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Presseartikel und Literatur


#21

Ist mal wieder Zeit, diesen Thread nicht einschlafen zu lassen…

Der Artikel ist weder besonders lang noch besonders tiefgründig, aber er bringt einen Sachverhalt, der mir am Herzen liegt, so auf den Punkt, wie ich es schon immer mal selbst formulieren wollte, aber nie konnte:

… Die Kombination von Verachtung und Feigheit, mit der die deutschen Fernsehmacher ihr Publikum betrachten, hat dabei durchaus politische Konsequenzen. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen vertieft in seinem Fiktion-Bereich die gesellschaftliche Spaltung, die es in seinen Polit-Magazinen beklagt. …
Ja, exakt so ist es!


#22

Dank Bildblog auf diese Artikel der Funkkorrespondenz gestossen:

Die Guillotine-Wirkung Quote und öffentlich-rechtlicher Programmauftrag Von: Gert Monheim
http://funkkorrespondenz.kim-info.de/artikel.php?pos=Leitartikel&nr=9555

…Die Dokumentationen verloren ihren festen Sendeplatz, weil – so hieß es – die Zusammenhänge für ein breites Publikum zu komplex seien. Sie wurden hin und her im Programmschema geschoben und es wurde ausprobiert, wo sie am wenigsten Zuschauer kosteten. Und wo kosten sie am wenigsten Zuschauer? Wo ohnehin wenige sind, also außerhalb der Primetime, und schließlich wurden sie fast nur noch im Nachtprogramm gesendet. So kam es zu der bizarren Argumentation, dass – weil die komplexen Inhalte den wachen Zuschauer am frühen Abend angeblich überfordern – sie dem müden Gebührenzahler nach 23.00 Uhr zugemutet werden. …

… Ich komme zu meinem letzten Befund und zu der Frage, ob die Quote ein Hindernis bei der Erfüllung des Programmauftrags ist? Ja, sie ist es für viele politische und kulturelle Angebote, aber sie muss es nicht unbedingt und in jedem Falle sein, wie die erfolgreichen „Storys“ im WDR Fernsehen zeigen. Wenn wir uns auf die rein quantitative Konkurrenz einlassen, wie es die ARD jedenfalls in weiten Teilen tut, dann verhindert die Quote allerdings anspruchsvolle, gesellschaftlich relevante Programme. …

sehr, sehr lesenswert, Gert Monheim wäre bestimmt auch ein Interviewkandidat für unseren Fernsehkritiker!


#23

Über das lawblog bin ich heute auf diesen Artikel gekommen:

Fernsehen und Realität: Der Fall “Tatort” [Zeit online]

Die Gerichts- und Kriminalreporterin Sabine Rückert hat sich im Auftrag von ZEITmagazin zwei Monate lang Sonntag Abend den Tatort im Ersten angeschaut und beschäftigt sich in dem Artikel damit, wie realistisch (bzw. eher realitätsfern) die Veranstaltung eigentlich ist.


#24

Sollte hier noch verlinkt werden: Malte Weldings Essay "Stirb das Land vor Langeweile?"
http://www.berliner-zeitung.de/magazin/ … tem,2.html


#25

Der aktuelle Programmbericht der Landesmedienanstalten über das Fernsehen ist erschienen, diesmal u.a. mit dem Schwerpunkt “Scripted Reality” !

http://vistas.de/vistas/result/Programmbericht_2011_Fernsehen_in_Deutschland/505/detail.html

Downloadlink http://www.die-medienanstalten.de/fileadmin/Download/Publikationen/Programmbericht/2011/Programmbericht_2011_web.pdf


Übrigens: Wer mit den Medienanstalten diskutieren will, möge sich beim Workshop am 10.Mai zum Thema “Wirklich. Fernsehen. Wirklicher? - Scripted Reality – eine Praxis in der Diskussion” anmelden:

http://www.die-medienanstalten.de/service/veranstaltungen/zak-workshop-scripted-reality.html

natürlich gilt aber die moralische Demarkationslinie:

Geschmacksfragen gehören nicht zum Aufgabenbereich der Medienanstalten und fallen auch nicht unter die Regulierung,
doch immerhin wird zugegeben, dass sich Fragen stellen:

Besteht durch die inszenierte „Überspitzung“ in den Formaten die Gefahr, dass Programmgrundsätze oder die Menschenwürde missachtet werden? In letzter Zeit kommt insbesondere die Forderung auf, dass „Scripted Realty“-Formate entsprechend gekennzeichnet werden sollen, damit die Zuschauer nicht an falscher Stelle authentische Werte und Orientierung suchen, wo letztendlich nur Unterhaltung geboten wird.

