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"Verstehen Sie Spass?" (29.10.16) - rassistisch, grenzwertig oder okay?

Am Samstag (15.10.16) wurde der Schweizer TV-Moderator Röbi Koller im Rahmen der Sendung “Happy Day” von Guido Kantz und Co. reingelegt. Die Schweizer Presse reagierte in der Folge sehr unterschiedlich auf Guidos Auftritt - dieser trat mit einer Vollmaske (brauner Kopf) als Fake-Vater einer ebenfalls gespielten Tochter auf, mit indischem Akzent und angeblich aus Südafrika eingeflogen. Während die einen Medien den Spass als gelungen betitelten, gab es auch harsche Kritik am “Blackfacing”-Auftritt von Kantz.

Der Filmausschnitt, welcher am 29.10.16 im Rahmen der nächsten VSS-Sendung (München) ausgestrahlt wird, ist hier bereits zu sehen:

http://m.srf.ch/sendungen/glanz-und-gloria/verstehen-sie-spass-falle-so-fuehlte-sich-roebi-koller

Was meint ihr zum VSS-Scherz: Rassistisch, grenzwertig oder okay?

Rassistisch? Nein.

Verstehe ich Spaß? Ja, wenn es eine Fallhöhe gibt. Die fehlt mir in dieser Sendung fast immer (sofern ich hin und wieder einen Ausschnitt sehe; die letzte Sendung, die ich komplett sah, wurde noch von Schmidt moderiert). Ich empfinde nie Schadenfreude über diese Reingelegten, lieber würde ich die Rein[I]leger[/I] ohrfeigen (geohrfeigt werden die wahrscheinlich manchmal auch; man kanns ja rausschneiden). Und deshalb fände ich es viel witziger, wenn wiederum die Reinleger verarscht würden, weil die sind es, die oben stehen, die können fallen. Natürlich müssten jene finalen Reinleger, die die ursprünglichen Reinleger reinlegen, nicht noch höher stehen, sondern von unten kommen. Schadenfreude kann nur da aufkommen, wo der Schaden dem Betrachter nutzt. Was nutzt einem jemanden, der am Boden liegt und vorher niemanden gestört hat? Der Cantz stört mich. Wenn der fiele, würde ich lachen.

Die Afrikanermaske war unvollständig. Da haben sie stundenlang geknetet und gemalt, und am Ende haben sie die dunkelbraunen Kontaktlinsen vergessen.

Aber vielleicht hat der Reingelegte das sowieso schon vorher gewusst. Ich glaube nicht, dass heutzutage die Reingelegten niemals uneingeweiht sind. Da steht zuviel Arbeitsaufwand auf dem Spiel, zu hohe Produktionskosten, Zeitmanagement, Wetter usw. Und dann geht es auch um Werbung des Reingelegten; er oder sie soll beim Reingelegtwerden nicht allzu peinlich reagieren, und soll zuletzt auch in die Sendung kommen, wo das neueste Werk des Reingelegten beworben wird.

Kann den Ausschnitt nicht auf meinem Netbook gucken. Der Player ruckelt sich von Standbild zu Standbild und wurde wohl sehr ineffizient programmiert.
Solche "Schminkaktionen sind aber doch einfach so unnötig. Warum nicht einfach Schauspieler nehmen, die indischer Abstammung sind, wenn es darum geht, dass man Inder spielt? Nein, viel zu einfach.

Ich schließe mich aber auch Quck an. Das ist eh alles aufgrund der Risiko-Minimierung durch und durch geplant und alle sind eingeweiht.

Na weil Guido Cantz seinen Kollegen doch persönlich reinlegen wollte. Aber ich finde es auch seltsam, dass sich das Problem des “Blackfacing” immer noch nicht herumgesprochen hat… nach Hallervorden, nach Wetten dass, nach Wallraff.

Der Witz selbst ist auch ziemlich geschmacklos… andererseits, so etwas in einer Live-Sendung durchzuziehen hat irgendwie was ^^

Ich finds lustig wie der Moderator redet Hahahaha.

Heute Abend soll die Sendung ausgestrahlt werden.

Übermedien hat ein Statementeingeholt,

sehr interessant auch Deutschlandfunkzu dem Thema

Also, wenn ich mir diesen Kopf gerade nochmal angucke … der sieht doch aus wie vom Konditor mit Schokoladen-Cream überzogen. Schon das allein müsste der Reingelegte, selbst wenn er [I]nicht[/I] eingeweiht wäre, erkennen. Das sieht doch total lächerlich aus. Völlig unrealistisch. Aus gutem Grund ist im finalen Videoschnitt das Gesicht immer nur für ein Sekundenbruchteil zu sehen.

Dass Röbi Koller gemerkt hat, dass irgendetwas nicht stimmte, sagte er ja auch in der Live-Show (Link im 1. Post), in der Endfassung wurde es entfernt. Röbi Koller sagt im Originalvideo (12:21): “Jetzt muss ich mal etwas loswerden - ich dachte von Anfang an, der sehe sehr komisch aus, aber das kann man einem Schwarzen ja nicht ins Gesicht sagen.”

Daher hat der Sketch auch geklappt - Koller ist ein erfahrener Medienprofi (Radio und TV) und hätte Cantz in einer anderen Rolle (ohne Blackfacing), zum Beispiel als alten Mann, schnell erkannt. Kopf und Bauchgefühl sagten auch hier von Anfang an, dass etwas nicht stimmt. Überflutet mit Reizen wie Live-Show, weinende Francesca, der Mutter und zwei Vätern (davon einer schwarz und ‘sehr seltsam’, nein, verdrängen, dafür bleibt keine Zeit, sich jetzt in einer Live-Show Gedanken zu machen) liess Röbi sich übertölpeln. Gespielt war es nicht, wer Röbis Sendungen kennt weiss, dass er authentisch war (auch die Tränen, die er sich zwischen Autounfallgeschichte und Cantz’ Betreten der Bühne zweimal wegwischte).

