„Es ist eine ziemlich arrogante Sicht einer Mehrheitsgesellschaft gegenüber einer Minderheit, deren Kultur natürlich maßgeblich unter dem Einfluss von Unterdrückung, rassistischer Ausgrenzung, Ablehnung und Diskriminierung entstanden ist und sich entwickelt hat.“ - 8 % Weiße weltweit. Acht. Prozent. Wo du da eine „Mehrheitsgesellschaft“ global gesehen erkennen willst, und an globales Publikum richten sich Filme, bleibt mir schleierhaft. Aber es ist in diesen Zeiten typisch, dass US-eigene Probleme unkritisch und schablonenhaft einfach nach Europa geholt und hier appliziert werden.
„Ich sehe es so, dass Disney Menschen diese Zuflucht erstmals ermöglichen will, wie sie es in dieser Form vorher nicht gab.“ Sicher. Absolut glaubwürdig. Deshalb versteckt Disney Schwarze, Schwule, Lesbenküsse und *trans in seinen Filmen und auf Plakaten, sobald es auf den chinesischen Markt geht (wo Disney in Uiguren-KZs (!!) Mulan gedreht hat) oder zu den Saudis und anderen prädominant muslimischen Gesellschaften. All diese Unternehmen wollen einfach nur aus Herzensgüte „Menschen eine Zuflucht ermöglichen“, da stecken keine knallharten Absichten oder der Wille, sich absolut gleichförmiges Konsumvieh zu erschaffen dahinter. Kaum sagt ein Land, dass diese Menschen nichts wert sind, hat es sich mit dem „Pride Month“ und geändertem Logo in diesen Gebieten. Komisch. Frag mal John Boyega, den Finn aus der neuen Nicht-„Star Wars“-Trilogie, wie repräsentiert er sich auf China-Plakaten mit Trooperhelm über dem Gesicht so gefühlt hat, damit der Chinese nicht sieht, dass er ein Schwarzer ist. Der hat dazu auf Twitter nämlich monatelang über seinen Brötchengeber klare Worte gefunden.
„Gleichberechtigung for a new audience“. Verstehe. Es gibt wie gesagt 8 % „Weiße“ weltweit, wenn man denn noch in Hautfarben denken will. Wann dürfen wir mit dem Hongkong-Kino für uns sowie teutonischen Bollywoodfilmen rechnen, wann werden diese Kulturräume uns auf diese Weise agendagetrieben reich beschenken? Aber warte, wir sind ja nicht „systemisch unterdrückt“.
"geht dabei ein finanzielles Risiko ein zugunsten einer Veränderung für mehr Diversität. " Die gehen da gar kein finanzielles Risiko ein, die Beteiligten erhalten von Venture Capital wie Blackrock Milliarden, solange sie sich der SGE Governance unterwerfen. Lässt sich leicht nachlesen. Hier gestalten Milliardäre und gesichtslose Fonds, die als technokratische Aktivisten funktionieren, im Hintergrund vollkommen undemokratisch und nachhaltig unsere Gesellschaftsformen und unseren Diskurs um, unverhohlen, das ist keine „Verschwörungsmythe“ oder dergleichen, der SGE-Score ist weltweit bekannt.
„Diversität“ ist, wenn alle nur noch schwarz, Frauen oder Mitglieder bestimmter Gruppen sexueller Orientierung und prozentual anormal überrepräsentiert sind?
