Religiöse Texte und ihre Auslegung

[QUOTE=Skafdir;383728]2. Koranzitate um irgendetwas zu belegen.
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Ich würde mal dreist behaupten das ich in der Bibel eher gewaltverherrlichende Zitate finde als im Koran. Im Koran muss man die teilweise noch auslegen, damit sie gewalttätig erscheinen, da muss ich in der Bibel bei “Wer x oder y macht gehört gesteinigt” nicht mal mehr viel interpretieren.

Also sind solche Zitate ein absolutes Nullargument. In einigen Bundesländern gibt es faktisch auch noch die Todesstrafe im Landesgesetz, das heißt aber ja nicht das diese Gesetze nicht von anderen überlagert werden. Will heißen, das in Bibel und Koran teilweise ja auch drinsteht das die alten Sachen jetzt nicht mehr so gültig sein sollen.

Tja und bei Ulfkotze äh Ulkotte ist durch den Niggemeierschen Artikel, der ja wirklich sehr ausführlich ist, eigentlich alles schon gesagt. Dummerweise ist die Ulkotze damit natürlich der HELD der Kopps und Jebsens, die endlich mal aufdecken wie das in Wirklichkeit alles so laufen tut und so.

[QUOTE=ExtraKlaus;383766]
Ich würde mal dreist behaupten das ich in der Bibel eher gewaltverherrlichende Zitate finde als im Koran. Im Koran muss man die teilweise noch auslegen, damit sie gewalttätig erscheinen, da muss ich in der Bibel bei “Wer x oder y macht gehört gesteinigt” nicht mal mehr viel interpretieren.
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Die Bibel enthält allerdings (ich denke mal nahezu unbestritten) Geschichten und Gleichnisse, während der Koran als das unverfälschte Wort Gottes gilt. Bei beiden kommt es letztendlich auf die Interpretation an. Im koran fällt es bei “eindeutigen” Aussagen dadurch aber eben deutlich schwerer zu argumentieren, dass so eben die damaligen Lebensumstände waren und man heute eben nicht mehr Steinigen sollte (als extremes Beispiel).

Währen im Christentum zudem das Neue Testament die alten Anweisungen als einutig überholt kennzeichnet, ist bei Koran die Chronologie nicht so deutlich, da er komplett anders sortiert ist. Was mich wundert ist, dass keine der beiden Seiten jetzt mal eindeutig klarstellt ob “Tötet nicht” oder “Tötet alle Ungläubigen” die neuere und somit “gültige” Handlungsanweisung für Muslime ist.

Zu Ulfkotte selbst hat mir auch der Krautreporter-Artikel gereicht. Wer neben Polemik auch noch so manipulativ Aussagen fälscht, sollte aus Prinzip nicht ernst genommen werden.

[QUOTE=Mindflare;383901]Die Bibel enthält allerdings (ich denke mal nahezu unbestritten) Geschichten und Gleichnisse, während der Koran als das unverfälschte Wort Gottes gilt.[/Quote] Die Tendenz des Christentums geht eher dazu, die Aussagen in einem gesamten Einklang bei der Interpretation zu bringen. Aber wortwörtliche Auslegungen gibt es immer, natürlich vor allem bei Radikalen. Im Streit um die Auslegung von Bibel oder Koran dürfte es keine nennenswerten Unterschiede zwischen Islam und Christentum geben. Ausufernde Werke zur Auslegung haben beide. Konfessionen haben auch beide. Jedoch ist im Islam aktuell die radikale Strömung etwas größer als im Christentum. (Wobei ich das nicht sicher für Afrika sagen kann.)

[Quote=Mindflare;383901]
Währen im Christentum zudem das Neue Testament die alten Anweisungen als einutig überholt kennzeichnet, ist bei Koran die Chronologie nicht so deutlich, da er komplett anders sortiert ist.[/Quote]

Quelle: http://www.bibel-wissen.de/pn62/modules.php?name=News&file=article&sid=22

Du siehst, man kann zumindest weiterhin viele Anweisungen im Alten Testament sehr wörtlich nehmen, wenn man will. Kommt ganz darauf an, was man glauben will.

