
Titel: Virtual Hydlide
Hersteller: T&E Soft / Atlus / Sega
Genre: Action Adventure / Role-playing Game
Jahr: 1995
Plattform: Sega Saturn

[sup]Los gehts im Wäldchen[/sup]
Die Story:
Prinzessin Prinzessin…
Sie geht in ihrem Schloß umher und denkt an ihr Königreich und ihren Helden. Sie wird die Königin des Reiches sein, und sie hat bereits ihren Gemahl ausgesucht. Sie sind der mutigste und treuste Untertan des Reiches. Es ist nicht nur passend, daß Sie an ihrer Seite regieren, es ist auch der Prinzessin und Ihr Wunsch.
Eine Wolke braut sich über dem Schloß zusammen, Blitz und Donner hüllen die Brüstung ein. Die Schloßmauern, dicke Steinblöcke, die von Mörtel und Schutzsprüchen zusammengehalten werden, zerreißen wie Papier. Ein Wesen mit dunklen Augen und einem Atem so heftig und heiß wie ein Hochofen verzerrt sein Gesicht zü einer höhnisch lächelnden Grimasse.
Sie kommen kurze Zeit später am Schloß an. Die Ruinen geben wenig Aufschluß über das, was sich ereignet hat. Sie wissen nur, daß sie verschwunden ist. Geraubt von einer starken, bösen Macht. Sie können sie fühlen - sie lebt noch. Und mehr brauchen Sie nicht zu wissen. Sie werden der Spur folgen, alles bekämpfen was versucht, Sie aufzuhalten, und das Böse vernichten, das Ihre Königin von ihrem Königreich - und von Ihrer Seite geraubt hat.
Quelle (inkl. Fehler): Virtual Hydlide Instruction Manual
[video]http://www.youtube.com/watch?v=itNiq0vQ23E[/video]
[sup]Das Intro von Virtual Hydlide[/sup]
Das Spiel:
Virtual Hydlide ist ein Remake des MSX Hydlides. Statt einer Vogelperspektive geht es diesmal in die dritte Dimension. Aber fangen wir vorne an:
Nach den Logos bekommt man das Eröffnungsvideo zu sehen. Erklärt wird hier rein gar nichts. Man sieht, daß ein Monster das Schloß überfällt, und die Prinzessin in drei kleine Elfen zerspringt. Warum? Keine Ahnung. Ist halt so. Lediglich der Attract Mode liefert hier eine Erklärung, aber glauben die Entwickler wirklich, daß jemand darauf wartet?
Im Hauptmenü kann man nun ein neues Spiel beginnen, ein gespeichertes Spiel laden und im Optionsmenü den Schwierigkeitsgrad wählen. Der Unterschied zwischen den Schwierigkeitsgraden besteht darin, daß dem Spieler in der leichtesten Stufe eine komplette Karte inkl. der Positionen der Dungeons zur Verfügung steht, im schwierigsten Modus nicht. An der Stärke der Gegner ändert sich hingegen nichts.
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[zeile][zelle][sup]Die Karte[/sup][/zelle]
[zelle][sup]Die Spielfigur in ihrer ganzen “Pracht”[/sup][/zelle][/zeile]
Wird ein neues Spiel gestartet, so wird jedes mal eine komplett neue Karte generiert. Auch einige Dungeons werden per Zufallsgenerator erstellt, und so ändert sich jedes mal die Position der Schatzkisten und der Monster. Die Idee an sich ist äußerst gut.
Nun wird man auf die Weltkarte gesetzt und kann sich auf die Suche nach… ja nach was eigentlich machen? Auf der leichten Schwierigkeitsstufe zeigt nun die Karte das erste Ziel an, einen Friedhof. Also macht man sich auf die Socken, und jetzt fängt der Spaß an. Die Grafik kann nur als fürchterlich bezeichnet werden. Selbst für 1995er Standards ist dies eine Zumutung. Alles ist grobpixelig, der Held (ein Schauspieler-Sprite) bewegt sich, als hätte er sich in die Hose geschissen und die Framerate ist jenseits von gut und böse. Als ich das Spiel zum ersten mal gespielt habe dachte ich, ich hätte eine Fehlpressung erwischt. Aber nein, das Spiel ist tatsächlich so programmiert.