Auf den vielen Seiten finden sich durchaus Perlen, beim Drüberfliegen stiessen mir ins Auge:
(im Show-Button, nicht um etwas zu verbergen, sondern um den Thread optisch einigermaßen sauber zu halten)

[spoiler]S.122: da hat Holger wohl was verpasst… :wink:

Kochshows haben nach wie vor Konjunktur, werden aber immer mehr zu einem öffentlich-rechtlichen Phänomen. Der WDR entdeckte beim Kochen sein Herz für den deutschen Adel. In der Sendung „Von und zu lecker“ bereiten sich adlige Damen in ihren Schlössern gegenseitig Menüs zu und bewerten sie anschließend.

S.135: eine neue Maßeineit:

Provokationen pro Nettosendestunde
:wink:
ratet mal, wer Spitzenreiter ist (trotz aufopferndem moralischem Einsatz von Katharina S., jedenfalls laut
Seite 208, unten… )

S.143

Die ökonomisch induzierte Produktions- und Distributionslogik der Reality-TV-
Formate, die darauf abzielt, ein optimales Werbeumfeld zu bieten, macht die werbe -
treibende Industrie zu einem zentralen Adressaten diskursiver Verständigung über
legitime und als illegitim bewertete Grenzverletzungen und Provokationen. Diesen
Stakeholder im Prozess der Verhandlung öffentlicher Aufmerksamkeit gilt es, ver -
stärkt kommunikativ einzubinden.

Das heisst doch wohl im Klartext: "Wir als Gesellschaft haben uns die moralischen Vorgaben von der Industrie vorschreiben zu lassen. Nur wenn wir uns so sehr empören, dass der wirtschaftliche Nachteil durch Imageschaden größer als der wirtschaftliche Werbevorteil wird, haben wir Chance auf den Werteverfall einzuwirken. Im Grunde handelt es sich hier um kein reines TV-Problem, “United Colors of Bennetton” hat das ja vor einigen Jahren im Printbereich vorexerziert…

S. 216

Das betrifft sowohl die Wahrnehmung der Realität („Situationen, wie sie im Beitrag
gezeigt werden, passieren jeden Tag“) als auch das Verständnis von sinnvollem Ver -
halten. Wie gesagt: Das ist zunächst nur eine Wirkungsspur. Sie verweist auf die sog.
„cultivation theory“, die Annahme von George Gerbner, dass das Fernsehen unser
Weltbild „kultiviere“.

Die These vertrete ich ja schon seit Jahren. Und zusätzlich: dass diese „cultivation theory“ den Medienschaffenden durchaus bewusst ist! Schön, dass ich jetzt einen Namen zum Weiterlesen habe…

S. 229
Wer findet den Widerspruch in diesem Text? :wink: :wink:

… Die Aufsichtstätigkeit im Jahre 2011 widmete sich weiterhin der Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen an Gewinnspiele und Gewinnspielsendungen und konnte hierbei beachtliche Erfolge verzeichnen. Die Problematik intransparenter und zum Teil bewusst irreführender Gewinnspiele ist seit mehreren Jahren ein Schwerpunkt der Aufsichtstätigkeit der Medienaufsicht. Seit Inkrafttreten der Gewinnspielsatzung am 23. Februar 2009 verfolgen die Medienanstalten konsequent die Verstöße der Veranstalter gegen diese Satzung, beanstanden sie und ahnden sie mit Bußgeld. Nach intensiven Verhandlungen und einer deutlichen Abkehr der Gewinnspielgestaltung von der beanstandeten Praxis kam es im November 2010 zu einem Vergleich mit dem
Gewinnspielsender 9Live sowie mit ProSieben, Sat.1 und kabel eins. Die Veranstalter verpflichteten sich zur Zahlung von Bußgeldern in der Gesamthöhe von 100.000 Euro. …
[/spoiler]


