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Folge 11: Atomkraft


#61

Danke, dass Du dieses Beispiel gebracht hast. Mir stellt sich nämlich die Frage, was wir tun können, damit unsere Nachfahren in Tausend Jahren nicht mehr nach Öl bohren müssen. Und warum eigentlich immer noch auf der Erde? Womöglich weil man es versäumt hat, Atomenergie für Raumfahrt zu nutzen :wink:


#62

Öl ist nicht nur ein Treibstoff. Öl ist ein wichtiger Rohstoff für die Chemische Industrie. Sie könnten außerdem auch nach anderen Dingen bohren. Nach Erz oder Salz (was in der Region in der es Salzstöcke gibt ja auch sinnvoll ist).


#63

Den Tiger reiten. Einsehen, dass der Kampf vergeblich ist, aber möglichst lange erhobenen Hauptes durch- und sich dabei so destruktiv wie möglich verhalten. Das ist spätfaschistische Logik. Hier greift sie nicht ganz, da diese Leute ja glauben, ihre Randale um der Randale willen könnten sich konstruktiv auswirken. Das ist eher Kleinkinderlogik: Ich schreie und tobe so lange, bis ich meinen Willen bekomme. (Dass die im Gouvernantenstaat besonders gut blüht, ist wiederum völlig logisch.)


#64

So wie hinter die Logik, das ganze mit “Zerstörung” zu betiteln. Drama.


#65

Und mit Einsatz von Polizei und Wasserwerfen, hat man dann direkt das nächste Empörungsthema. Ein links-politisches Perpetuum Mobile .


#66

Tja, Gegenreaktionen hat Aktivismus normalerweise so an sich.
Total tiefgehende Analysen, die ihr hier abliefert!:+1:

Ich beneide euch um euren Optimismus! :laughing:


#67

Tja, um Selbsthass und Fatalismus wird man seltener beneidet, wa?


#68

Um Amnesie auch nicht, oder?


#69

Zunächst einmal sind Endlager eine denkbar schlechte Idee. Das Zeug soll und muss an der Oberfläche bleiben, denn: Spätestens mit der Marktreife der Kernfusion besteht - als ultima ratio - die Möglichkeit den hochradioaktiven Kram per Kernreaktion in kurzlebige Isotope umzuwandeln, da ein Netto-Energiegewinn keine Rolle mehr spielt. Ein technisch lösbares Problem also.


#70

das ist leider nicht ganz richtig. Die Halbwertszeit von Uran 235 beträgt 703’800’000 Jahre!
Das heißt aus einem Kilo Uran ist nach 700 Millionen Jahren ein halbes Kilo geworden. Nach 1,4 Milliarden Jahren sind es noch 250 Gramm, usw.
Wir reden also nicht von hunderten oder tausenden Jahren, die das Zeug munter vor sich hin strahlt, während das Containment den Umwelteinflüßen, der Alterung soie der Strahlung ausgesetzt ist, sondern von Millionen. Im Gegensatz dazu steht die Energiegewinnung durch die Verbrennung von Kohle, bei der große Mengen an CO2 freigesetzt wird. Zur “Endlagerung” bzw. zum Umgang mit CO2 gibt es allerdings ein neues und revolutionäres Mittel:


#71

Und über dir redet jemand von greifbaren Lösungsansätzen:

Mag da mal jemand drauf eingehen? Ich als Laie finde das wesentlich interessanter als die übliche Panikmache.


#72

Naja, da sind eine menge “wenn” und “aber” drin, von daher ist das schon in Ordnung wenn man in die Richtung forscht, aber bis es soweit ist müssen wir erst mal von einem Endlager ausgehen. Das ganze heißt “Transmutation” für die Leute die da was nachlesen möchten.


#73

Relativ langlebige Isotope wie Uran 235 sind nicht das Problem, denn: Einerseits lässt sich U235 prima mit Energiegewinn spalten. Andererseits sind langlebige Elemente eben auch weniger radioaktiv, denn Halbwertszeit und Aktivität sind invers proportional zueinander. Langlebige Isotope brauchen keine dicken Strahlenschutzcontainer, sondern müssen einfach nur gut verpackt werden.

