Folge 144 - TV Total Check

[QUOTE=Fernsehkritiker;383360]Brainpool windet sich weiter - nach mehrmaligem Nachhaken meinerseits kam statt einer Beantwortung der einzelnen Fragen nun:

[I]Sehr geehrter Herr Kreymeier,
Die Teilnehmer beim Ost West Check stimmen einer Veröffentlichung des Beitrags im TV durch die Unterschrift unter den branchenüblichen Vertrag zu. [B]Niemand wird angehalten, sich absichtlich zu verstellen. [/B]Wenn ein Teilnehmer für eine Veröffentlichung ausgewählt wird, werden [B]Antworten und Fragen ausgestrahlt, ohne den Sinn zu verändern[/B].[/I]

Auch das ist wieder um den heißen Brei reden. […]][/QUOTE]

Konkreter geht es doch kaum?

[QUOTE=schessman;383371]Ich frage mich auch immer, wie Raab die Aufbauten zu einer SdR-Folge nicht mitbekommen kann. Das ist eigentlich gar nicht möglich. [/QUOTE]
Zumal das Schlag den Raab-Studio nur einen Gang vom TV Total - Studio getrennt ist.

[QUOTE=schessman;383371]Du durftest zur Toilette? Ich dachte, es sei auch in den Werbepausen nicht gestattet von seinem Platz aufzustehen.[/QUOTE]
Höre ich auch oft, ist aber bei Brainpool-Liveshows definitiv nicht so. Es wird nur darauf hingewiesen, dass man bitte das Outro zur Werbung abwartet, gerne auch vorher die Gelegenheit für Toilettengänge nutzt usw, aber nie irgendetwas in Richtung Verbot. Es werden bei längeren Shows sogar diese Faltplastik-Behälter für Wasser ausgegeben. Bei TV Total und Co soll man nicht aufstehen, das sind ja eh aufgezeichnete Shows in der die Werbepause nur eine kurze Musiküberbrückung lang dauert.

Im Moment läuft der vierte Teil vom “Ost-West-Check”.
Gleich der ersten Frau wurde mitgeteilt, dass sie bei TV Total ist. Und zufälligerweise weiß sie als Einzige, wann die Berliner Mauer gefallen ist und wie die neuen Bundesländer heißen. Was für ein Zufall…

Mich würde interessieren, ob ihr Interview (bzw. der gesamte Teil) [I]nach[/I] der ganzen Kritik an Brainpool aufgezeichnet wurde oder vorher.

[QUOTE=Torst;383346] Denn die Kandidaten sind so auffällig doof und ahnungslos, dass eigentlich klar war, dass da “etwas nachgeholfen” wurde.[/QUOTE]

Du hast nicht viel Kontakt zu Menschen, n’est-ce pas?

Bei einem Großteil meiner Mitarbeiter bin ich froh, dass sie täglich den Weg zur Arbeit finden.

[QUOTE=STaRDoGG;383362]Bei Schlag den Raab wird glaube ich bei den Kandidatenvorstellungen ein bisschen geschummelt in dem Sinne, dass sie facettenreicher dargestellt werden als sie es in Wirklichkeit sind. Ich kann mich zumindest an einen Fall erinnern wo ein Kandidat vorgestellt wurde und in dem Einspieler wurde u.A. behauptet er spiele Eishockey (man hat ihn auch Eishockey spielen sehen). Als dann in der Sendung wirklich Eishockey gespielt wurde hat sich herausgestellt, dass der Typ kaum auf Schlittschuhen stehen konnte und hat dementsprechend auch das Spiel Haus hoch verloren. Aber solche kleinen “Fakes” finde ich noch legitim.[/QUOTE]

Es gab doch neulich auch mal den vermeintlichen Hobbyfußballer, der dann keinen Kopfball ins freie Tor verwandelt hat. War aber ok. Nicht zu vergleichen mit der Story des Eishockyspieler, der kaum auf dem Eis stehen konnte (war das wirklich so?)

[QUOTE=Kim Kaphwan;383480]Nicht zu vergleichen mit der Story des Eishockyspieler, der kaum auf dem Eis stehen konnte (war das wirklich so?)[/QUOTE]

Ich hab’ mal etwas recherchiert. Das müsste die Folge vom 17. Januar 2009 gewesen sein und der Kandidat hieß Marcus. Ich glaube die Folge findet man noch auf myspass. Ich hab’ es aber noch nicht nachgeprüft.

