Rap - Eine sehr wohl auch intelligente Musikrichtung

Ich denke, dass die manipulierende Position der Medien auch eine tragende Rolle spielt, Musikrichtungen im Allgemeinen zu verformen und verzerrend darzustellen.
Früher war das ganze nicht ganz so schlimm, da hatten Musiksender noch einen talentfördernden Charakter - auch wenn da die kommerzielle Musik im Vordergrund stand. Klar, gegen kommerzielle Musik an sich ist in sofern nichts einzuwenden, dass es legitim ist, mit Musik als künstlerisches oder kreatives Gut, Geld zu verdienen.
Das eigentliche Problem heute ist, dass Künstler - egal aus welchem Genre - nicht mehr von Musiksendern gefördert werden. Früher hatten wir ein losgelöstes Musikfernsehprogramm, wenn ich da an die Kreativität denke, die Viva in den ersten Jahren so gezeigt hat - das wäre unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, also wenn es nur einzig um Quote gegangen wär, nie so umgesetzt worden wäre. Viva hat jedoch die musikalische Förderung von jungen Künstlern sehr ernst genommen - bis die Viacom ihre Klopfoten da mit reingemengt hat.

Ab da - und hier begann auch langsam die mediale Verschiebung ins Internet - fand faktisch keine Künstlerförderung mehr statt und Musik-interessierte sind von nun an auf sich selbst gestellt, neue Musik zu entdecken. MTV (gottseidank bald verschlüsselt und somit verbannt aus sämtlichen Senderlisten) stürzen sich nur auf Quoten und altbewährtes, also die bereits etablierten Künstler…

Es gibt wie hier einige zum Glück schon gesagt haben, sehr wohl kreative und sinnvolle Inhalte, die man aber meist nur abseits des Musik-Mainstreams, Medien-Mainstreams usw. findet.

Wie sonst ist es zu erklären, dass solch ein Künstler wie Curse - der für mich Aushängeschild für tiefsinnigen Rap mit Verstand und Botschaft ist - seine Rap-Karriere beendet hat, weil er sich wie ein Hamster im Laufrad vorkam?

Zitat von http://www.curse.de

Ich möchte euch allen hiermit danken. Danke, dass ihr da seid: Seit 10 Jahren, seit „Freiheit", seit immer, oder seit Kurzem. Ich bin in den letzten Monaten ziemlich abwesend gewesen von dieser Page, dem Forum, und auch im Kontakt zu vielen alten Kollegen und Freunden, die ich in den letzten Jahren kennen und schätzen gelernt habe. Ich weiß, dass es für einige den Anschein hatte, dass mich das alles hier nicht mehr interessiert. Aber das ist nicht der Grund. Der Grund ist, dass ich mich selber gerade wieder auf’s Neue finde. Ich habe mir seit dem Release von „Freiheit“ viele wichtige Fragen gestellt, und ich habe viele wichtige Antworten gefunden - und neue Fragen. Ich glaube, dass es nach 10 Jahren in diesem Business - wo ganz viele Wege, Abläufe und Strukturen so raffiniert automatisiert sind, dass man denkt, man würde immer wieder krasse Moves machen, statt dass einem bewusst wird, dass man sich in einem abgefahrenen Hamsterrad befindet - ich glaube, dass es irgendwann an der Zeit ist, zu der man einfach mal „Stop!“ sagen MUSS. Zumindest wenn man ehrlich sein möchte. Wenn man den Anspruch an sich selber hat, der auch über die Musik hinaus geht, im ganz wahrhaftigen Sinne „echt" zu sein.

Ich habe Zeit gebraucht, um mich erneut vor die essentiellen Fragen zu stellen: Wer bin ich und was will ich wirklich? Wofür bin ich hier? Ich habe musikalisch und persönlich sehr einschneidende Konsequenzen gezogen. Die Art, in der die „Karriere" von „Curse" sich eingependelt hat, hat am Ende nicht mehr dem entsprochen, was ich will, was ich fühle und was gut ist. Damit meine ich nicht die Musik, die Songs oder die Konzerte, nicht das Kreative, sondern vor allem die Abläufe und Muster. Die Strukturen und die Hamsterräder, in denen mein Umfeld und ich gelandet sind. Und dabei wollten wir immer nur Musik machen, unser Innerstes nach außen tragen, und vielleicht dabei die Welt retten.

Der Schritt zu sagen: „Curse ist jetzt nicht mehr da" war nötig, um klare Entscheidungen zu treffen. Um ohne „wenn, aber, vielleicht und eventuell“ einen neuen, geraden Weg zu gehen.