Nachdem man sich bis zum Friedhof geruckelt hat, betritt man diesen (nach einer “kurzen” Ladepause). Was ist nun zu tun? Immer noch keine Ahnung. Weder gibt es Texteinblendungen, noch eine Sprachausgabe, die irgendwelche Hinweise auf die Aufgabe liefern. Man läuft also kreuz und quer über den Friedhof, findet hier und da etwas Gold oder eine neue Waffe, und ist ansonsten ziemlich ratlos. Entweder man beendet nun das Spiel, oder man findet durch Zufall heraus, daß man einige der Grabsteine öffnen kann, vorrausgesetzt, man steht exakt mittig zu ihnen, was gar nicht so einfach ist. In einem der Grabsteine findet man ein Kreuz, es ertönt ein Jingle und man steigt einen Level auf.
So funktioniert das Levelsystem in Virtual Hydlide. Man levelt nicht, indem man Gegner tötet und so Erfahrung sammelt, sondern nach jedem Dungeon werden automatisch 100 Lebenspunkte addiert. Das macht die Gegner, die sich auf der Weltkarte befinden nahezu überflüssig, denn außer Punkten gibt es nichts für einen besiegten Gegner. Wobei die Punkte doch wichtig sein können. Denn statt einer Währung gibt es in Virtual Hydlide nur Punkte. Nachdem ich mein erstes Gold gefunden habe, hab ich ewig und drei Tage im Inventarmenü nach meinem Goldstand gesucht. Ergebnis: Es gibt keinen. Denn findet man beispielsweise 2500 Goldstücke, werden dem Spieler dafür 2500 Punkte gutgeschrieben. Warum zur Hölle kann man dann nicht gleich 2500 Punkte finden?
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[zeile][zelle][sup]Bereit für Tschaikowskis Schwansee[/sup][/zelle]
[zelle][sup]Im Darkroom mit rosa Ritter[/sup][/zelle][/zeile]
Stirbt der Held, so kann man seinen Namen in eine Highscoreliste eintragen. Toll, oder? Das scheint der einzige Zweck der Punkte zu sein. Scheint deshalb, weil weder das Spiel, noch die Anleitung in irgendeiner Weise darauf hinweisen, daß sich hinter dem Punktestand mehr verbirgt, als man auf den ersten Blick vermutet.
Es gibt nämlich auf der Weltkarte einen großen Kristall, bei dem man für seine Punkte Rüstungen, Waffen und magische Gegenstände kaufen kann. Dieser Ort wird sogar als Dungeon auf der Karte angezeigt, allerdings wird man niemals dort hingeführt. Ich habe erst durch einen Walkthrough von diesem Ort erfahren, denn ganz ehrlich: Wer merkt sich schon, welche Orte er auf der Karte bereits besucht hat, und welche nicht? Vor allem dann, wenn alle Dungeons durch einen gelben Punkt ohne jeden weiteren Hinweis markiert werden, und man ohnehin nach jedem Dungen den nächsten Ort vorgegeben bekommt?
Kommen wir zum Inventarmenü. Eine gute Idee ist, daß der Spieler nur ein bestimmtes Gewicht tragen kann, und auch nur Waffen und Rüstungen mit einem bestimmten Gesamtgewicht benutzen kann. Ist das Schwert also bereits sehr schwer, kann man nur eine leichte Rüstung verwenden und umgekehrt. Wie gesagt, die Idee ist gut, die Umsetzung aber mal wieder katastrophal. Denn läd man sich zu viel Gewicht auf, wird der Spieler langsamer. Und wie verlangsamt man den Spieler? Indem man die Framerate noch weiter runterschraubt. Das geht soweit, daß die Framerate bei zu großem Inventargewicht auf bis zu 5 FPS einbricht. Und dies ist weder ein Witz, noch ein übertriebener Spruch, das ist eine traurige Tatsache.