[QUOTE=teefax;383372]Konkreter geht es doch kaum?[/QUOTE]

Finde es auch recht konkret. Dass die Befragten nicht darüber aufgeklärt wurden, dass das Ganze für TvTotal aufgezeichnet wird(was ja zumindest nicht abgestritten wurde), wiegt mMn. nicht so schwer. Klar ist es fies da der ein oder andere Teilnehmer mit dem Wissen bestimmt gar nicht erst mitgemacht hätte. Wer die Sendung schaut, kennt ja die berühmt berüchtigten “Checks”. Dem eigentlichen Zweck, nämlich darzustellen wie ungebildet manch junge Leute sind und das in einem lustigen Kontext zu präsentieren (ohne die Teilnehmer komplett niederzumachen), steht dies aber nicht entgegen.
Der “heiße Brei” ist in meinen Augen das Faken und nicht das Aufklären über die Sendung.

      • Aktualisiert - - -

[QUOTE=STaRDoGG;383481]Ich hab’ mal etwas recherchiert. Das müsste die Folge vom 17. Januar 2009 gewesen sein und der Kandidat hieß Marcus. Ich glaube die Folge findet man noch auf myspass. Ich hab’ es aber noch nicht nachgeprüft.[/QUOTE]

Alles klar, danke!

Einspieler bei ca. 19:30
Eishockeyspiel Beginn bei ca. 54:30

Noch peinlicher als ich es in Erinnerung hatte :voegsm:

Wobei er im Einspieler sagte „Ich entdecke auch gerne neue Sportarten wie Eishockey“. Aber das sah während der Show wirklich etwas lustig aus. :wink:

Haha, wirklich ein wenig peinlich. Wobei ich darüber eigentlich ganz beruhigt bin. Wenn die Kandidaten vorgestellt werden, bekomme ich regelmäßig Minderwertigkeitskomplexe bei dem Pensum was die so im Leben an den Tag legen.
“Andreas aus Mainz. Er hat eine Familie mit 3 Kindern, ist Manager eines produzierenden mittelständischen Unternehmens und schreibt gerade an seiner Doktorarbeit. Seine Hobbies sind sein Fußballverein, mit dem er in der Regionalliga spielt, Freeclimbing im Himalaya oder Rocky Mountains sowie ein Blog über Börsengeschäfte, für den er täglich schreibt. Ansonsten verbringt er sehr gerne Zeit mit seinen Kindern oder Freunden und hat ein Faible für die japanische Sprache entwickelt.”

Da ich schon ewig kein Fernsehen mehr schaue kannte ich diese Fragenkategorie bei TV Total garnicht.
Und fand es gleich etwas seltsam das es so rüberkam als wenn die “Kandidaten” mit dem OFF-Sprecher kommunizieren oder ihn hören können.
Was für ein Fake Scheiß.

Danke für den Beitrag und auch gleich den Vertrag zur Hand…Herrlich.
So muss Fernsehkritik sein !!!
Weiter so.

Ob die Protagonisten und die Zuschauer, die sich so was ansehen, „mitschuld“ sind, ist im Grunde doch völlig egal. Die (eine) Idee von Fernsehkritik.tv ist es, weitgehend unabhängig von solchen Erwägungen unseriöses Fernsehen anzuprangern – so einfach ist das. Und dass Leute, die noch nie mit dem TV intensiver in Berührung kamen, vielleicht eher auch mal reinfallen, sollte nicht verwundern.

Raab und sein Team konzentrieren sich vor allem auf die Jungen; aber wir wissen doch aus anderen Formaten - wo z.B. Dickleibige vorgeführt werden, oder Eltern mit scheinbar schwererziehbaren Kinder - zur Genüge, dass nicht nur junge Leute zum Unterschreiben von dubiosen Verträgen bewegt werden können; und dass nicht nur junge Menschen vorgeführt werden können.