#26

Eine kleine Meldung nur -und doch lässt sie einen darüber gruseln, wie wenig peinlich den Popolitikern ihre Umarmung des öffentlich-rechtlichen ist:

… Einen Tag nach dem TV-Duell zwischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und CDU-Herausforderer Norbert Röttgen fordern die Christdemokraten vom Westdeutschen Rundfunk (WDR) eine Zugabe. Wegen der schwachen Quote am Vorabend des 1. Mai solle eine Aufzeichnung des politischen Schlagabtauschs “zu einer prominenten Sendezeit” wiederholt werden, verlangte der Generalsekretär der NRW-CDU, Oliver Wittke …
Mit anderen, klareren Worten sagt die CDU also
"Die unbezahlte Wahlwerbung ist uns zu wenig, weil die Quoten nicht stimmen, wir hätten gerne einen unbezahlten Nachschlag"

Herr Wittke, sie bekommen von mir den Fettnapf der Woche! Und falls der WDR auch noch darauf eingehen sollte, weil er sonst Ungemach vom Rundfunkrat befürchtet, wäre das ein Thema für die nächste Fernsehkritik-Folge…


#27

In Leipzig ging gestern der http://www.medientreffpunkt-mitteldeutschland.de/ 2012 zuende; das Leitthema: nannte sich diesmal „Medien in Bewegung – Vielfalt, Mobilität, Strukturen“

Bisher gibt es nur wenig Medienfeedback hierzu, aber dieser Artikel hier lässt mich innerlich vor Wut kochen:

Man beachte, wer hier welche Aussagen trifft, vor allem diese hier:

… dass die Angebote angesichts magerer Quoten die beste Art seien, Ressourcen zu verschwenden. Zudem seien sich die unterschiedlichen Kanäle untereinander zu ähnlich und daher zum Teil überflüssig. …


#28

SAT.1 will sich eine neue LMK, von der es “beaufsichtigt” wird, aussuchen:

Fernsehen der Neuzeit - Ein Eklat für die Quote
http://m.ftd.de/artikel/70022228.xml?v=2.0

Sat.1 wechselt mit Lizenz nach Hamburg

Wechsel der Aufsicht - Politischer Widerstand gegen Sat.1-Pläne?

Die RHEINPFALZ, regionales Schutzblatt für die in Ludwigshafen/Rh. ansässige LMK, berichtet in einem Artikel “Die Stunde der Kanzleien” vom 9.Mai ebenfalls ausführlicher darüber und kommt im Kommentar “Fragwürdig” von Rolf Schlicher sogar zum Ergebnis:

Dass private Fernsehsender sich ihre Aufsichtsbehörde selbst aussuchen können, ist absurd. … Schlupflöcher können nur geschlossen werden, wenn sich zukünftig eine zentrale Medienanstalt der Länder um bundesweite Programme und Lizenzen kümmert.

Man wittert gar Zusammenhänge zum “Schwer verliebt” - Fall (als man sich wundern musste, wie handzahm doch die Gremien regierten… ) Naja, wenn selbst die Rheinpfalz sowas schreibt, ists reine Offensichtlichkeit…


#29

Endlich! (Danke an Labby) Bimmel-Bingo kriegt Gegenwind! (nach sooooooo langer Zeit)

http://www.klamm.de/news/gericht-verurteilt-prosieben-wegen-bimmel-bingo-6N56899.html?sparte=tv

Die Medienanstalt sah in den Spielen, die übrigens schon vor etlichen Jahren stattfanden, eine Persönlichkeitsverletzung argloser Bürger.

