN Persönlichkeitsrechte verletzt wurden (also jemand gegen seinen Willen gefilmt wurde), würde ich das Material selbstverständlich nicht zeigen und verpixeln. Ich glaube, du bringst hier ein paar Dinge einfach durcheinander.
Der Satz war absichtlich allgemein formuliert.
Bei dem geht es eher darum, daß der seine Tat gefilmt hat, damit möglichst viele Leute sie sehen.
Dieser Wunsch wurde ihm erfüllt und sogar amplifiziert von den Berichterstattern.
Und da gehört auch die Metaberichterstattung dazu.