Es wurde von jemandem angemerkt, dass jemand, nur weil er 18 ist, ja nicht plötzlich in der Lage sei, vernünftig mit Verträgen umzugehen. Die Überlegung ist ja aber nicht, dass die Leute mit 17 noch völlig unfähig sind und es plötzlich mit 18 können, sondern dass in dem entsprechenden Alter ohnehin die entsprechenden Fähigkeiten ausreichend da sind und daher um diese Zeit herum auch eine Grenze zu ziehen ist. Dass manche junge Menschen noch hinzulernen ist wahr (wobei das Ausmaß auch sehr vom Individuum abhängt); hinzulernen kann und sollte man aber in möglichst jedem Alter.

Das junge Gehirn ist in Teilen weniger myelinisiert als das Älterer. (Myelinisierung bedeutet, dass die Nervenfasern mit dem fettreichen Myelin umgeben sind, wodurch die Informationsübertragung für feste Bahnen erhöht wird, wobei gleichzeitig aber auch Neuroplastizität/Flexibilität verloren geht).
Dies kann wohl so gedeutet werden, dass junge Menschen tendenziell und im Durchschnitt etwas weniger gut sind, was eingeübtes, routiniertes Verhalten angeht, gleichzeitig aber eher fähig, sich einer neuen Situation anzupassen.

Allerdings ist zu beachten:

  • Eine einfache und direkte Übertragung/Interpretation von neurophysiologischen Befunden auf die psychologische Ebene ist oft kaum möglich.
  • Offenbar gibt es „das“ reife Gehirn nicht. Das Gehirn verändert sich ständig, und wohl für jedes Alter ließen sich Eigenschaften finden, die sich negativ interpretieren ließen. (Schon recht früh nimmt beispielsweise das Hirnvolumen ab, und ebenso die fluide Intelligenz.)
  • Psychologisch betrachtet handelt es sich bei den Unterschieden zwischen jungen Menschen und Älteren um Tendenzen, die wenig über das Individuum aussagen. Menschen unterscheiden sich stark in ihren Kompetenzen (z.B. soziale Reife, kognitive Fähigkeiten), doch schon sehr früh ist die statistische Beziehung zwischen Kompetenz und Alter recht schwach; das bedeutet anders formuliert, dass es viele junge Menschen gibt, die diesbezüglich vielen Älteren überlegen sind.

Ob sich aus den Unterschieden der Gehirne nun ableiten lässt, dass junge Menschen eher „beeinflussbar“ sind (etwa beim Unterzeichnen eines Vertrages), erscheint als ziemlich fraglich.

Bezüglich Autofahren: Warum entstehen wohl die meisten Unfälle bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25?

Eine Studie, die diese Frage direkt auf Deutschland bezogen beantwortet, ist mir nicht bekannt. Erhebungen aus den USA im Hinblick auf tödliche Verkehrsunfälle legen jedoch nahe, dass Unterschiede bei der Verkehrssicherheit weitestgehend mit Unterschieden in der wirtschaftlichen Situation zusammenhängen und nur zu einem geringen Teil auf das Alter als solches zurückgehen; und dass auch sehr junge Verkehrsteilnehmer (trotz geringerer Erfahrung) ähnlich sicher wie Personen mittleren Alters fahren, wenn der ökonomische Status und damit verbundene Faktoren statistisch kontrolliert werden.*

Übrigens sollten wir uns mit raschen und generalisierenden Negativ-Urteilen über junge Menschen zurückhalten. Männer beispielsweise begehen im Schnitt weit mehr schwere Straftaten als Frauen; sie bauen auch mehr schwere Unfälle und fahren viel häufiger alkoholisiert. Dennoch würde man daraus sicher nicht den Männern im Allgemeinen einen Strick drehen, sondern betonen, dass die meisten Männer weder schwere Straftaten begehen noch schwere Unfälle verursachen.

Oder man denke an ältere Menschen, schon etwa ab Ende 60. Deren Gehirne würden im Vergleich mit denjenigen junger Erwachsener (physiologisch betrachtet)wohl kaum gut abschneiden - falls man sich denn schon auf diese höchst problematische Terrain begeben wollte. Und an vielen Verkehrsunfällen, die sei erleiden, sind sie mitursächlich – zu einem höheren Anteil auch als sehr junge Erwachsene (18-20 Jahre). Dennoch würden wir es doch als unfair, ja, despektierlich empfinden, würde jemand auf so einer Basis ungünstige Urteile über ältere Menschen im Allgemeinen fällen oder gar pauschalisierend deren Fähigkeiten und Kompetenzen infrage stellen. Vielmehr würde man auch hier betonen, dass viele Senioren geistig leistungsfähig sind und sicher fahren – oder nicht?