Nicht nur das, auch wird Elton es wohl nicht gekümmert haben, welchen Schaden er indirekt dadurch angerichtet hat, dass die betroffenen Leute am nächsten Tag in ihrem Job nicht mehr so gut funktioniert haben, weil Ihnen Nachtruhe fehlte.

weitere Links dazu:

Außerdem fühlte sich der Privatsender benachteiligt, weil seine Medienaufsicht solche Maßnahmen ergreifen dürfe, die Kontrolleure anderer Medienanbieter aber nicht.
ja ist es die Möööööglichkeit? … die Frechheit der Argumentation ist grandios. Habts ihr wohl die Lizenz aus Versehen bei der falschen LMA beantragt, ihr Helden? In Ludwigshafen [-]beschützt[/-] betreut man Euch bestimmt demnächst gerne…

http://www.bverwg.de/enid/2745fbde6b75684ef129c69982e12a7c,d2ec9d7365617263685f646973706c6179436f6e7461696e6572092d093134323133093a095f7472636964092d0931393535/Pressemitteilungen/Pressemitteilung_9d.html

Dass Bimmel-Bingo endlich mal was reingewürgt bekommt, ist mir geradezu ein inneres Volksfest! :smt023
aber wer kriegt nun die 75.000 Euronen?


#30

RTL setzt mal wieder auf Schwule Bauern:

http://www.promiflash.de/bauer-sucht-fr … 52843.html


#31

RTL 2 schießt sich weiter ins Abseits …

http://www.klamm.de/news/rtl-ii-verzich … ?sparte=tv


#32

Dank izzy_bizzy auf den Artikel aufmerksam geworden:

für einen WELT-Artikel gar nicht mal schlecht, besonders hat mir gefallen:

… sollte dem letzten Medienmenschen klar gemacht haben, dass auch das traditionelle Fernsehen mitsamt seinen Inhalten geradewegs ins Netz abwandert und zunehmend in Form von On-Demand-Inhalten konsumiert wird, die im Übrigen noch immer nicht in die leidige Quotenmessung Einzug gehalten haben. Statt an dieser Stelle konsequent anzusetzen und die Jugendlichkeit der jungen Medienangebote zu berechnen, bestimmen derweilen weiterhin all jene Studien und Evaluationen die strategischen Maßnahmen von Medienunternehmen, die so erwartbar wie überflüssig sind. …

letzte Woche war zum Thema ZDF-Zuschauerbefragung auch schon ein kleiner Artikel im Print-SPIEGEL, der lohnte sich auch, weil eine Seite später ein längerer Artikel zur Meinung des ARD-Programmbeirat über die Talkshowinflation zu lesen war, hier die Kurzform davon:

Über Bildblog noch einen Artikel über die ähnliche Problematik in der Schweiz gefunden:


Die Zwischenüberschriften lassen es an Deutlichkeit nicht fehlen

  • Schweizer Fernsehen: Talk-Gäste sind im Schnitt älter als Bevölkerung
  • Junge sind vom öffentlichen TV-Diskurs praktisch ausgeschlossen

#33

…ein längerer Artikel zur Meinung des ARD-Programmbeirat über die Talkshowinflation …
Mensch, Nobbse, warum Sekundärliteratur, wenn das Originaldokument doch zur Verfügung steht? Das hat der Fernsehkritiker dankbarerweise auf seinem Server hinterlegt ( :smt023 ) , so dass ich “der Ordnung halber” hier auch den Link angebe: http://dl.fernsehkritik.tv/TalkformateARD.pdf
(sowas darfst Du ruhig öfter machen, Holger! … )


#34

Wie die Sender, so die App:

MeetOne: Schwerwiegende Datenschutz-Verletzungen bei Flirtdienst von ProSiebenSat.1


#35

So langsam geht der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz der Arsch auf Grundeis, weil sie merken, dass sie demnächst nur noch Grundlagenpapiere (die eh niemand liest) erstellen, den Offenen Kanälen ab und zu eine Stippvisite gönnen und Silver Surfern erklären, wie man die Maus schubst. Wenn die Offenen Kanäle aber mal alle auf vimeo und youtube abgewandert sind, bleibt ihnen eigentlich fast nur noch, in Grundlagenpapieren um ihre eigene Auflösung zu bitten. Da das aber natürlich nicht sein kann, erreicht der Absurditätsgrad der Abwärtsspirale, in dem sich die deutsche Medienpolitik befindet, neue Dimensionen: die LMK Rheinland-Pfalz tut sich mit der Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen) zusammen und verklagt ihre Kollegen in Norddeutschland! :ugly

http://www.lmk-online.de/wirueberuns/presseseite/
(leider kann ich nicht genauer verlinken)
Pressemitteilung Nr. 26 von 2012

Die Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz hat gestern Klage bei dem Verwaltungsgericht Schleswig gegen die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH) wegen der Neuerteilung einer Erlaubnis für das Programm „SAT.1“ eingereicht.

