Ich stelle mir gerade vor durch Kiel zu laufen und bei einer Begegnung mit Andrew ihn mit den Worten zu begrüßen: Hallo Mohrenkopf! Egal ob sein Restaurant so heißt ( was ich lustig finde ) hätte ich dabei ein sehr komisches Gefühl und würde es dann doch nicht machen auch wenn er damit kein Problem hätte.
Ich fand das Interview sehr interessant.
Die Ansichten des Protagonisten sind aber durchaus umstritten, aber ich finde, wenn jemand sagen darf, dass man Mohr sagen kann, dann ein „Farbiger“ (um mal politisch korrekt zu bleiben).
Ich selbst finde es relativ unsinnig Begriffe wie Mohrenkopf zu verbieten. Vermutlich auch weil ich damit aufgewachsen bin.
Handwerklich ist das Interview perfekt, aber ich muß dennoch eine Kritik loswerden: das passt meiner Ansicht nach überhaupt nicht zu „Veto“.
Bei Veto stelle ich mir Streitgespräche mit völlig unterschiedlichen Meinungen vor.
Allerdings ist das hier ja wenig der Fall. Im Gegenteil: habe eher den Eindruck, dass Holger (zumeist) derselben Meinung ist.
Ich hätte es vielleicht mehr in „Trip“ gepackt.
Das war nie der Sinn von Veto. Es geht in der Regel einfach nur um Gaeste mit radikalen/umstrittenen Ansichten unabhaengig davon ob Holger zustimmt oder nicht. Andrew Onuegbu passt da perfekt.
Ich räume durchaus ein, dass ich Andrews Sicht der Dinge sehr sympathisch und auch nachvollziehbar finde - dennoch habe ich ja an mehreren Stellen kritische Fragen gestellt, etwa nach der Gefahr dass er instrumentalisiert wird oder dass es eben sehr viele andere Menschen gibt, die trotzdem diese Begriffe als diskriminierend empfinden.
Noch als kleine Info: Ich habe seit gut 3 Monaten daran gearbeitet, das Thema Rassismus zu behandeln. Ich habe Black Lives Matter angefragt - da kam eine allgemeine Mail zurück, dass man sich melde, aber darauf warte ich trotz zweier Nachfragen bis heute. Ich habe die ISD (Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland) zweimal angeschrieben - keine Antwort. Ich habe Joshua Kwesi Aikins zweimal angeschrieben, der sich im Deutschland Radio Kultur kritisch zu „Otto der Film“ äußerte - keine Antwort. Ich habe Aurel Mertz angefragt - einmal eine Absage, auf zwei weitere späteren Anfragen keine Reaktion mehr. Also mir ging es gar nicht darum, unbedingt die Sichtweise von Andrew in der Sendung zu haben - ich hätte auch gern eine andere angehört. Aber es ist leider sehr sehr schwierig.
So ist Veto genau richtig! Ich hätte es in dem zusammenhang aber interessanter gefunden, wenn ein schwarzer Mensch mit genau der anderen Ansicht mit Andrew diskutiert hälle, und Holger quasi nur das Gespräch geleitet hätte. Was allgemein eine tolle idee für Veto wäre! Aber klar: Woher nehmen, und nicht stehlen?
Allgemein ist es ja eigenlich nicht verkehrt, wenn ein öffentliches Bewusstsein für Rassismus entstanden ist. Uncle Ben’s Umbenennung zum Beispiel ist sehr richtig in meinen Augen, weil (wie ich auch erst seit kurzem weiß!) die Anrede Mr. und Mrs. schwarzen Menschen damals verwehrt geblieben ist, und sie auf ewig „Boy“ oder eben im Alter Uncle oder Aunt waren…
Ich empfand Herrn Onuegbu als sehr angenehmen Gesprächspartner, der selbstbewusst seine Meinung vertritt.
Trotzdem empfinde ich es immer als problematisch und anmaßend, wenn man, wie er, über diese eigene Meinung hinaus, scheinbar allgemeingültige Aussagen über eine Bevölkerungsgruppe macht, die er persönlich nicht überblicken kann und die er nicht kennt.
Aussagen wie: „Dies und das ist nicht diskriminierend/beleidigend“ mag für ihn selbst zutreffen, das kann für andere aber noch lange nicht gelten.
Dieses Prinzip des ‚Sprechers von…‘ mag auf mancherlei Ebene sinnvoll sein (Vereine, Parteien); ganze Bevölkerungsgruppen sind dafür aber ungeeignet.
Die Veto-Folge war aber auf jeden Fall sehr gelungen. Genau von solchen Kontroversen lebt das Format.
Der is ja mal echt entspannt
Schade, dass er keine Quelle genannt hat zu der angeblich positiven Bedeutung von „Mohr“. Im Netz konnte ich dazu leider nichts finden.
Da fällt mir ein interessantes Gespräch in Eine Stunde Film von Deutschlandfunk Nova zu dem Film mit Annabelle Mandeng ein. Mit der könntest du es auch mal noch versuchen, alternativ auch für Pantoffelkino.
Das mag so sein, ist aber meines Erachtens nicht entscheidend.