Entsprechend vorsichtig sollten wir auch mit generalisierenden Verdikten gegen junge Menschen sein. Denn deren Fähigkeiten werden ohnehin sehr oft stark unterschätzt. Und negative Meinungen über sie bis hin zu Herabsetzungen, die man bei anderen Minderheiten so nicht hinnehmen würde (ich meine damit jetzt aber keinen Beitrag hier), gibt es auch schon genug.

*Absatz geändert

Es ist ja immer einfach zu sagen, dass die Leute selber Schuld sind.
Eine Freundin von mir hat sehr schmerzhaft mit 19 die Erfahrung gemacht, dass nicht alles im Internet kostenfrei ist, nur weil nicht sofort ersichtlich ist, dass es etwas kostet (ist 10 Jahre her, inzwischen hat sich da ja doch ein wenig was getan). Nachdem sie in diese eine Abofalle getappt ist, liest sie sich durchaus Verträge bzw. online AGB sehr aufmerksam durch. Ich habe quasi, ohne selber den Schaden zu haben, dadurch genauso gelernt und bin daher auch grundsätzlich vorsichtiger, was Verträge angeht.
Wem sowas nicht passiert, der denkt im Zweifelsfall eben auch nicht daran, dass es passieren kann.

Ich für meinen Teil fand die diversen TV-Total-befragt-größtenteils-junge-Leute-Checks immer extrem unglaubwürdig. Schon allein durch die Fragen aus dem Off und die diversen Schnitte. Und sicherlich gibt es dort draußen den ein oder anderen Vollpfosten, aber dort waren es doch so unfassbar viele auf einem Haufen, dass ich mir nicht vorstellen konnte, dass das echt sein soll. Wundert mich jetzt nicht, dass das tatsächlich teilweise gestellt ist.

Nichtsdestotrotz habe ich auch immer wieder gemerkt, dass es gerade um das Wissen über die Deutsch-Deutsche Geschichte bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht gut bestellt ist.
Zu meiner Schulzeit (90er/00er) wurde die DDR bis zur 10. Klasse kaum beleuchtet, das, was man bis zu einem bestimmten Alter über „den Osten“ erfahren hat, kam aus dem eigenen Elternhaus bzw. dessen Bekanntenkreis. Und je nachdem, wie diese Personen zur DDR standen, war das fundiert oder eben nicht mehr als hämische Kommentare über einen Staat, den sie selber auch nicht wirklich kannten. Nicht umsonst gibt es auch heute noch Jugendliche und junge Erwachsene, die über das Leben in der DDR reden, als wären sie höchstpersönlich dabei gewesen (West wie Ost). In meiner Berufsschulklasse in Berlin saß eine 20-jährige Abiturientin aus Baden-Würtemberg, die mich im Unterricht, als unser WiSo-Lehrer über die neuen Bundesländer sprach, fragte, was denn bitteschön die neuen Bundesländer seien. Genauso habe ich ein paar Jahre später ähnlich junge Frauen getroffen, die fest davon überzeugt waren, die Ostsee heiße Ostsee, weil sie zum „Osten“ gehörte, auch die beiden kamen geografisch aus den alten Bundesländern, wurden aber nach 1990 geboren.
So traurig es ist, aber man muss eben auch sagen, dass die Wende über 20 Jahre her ist. Die Jugendlichen haben dazu immer weniger Bezug. Die heutigen Abiturienten haben die alte Rechtschreibung nicht kennen gelernt und verstehen teilweise nicht, dass selbst Menschen, die noch in der Schule die Umstellung mitbekamen, teilweise herbe Schwierigkeiten mit eben jener haben können. Sie waren keine 8 Jahre alt, als die D-Mark dem Euro weichen musste, wenn Oma oder evtl. sogar Mama sagt „das sind 50 Mark!!!“, können sie damit nichts anfangen. Sie waren 3 Jahre alt, als der Wendekanzler Gerhard Schröder weichen musste.