Zurück zu den Dungeons. Bei den Dungeons geht es immer darum, einen Gegenstand zu finden, der für den weiteren Verlauf des Spiels wichtig ist. Was genau zu tun ist wird niemals erwähnt. Bei manchen Dungeons muß ein Boss besiegt werden, bei anderen wiederum nicht. Viele Dungeons können nur mit speziellen Artefakten wie z.B. der “Brille der Wahrheit” gemeistert werden. Auch die Bossgegner können oft nur mit speziellen Waffen oder magischen Gegenständen besiegt werden. Auch hier werden niemals Hinweise gegeben. So kann zum Beispiel ein Vampir nur besiegt werden, wenn man ein Kreuz trägt (recht logisch). Ein Drache hingegen kann nur mit einem schwarzen Schwert vernichtet werden, und das, obwohl es ein Drachenschwert gibt (alles andere als logisch).
Kommt ihr zum Endgegner, ohne die richtige Waffe zu haben, könnt ihr den ganzen Weg durch die (sehr großen) Dungeons zurücklatschen, und die richtige Waffe finden. Wo? Ist doch euer Problem.
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[zeile][zelle][sup]Wo bitte gehts zu einem anderen Spiel? [/sup][/zelle]
[zelle][sup]Ich habe eine Elfe gefunden gähn[/sup][/zelle][/zeile]
Habt ihr den Endgegner besiegt, bekommt ihr den nächsten Gegenstand und, wie könnte es auch anders sein, dürft den ganzen Weg duch den Dungeon zurücklatschen. Einfacher ist es, an dieser Stelle das Spiel zu speichern und Selbstmord zu begehen, denn wenn ihr das abgespeicherte Spiel ladet, steht ihr wieder automatisch am Anfang des Dungeons. Ein Spiel, bei dem ich regelmäßig Selbstmord begehe, um den Spielverlauf zu beschleunigen, ist ein schlecht gestaltetes Spiel. Ist das eigentlich niemandem bei T&E Soft aufgefallen?
So nimmt das Spiel seinen Lauf. Ihr erkundet Dungeons, findet irgendeinen Müll, geht zum nächsten Dungeon, findet noch mehr Müll und irgendwann habt ihr den Endgegner vor euch. Ist dieser besiegt, verwandeln sich die drei Elfen zurück in eure geliebte Prinzessin und…
…EUER HELD FÄLLT VOR IHR AUF DIE KNIE! Nein wirklich, ist das deren Ernst? Nachdem ich stundenlang mit vollgeschissenen Hosen durch die Gegend geruckelt bin, weil die werte Dame meint sich entführen lassen zu müssen, darf ich mich auch noch vor ihr in den Dreck schmeißen???
Ganz ehrlich, dieser Held muß entweder ein Masochist sein, oder die Frau ist einfach eine Granate im Bett. Wobei ich auf ersteres tippe, denn schließlich kämpft unser Held ja auch im blauen Ballett-Tutu…

[sup]Jetzt gibts mit dem dicken Prügel. Für wen auch immer…[/sup]
Fazit:
Virtual Hydlide war das letzte, was wir von der Hydlide-Serie zu sehen bekommen haben. Und das ist auch gut so. Denn das Spiel ist eine Katastrophe. Es gibt viele gute Ideen, wie die zufällig generierte Weltkarte oder die Begrenzung des Inventargewichts. Auch die Musik ist wirklich gut gelungen. Aber der Rest…
Die Steuerung ist miserabel, die Grafik eine Beleidigung fürs Auge und warum zum Teufel gibt es nichts, was die “Geschichte” in irgendeiner Form erzählt? Es gibt keinerlei Motivation dieses Spiel zu spielen. Alles ist kryptisch, nichts ergibt irgendeinen Sinn, alles in allem zusammengefasst: Das Spiel macht keinen Spaß.
Erstaunlicherweise gibt es trotzdem eine recht große Fangemeinde dieses Spiels. Auch ich habe es durchgespielt, ohne zu wissen, warum. Wahrscheinlich wollte ich mir einfach nur selbst beweisen, daß mich dieser Müll nicht klein kriegen wird.
Allen anderen rate ich definitiv davon ab. Eines der schlechtesten Spiele für den Sega Saturn. Und wer jetzt immer noch nicht überzeugt ist, hier ein Video von Virtual Hydlide in Aktion:
[video]http://www.youtube.com/watch?v=bZC9_OXIlzQ[/video]