Was mich wundert ist, dass keine der beiden Seiten jetzt mal eindeutig klarstellt ob “Tötet nicht” oder “Tötet alle Ungläubigen” die neuere und somit “gültige” Handlungsanweisung für Muslime ist.

Terror uä. wird von vielen nicht als gültige Handlungsanweisung gesehen. Es wird sich immer wieder davon deutlich distanziert: http://islam.de/17354 Im Koran gibt es dazu auch eindeutige Schutzgesetze zumindest für Juden und Christen. (Zwar mit Strafsteuer, aber das Zusammenleben ist eigentlich geregelt.) Ein prinzipielles Tötungsverbot gibt aber ja nicht mal im Christentum. Hat Bush nicht noch Kriege mit Gottes Unterstützung geführt? Jede Religion möchte im Kriegsfall wohl handlungsfähig bleiben.

Und Radikale, gleich welcher Religion, werden immer eine Möglichkeit finden, einen Text so nach Belieben zu interpretieren, dass sie jeden, den sie töten wollen auch töten dürfen.

Das Problem im Westen aktuell ist, dass wir in der öffentlichen Wahrnehmung den radikalsten Menschen des Islams die öffentliche Auslegung des Islams überlassen, während wir uns für die mindestens 90 % friedlichen Moslems und deren Auslegung überhaupt nicht interessieren.

Viele der Konflikte sind ja dazu auch nicht nur Islam vs. Christen/Westen. Sondern sie sind gleichzeitig Konflikte innerhalb der islamischen Religion.

[QUOTE=Mindflare;383901]Die Bibel enthält allerdings (ich denke mal nahezu unbestritten) Geschichten und Gleichnisse, während der Koran als das unverfälschte Wort Gottes gilt. Bei beiden kommt es letztendlich auf die Interpretation an. Im koran fällt es bei “eindeutigen” Aussagen dadurch aber eben deutlich schwerer zu argumentieren, dass so eben die damaligen Lebensumstände waren und man heute eben nicht mehr Steinigen sollte (als extremes Beispiel).

Währen im Christentum zudem das Neue Testament die alten Anweisungen als einutig überholt kennzeichnet, ist bei Koran die Chronologie nicht so deutlich, da er komplett anders sortiert ist. Was mich wundert ist, dass keine der beiden Seiten jetzt mal eindeutig klarstellt ob “Tötet nicht” oder “Tötet alle Ungläubigen” die neuere und somit “gültige” Handlungsanweisung für Muslime ist.[/QUOTE]

Im “richtigen” Koran ist der Zeitpunkt der Offenbarung jeweils meistens mitangegeben, sodass man wissen könnte (oder sich informieren könnte), welche Sure nun wann offenbart wurde. Zur Not kann man auch einfach bei Wikipedia gucken :ugly…
Das, auf was du anspielst, nennt sich Abrogation. “Eindeutige” normative Aussagen, sind unter Umständen auch aus dem Koran heraus ganz oder teilweise ungültig. Berufen kann man sich hierfür auf Vers 2:106.
Dazu kommt, dass die Offenbarungen, die der Prophet erhielt, immer in einem spezifischen Kontext stattfanden.
Und nun gilt es aufzudröseln, ob eine normative Aussage a) später im Koran revidiert wurde oder b) nur in bestimmten Kontext Anwendung fand (oder allgemeingültig ist/nur in bestimmten Fällen/…)
Dies wird beispielsweise ganz schön bei der Zeitehe deutlich.

[SPOILER]Über die Steinigung wie es sie heute gibt, findet man meines Wissens übrigens keinen eindeutigen Hinweis im Koran, die leitet sich aus der Sunna ab und ist ebenfalls nicht unumstritten. (Dass diese tatsächlich durchgeführt wird, ist, ganz abgesehen von der Grausamkeit der Strafe, mehr als bizarr, da hierfür oftmals die Zeugenaussage von vier rechtschaffenden Männern gefordert wird, die mit ihren eigenen Augen den Akt beobachtet haben, also so richtig, ohne Decke drüber und so. Welcher rechtschaffende Mann schaut den anderen beim Sex zu :ugly…?)[/SPOILER]

@Baru:
Mir ging es darum, dass die Bibel niedergeschriebene „Geschichten“ zum Wirken Gottes sind. Sie ist schon von Anfang an (wannauchimmer das war) als Sammlung von Überlieferungen gestaltet gewesen. Somit ist sie wesentlich einfacher „angreifbar“, bzw. auf die veränderten Lebensumstände der heutigen Zeit übertragbar. Im Koran ist das ja auch möglich, wenn auch „sperriger“.

