@max.stascheit
Ich versuche nochmal, meine Gedanken zusammenzufassen, was ich bei unserem Gespräch bei Marios Trauerfeier versucht habe zu sagen. ^^
Betonbraut und Die Antwoord sind verwandt im Geist der Provokation, aber nicht im eigentlichen Stil. Die Antwoord sind ein globales Popkultur-Monster aus Rap, Rave und Zef-Theater. Betonbraut ist ein deutschsprachiges Industrial-/Cyberpunk-/Dark-Art-Projekt, das weniger „Party am Abgrund“ und mehr „Abgrund im Körper“ ist.
Vor allem finde ich die Thumbnails und die Coverarts sehr ähnlich, die mich aneinander erinnern. ^^ Dieses Bild von Yolandi mit dem Herzen in der Hand gegenüber Rikes Bildern etc.
Vielleicht sehe auch nur ich das…
Das sind meine autistischen Gehirnwindungen, die beide Bands verknüpft haben. ^^
Wie man es auch sehen könnte: 
Die Antwoord: „Wir sind ein greller südafrikanischer Zef-Albtraum auf Speed.“
Betonbraut: „Halt mein rostiges Kabel, ich schreie jetzt industriell in den Beton.“ ^^
Die größte Gemeinsamkeit: „Genre? Fick dich.“ ^^
Bei Betonbraut steht das fast wörtlich als Selbstbeschreibung: „fvck Genres“. Auf der Bandcamp-Seite von Fräulein Sabitsuki werden als Tags gleichzeitig alternative, metal, punk, rock, drum and bass, electro rock und industrial genannt. Das ist schon ziemlich eindeutig: Betonbraut möchte nicht brav in eine Schublade.
Die Antwoord machen etwas Ähnliches, nur mit anderer musikalischer DNA: Ihr offizieller YouTube-/Streaming-Kontext beschreibt sie als ZEF RAP-RAVE group from Cape Town, mit Ninja und ¥o-Landi Vi$$er als Rappern und DJ Hi-Tek für Beats. Der Unterschied ist: Bei Die Antwoord ist der Ausgangspunkt stärker Hip-Hop/Rap + Rave, bei Betonbraut eher Industrial/Electro-Rock/Noise/Punk/Metal.
Ich lass das mal so stehen, weil das für mich eine sehr gute Formulierung ist, warum ich mir diese Folge gewünscht habe. 
Betonbraut wirkt eher wie „Neue Deutsche Kälte“ als „Zef“
Der Betonbraut-Titel Neue Deutsche Kälte ist eigentlich schon ein sehr gutes Selbstetikett: kühl, hart, deutschsprachig, industriell, körperlich unangenehm. Die Bandcamp-Seite zur EP nennt sie als Teil einer „Neue Deutsche Kälte“-Trilogie und bewirbt ein NSFW-Booklet — also bewusst nicht familienfreundlich, sondern szenisch, dunkel, körperlich, provokant.
Auch die Texte/Tracktitel gehen stärker in Richtung Innenhorror, Körperhorror, psychische Enge, Gewaltfantasie, Verletzlichkeit, Abwehr und Kontrollverlust. Schon ein Titel wie „Ich will schreien und habe keinen Mund“ ruft eher Harlan-Ellison-/Body-Horror-/Industrial-Assoziationen hervor als Party-Rap.
Die Antwoord dagegen inszenieren sich viel mehr als Comic-Gangster, grelle Anti-Pop-Stars, Slang-Monster, Meme-Ikonen. Ihre offizielle Website arbeitet selbst stark mit Figuren wie Ninja und ¥o-Landi Vi$$er und beschreibt Ninja als „Zef rapper“, also direkt innerhalb dieser selbstgebauten Persona-Welt.
