Folge 55: Sozialistische Gleichheitspartei

Über die SGP gibt es einen Eintrag auf wikipedia, aber leider nicht über Herrn Vandreier persönlich. Schade! Ich hätte gern Näheres über seine Herkunft, seine Biografie und seinen Werdegang erfahren. Vielleicht hätte sich daraus erschlossen, warum er der Sache des Arbeiters so nahe steht. Mit dem gut bestückten Bücherregal im Hintergrund und seiner Eloquenz wirkt er auf mich überhaupt nicht so, als hätte er jemals wirklich malocht. Aber das kann natürlich eine Fehleinschätzung sein. Womöglich stammt er aus einem Arbeiterhaushalt und hat sein Studium mit einem Hochbegabten-Stipendium finanziert.

Natürlich hat er irgendwo recht mit allem, was er vorbringt! Dennoch kann ich nachvollziehen, warum die SGP für den real existierenden Arbeiter nicht attraktiv ist. In der SPD -Führung sind die Arbeiter längst nicht mehr vertreten. Bei den Linken haben sie gar nicht erst einen Fuß in die Tür bekommen. Neuerdings sind es immer Politiker mit abgeschlossenem Studium, die ihren Wählern sagen wollten, wo die Reise hingeht. Die letzten Politiker, die nach meiner Einschätzung noch wirklich Dreck unter den Nägeln hatten, waren Peter Struck und Franz Müntefering . Mittlerweile sind es Anwälte, Informatikerinnen, Wirtschaftswissenschaftler, welche die Politik der entsprechenden Parteien vorgeben. Da gab es sogar in der DDR noch mehr Arbeiter in der Volkskammer.

Dennnoch sehe ich zur SGP keinen Unterschied.
Auch hier wird es darauf hinaus laufen, dass gebildete Leute wie Herr Vandreier die Führung übernehmen. Oder soll der Kevin, der bisher am Förderband beschäftigt war, nach einem Wahlsieg der SGP ab morgen in die Chefetage versetzt werden …? Das klingt zwar interessant und abenteuerlich aber nicht sehr realistisch.

Ich kenne ein paar Arbeiter. Daher weiß ich, die ticken ganz anders.
Die wollen keine Revolutiion.
Die wollen in erster Linie ihre Ruhe und ihr sicheres Einkommen.
Was ihnen nicht zu verdenken ist.

Vielleicht kann die SGP ihre Wählerschaft aus Akademikern generieren, die sich nach abgeschlossenem Studium jetzt als Pizzalieferanten oder Taxifahrer durchschlagen müssen. Davon gibt es sicherlich mehr, als diesem Staat gut tut. Aber ob das ausreicht …?

Und ja … anno 1968 hat sich sich in Frankreich tatsächlich die Bevölkerung mit den Studentenprotesten solidarisiert. Und trotzdem hat es nichts gefruchtet.
Hier in Deutschland lief es bekkanntlich anders. Wir haben hier keine Kultur des Protestes, sondern eher eine Kultur des Gehorsams. Ausnahmen bestätigen die Regel.

2 „Gefällt mir“

Jep, genau richtig! Ein Problem was sich aber durch viele linke Gruppen und Parteien zieht. Ich war vor Jahren mal bei den Jusos. Das war eine Veranstaltung die fast ausschließlich auf irgendwelchen Studenten bestand, die irgendeinen geisteswissenschaftlichen Unsinn studiert haben. Azubis, die um 7 Uhr morgen im Betrieb sein müssen waren kaum welche dabei. Und wenn, waren sie natürlich den Studenten rhetorisch unterlegen, weil wenn man Geisteswissenschaften studiert lernt man halt gut zu labern. Was ich aber selbst merkte war, dass die Leute da von Wirtschaft schlicht keine Ahnung haben. Auf der Realschule hatte ich der 9. und 10. Klasse in Arbeitslehre das Thema Wirtschaft gehabt. In der Ausbildung hatte ich in der Berufsschule das Thema Wirtschaft. Auf einem Gymnasium und im Studium fehlt das. Wenn man dann immer noch die naive Vorstellung von Wirtschaft hat, wie sie ein Realschüler in der 8 Klasse hat und da oben drauf noch viel Rhetorik und Ideologie packt, dann baut man sich da halt ein aberwitziges Weltbild zusammen.