Ich bin tief dankbar für jeden, der davon enttäuscht ist, denn das zeigt mir, wie sehr meine kranken, lustigen, traurigen und hoffnunglos vermessenen Ideen doch Dinge ausgelöst haben, die größer sind als ein Song, ein Text, oder mein Ego (und das kann groß sein!). Ich bin genauso dankbar für alle, die meine Entscheidung respektieren und verstehen, denn das zeigt mir, dass es auch größer ist als der Rapper „Curse", und dass es da draußen Leute gibt, denen ich verbunden bin - über die Musik hinaus. Und das ist für mich ein ehrfurcht-einflößender Fakt.

Ich weiß heute nicht wo ich morgen sein werde. Ich weiß aber, dass ich auf dem Weg bin. Auf dem Weg, der gut ist. Und ich möchte mich davon leiten lassen, was sich gut und richtig anFÜHLT.

Ich habe viele Ideen und bin jeden Tag kreativ und daraus entsteht gerade ein riesen Haufen frischer Dinge. Visionen können gerade einfach so sprudeln ohne gleich ver-geschäftlicht zu werden, Geschäftsideen können ideell gedacht werden ohne sofort in der sogenannten Realität zerredet zu werden. Es gibt wieder Raum für Träume und Ideale. In welcher Form sie alle das Licht der Welt erblicken werden, wird sich zeigen. „The Achtung Achtung" ist ein Kind meiner Fantasie, meiner Begeisterung für Jimmy Ledrac’s Genie, und meiner neu gefundenen Freiheit. Es ist ganz einfach das, was ich fühle und was mir ermöglicht, frei und unvoreingenommen zu sein. Ich tue Dinge von denen ich nicht weiß, was damit passiert, ob sie „funktionieren" oder nicht. Und seit ganz langer Zeit ist mir das wieder egal! Die Musik „passiert" ohne Kalkül und Ambitionen. Und deshalb weiß ich, dass sie krass wird. Ehrlich, direkt, geradeaus. Und das ist das, was für mich zählt.

Die Reise geht weiter. Kommt mit! Wir sehen uns auf der anderen Seite!

Von Herzen,
Mike

Wenn ein Mann mit Prinzipien und klaren Visionen vor diesen Industrie- und Medien-Mechanismen kapituliert, dann ist das ein sehr harter Schritt, aber ich verstehe die Beweggründe.

Viele rappende Wegbereiter wenden sich ja auch ab und experimentieren mit anderen Musikstilen usw. - und das schmerzt mich recht dolle.

Dennoch gibt es guten Stopf für den Kopf, aber man muss sich selbst bemühen, ihn zu finden.

Hier mal ein Beispiel, dass Künstler aus der Szene auch soziale Verantwortung übernehmen und ihre Bekanntheit nutzen, um aufzurütteln.

Pat Cash feat: Swiss Großstastlegenden VIDEO mit Dunkelziffer eV gegen Kindesmißbrauch
[video]http://www.youtube.com/watch?v=dqwrSSJDZ60[/video]

Gangster Rap ist ja prinzipiell nicht schlecht, und wenn es glaubwürdig ist und vor allem gut gemacht, dann ist das auch ok. Allerdings wird von so manchem Rapper eine Glorifizierung von Gewalt und diesem Ghetto Kram durchgeführt, was in Deutschland einfach nicht so existiert, wie es dargestellt wird. Klar soll es „entertainen“, aber das hat in meinen Augen keine Glaubwürdigkeit. Klar kann man Schimpfworte benutzen, davon lebt Rap bzw. die ganze Hiphop Szene Bewegung auch, aber es sollte immer ein gewisses Verhältnis gewahrt sein - und das ist bei den typischen Gangsta Vertretern einfach nicht der Fall…

Gangster Rap ist ja prinzipiell nicht schlecht, und wenn es glaubwürdig ist und vor allem gut gemacht, dann ist das auch ok. Allerdings wird von so manchem Rapper eine Glorifizierung von Gewalt und diesem Ghetto Kram durchgeführt, was in Deutschland einfach nicht so existiert, wie es dargestellt wird.

Wenn existiert nur sowas [video]http://www.youtube.com/watch?v=JbT2ZQkdQi8[/video] :smt005 :smt005 :smt005

Aporopo soziale Verantwortung hier auch nochma en Track dazu:
http://www.youtube.com/watch?v=SF6ctww6p_8

Aber Hammer&Zirkel sind ja eh die besten, humorvoller Rap, der mir gefält:
http://www.youtube.com/watch?v=aLpbY_cq … re=related

Blumio, das beste was Hip-Hop-Deutschland in den letzten Jahren passiert ist!
Niveauvoll, unterhaltsam, manchmal tiefsinnig und zuweilen moralisch wertvoll.