Also in gar nicht so weiter Zukunft muss man bei TV Total und anderen Formaten vermutlich nichtmal mehr scripten, um solche Antworten ehrlich zu erhalten :wink:

[QUOTE=Luci;383743]
So traurig es ist, aber man muss eben auch sagen, dass die Wende über 20 Jahre her ist. Die Jugendlichen haben dazu immer weniger Bezug. Die heutigen Abiturienten haben die alte Rechtschreibung nicht kennen gelernt und verstehen teilweise nicht, dass selbst Menschen, die noch in der Schule die Umstellung mitbekamen, teilweise herbe Schwierigkeiten mit eben jener haben können. Sie waren keine 8 Jahre alt, als die D-Mark dem Euro weichen musste, wenn Oma oder evtl. sogar Mama sagt „das sind 50 Mark!!!“, können sie damit nichts anfangen. [/QUOTE]

Das ist ja auch eine Sache, die mich sehr verwundert hat. Die Ausgangsfrage des Ost-West-Checks war „Was wissen die Deutschen noch vom Osten?“ oder so ähnlich. Dieses „noch“ impliziert in meinen Augen eigentlich, dass man sich an das geteilte Deutschland erinnern können sollte. Selbst ich kann das zum Beispiel mit 28 so gut wie gar nicht, allerdings habe ich in den frühen Wendejahren dank DDR-Verwandschaft so einiges im Nachinein mitbekommen. Erlebt habe ich diese Zeit aber nicht wirklich und ich frage mich dann, warum ausgerechnet und hauptsächlich diejenigen gefragt werden, die auch noch deutlich jünger sind als ich und nach der Wende geboren wurden… Ist aber eigentlich einleuchtend, denn bei dieser Altersgruppe sind die lächerlichsten Antworten zu erwarten.

Bezüglich der D-Mark/des Euros habe ich im Netz auch schon interessante Forenthreads gefunden; zum Beispiel sowas wie „Könnt ihr euch noch an den D-Mark erinnern?“. Das sagt auch schon viel aus :wink: :lol:. Man muss sich einfach bewusst werden, dass mittlerweile eine erwachsene Generation existiert, die für uns bedeutende Momente der jüngeren Geschichte nur vage bis gar nicht erlebt haben. Auch der 11. September ist so ein Fall.

[QUOTE=Luci;383743]Nichtsdestotrotz habe ich auch immer wieder gemerkt, dass es gerade um das Wissen über die Deutsch-Deutsche Geschichte bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht gut bestellt ist.[/QUOTE]

Das ist eine zu pauschale Herabsetzung von Jugendlichen, die ich immer wieder bei Älteren beobachte, deren Fundus einfach darauf beruht, ein paar Jährchen länger schon auf der Erde zu sein. Das wird dann Jüngeren zum Vorwurf gemacht, dass sie eben die DDR lernen müssen wie das Römische Reich auch.
Wahrscheinlich war es so ähnlich, als man die heutigen 50-60-jährigen über das Dritte Reich lehrte. Da haben die Älteren bestimmt auch gemeint, dass die so doof sind, da sie es nicht mehr selber miterlebt haben.
Letztens habe ich tatsächlich eine Unterhaltung erlebt, wie eben diese 50-60-jährigen gerätselt haben, in welcher Währung man eigentlich zwischen dem 2. Weltkrieg und der Einführung der D-Mark gezahlt hat? Da hätte meine Oma auch sagen können: “Ihr Deppen! In Reichsmark natürlich!” Aber wenn man nicht dabei war und im Geschichtsunterricht gepennt hat oder sich nicht anderweitig damit auseinandergesetzt hat, dann weiß man das eben nicht.

[QUOTE=Luci;383743]In meiner Berufsschulklasse in Berlin saß eine 20-jährige Abiturientin aus Baden-Würtemberg, die mich im Unterricht, als unser WiSo-Lehrer über die neuen Bundesländer sprach, fragte, was denn bitteschön die neuen Bundesländer seien.[/QUOTE]

Ist eigentlich eine sehr kluge Frage. Denn was ist denn bitteschön “neu” daran, wenn diese Bundesländer seit bereits über 24 Jahren existieren? Und wenn MV, Sachsen und Brandenburg neu und Bayern, NRW und Niedersachsen alt sind, was ist dann das Saarland? Nicht neu, aber auch nicht ganz alt. Das “mehr alt als neu Bundesland”?