Ein prinzipielles Tötungsverbot gibt aber ja nicht mal im Christentum. Hat Bush nicht noch Kriege mit Gottes Unterstützung geführt? Jede Religion möchte im Kriegsfall wohl handlungsfähig bleiben.

Mit der Unterstützung Gottes oder auf Anweisung dieses Gottes? Oder vielleicht doch nur im Namen Gottes, ohne es mit diesem abgesprochen zu haben?
Radikale Spinner gibt es in beiden Vereinen. Mir ging es hier gerade im Bezug auf Ulfkotte um die allgemeine Einordnung von Zitaten und wie man dadurch manipulieren kann. Das geht auch ganz ohne heilige Schrift, wenn man es drauf anlegt. Wäre mal interessant, was für Lebensrichtlinien einem Twilight bietet :wink:

@Calon:
Danke für die Ausführungen zu meinem Halbwissen!

Ist doch Egal welcher Glaube jetzt mehr angreifbar ist, den Satz “Töten ist Gut” wirst du nirgents finden, jedoch Extremisten werden selbst noch in Budismus möglichkeiten finden, Gewalt zu Begründen.

Das beste ist wenn jeder einfach das Glaubt, dass er möchte und alle sich einfach auf ein Grundgesetz einigen,
Dieser ewige Schwanz vergleich zwichen den Religonen, hat bisher noch nie in der Menschlichen Historie geholfen!

Weder die Moslims noch die Katholiken sind jetzt wirklich schlimmer wie der andere( von Beiden gibs heute noch Extremisten), es sind halt die Hass Prediker (und leider immer) genug Itioden die ihnen folgen.
Hier gehts auch nie Wirklich darum irgenteinen Glauben zu Verdeitigen, die Leute die wirklich das sagen haben, wollen einfach nur Macht haben .

Sehe an der Hexen Verbrennung aus angst vor der Macht der Frau, oder den Shiat( weiß nicht wie man das schreibt) weil ein Anführer ein Nachbarland haben will, das rein zufällig gerade Christlich ist oder den Kreuzügen, die Liste lässt sich ewig fortführen…

[QUOTE=Mrchaos;383982]Das beste ist wenn jeder einfach das Glaubt, dass er möchte und alle sich einfach auf ein Grundgesetz einigen,[/QUOTE]

Wir haben hier doch ein vernünftiges Grundgesetz. Solange sich alle daran halten, mache ich niemandem seine Religion streitig. Es ging nur darum, dass eine Koransure wesentlich mehr “Befehlscharakter” hat, als ein Bibelvers. Letztendlich hängt es bei beidem aber davon ab, was die Anhänger daraus machen.

Es kommt vor allem auch darauf an an welcher Stelle man liest.
Wenn du in der Bibel Levitikus oder Numeri als Beispiel nimmst, dann hat das enormen Befehlscharakter.

Es kommen halt verschiedene Genres an Texten zusammen. Einig erzählen Geschichten, Gleichnisse o.ä. andere sind Gedichte bzw. Versliteratur, dann kommen “historische” Erzählungen dazu und dann eben auch Gesetze.

Wie hoch der Befehlsgehalt davon ist, hängt enorm von der Textstelle ab.

Das gleiche gilt für den Koran.
Das einzige was man da sagen könnte ist vielleicht das der Anteil von Gesetzen im Koran höher ist als in der Bibel. Aber das weiß ich nicht einmal genau. So genau kenne ich den Koran dann auch nicht.

Und damit schließe ich dann mit deinem Zitat und einer kleinen Veränderung.

Letztendlich hängt es bei beidem aber davon ab, was die Anhänger daraus machen.