Ich habe es gestern mal gesehen, ich habe echt das übelste gedacht aber das war ja eine Ernüchterung. Meine Güte, kann mir einer sagen, was wir heute für Probleme haben ? Der hat sich da als Schwarzer verkleidet. Der Gag war ja, der Vater lebt in Afrika und da war die Idee mit dem Schwarzen auch logisch. Worauf die Leute heute alles abgehen ey, als hätten wir keine anderen Probleme als uns mit som Schei** die Birne weg zu ballern.

Ähnliche Sketche gabs schon früher aber in einer überkorrekten Gesellschaft wo sogar in Fussballstadien Gelb für Trikotausziehen verteilt wird, wundert mich gar nichts mehr.

Ich sehe das ähnlich. Das war in keinster Weise rassistisch.

In der nächsten Folge malen wir Guido Cunts am ganzen Körper mit Edding an und lassen ihn durch Bautzen laufen. Das wird ein Spaß!

Natürlich war das in keinster Weise rassistisch. Rassistisch wäre es ja nur dann, wenn man den Schwarzen auf der Straße verprügelt oder Nigger nennt. Latenter Rassismus existiert gar nicht.

Müsste man nur noch “den Schwarzen” mal beibringen, die verstehen einfach nicht, wie spaßig Black-Facing für alle Weißen ist.

“Spaß” beseite, hier ein Kommentar, der diesen Auftritt von Guido Dings kritisch sieht. http://uebermedien.de/9338/warum-ich-ueber-den-schwarzen-mann-als-boese-ueberraschung-nicht-lachen-kann/

Unter anderem suggeriert dieser Auftritt folgende Punkte:
“1. Der Schwarze Mann als böse Überraschung”
“2. Der Schwarze schnackselt gern und kümmert sich nicht um seine Kinder.”
“3. Schwarze Menschen können keine weißen Kinder haben”

Naaa, wo ist denn das rassistisch? :ugly
[SPOILER] [/SPOILER]

Der Autor vom Übermedien-Artikel ist auch hier in unserem Forum angemeldet, und hat bis vor ein paar Jahren auch mitdiskutiert, ist aber leider anscheinend inaktiv mittlerweile.

[QUOTE=Baru;477029]
Unter anderem suggeriert dieser Auftritt folgende Punkte:
“1. Der Schwarze Mann als böse Überraschung”
“2. Der Schwarze schnackselt gern und kümmert sich nicht um seine Kinder.”
“3. Schwarze Menschen können keine weißen Kinder haben”[/QUOTE]

Man kann es so sehen, wenn man will. Muss man aber nicht. Das ist nichts typisches in Bezug auf Schwarze. Die gleichen Eigenschaften findet man auch in hellpigmentierten Rollen.

Rassistisch hingegen finde ich das totale Neutralisieren jeglicher menschlicher Eigenschaften. Ein Schwarzer hat wie jeder Weiße das Recht, einen Bösewicht darstellen zu dürfen, oder eine Witzfigur oder sonst irgendwas menschliches.

In “hellpigmentierten Rollen” ist das möglich, sie gehören aber bei Weißen nicht zu den typischen Klischees. Es macht einen enormen Unterschied aus, ob eine Rolle individuell geschrieben ist oder eine simple Reproduktion von Rassen-Stereotypen ist. Und das liegt hier nun mal vor.

Ach komm, das war eine Figur wie jede andere. Es hätte auch ein Schotte sein können oder ein Japaner. Es sollte halt jemand sein von ganz weit weg. Das war nun mal einer aus Afrika. Außerdem hat sich der Schwarze in seinem Verhalten nicht unterschieden von den Weißen. Die einzigen Schwarzen-Klischees, die ich kenne, also diese bescheuerten Klischees, das sind der lange Penis und affenartige Bewegungen. Die traten hier nicht hervor. Der Mann hätte genauso gut ein Friese sein können. Nur die Hautfarbe war anders.

Die einzigen Schwarzen-Klischees, die ich kenne…

Das ist dann wohl eher Dein Problem. In dem Übermedien-Artikel sind ja eben noch ein paar andere Klischees beschrieben. Unter anderem der bescheuerte Akzent, der mir auch aufgefallen ist.

[QUOTE=Quck;477042]Es sollte halt jemand sein von ganz weit weg. Das war nun mal einer aus Afrika. [/QUOTE]

Warum hat man dann, statt dafür einen Schwarzen Schauspieler zu casten, lieber auf die Rassistische Tradition des Blackfacing zurückgegriffen?

Ich habe bis vor zwei Tagen noch nicht einmal gewusst, was “Blackfacing” bedeutet. Ich sehe diese Figur kontextlos. Ich kann natürlich immer irgendeinen negativen historischen Kontext in jedweder Spielfigur hervorholen. Das muss ich aber nur dann, wenn ich etwas schlecht machen will.

Der bescheuerte Akzent? Bescheuert ist der Gildo Gans. Der hat dem Südafrikaner einen indischen Akzent verpasst.

Selbst wenn der Akzent authentisch wäre, was ist denn an einem Akzent rassistisch? Fast jeder Mensch hat irgendeinen Akzent, und das ist gut so.