Ein großer Song gegen Schwulenfeindlichkeit, der meiner Meinung nach alle oben genannten Punkte erfüllt:
[video]http://www.youtube.com/watch?v=yqG4EzAVs50&channel=blumiotv[/video]

Mal mit nem echten Hopper telefonieren? :mrgreen:

[video]http://www.youtube.com/watch?v=mOZULDroo_o[/video]

Das kam mir sofort in den SInn, als ich den Threadtitel gelesen habe:
Blumentopf - Gute Musik

[video]http://www.youtube.com/watch?v=oyAcMMOp_kk[/video]

Eigentlich hör ich quasi null HipHop, aber dieses eine Album von Blumentopf das ich habe (Musikmaschine) läuft doch schon hin und wieder.

Hol dir mal das neue “WIR” vom Topf, das Ding is n Brett

Problematisch ist das viele hier in Klischees denken, auch was die Konsumenten von Rap betrifft. Der von den Leuten als „Hopper“ wahrgenommene ist der Typ der auf Bushido und co abfährt Baggys trägt und dessen IQ sich auf dem Niveau von Toastbrot(evtl mit Leberwurst) befindet.
Intelligenter Rap ist für mich alles was texttechnisch Sinn ergibt und nicht nur ein Ghettoimage vertritt , sei er kommerziell erfolgreich (Samy Deluxe, Fettes Brot, Fanta Vier) oder eben eher „underground“ (Prinz Pi, Huss und Hodn, Maeckes). Natürlich gibt es hier unterschiede in der Tiefgründigkeit aber die findet man in jeder Musikrichtung(Vergleich mal Kettcar mit Linkin Park). Trotzdem haben die alle meiner Meinung nach ihre Existenzberechtigung.
Leute die eher intelligenten Rap hören wollen sich natürlich von der ganzen „Gangster“ Bewegung abgrenzen die manche Menschen für das einzige halten was es im Hip Hop Bereich gibt. Viele Leute hören Rap und auch andere Musikstile. Nebenbei hören (so meine Erfahrung) die meisten Leute der Skaterszene auch ziemlich viel Rap und werden trotzdem von kaum einem als Konsumenten wahrgenommen :wink:
So zum Schluss noch ein schönes Video :wink:
[video]http://www.youtube.com/watch?v=L5Sj66T3S7U&p=EE4ED0E7A68F002F&playnext=1&index=31[/video]

Ein großer Song gegen Schwulenfeindlichkeit, der meiner Meinung nach alle oben genannten Punkte erfüllt:
Blumio - Die Welt ist schwul

Wollte ich auch gerade posten. Sehr schön!

Hab aber nochwas:
[video]http://www.youtube.com/watch?v=DODAMgC5eQg[/video]

Ich find hier sieht man ganz gut die Möglichkeiten die Rap hat, ne Message rüberzubringen. „Normaler“ Gesang kann einfach nicht so eine Masse an Wörtern tragen.

Fakt ist und bleibt, dass gute Rapmusik an sich eines der Highlights der Popularmusik ist, mit großem Abstand.
Organische Rapmusik, das heißt also Rapmusik mit organisch instrumentaler Begleitung, ist ein direktes Relikt des Jazz mit Gil Scott Heron als Bindeglied. “Elektronische” Rapmusik mit auf Samples basierender musikalischer Grundlage brachte, so denke ich, sogar massiv die musique concrete in die Popularkultur.
Am wichtigsten aber, und genau das hebt Rap auf eine sehr hohe Stufe, ist die Fokussierung auf die Lyrik, die es in dieser Form in keiner anderen Musikrichtung gibt. Ich würde den lyrischen Inhalt des Raps auf die selben Stufe stellen, wie die Lyrik der deutschen Expressionisten, was die inhaltliche Intensität angeht. Es geht um die Irrungen und Wirrungen im alltäglichen Leben, um den Versuch, auszubrechen und einfach generell um eher negative menschliche Emotionen.
Ich sage es mal so: ich glaube, Rapmusik aufgrund von Knechten der Massenindustrie zu beurteilen ist in etwa so als ob man Gothic anhand von Unheilig bewertet.

Ich höre eigentlich sonst keine Rap-Musik, aber ein Song ist mir ans Herz gewachsen. Man möge dabei bedenken: Es ist kein Angriff auf Hip-Hip oder ernst gemeint, sondern eine satirische Aufarbeitung der Gangster-Rap Szene und daher etwas vulgär. Ich schreibe also den Titel und Namen hier nicht hinein, da ich nicht weiß, ob das nicht sowieso gelöscht werden würde.