Es hängt ausschließlich davon ab, was die Anhänger daraus machen.

in Koran steht sogar Dick drin, “das man die anderen Religionen akzeptieren soll, dass man Friedlich miteinander Leben soll, ihnen so die Vorteile des Korans an besten aufzeigen kann”

Irgentwie wird, dieser Satz von den Extremisten einfach mal komplett übergangen, wie schon bei der Kirsche die “Näcksten Liebe” und " Werfe den Ersten Stein" außer act gelassen werden.
Es ist einfach nur zum heulen was Macht Geile Propheten und Itioden die ihnen folgen, aus sowas machen:(

o.O könntest du die Sure mal zitieren…

Es gibt einige Verhaltensregeln für den Umgang mit Ungläubigen, die man durchaus als Aufruf zu einem friedlichen miteinander interpretieren kann. Da bin ich vollkommen auf deiner Seite.

Aber:

“das man die anderen Religionen akzeptieren soll, dass man Friedlich miteinander Leben soll, ihnen so die Vorteile des Korans an besten aufzeigen kann”

Ähm… nein, das ist mir zumindest nicht bekannt.

Zur Sachen Religionsfreiheit sagt der Islam sehr eindeutig:

  1. Moslems sind Moslems und haben keine Möglichkeit jemals kein Moslem mehr zu sein. (Ein Moslem der vom Glauben abfällt ist schlimmer als jeder andere Ungläubige; eine wörtliche Auslegung lässt keine anderen Strafe als Todesstrafe zu.)
  2. Die Ahl al-kitab (Leute des Buchs; in etwa, wörtliche Übersetzung fällt mir gerade nicht ein), dürfen in gewissen Grenzen ihre Religion ausleben. Eine dieser Grenze ist eine Kopfsteuer. Das Recht einer anderen Religion als dem Islam anzugehören muss also gekauft werden.

Zu den Ahl al-kitab gehören: Christen, Juden, Zoroastrier und späterhin einige hinduistische Religionen.

Alle anderen sind Ungläubige und fallen aus religiöser Sicht unter keinerlei Schutzrechte.

Natürlich wird das heutzutage nur noch recht selten so praktiziert.
Wenn man aber bedenkt, dass es z.B. in Saudi Arabien, Iran, Jemen, etc. sehr stark religiös geprägte Regime gibt, die sich vor allem durch ihre sehr traditionelle Auslegung des Islams kennzeichnen lassen, dann sollte man schon versuchen die Sache so zu bewerten wie sie ist.

Derzeit wird medial eine vollkommen übertriebe Panikmache verursacht. Aber die Antwort auf diese übertriebene Panikmache kann doch nicht Ignoranz der tatsächlich existierenden Gefahren sein.

@Skafdir und Mrchaos:

Da sind wir ja wieder beim Thema der Chronologie. Es ist für beide Seiten unfair, wenn bei einigen Zitaten so getan wird, als seien sie noch religiöse Regeln, diese aber schon in de rjeweiligen Schrift selbst widerlegt wurden.
In der Bibel kann man einfach von vorne nach hinten durchlesen und “weiß” dann, welche alten Ansichten bereits durch das neue Testament (vor allem die Bergpredigt) überholt waren. Beim Koran ist das nicht so einfach, weil die Sortierung der länge nach vorgenommen wurde. Wie Calon ja schon erklärt hat, muss man da also erstmal umsortieren und dann schauen, ob jetzt “akzeptiert alle Religionen”, “erhebt Strafsteuern von anderen Religionen” oder “Tötet (mindestens aber unterwerft) alle Ungläubigen” die aktuellste Fassung ist.
Im Koran war ja auch mal Alkohol erlaubt, solange man nicht betrunken wird. Fun Fact: Das Alkoholverbot wurde in irgendeinem arabischen Staat mal so stark ausgelegt, dass da den Muslimen sogar die Nutzung von Biodisel verboten war.

Edit: Der Bezug zielte auf Skafdirs vorletzten Beitrag ab.

Auch die Chronologie lässt leider nicht wirklich Schlüsse zu.
Da in religiösen Gemeinschaften häufig die Regel gilt: Älter ist besser.