„Dieser Rechtsstreit soll die Einheit der Landesmedienanstalten wiederherstellen und stärken. Ein solches Vorgehen eines Senders muss erfolglos bleiben. Hier steht die medienpolitisch gewollte Einheitlichkeit der Aufsicht über privaten Rundfunk in ihrer Grundsätzlichkeit auf dem Prüfstand.“ erklärte die Direktorin der LMK, Frau Renate Pepper.

He, Frau Pepper! wenn die Einheitlichkeit der Aufsicht über privaten Rundfunk wirklich gewollt ist, dann macht doch endlich EINE Bundes-Behörde draus!! :smt021

Zum voraussichtlichen Abschied von Sat.1 als Überwachungsobjekt hatte die LMK übrigens sogar kürzlich angefangen, ihren Aufgaben nachzugehen, siehe
http://www.lmk-online.de/wirueberuns/presseseite/
die Pressemitteilung Nr. 22 von 2012

Montag, 25.06.2012
LMK beanstandet Werbeverstöße bei Sat.1 (Nr. 22)

Die Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) hatte durch ihren Rechts- und Zulassungsausschuss im Programm von Sat.1 zwei Kombinationen von Werbelogo und Programmhinweis beanstandet.

soviel ungewohnte Frechheit unter Schnittchenbrüdern war Sat.1 natürlich zuviel:

… Sat.1 hat bereits gegen die Entscheidung Klage beim Verwaltungsgericht Neustadt eingelegt. Eine Begründung steht noch aus.


#36

Stefan Niggemeiers Live-Besuch bei der Produktion der RTL-Show “Das Supertalent”

http://www.stefan-niggemeier.de/blog/ganz-unten-zu-besuch-bei-der-rtl-erfolgsshow-dassupertalent/#more-13778

… da kommen Rufe aus dem Publikum: »Wir wollen das Bild sehen!« Ach ja: Schätzungsweise ein Drittel der angeblich über 2000 Zuschauer konnte während dieser ganzen Peinlichkeit nicht einmal sehen, was da verlacht, ausgebuht, signiert wurde, weil sie von der Seite oder von hinten auf die Staffelei guckten. Die RTL-Sendung »Das Supertalent«, »die erfolgreichste Show-Reihe im deutschen Fernsehen« (RTL), hat keine Monitore, auf der die Zuschauer sehen können, was passiert. …

Nachtrag: In den Kommentaren zu diesem Blogposting tauchte ein Link zu einem weiteren Erlebnisbericht über die "RTL2-Show “Ich weiss, was du letzten Freitag getan hast” auf, den ich für noch entsetzlicher halte:

… Mehrfach musste die Aufzeichnung unterbrochen werden, sei es weil der Kandidat an sich und den TV-Abgründen, die sich auftaten, verzweifelte, … Immer wieder musste Dräger langatmig erklären, dass man nicht ÜBER den Kandidaten lache, oh nein, sondern MIT ihm. Nur dass der Kandidat nie lachte, sondern immer wieder nur den Kopf schüttelte. …
(der Bericht ist zwar schon ein Jahr her, aber dennoch… )


#37

Da es eh keinen Sinn macht :roll: , hier darüber noch einen Thread zu eröffnen:
Ermittlungen gegen die Marx Media im Zuge der Mass Response-Affäre