[QUOTE=Luci;383743] Genauso habe ich ein paar Jahre später ähnlich junge Frauen getroffen, die fest davon überzeugt waren, die Ostsee heiße Ostsee, weil sie zum “Osten” gehörte[/QUOTE]

Was ja auch nicht ganz verkehrt ist. Die Nordsee heißt ja auch Nordsee, weil sie eher dem Norden denn dem Süden zuzuordnen ist aus deutscher Sicht;) Jaja, ich hab schon verstanden, wie das gemeint war.

[QUOTE=Luci;383743]wenn Oma oder evtl. sogar Mama sagt “das sind 50 Mark!!!”, können sie damit nichts anfangen[/QUOTE]

Menschen, die 13 Jahre nach Ende der D-Mark immer noch umrechnen, ist mMn eh nicht mehr zu helfen. Das habe ich auch das letzte Mal vor ca. zehn Jahren erlebt, dass das jemand gemacht hat. Und was bringt es? Da kommt dann meine Oma um die Ecke und rechnet das dann fix noch in Reichsmark um. Meine Eltern haben länger mit der Mark (also dem Zahlungsmittel der DDR) gezahlt, als mit der Deutschen Mark. Mittlerweile haben sie sogar schon länger mit dem Euro gezahlt als mit der D-Mark:shock:

Ich finde, man sollte den Jüngeren gegenüber nicht so arrogant gegenübertreten, nur aus dem Grund, weil sie eben jünger sind. Und man sollte nicht anfangen ihnen zu erzählen, wie die Welt mal so war. Das kommt dann sehr rüber wie der Opa, der vom Krieg erzählt. Da musste man schon aufpassen, dass man nicht aus Versehen anfängt mitzureden, da man die Geschichten schon so oft gehört hat.

[QUOTE=schessman;383928]
Ist eigentlich eine sehr kluge Frage. Denn was ist denn bitteschön “neu” daran, wenn diese Bundesländer seit bereits über 24 Jahren existieren? Und wenn MV, Sachsen und Brandenburg neu und Bayern, NRW und Niedersachsen alt sind, was ist dann das Saarland? Nicht neu, aber auch nicht ganz alt. Das “mehr alt als neu Bundesland”?
[/QUOTE]

Und dann kommt wieder die Oma und erzählt was von den ganz alten Bundesländern (bzw. Bundesgliedern).

Wenn ich an miene Schulzeit denke, wird aber tatsächlich sehr wenig über die jüngere Geschichte gelehrt. Nach 1945 gab es da anscheinend nichts wichtiges mehr. Für Geschichte zu neu, für Sozialwissenschaft/Politik zu alt. Da kann man der befragten Gruppe echt keinen Vorwurf machen. Mich dürfte man z.B. auch nicht nach den 68ern fragen.

Gibt es eigentlich noch Leute, die von Euro in D-Mark und dann in (Ost-)Mark umrechnen?

[SPOILER]also jetzt außer das Känguru:

[video=youtube_share;pwU0NSFGl80]http://youtu.be/pwU0NSFGl80[/video][/SPOILER]

[QUOTE=schessman;383928]Das ist eine zu pauschale Herabsetzung von Jugendlichen, die ich immer wieder bei Älteren beobachte, deren Fundus einfach darauf beruht, ein paar Jährchen länger schon auf der Erde zu sein. [/QUOTE]

Mit Verlaub, aber ich halte mich weder als “zu den Älteren” gehörend, noch habe ich mich selber großartig davon ausgenommen, denn:

[QUOTE=Luci;383743]
Zu meiner Schulzeit (90er/00er) wurde die DDR bis zur 10. Klasse kaum beleuchtet, das, was man bis zu einem bestimmten Alter über “den Osten” erfahren hat, kam aus dem eigenen Elternhaus bzw. dessen Bekanntenkreis. Und je nachdem, wie diese Personen zur DDR standen, war das fundiert oder eben nicht mehr als hämische Kommentare über einen Staat, den sie selber auch nicht wirklich kannten. [/QUOTE]

Das ist eben genau das Problem, wer es erlebt hat, kann darüber erzählen, wer es nicht erlebt hat, muss sich darüber informieren. Und in der Form, in der die deutsche Geschichte (im Übrigen auch das 3. Reich) zumindest zu meiner Zeit gelehrt wurde, hat nicht unbedingt dazu angeregt, sich in seiner Freizeit (noch mehr) damit auseinander zu setzen. Im Zweifel war man froh, wenn das Thema im Unterricht dann auch wieder durch war.
Und selbst unter meinen DDR-geborenen Kollegen gibt es zu bestimmten Umständen in der DDR verschiedene Aussagen, eben je nachdem, wie sie es erlebt haben (auch abweichend zu dem ein oder anderen Absatz im Geschichtsbuch).