Kurzlebige Isotope wie zum Beispiel einige der Spaltprodukte von U235 oder die meisten schweren Actinoide strahlen zwar höllisch, dafür aber eben nur kurz. Frisch verbrauchte Brennstäbe werden zum Beispiel in Glas eingegossen und für einige Monate bis Jahre in Wasserbecken gelagert, bis die Aktivität ein vertretbares Maß erreicht hat.

Stoffe in der Mitte stellen schon eher eine Herausforderung dar, auch wenn bereits an Lösungen (aka Transmutation) getüftelt wird, wobei einige Reaktionspfade sogar noch einen Energiegewinn versprechen. Spätestens mit dem Durchbruch der Kernfusion kann alles, was unerwünscht ist, einfach per Kernreaktion entschärft werden.

Man merkt es vielleicht: Ich stehe der Kernenergie (insbesondere der Kernfusion) eher positiv gegenüber, habe mit den derzeit gängigen Spaltungsreaktoren aber meine Probleme - gerade auch weil man in den 1950ern in das Thema eingestiegen ist, ohne klare Strategien für den Umgang mit dem “Müll” vorliegen zu haben. Einige Jahrzehnte später sähe die Sache schon ganz anders aus, ein späterer Einstieg in das Nuklearzeitalter hätte uns möglicherweise die ein oder andere Havarie erspart.

Nun ist es jedoch wie es ist und wir brauchen Brückenlösungen, bis unsere Zivilisation das Fusionszeitalter erreicht hat. Augen verschließen ist keine Lösung, Wegkippen des Mülls ist keine Lösung, blinder Ausbau ist keine Lösung. Etwas weniger Ideologie täte der Debatte wirklich gut.


#74

Moooment. Wenn die Kernfusion irgendwann mal kommerziell nutzbar ist, dann brauchen wir die Fission sowieso nicht mehr.


#75

Doch, klar: Um zum Beispiel entsprechende Reaktoren zu betreiben, in denen die letzten Müllreste der Fissionskraftwerke transmutiert werden, denn die Umwandlung mancher Stoffe erfordert einen gewissen Energieeinsatz.


#76

Das lerne ich auswendig. Bin Sonntag zu einem Veganerbrunch eingeladen und habe jetzt die letzten Facts geladen, die mir bei der letzten dortigen Diskussion noch fehlten :smiley:


#77

In solchen Diskussionen ist es essentiell abzuklären welche Prämissen man verfolgt. Wenn dein gegenüber beispielsweise billigend in Kauf nimmt, dass Energie teurer wird, nicht mehr frei genutzt werden kann und der technologische Fortschritt gebremst wird, dann wird keines deiner Argumente irgendeine Wirkung entfalten. Klärt also lieber ab wie eure Visionen von der Zukunft aussehen, bevor ihr über Details der Nukleartechnik streitet.


#78

Ähm, Wie kommst du denn da rauf?
Also nehmen wir mal ein Windrad. Das benötigt keinen Brennstoff und da die dinger durch

technologische Fortschritt

immer Leistungsfähiger werden produzieren die Jetzt schon Strom, der nur halb so viel kostet wie der eines Atomkraftwerks (Tendenz fallend). Das gleiche gilt für Solarzellen. Was den Strom dagegen teuer macht ist der Kohlestrom und das EEG, das niemals für den jetzigen Ausbaustand der Erneuerbaren Energien gedacht war.


#79

Ich hoffe jetzt mal das du nicht die Nennleistung eines AKW mit der Nennleistung eines WKR vergleichst. Das KANN rechnerisch gar nicht aufgehen.


#80

Es geht mir gar nicht um den konkreten Vergleich verschiedener Energieformen. Ferner wollte ich nicht implizieren, dass die Abkehr von den Spaltungsreaktoren die Energiekosten in die Höhe treibt. Mir ging es nur generell um jenen Schlag Mensch, dem “Naturverbundenheit”, “Natürlichkeit” und Verzicht besonders wichtig ist.