Vielmehr ist es so, dass diese Begriffe von einem Teil der Angesprochenen als abwertend empfunden werden (in Dtschl., Thailand, sonstwo). Wenn sich dann aber jemand hinstellt und bestimmte Begriffe für alle als unproblematisch erklärt, dann spricht er nicht für die Gesamtheit.
Das sollte er nicht tun.
Wenn heute eine Frau sich hinstellen würde und erklärt, alle Frauen dürften ab sofort als Weiber angesprochen werden, denn das Wort war ursprünglich nicht negativ besetzt, sie selbst störe sich nicht daran und kein anderer dürfe sich daran stören, dann würden einige Frauen darüber auch nicht begeistert sein.
Ja.
Nur weil die Sprachpolizei es so will.
Natürlich muss man sagen, dass sich auch viele an dem Begriff stören - keine Frage.
Da sind sicher auch viele dabei, die sich permanent unrecht behandelt fühlen.
Es geht aber vielmehr darum, wie man das Wort im Kontext benutzt und welche Absichten man damit hat.
Wenn ich Neger sage, dann ist das vordergründig nicht unbedingt eine Beleidigung.
Sage ich hingegen Scheißneger, dann ist es offensichtlich in einer herabwürdigenden Art und Weise tief verletzend gemeint.
Dafür gibt es auch keine Entschuldigung.
Selbst in meinem Freundeskreis, wo ich bedingt durch meine Integrationsarbeit viele Afrikaner kennengelernt habe, schütteln diese mit dem Kopf und verstehen diese ganze Diskussion überhaupt nicht.
Diese kann man jedenfalls nicht mit dem Wort „Neger“ beleidigen, da es für sie keine Beleidigung oder Herabsetzung damit gibt.
Wer sich mit der deutschen Sprache bzw. mit latein befasst, wird schnell fündig, was das Wort Neger überhaupt bedeutet.
Es ist lächerlich und absurd, den Begriff „Neger“ durch „Schwarz“ zu ersetzen, da beides dasselbe ist.
Was macht das eine Wort nun anders als das andere?
Wo wird der Beweis angetreten, dass das Wort „Schwarz“ nicht ebenfalls herabwürdigend gemeint ist?
Nur weil man es noch nicht oft (negativ) benutzt?
Hier kann es ebenfalls sein, dass ein paar Spinner dieses Wort missbrauchen, um diese Menschen zu diskriminieren.
Was ist dann?
Ändert das Weglassen und Ersetzen von bestimmten Wörtern, das eigentliche Problem?
Wir sind so weit, dass man bald nicht mehr Mohrrübe sagen darf, da man sonst das Gemüse diskriminiert.
Selbst das Wort „Nigger“ kann so schlimm nicht sein, denn viele Rapper machen Gebrauch von diesem Wort und das gleich mehrfach in ihren Texten.
Denn wenn nur schwarze das Wort untereinander benutzen dürfen, dann ist es auch diskriminierend.
Entweder ist es ein konsequent abwertender Begriff oder gar nicht.
Wenn es ein schwarzer sagt ist erlaubt, bei einem weißen ist es verboten.
Was ist das denn bitte für eine Logik und wo soll die ganze Diskussion enden, wenn es Beispiele wie diese gibt, die alles mit einem Mal widerlegen?
Ich gebe dir in dem Punkt Recht, dass Diskussionen um einzelne Worte nicht das Problem lösen.
Ob Neger oder Schwarzer im Kontext mehr oder weniger diskriminierend gemeint sind, ist gar nicht so entscheidend.
Wirklich diskriminierend ist nämlich eher die Tatsache, dass ein Mensch dauerhaft immer nur auf ein einziges phänotypisches Merkmal reduziert wird.
Er wird nie Andrew, der Koch oder Andrew der Kieler sein, sondern immer nur der Schwarze/Neger/Mohr etc.
Da steckt die versteckte Diskriminierung, die viel entscheidender ist, als jede Wortklauberei.
Diese Ausrede hört man häufig.
Vor allem von Leuten, die keine Ahnung von dieser Musik haben und davon, weshalb das Wort da häufig benutzt wird.
Könnte man aber auch so drauf kommen
Die kulturgeschichtlichen Assoziationen - bezogen darauf, welche Betrachtungsweise gegenüber Schwarzen in dem Zeitraum gängig war, in dem das N-Wort als normal galt (um das mal sehr allgemein auszudrücken). Und auch, wie die Menschenrechte von Schwarzen in diesem Zeitraum verletzt wurden.
Dadurch, dass jemand, der ein eigentlich beleidigendes Wort gebraucht, selber zu der betroffenen Gruppe gehört, wird die beleidigende Wirkung doch ad absurdum geführt. Sobald jemand, der nicht schwarz ist, dieses Wort gebraucht, ist die beleidigende Wirkung aber gegeben.
Toll, der Mann gefällt mir!
Koch, eigener Betrieb, Ausbilder (kocht deutsche Küche!), also mehr integriert geht ja wohl nicht.
Wenn ich mal nach Kiel komme, werde ich dort sicher einkehren!
Andrew ist natürlich das absolute NoGo-Beispiel für die Linken und Grünen, sowas geht ja gar nicht, dass sich ein PoC selbstbestimmt in Deutschland nach oben arbeitet, Chef ist und eine eigene Meinung hat.