Jede Neuerung wird als Eingriff in die Tradition angesehen.

Das gilt natürlich meistens nicht bei den Schriften selbst. Aber da gilt vor allem bei Offenbarungsschriften, dass schlicht und ergreifend alles davon wahr ist.

Das Christentum hat sich größtenteils von der Vorstellung verabschiedet die Bibel sei eine Offenbarungsschrift. Daher können wir die Bibel als nette Nebensache abtun.

Im Judentum und im Islam handelt es sich aber um Offenbarungen und das macht es deutlich schwieriger da irgendetwas zu interpretieren.
Mit “Chronologie” machst du es dir zu einfach. Die Aufgabe der Schriftgelehrten ist nicht einfach zu sehen: Was ist die aktuellste Version?
Die Aufgabe ist: Alle Regeln irgendwie miteinander in Einklang zu bringen.

Wenn Regel A und B sich widersprechen, kann die Lösung also nicht lauten: Regel B ist jünger und daher gültig.
Die Lösung lautet dann:
Regel A gilt für die Situationen X und Y.
Regel B gilt die für Situationen Z.
Wenn ihr jemals in eine Situation W kommt, dann fragt euren zuständigen Mullah. (oder sonstige Schriftgelehrte)

Sehr interessant ist zum Beispiel die Frage ob ein Moslem während des Ramadans die Zähne putzen darf.
Dazu gibt es im groben zwei Auslegungen. (Edit: Wobei die nun nichts mit Chronologie zu tun hat. Aber es ist einfach ein harmloses Beispiel das niemandem weh tut.)

  1. Während man sich die Zähne putzt, will man ja nichts runterschlucken. Daher ist es in Ordnung. (In dem Sinne werden dann häufig auch Kaugummis als zulässig angesehen, wobei da dann wieder der Hinweis kommt, dass ein Kaugummi ja ein Genußmittel ist und daher der Idee des Ramadans widersprechen würde.)

  2. Während man sich die Zähne putzt schluckt man immer irgendetwas herunter. Da man das weiß ist das Zähne putzen während der Fastenzeit zu unterlassen.

Die Auslegung von Schriften ist in erster Linie eine innerreligiöse Angelegenheit und sollte nicht von Personen vorgenommen werden, die selber nicht in der Religion beheimatet sind.

Mich als Nichtmoslem interessiert bei der Auslegung nur eine Sache: Steht die Auslegung des Islams im Widerspruch zum Grundgesetz?
Solange das nicht der Fall ist, dürfen sie auslegen und denken wie sie wollen. Egal ob die Sure nun 623 oder 625 geschrieben worden ist.

@Skafdir:
Wenn man nicht irgendwie vereinfacht, kommt mann bei dem Thema ja garnicht weiter. Dann können wir uns hier auf “ist halt Auslegungssache” einigen und dicht machen.

Im Koran ist aber die Abrogation ein Grundkonzept:

Unter Abrogation (vom Lateinischen abrogare: abschaffen, nasch, arabisch ‏نسخ‎, DMG nasḫ) wird in der islamischen Rechtswissenschaft die Aufhebung einer normativen Bestimmung des Korans oder der Sunna durch eine andere, zeitlich nachfolgende Bestimmung aus Koran oder Sunna bezeichnet. Die aufhebende Bestimmung wird auf Arabisch als nāsich (‏ناسخ‎ / nāsiḫ) bezeichnet, die aufgehobene Bestimmung als mansūch (‏منسوخ‎ / mansūḫ). Abrogation gilt als eine Methode, um miteinander kollidierende Textbelege, deren Datum bekannt ist, zu harmonisieren

http://de.wikipedia.org/wiki/Abrogation_(Islam)

In der Bibel wird stellenweise (z.B. bei der Bergpredigt) gesagt: Dies ist ungültig, stattdessen gilt nun jenes. Ein Christ, der dem AT den Vorzug vor dem NT gibt, wäre mir auch sehr suspekt.