„Der Arbeiter“ und „der Angestellte“ wird dann zur Projektionsfläche.

8 „Gefällt mir“

Abbruch nach 15min, Sorry aber mir ist meine Lebenszeit zu schade für jemanden der wirkt als würde er ständig von einem Zettel ablesen. Und klar wenn die SGP in Deutschland die absolute Mehrheit im Parlament holt, wird das Ganze zum Selbstläufer und die gesamte Menschheit wird in Frieden und Wohlstand auf einem intakten Planeten leben.

1 „Gefällt mir“

Interessantes Interview, aber der Mann verfügt leider teilweise nur über Halbwissen.

So sei zu den Impfstoffen anzumerken, dass Moderna derzeit seine Patente nicht durchsetzt. D.h., jeder der will, kann den Impfstoff momentan einfach nachmachen und verkaufen:

https://investors.modernatx.com/news-releases/news-release-details/statement-moderna-intellectual-property-matters-during-covid-19

Nur ist das halt bei den hochmodernen mRNA-Impfstoffen deutlich komplizierter, als wie sich das Herr Vandreier vorstellt.

Auch verkauft Astra-Zeneca seinen Impfstoff momentan nur zum Selbstkostenpreis. Das war nämlich der Deal mit der Uni Oxford, die den Impfstoff maßgeblich entwickelt hat.

https://www.astrazeneca.de/medien/press-releases/2020/astrazeneca-schliesst-vereinbarung-mit-der-europaeischen-kommission-fuer-die-lieferung-von-bis-zu-400-millionen-dosen-des-covid-19-impfstoffs-azd1222.html

Übrigens, auch die Wirtschaft führt Grundlagenforschung durch. IBM gehört da zu den Spitzenreitern und stehen hinter Technologien wie dem Elektronenmikroskop.

Im übrigen hätte ich mir gewünscht, dass man die sehr wichtige Frage behandelt, warum bisher alle sozialistischen Länder ihre Bürger eingesperrt haben. Wenn es im Sozialismus so toll ist, warum muss man dann seine Bürger an der Auswanderung hindern?

Und nein, es liegt nicht daran, dass die die DDR oder die UdSSR kein echter Sozialismus waren. Im Gegenteil, das war richtiger Sozialismus mit Gleichmacherei und Abschaffung des Leistungsprinzips. Nur wollen gerade Leistungsträger in solchen Staaten nicht leben und hauen deswegen ab. Weil der Staat die Leistungsträger aber braucht, muss er deswegen Mauern bauen und die Menschen einsperren.

Genau deswegen durften ja Rentner in der DDR das Land problemlos verlassen. Diese waren nämlich für die Volkswirtschaft nicht mehr relevant, daher wäre deren Flucht unwichtig gewesen. Die Mauer wurde einzig und allein dafür gebaut, um die Arbeitskräfte, insbesondere die qualifizierten Arbeitskräfte im Land zu halten.

Übrigens, auf Youtube findet man nette Videos mit Aufnahmen vom real-existierenden Sozialismus, z.B.

und

WISO live aus der DDR am 18.5.1987 aus dem Erzgebirge [ZDF 1987] – gloria.tv (Original bei Youtube gelöscht)

Kann sich jeder selbst ein Bild von der DDR machen und sich überlegen, ob er sozialistische Mangelwirtschaft toll findet.

3 „Gefällt mir“

China war damals sozialistisch, inzwischen findet man in China eine Form des Kapitalismus vor, nämlich den Staats-Kapitalismus.

1 „Gefällt mir“

Alle Sozialismus-Formen nach marxistischem Vorbild sind an den eigenen Widersprüchen gescheitert. Wer das nicht kapiert, hat nix kapiert.