„PoC“: Das Wort „du jour“ lautet derzeit hierzulande noch Schwarzer, nicht „Person von Farbe“. „PoC“ ist intersektionales Neusprech, Zeitgeist, mehr nicht. Ich musste für einen meiner nutzlosen Spaßbachelor eine Menge Punkte in intersektionalen Seminaren holen, ich bin mit dieser neomarxistischen Lingo aus der modernen Literaturwissenschaft über Gebühr vertraut. Kategorienbegriffe wie „PoC“, „cis“ und dergleichen für Menschen lehne ich selbst strikt ab, dennoch rutschen sie einem selbst dann doch rein. In den 90ern hieß es, „Schwarzer“ zu sagen sei übelster Rassismus, es hieße „Farbiger“, 15 Jahre danach hieß umgekehrt, wie kannst du nur „Farbiger“ sagen, das heißt „PoC“. Kollektivistische Kontrollmechanismen des Denkens sind das, mehr nicht. Alles, was Menschen mit Standpunkten wie den deinen als „neu“ und „Veränderung“ erachten, hatten wir schon an die 100 Mal, in den 90ern war das filmisch erreicht: Blade, Lethal Weapon, Rush Hour, Im Netz der Spinne, Man on Fire, Predator, ich kann 10 Stunden als ehemaliger Filmschreiberling so weitermachen, Hollywood quillt über vor „divers“ besetzten Klassikern. In zehn Jahren dann das nächste spaltende Modewort. Ich nenne Schwarze einfach Menschen. Simpel, ich weiß, aber hey, egalitär. Ich wiederhole: Denzel Washington und Morgan Freeman sind schwarze Männer. Schauspieler. In Hollywood. Sie haben in etlichen Reden die Geschichte der systemischen Unterdrückung schwarzer Schauspieler aussagekräftig zerlegt und lehnen das für sich konsequent ab. Freeman zum Black History Month, paraphrasiert: „You have a whole calendar to celebrate and I should relegate myself to just one month?“
„Die Hautfarbe Arielles hat für mich jedoch nicht die gleiche Bedeutung wie z.B. möglicherweise für ein afroamerikanisches Kind.“ Denn wir wissen alle, dass Menschen mit anderen Hautfarben als wir stets auch anders denken und funktionieren als wir und unsere Hilfe brauchen. Das nennt man „Soft racism of low effort“, übrigens. Alles mehrfach von mehr Leuten als mir auch hier entkräftet. „Schwarze kleine Mädchen“ (die ja irgendwie anders zu sein scheinen als „weiße kleine Mädchen“) könnten und können eine Million Formate bekommen siehe „Küss den Frosch“, „Moana“ et al (und sollten das meiner Meinung nach auch gerne), warum genau müssen für die auch noch bestehende Kanons und vorhandene europäische Erzählungen geändert werden?
Tldr: Es gibt keine „sich verändernde Gesellschaft“. Die Veränderung der Gesellschaft, die unbenommen erfolgt und auch nicht überall zum Schlechteren, ist antidemokratisch oktroyiert und per Agenda gesteuert. Etwas, das auch du ganz offen selbst eingeräumt hast. Selbst wenn ich ALL deinen Äußerungen positiv entgegenkäme und alles abnicken würde, was du sagst, bleibt immer noch eine Frage offen: Wieso muss ich als egalitärer, liberaler Europäer einfach die Ebtstellung meiner kanonischen Erzählungen und Mythen (dann sche… halt auf Arielle, bleiben wir bei Tolkien) in „neuen Versionen“ unkommentiert hinnehmen, weil Amerikas Polizei und Politik viele schwarze Menschen wie Dreck behandeln? Warum ist es meine Aufgabe, hier wie ein Aktivist zu denken, wenn mir nach einem harten Arbeitstag nicht ein Gramm an deiner „Gesellschaft“ gelegen ist, sondern ich vielleicht einfach nur abschalten und einen spannenden Film schauen will? Einen Neuen etwa, im Kino, nichts aus den „60ern“? Wieso sollte ich schweigend zuschauen, wie in der Kita meiner Tochter keine einzige „weiße“ Puppe mehr zu finden ist, und muss dauernd ihre Fragen beantworten, wieso alle Menschen im Land „weiß“ sind, ihre Puppen in der Kita aber alle „schwarz“. Kurz: Warum sind meine Mitmenschen so besessen davon, jeden in diese spaltenden, zutiefst rassistischen „Veränderungen“ mit hineinzuziehen und wundern sich vor allem noch über Gegenwind von Leuten, denen dauernd angelastet wird, sie oder „ihre“ Geschichten seien ohne „Anpassungen“ rassistisch?