[QUOTE=schessman;383928]
Wahrscheinlich war es so ähnlich, als man die heutigen 50-60-jährigen über das Dritte Reich lehrte. Da haben die Älteren bestimmt auch gemeint, dass die so doof sind, da sie es nicht mehr selber miterlebt haben.[/QUOTE]

Stimmt - wobei zum Thema „Drittes Reich“ allerdings ja auch ständig Reportagen laufen. Über Geschichte, die weder selbst erlebt noch ausführlich in der Schule gelehrt noch im Fernsehen durchgekaut wird, dürfte das Wissen vieler Leute eher bescheiden ausfallen. (Neulich hatte ich mich mit einem Mann Ende 30 unterhalten, der ernsthaft meinte, dass Nikita Chruschtschow eine Frau gewesen sei.)

Ich finde, man sollte den Jüngeren gegenüber nicht so arrogant gegenübertreten, nur aus dem Grund, weil sie eben jünger sind.

Genau das ist aber der Alltag - gerade auch in den Medien. Junge Menschen haben beispielsweise nicht früher, sondern eher später Sex als noch vor einigen Jahren - dennoch ist von der „Generation Porno“ die Rede, teils von „Verwahrlosung“ usw. Skandalisierungen und das Aufbauschen von Einzelfällen ist die Methode der Wahl.

Es wertet einen ja auch selbst auf, wenn man auf andere Menschen herabschauen kann, und im Fall junger Menschen ist das eben gesellschaftlich gut akzeptiert. Wie ich schon ausgeführt habe, besteht da eine Haltung, ein Umgang, den man sich in dieser Form bei anderen Minderheiten nicht getrauen würde. Das ist so selbstverständlich, dass wir es noch nicht einmal mehr bewusst wahrnehmen oder gar kritisch reflektieren.

Man stelle sich zur Verdeutlichung etwa einmal vor, Herr Raab würde nicht regelmäßig junge Leute vorführen, sondern beispielsweise Ausländer, die hier schon lange leben und auch Deutsch sprechen, aber dennoch erschreckend wenig über dieses Land wissen (oder die manipulativ so hingestellt werden, als wäre das so).

Naja, das hat ja was mit Interesse zu tun. Ich habe mich mit der Thematik beschäftigt, lange bevor sie in der Schule zur Sprache kam. Den Einen interessiert es, den Anderen weniger. Das ist bei allen Dingen so.

Da kann ich den alten Max Frisch rauskramen: „Die Meisten verwechseln Dabeisein mit Erleben“.

Ich weiß, dass solche Aussagen teilweise stark von Geschichtsbüchern abweichen. Das ist ja auch logisch. Das Eine ist eine stark subjektive Sicht auf die Dinge, das Andere der Versuch objektiv das große Ganze zu beschreiben, OHNE dabei zu sehr auf Einzelschicksale einzugehen. Zu jedem Sachverhalt findet sich jemand, der genau das Gegenteil zu berichten weiß („Also bei uns war das gaaaanz anders/Das ist übertrieben“). Ich weiß wovon ich rede, meine ganze Familie entstammt der DDR;)

Neulich hatte ich mich mit einem Mann Ende 30 unterhalten, der ernsthaft meinte, dass Nikita Chruschtschow eine Frau gewesen sei.

Elton John denkt das wahrscheinlich auch…

Zitat Enio:

Neulich hatte ich mich mit einem Mann Ende 30 unterhalten, der ernsthaft meinte, dass Nikita Chruschtschow eine Frau gewesen sei.

Oder auch nicht…schließlich ist er ja schwul. :wink: Allerdings heißt sein Lebenspartner nicht „Nikita“.