Telekom-Chef Hannes Ametsreiter zog die Notbremse. Er warf die Geschäftsführer, Mass-Response-Gründer Herbert Dvoracek und den ehemaligen Telekom-Beteiligungsmanger Andreas Krenn, hinaus und verscherbelte die Firma 2011 über ein Management-Buy-out. Dvoracek, Krenn und Christian Bodizs schickte er Strafanzeigen wegen des Verdachts des schweren Betrugs und der Untreue nach. Alle drei werden als Beschuldigte geführt, die Ermittlungen laufen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Die Vorwürfe: Manipulation bei den Gewinnspielen und “unaufgeklärte Vorgänge in der Geschäftsführung”. In der Hoffnung auf Schadenersatz hat sich die Telekom dem Strafverfahren als Privatbeteiligte angeschlossen.
Die Ermittlungen führen auch nach St. Marx. Dort residiert die Marx Media Vienna mit Bodizs als Geschäftsführer. Vor wenigen Tagen stand unangemeldeter Besuch vor der Türe. Bei der Hausdurchsuchung kassierten die acht Ermittler die gesamten Buchhaltungsunterlagen über die Jahre 2009 und 2010 ein. “Ich schließe hundertprozentig aus, dass es bei der Marx Media Unregelmäßigkeiten gibt”, verteidigt sich Bodizs.

Wen es interessiert, hat in dem Artikel einen schönen Überblick über die Verflechtungen.


#38

Der Artikel der Süddeutschen über ein Gerichtsurteil zu Frauentausch hat hier im Forum ja mehrfache Verbreitung gefunden, darum sei er auch zentral hier hinterlegt:

Thomas Langheinrich, Präsident der Landesmedienanstalt Baden-Württemberg (LFK), sagte einst zu dem Fall von 2009, auch wenn Teilnehmer sich freiwillig für eine Doku-Soap bewürben und umfangreiche Verträge unterschrieben, berechtige das die Sender nicht, sie medial hinzurichten. Jeder habe ein Recht auf Menschenwürde.

…liest sich zwar gut, aber man sollte ihn fragen, was er und seine Kollegen denn gegen die (wie sie selbst inzwischen erkannt haben) systemischen Verstösse zu tun gedenken! (Entzug der Sendelizenz? , da lachen die Sender - irgendeine Medienanstalt wird sich ja immer finden, die die bösen Buben “überwachen” will… )


#39

Ein Interview mit dem Scripted-Reality-Produzenten Frank Schmidt:

… Fiction geht auch für die Hälfte – und es gibt große Sender, die in diese Richtung bereits ihre Fühler ausstrecken. Die Fiction-Budgets liegen im Vergleich zu Factual- und selbst Showformaten so hoch, dass es für die Sender immer unwahrscheinlicher wird, Profit damit zu machen. … Wenn es uns gelingt Dramaserien für deutlich geringere Budgets zu produzieren, schaffen wir damit auch neue Sendeplätze für dieses Genre und das ist wiederum gut für die gesamte Produktionslandschaft.

was ein Selbstbeschiss… :smt011

unter den Kommentatoren des Artikels: unser Hausherr und Oliver Kalkofe


#40

Schöner Kommentar dazu bei Quotenmeter:
Fiction für die Hälfte und Fernsehen für die Tonne

Doch Schmidt ist wahrscheinlich nur der, der das ausspricht, was viele denken. Früher hatte man noch das Gefühl, dass Fernsehmacher Formate produzierten, die sie selbst gern gesehen hätten. Heute reicht es vielen von ihnen dagegen schon, wenn es eine Sendung ist, wegen der man gerade so noch nicht im Boden versinken muss und sich nach der Ausstrahlung weiterhin aus dem Haus trauen kann, ohne ausgelacht zu werden. Es ist eine Denkweise, in der Qualität scheißegal ist. Es ist kein Höher, Schneller, Weiter mehr, sondern ein Billiger, Dämlicher, Niveauloser. Fernsehen, das Tabus bricht, um Tabus zu brechen, Sendungen, die noch mehr auf Qualität scheißen als ihre Vorgänger. Hauptsache billig und gerne bekloppt…Wozu sich jahrelang an einer Schauspielschule mit Chechov, Ibsen, Albee und Jelinek herumschlagen, wozu die Filme von Fassbinder, Scorsese und Godard kreuz und quer interpretieren, wenn die Putzfrau es genauso gut kann.