Apropos Verallgemeinerung: Du argumentierst im letzten Absatz mit “der Islam”. Durch die verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten gibt es den ja gerade nicht (gilt für so ziemlich jede Religion). Wobei mich schon interessieren würde, was der gemeinsame Nenner aller Strömungen ist.

Denke man kann zusammenfassen, solange der Gelehrte die Texte gut intepretiert, funkt die Religion wunderbar.
Doch sobald ein A r s loch die Texte Intepretiert, dann war es das!.

Denn das hat ja der Christentum und der Islam gemeinsam, Letztendlich gibt es immer Prister die einen sagen, was man zu tun hat :x

Gut in dem Sinne hätte ich da genauer sein müssen. „Die jeweilige islamische Strömung…“

Gemeinsamer Nenner verschiedener islamischer Stoßrichtungen?
Müsste ich mir nochmal genauer ansehen. Erst einmal würde ich sagen es ist ähnlich wie der gemeinsame Nenner bei verschiedenen Christen.

Islam:

Ich bezeuge: Es gibt keinen Gott außer Allah und ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist.

Christentum: Nun ein gemeinsames Glaubensbekenntnis gibt es hier nicht. Aber grob: Jesus Christus ist Gottes Sohn und für unsere Sünden gestorben. (Ich würde mal fast glauben, dass der Satz von allen Christen unterschrieben werden könnte… hoff)

Zur grundsätzlichen Rechtslehre: Stimmt natürlich. Das hat bisher allerdings noch nie jemanden daran gehindert sich auf ältere Regeln zu beziehen, wenn diese gerade besser passten. :wink:

Dann können wir uns hier auf „ist halt Auslegungssache“ einigen und dicht machen.

Da liegt das Problem, im groben ist das die einzige wirklich Essenz die man da raus ziehen kann. :?
Man muss es halt für jede einzelne Strömung abgleichen.

Mohammed gilt ja im Islam gemeinhin als „Siegel des Propheten“, dass hat aber niemanden aufgehalten auch nach Mohammed noch Propheten zu sehen. Genauso wie es eigentlich keine Heiligenverehrung o.ä. gibt, trotzdem gibt es gerade mystische Strömungen die Heiligenkulte haben, etc.

Es gibt eine Gruppe die nennt sich „Juden für Jesus“, als ich das das erste mal gehört habe dachte ich, ich bin im falschen Film. (Nur mal so als theologische Nachfrage: Was genau unterscheidet einen Juden der an Jesus glaubt von einem Christen? o.O)

Man muss halt wirklich prüfen: Über welche Gruppierung rede ich gerade.
Wenn man da „vereinfacht“, dann bringt einen das in der Erkenntnis nicht weiter.

Sonst zitiere ich demnächst aus der Bibel der Zeugen Jehovas und sage dann, dass „die Christen XY glauben“.

@ Skafdir:

Zwar bin ich nun beileibe kein Islam-Experte, habe aber gerade länger im “Das islamische Recht” von Mathias Rohe herumgeschmökert und komme zum Ergebnis, dass das alles im Grunde ungeheuer kompliziert und in sehr hohem Maße auslegungsbedürftig und -fähig ist.

Die Todesstarfe für Apostaten scheint sich demnach übrigens keineswegs so eindeutig aus den Texten zu ergeben, und die Kopfsteuer halten wohl selbst viele Islamgelehrte für überwunden. Auch die völlige Schutzlosigkeit von Nicht-Schriftreligionen wird von den meisten islamgelehrten so wohl nicht akzeptiert. Die aus westlicher Perspektive vermutlich unschönste Lehre, die noch von vielen Gelehrten befürwortet wird, sind Körperstrafen; aber auch da gibt es oft Regelungen, die ihre Anwendung in der Praxis ausschließen, und die meisten Staaten mit muslimischer Bevölkerung haben sie abgeschafft .