Visuell: beide stark — aber anders
Bei Die Antwoord ist das Visuelle fast untrennbar von der Musik: Frisuren, Tattoos, grelle Farben, Cape-Town-/Zef-Ästhetik, Roger-Ballen-nahe Groteske, kindlich-kranke Comicwelt, sowieTrash-Luxus. Pitchfork beschrieb schon früh, dass Die Antwoord eher durch ihre viralen, surrealen Videos als nur durch Musik populär wurden; besonders Zef Side und Enter the Ninja waren entscheidend für den internationalen Durchbruch. Und genau bei solchen Videos muss ich auch unweigerlich an Betonbraut denken, wenn Rike auf Englisch singen würde.
Bei Betonbraut wirkt das Visuelle — soweit Bandcamp/YouTube öffentlich sichtbar sind — stärker wie Dark-Industrial-/Cyber-/Goth-/NSFW-Kunst: weniger „Comic-Gangsta-Pop“, mehr „Keller, Körper, Maschine, Schmerz, Fiebertraum“. Das Instrumental Eine Schachtel voll Spinnen wird auf Bandcamp sogar als atmosphärisches Stück zur akustischen Untermalung einer Shibari-Session beschrieben; das zeigt sehr gut diese Körper-/Performance-/Ritual-Nähe.
Sprache und kultureller Kontext
Hier liegt der wichtigste Unterschied. Die Antwoord sind ohne Südafrika, Afrikaans, „Zef“, Post-Apartheid-Kontext, weiße Arbeiterklassen-/Trash-Ästhetik und kulturelle Appropriation-Debatten kaum zu verstehen. Der Begriff Zef ist bei ihnen nicht nur Musikstil, sondern eine ganze Kunstfigur und Selbstmythologie. Quellen beschreiben Die Antwoord als südafrikanische Rap-Rave-/Hip-Hop-Formation aus Kapstadt, gegründet 2008, mit Musik auf Englisch und Afrikaans.
Betonbraut ist dagegen deutlich deutschsprachiger Underground: Die Titel, die Kälte-Metapher, der Industrial-/NDH-/Punk-/Goth-Kontext und die Härte der deutschen Sprache ziehen eher in Richtung deutsche Körper- und Maschinenpoesie. Wo Die Antwoord oft „grell, prollig, cartoonhaft, hyperaktiv“ sind, wirkt Betonbraut eher klaustrophobisch, kalt, wund, aggressiv-intim.
Provokation: bei beiden zentral, aber nicht dieselbe Art
Bei Die Antwoord ist Provokation oft nach außen gerichtet: schockieren, überdrehen, beleidigen, sexuelle und soziale Codes zerreißen, „Ist das echt oder Performance?“ Die Band wurde auch immer wieder kontrovers diskutiert — u. a. wegen Vorwürfen rund um kulturelle Aneignung, Blackface, homophobe Sprache und später schwere Missbrauchsvorwürfe, die sie bestritten haben.
Bei Betonbraut scheint die Provokation stärker aus Innenzuständen zu kommen: Scham, Ekel, Körper, Schmerz, Sexualität, Kontrollverlust, Aggression gegen sich und andere. Das ist weniger „LOL, wir sind Zef-Supervillains“ und mehr „ich stecke in meinem Körper fest und der Sound kratzt an den Wänden“.
Also beide sind Gegensätze in Gemeinsamkeiten.
Und sorry, wenn ich aktuell, als 36-jähriger Autist, KI brauche um meine Synapsen zu ordnen…
Trotzdem sind das eben meine Gedanken, mit Hilfe formuliert. 
Aber ich wollte damit nur sagen, wieviele Gemeinsamkeiten in Gegensätzen stecken können. 
Man muss sich nur mal das Musikvideo zu „I fink u freeky“ ansehen! 
Betonbraut bedient imho die innere Provokation, nach außen gedrückt, während die Antwoord die direkte Provokation bevorzugt und eher „Massentauglich“ ist, was Betonbraut auch wäre, aber nicht sein möchte! 
Ich glaube, erstmal reicht das dazu.
Und:
Nein. 
Ich hoffe, dass habe ich mit dem Text oben widerlegt! Danke.

Schönen Sonntag noch. 