Oder wie schrieb mir mal eine überzeugte Sozialistin: „Die Marx’sche Theorie des Sozialismus stimmt, nur die Praxis hat versagt.“
Das musste ich mir mal auf der Zunge zergehen lassen…
Ja wo leben wir Menschen denn? In einer reellen Umwelt oder irgendwo anders?
Was können wir anfassen und spüren und was macht uns satt? Eine Praxis oder eine Theorie?
Solche Menschen wie Christoph Vandreier sind nicht besser als Islamisten oder Neo-Nazis, die aus allem Scheitern der Geschichte nichts gelernt haben: Die leben in einer Fantasie-Welt, und wenn die nicht funktioniert, dann wird trotzdem den Kritikern die Schuld gegeben.

2 „Gefällt mir“

Unheimlich spannende Folge.

Gut geführtes Interview. (Auch wenn sein Redefluss wirklich unangenehm ist).
Aber Vandreier hat sich schon Gedanken gemacht. (Vielleicht deshalb so spannend)
Man kann die Welt sprengen, aber nicht den Kapitalismus.

Wenn man Balsam für die Seele braucht, empfehle ich George Orwell. 1984 (auch wenn, oder gerade weil, es eine Dystopie ist.)
Er hat die Blaupause für alle Revolutionäre und Revolutionärinnen geschrieben.
Man scheitert immer und schafft ein System, das man vorher abgelehnt hat

Die SPD hat nicht gegen Hitler gekämpft.

„Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.“

2 „Gefällt mir“

Im Osten der Republik wurde gesungen, „Bau auf, bau auf!“
Im Westen wurde aufgebaut. :smiley:

1 „Gefällt mir“

Im Osten haben wir Belafontes „Banana Boat“ gesungen. Im Westen gab es Bananen. :blush: :banana:

1 „Gefällt mir“

DANKE, BF, vielen, vielen, vielen Dank!
Das geht mir heute nicht mehr aus dem Ohr!
„Day-o, day-o Daylight come and we want go home“ :woozy_face:
Ach was - ihr sollt mit mir leiden:

3 „Gefällt mir“

Musste das Interview abbrechen, trotz Interesse. Fand ich in der Form leider sehr kontraproduktiv. Holger hat sich alle Mühe gegeben, ein konstruktives Gespräch zu führen, aber der Gast hat wiederrum alles erdenklich getan, um dieses Vorhaben zu sabotieren, mMn.

Im Grunde kann man das Interview auf die Kernaussagen runterbrechen:

„Alle anderen kommunistischen/sozialistischen Parteien und Gruppierungen sind doof, außer natürlich die SGP!“

„Alle nicht-kommunistischen/sozialistischen Parteien sind sowieso doof.“

„Kapitalismus ist doof.“

„Ich hätte gerne den Internationalen Sozialismus, aber wie man den konkret erreicht, das müssen andere mal dann schauen, wenns denn mal soweit ist.“

Während ich den Punkt, dass die MLPD stalinistische Züge und Mitglieder hat und Stalinismus tatsächlich nichts mit Sozialismus zu tun hat, sehr gut fand, setzte der gute Herr dann spätestens mit „Die Linkspartei vertritt den Kapitalismus“ dem ganzen wiederrum die Krone der Absurdität auf.

Dann verstrickt er sich auch immer wieder in Widersprüche. Der Beruf des Soldaten soll abgeschafft werden, aber verteidigen können sollte man sich schon irgendwie. Aber eben scheinbar nicht in Form einer Berufsarmee. Also irgendwie eine Miliz oder sowas? Na keine Ahnung, auch hier denkt der Herr sich wohl: „Das werden dann andere definieren müssen, wenn es denn soweit ist.“

Alles in Allem: Keine Partei die ich wählen würde. Zu unkonkret, zu absurde Ansichten, zu wenig Visionen. Ich bin grundsätzlich auch Kapitalismuskritiker und links-sozial eingestellt, aber die SGP erscheint mir leider arg unseriös, auch als „Linker“.