@ Mindflare:

  • Wie schon gesagt wurde (u.a. von Skafdir) gibt es wichtige Passagen etwa im Alten Testament, die man durchaus wortwörtlich auslegen kann; etwa wenn Mose den Israeliten genaue Gebote verkündet und Gott sagen lässt, dass dieser seine Gunst an die strikte Einhaltung solcher Gesetze bindet.
    In einer humoristischen Form wird das Problem an dem “Letter to Dr. Laura” dargestellt: http://www.snopes.com/politics/religion/drlaura.asp

  • Ob und inwieweit die entsprechenden Passagen durch das Neue Testament tatsächlich “abrogiert” worden sind, dürfte zumindest in der Praxis durchaus auch Auslegungssache sein - auch dies wurde gesagt. (Übrigens gibt es Christen, die darauf bestehen, dass die körperliche Züchtigung von Kindern von der Bibel vorgeschrieben werde. Und Augustinus, immerhin einer der einflussreichsten Lehrer des Christentums, legte das Neue Testament so aus, dass es den religiösen zwang rechtfertigte.)

  • Das Judentum kennt kein Neues Testament, sondern nur den Tanach, der weitgehend dem christlichen Alten Testament entspricht (neben anderen, nachgeordneten Schriften), der weitgehend dem Alten Testament entspricht. Spätestens hier bricht das Argument der “Abrogation” weg. Dennoch haben die Juden (selbst die Konservativsten) längst etwa die Steinigung aufgegeben; angeblich sogar schon im späten ersten nachchristlichen Jahrhundert n. Chr. auf einer Versammlung der religiösen Führer (sie hatten zu jenem Zeitpunkt auch nicht die Möglichkeit der Vollstreckung).

@ alle:

M.E. ist es sinnvollerweise nicht möglich, objektivierend zu sagen, dass etwa “der Islam” dies und jenes lehrt, es sei denn in dem Sinne, dass dies oder jenes eine Lehre ist, die unter Moslems weite Verbreitung findet. Zu eruieren, was etwa “der Islam” will oder lehrt, setzt voraus, dass es so etwas wie ein zeitloses, gottgewolltes Wesen des Islam gibt, welches derjenige, der die Behauptung aufstellt, kennt. Das mag ein Islam-Gelehrter so beanspruchen, und das respektiere ich, aber der Außenstehende kann diese Perspektive nicht mitvollziehen. Die Behauptung, dass “der” Islam seinem wahren Wesen nach und notwendig etwa religiöse Verfolgung vorschreibe, halte ich daher für so (wenig) sinnvoll wie die Aussage, dass das Judentum (seinem wahren Wesen nach) unbedingt die Hinrichtung von Astrologen und Ehebrechern fordere. Wir können sinnvollerweise nur sagen, wie diejenigen, die sich als Juden oder Muslime bezeichnen (oder diejenigen, die von solchen Menschen als Autoritäten anerkannt werden), die Dinge sehen. Das wurde ja auch schon gesagt, aber ich wollte diesen punkt noch einmal dezidiert herausarbeiten.

Meine starke Vermutung ist - und das ergibt sich ja auch aus dem Gesagten -, dass soziokulturelle Gesichtspunkte weit bedeutsamer sind als religiöse Texte, was Toleranz und Freiheitlichkeit betrifft. Im Mittelalter war der Islam oft toleranter als das (abendländische) Christentum; und in “westlich” sozialisierten Ländern wie Albanien oder Aserbaidschan, ist die Gesellschaft ziemlich säkular.

In Afrika hingegen existieren auch christlich-extreme Terrororganisationen wie z.B. die “Lord’s Resistance Army”, die einen Gottesstaat auf Grundlage der Zehn Gebote errichten will. Und die ist auch nicht viel anders als die ISIS oder Boko Haram, jedenfalls, wenn die Wikipedia die Wahrheit schreibt:

[I]“Bei ihrem Kampf vor allem gegen die Zivilbevölkerung geht die Lord’s Resistance Army mit solcher Brutalität vor, dass Jan Egeland, Vizegeneralsekretär für Humanitäre Angelegenheiten und Koordinator für Nothilfe (OCHA) der UNO, sie Anfang 2005 als die ‘wohl brutalste Rebellengruppe der Welt’ bezeichnete. Mitglieder der LRA plündern, morden, foltern und vergewaltigen praktisch wahllos in den nördlichen Regionen Ugandas. Kinder werden entführt, um sie teils als Kindersoldaten, teils als Sex-Sklaven zu missbrauchen. […] Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch verübten Mitglieder der LRA im Dezember 2009 in der Makombo-Region im Nordosten des Kongos ein schweres Massaker mit mindestens 321 Toten. Weitere 250 Menschen seien entführt worden, darunter 80 Kinder.[10] Insgesamt seien im Zeitraum zwischen dem 24. Dezember und 13. Januar 620 Menschen getötet sowie mehr als 160 Kinder entführt worden.”[/I]