Neben dem offensichtich satirischen Text und Video, die mich immer wieder zum Lachen bringen, auch wenn sie sehr stumpf sind, ist es vorallem lustig, dass wenn man das Lied so manchem Gangster-Rap-Fan zeigt, er es für echt hält und sagt wie schlecht er es findet. Es ist kein “guter” Hip-Hop in dem Sinn, dass er besonders gut ist, aber als Satire finde ich den Song brilliant :lol:

@ Pale: Deiner ganzen Argumentation kann ich mich nur anschließen :slight_smile: Schade das ich nicht intelligent genug bin selber sowas zu verfassen :smiley:
@bulletinmyback: der Track ist wohl relativ lustig. Mir persönlich aber zu stumpf. Ein guter Track der sich über das ganze Gangsterklischee lustig macht ist von Huss und Hodn (ja die höre ich gerne ^^) Gangsterberuf.

Naja für mich sind Huss&Hodn die einzige Antwort auf den ganzen Kram…
Hauptsache Takt und Flow, kommt noch ein bisschen Verstand und von mir aus Schwachsinn dazu ist das genau mein Ding.

Dazu liegt deren “Kaschemme” sogar auf meinem Schulweg.

Die DRAMA COLLABO kann ich nur wärmstens empfehlen, krachiger Metal-Rap aus meinem schönen Städtchen!
http://www.schlongo.de
[-][video]http://www.youtube.com/watch?v=utGdDTIbrns[/video][/-]

Das so was erwähnt werden muss hmm
Aber viele ARD zuschauer denken beim Wort Hiphop immer in diese richtung, echt bitter wenn Erwachsende Menschen so Dumm sind.

Hier mal ein Lied welches ich sehr gut finden. Höre es zur Zeit rauf und runter:
[video]http://www.youtube.com/watch?v=_QEJqAfAMzU&feature=related[/video]

Da lief keiner durch die Straßen und prügelte Menschen zu Tode, wie es dem Herrn Brunner passierte, als er sich drei pholl phätten Gangstazzzz in den Weg stellte, die ihre durch Hiphop aufgepumpten Egos an kleinen Kindern abreagieren wollten. Sicher gibts in jeder Musikrichtung Spinner, allerdings ist das gerade bei den neumodischen Hopplern in geradezu ekeleregendem Maßstab zu beobachten.

Also ich höre am liebsten ghetto gangster punchline rap. Aber ich bin ein ganz sanfter ^^

Die Prügeltypen hatten ein Drogen problem und viele andere probleme, die Musik hat da wohl die kleinste Rolle gespielt.
Ist wie mit dem Killerspielen, einfach die Probleme auf Spiele und Musik schieben, das ist am leichtesten für die Politiker und damit können sich auch die unwissenden Eltern gut abfinden

Der Link hier ist zwar schon etwas älter, aber passt doch ganz gut ins Bild. Irgendwas muss ja dran sein, dass die Leute diese Meinung haben. :stuck_out_tongue:

Das Diagramm kann über die im Artikel verlinkte Seite im Übrigen wieder angesehen werden. Ist schon recht interessant.

Nach wie vor sehr angenehm und intelligent finde ich die guten alten Sachen von Arrested Development wie z.B:
[video]http://www.youtube.com/watch?v=wyDjRd0Tjss[/video]
Obwohl das fast schon etwas viel Gesang & Melodie ist für „richtigen“ HipHop :wink:

Oder sehr sehr alt, aber immer noch sehr geil:
[video]http://www.youtube.com/watch?v=O4o8TeqKhgY[/video]

Und zu deutschen Hiphop: Tolle Persiflagen von Carolin Kebekus (&serdar somuncu!):
[video]http://www.youtube.com/watch?v=GppxrYuhgIc[/video]
Da der hier persiflierte Deutsche Hiphop sowieso schon so lächerlich und erbärmlich ist, ist es gar nicht so einfach das als Verarsche zu erkennen!

Hier mal ein echter Geheimtipp aus meiner kleinen Stadt:
[video]http://www.youtube.com/watch?v=0QSHQKyKyi4[/video]

Reen, die SDP und Kilez More höre ich (neben der EAV) momentan am meisten.Vor allem die SDP höre ich sehr gerne, weil man bei denen noch ne Menge Spaß ohne Kommerziellen Zwang zu hören bekommt, das ist, was ich momentan sehr vermisse im Hip-Hop.Die machen alerdings nicht nur Hip-Hop.Und die Bandbreite hätte ich fast vergessen, kann ich euch nur empfehlen, wenn ihr auf Politik Rap steht.