5 „Gefällt mir“

Erschien er dir wirklich „intelektuell“? Also ja, wenn es um Theorien und sozialistische Ideen ging durchaus. Aber wenns darum ging, auf konkrete Fragen zu antworten oder eigene Widersprüche zu begegnen, lies vor allem seine Eloquenz doch deutlich nach. Er verstrickte sich immer wieder in Widersprüche und flüchtete sich in Allgemeinplätze…

Da fand ich die Vertreter der anderen Kleinsparteien bisher allesamt aufgeschlossener und gesprächsbereiter. Aber ist vielleicht nur mein Eindruck…

1 „Gefällt mir“

Herr Vandreier antwortet nicht wirklich gekonnt auf die gestellten Fragen. Er hätte sich meiner Meinung nach auf das Wesentliche konzentrieren sollen anstatt solche ablenkenden und ausufernden Antworten zu geben. Man muss manchmal auch Dinge prägnant darstellen können. Seine Zero-Covid- Idee finde ich ganz nebenbei ziemlich undurchdacht, da hätte ich mich gefreut, wenn Herr Kreymeier mehr nachgebohrt hätte.

1 „Gefällt mir“

Der Interviewpartner ist schon lustig. Da wird minutenlang gegen die Sozialdemokratie gewettert und dann kommt man zu Umverteilung als Allheilmittel. Wie sozialdemokratischer gehts denn noch? Aber das ist bei Trotzkisten schon fast zu erwarten.

Was mich aber am meisten stört, ist die Gefangenheit in der Vergangenheit. Kein Wort über die Postmoderne, Ignoranz gegenüber den Einsichten der Kritischen Theorie in Bezug auf die Verehrung der konkreten Arbeit und der autoritäre Hass auf die Müßiggänger. Die Ablehnung jeglichen Interventionismuses. Diese Ablehnung verhindert aktiv die Etablierung von Demokratien, die ja nach Marx und Lenin dafür nötig sind, dass ein Sozialismus entstehen kann (historischer Materialismus). Das veraltete Anti-Imperialismusgerede ist leider gegen Erkenntnis immun. Sich den Vernichtungskrieg Hitlers als Durchsetzung Geopolitischer Interessen zurechtzulügen, ist einfach nur unfassbar.

Der Marxismus, der noch nie was mit Marx zu tun hatte, ist im 21. Jh. gescheitert. Diese Leichenfledderei toter Ideen ist nur der letzte Versuch sich nicht kritisch mit dem eigenen Scheitern auseinanderzusetzen. Das wird bei der Faschismus"Theorie" dieses Herren ganz deutlich. Die amerikanischen Soldaten haben die Nazis auch ohne Arbeiterrevolution heldenhaft besiegen können. Max Weber, ein konservativer Soziologe, hat mal die sozialistischste Kritik der sozialistischen Parteien formuliert, in etwa: Die Massenparteien haben die Arbeiter auf den Faschismus vorbereitet, da sie es schon akzeptiert haben, Teil eines Apparates zu werden.
Wie sollen denn die Arbeiter den Faschismus bekämpfen, wenn der Faschismus durch seine Anpreisung der Arbeit und Arbeiterschaft die Arbeiterbewegung in schrecklichster Form realisiert?
Das legt man sich dann halt passend zurecht. Keiner mochte ja den Hitler, alles nur eine Verschwörung in der Hintertür. Der Antisemitismus wird komplett ignoriert.

Nix gelernt. Immer das Zeug von vor 100-Jahren weiterbrabbeln.

3 „Gefällt mir“

Also Islamisten und Neo-Nazis haben dann doch eine menschenverachtende Einstellung, meinste nicht?
Das meint er ja mit dem Nicht-Scheitern der Idee.
Die Idee von Islamisten und Nazis hat immer das Vernichten der Menschen im Sinn. Das ist bei der Idee des Sozialismus anders.

1 „Gefällt mir“

tenor

3 „Gefällt mir“

Mach dich nicht lächerlich. Sozialismus hat rein gar nichts mit der Vernichtung von Menschen zu tun. Wie kommst du auf soetwas?

Nationalsozialismus per Eigendefinition auch nicht. :innocent:

Aber wie könnte man auf sowas kommen… Hmmm… Schon mal ein Geschichtsbuch gelesen?

2 „Gefällt mir“

Der Vernichtungsantisemitismus ist Dreh-und Angelpunkt des Nationalsozialismus.

Unter Hitler mag das zutreffen. Ist Maos Massenmord dann auch Dreh- und Angelpunkt des Sozialismus?

2 „Gefällt mir“