Was mich übrigens wirklich wundert - und vielleicht kann mir jemand hier diese Frage beantworten: Warum ist so etwas ein fast absolutes Nicht-Thema in den Medien? Es gibt ja immer wieder das Argument, dass es ja nur Terror von Muslimen gebe, während man aber von christlichen Terroristen “seltsamerweise” nichts höre; derjenige, der so argumentiert, schließt aus der Nicht-Existenz in den Medien auf die reale Nicht-Existenz. (250 Entführte auf einen Streich - das ist mehr als Boko Haram; aber da schaltet sich keine amerikanische First Lady ein.)

Meine Theorie zu der ganzen Sache ist, dass das alles mit Christentum oder Islam wenig zu tun hat (so wie es auch manchen südamerikanischen Terrororganisationen weniger um den Marxismus als um Geld und Macht zu gehen scheint), sondern mit den soziokulturellen Bedingungen, unter denen Menschen leben; dass wir es hier im Grunde mit mafiösen Strukturen zu tun haben, die sich auch als Antwort auf Probleme und ein Ordnungsvakuum bilden, und die sich eben einen ideologischen Überbau suchen. In einer muslimischen Gegend mögen entsprechende Leute den Islam auf ihren Bannern tragen, in einer christlichen das Christentum und in einigen Ländern Südamerikas den Marxismus; aber ich würde vermuten, dass es sich da letztlich um eine Lackierung bzw. um ein Gewand handelt, das eben den lokalen Gegebenheiten Rechnung trägt.

Korrekt und deswegen finde ich auch eine Debatte über die Interpretation des Glaubens verfehlt (den Unsinn überlasse ich schon den Gläubigen). Die Debatte muss geführt werden über das, was hinter dem Gewand steckt und dann sind wir wieder in der Ökonomie und Politik.

@Mels/Enio
Stimmt leider. Etikettenlesen ist viel einfacher, als in die Tiefe vorzudringen. Oder ein Buch nach dem Einband zu beurteilen, ohne zu wissen, was denn nun wirklich drin steht.
Man mag vllt denken, dass viele Leute so sind, aber betrachtet man die Menschen jenseits der Extreme, wird das schon irgendwie ausgesessen - auch wenn man zuweilen gern mal drauf kloppen möchte, bis sich keiner mehr regt.

[QUOTE=ExtraKlaus;383766]

Ich würde mal dreist behaupten das ich in der Bibel eher gewaltverherrlichende Zitate finde als im Koran.[/QUOTE]

Was meinst du mit “Bibel”?

Reden wir doch mal vom Neuen Testament.

Wo ist da was Gewaltverherrlichendes?

Der wichtigste Satz dort ist doch der: “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!”

Oder?

Die Bibel ist schon richtig brutal, aber es stimmt auch dass Jesus ein ziemlich unmissverständliches Gewaltverbot ausgesprochen hat. Der Gott im alten Testament war das widerlichste egozentrischte Wesen das es gab, aber sein Image hat sich im Neuen erheblich gebessert

Im Koran hingegen steht ziemlich unmissverständlich, dass man jeden Ungläubigen* zuerst ne Chance zum Glaubensbekenntnis geben soll und falls das nicht angenommen wird, nun ja, totschlagen soll. Und da für Moslems der Koran das Wort Gottes [I]ist[/I], ist der Spielraum in der Interpretation eher begrenzt. Daher ist der Islam auch so anfällig für seinen Fundamentalismus.

*also jemanden der nicht an den abrahamitischen Gott glaubt, d.h. gläubige Juden und Christen sind eigentlich ganz cool mit den Moslems, theoretisch