/e Da mir Baru zuvor kam, ein kleiner Vorbinder: ich halte es im Gegenteil für naiv, die USA weiterhin für eine ganz normale Nation wie alle anderen auch zu halten und die EU als machtvollen Gegenpol zu sehen. Das wären “wir” gerne, aber davon kann überhaupt keine Rede sein: wir können nur reagieren, siehe Finanzkrise. Dass unsere Regierungen sich genauso die Hände schmutzig machen, steht auf einem ganz anderen Blatt - dabei steht - oder stand - gerade die aktuelle Bundesregierung in Treue fest zu den USA. Natürlich wusste man, dass die eigenen [B]Bürger [/B]bespitzelt werden (und das ist unserem Innenminister ja nach wie vor wurscht) - man dachte nur, dass die eigenen Behörden davon ausgenommen seien, weil man ja “Verbündeter auf Augenhöhe” und der “kalte Krieg vorüber” sei. Pustekuchen^^
[QUOTE=MisterBe;310727]Nein, unsere Länder schaffen es nur demokratischer zu WIRKEN. Wenn du der Regierung schaden kannst, dann wirst du genau so “ausgeschaltet”, wie in China o.ä.[/QUOTE]
Ich denke, man muss hier - noch - einen Unterschied machen zwischen der EU und den USA. Seit Jahren diskutiere ich darüber mit Freunden aus Chicago die dort für den Staat arbeiten bzw. gearbeitet haben, und zwar im social welfare also nicht etwa NSA oder so^^
Die hatten zunächst grosse Hoffnungen auf Obama gesetzt, die aber nun ebenso grosser Enttäuschung und Ernüchterung gewichen sind. Guantanamo? Sorry, die Interessen der nationalen Sicherheit gehen vor! Drohnenkrieg gegen Zvilisten? Sorry,… Weltweite Bespitzelung, sogar von diplomatischen Missionen enger Verbündeter? Sorry,…
Und das ist ja nur die neueste, sehr negative, Entwicklung. Die USA stellen sich seit Jahrzehnten ausserhalb von Recht und Gesetz, indem sie z.B. den Internationalen Gerichtshof nicht anerkennen - jedenfalls wenn es gegen die Interesssen der USA geht - beim Thema Todesstrafe / Vollstreckung von Todesurteilen liegen Sie auf einer Linie mit China, Nordkorea und Sudan, etc. pp…
Ohne wirklich “links” zu sein, stimme ich, wenn es um die USA geht, Noam Chomsky zu, der schon 2001 die USA als wahren “Schurkenstaat” bezeichnet hat - siehe sein Buch “war against people” z.B.
Das war alles schon vor 9/11, und letzlich ist ja auch der “war against terror” ein hausgemachtes Problem der USA, in das wir alle mit reingezogen werden. Bevor die USA “Weltpolizei” gespielt haben gab es den radikalen Islam nur bei einer kleinen Minderheit, aber es würde hier viel zu weit führen das alles aufzudröseln.
Fakt ist aber doch jetzt dies: was vor Kurzem noch als VT durchgefallen wäre ist nun Tatsache: die USA bespitzeln alles und jeden, sie kennen keine “Freunde”, sondern höchsten willfährige Verbündete 2. Klasse (wie die Briten) oder 3. Klasse (wie z.B. Deutschland, die Bundesregierung bekommt nicht mal eine Antwort aus Washington), und überhaupt dient ihnen die Welt nur als Spielbrett ihrer wirtschaftlichen Interessen, abgesichert von ihrem hochgerüsteten Militärapparat.
Auch ich habe meine Meinung geändert, und der meiner Ami-Freunde angeglichen: die USA sind schon heute keine echte Demokratie mehr, auch ein Obama vertritt letztlich nur die Interessen der USA (lies: des militärisch-industriellen Komplexes, der Politik und Gesellschaft dominiert - ich verweise auf die Warnung des EX-Präsidenten Dwight D. Eisenhower von 1961 dbzgl.). Nach innen sind die Republikaner allerdings noch 1-2- Stufen schlimmer als die Demokraten, aber nach außen ist es faktisch egal wer Präsident ist.
Noch deutlicher zu sehen war dies unter der Bush-Administration, vor allem beim Irak-Krieg und der Verbindung von Vizepräsident Cheney zu Firmen wie Haliburton etc., aber auch Obama führt dies konsequent fort. Was weltweite Bespitzelung und Überwachung durch PRISM & Co. angeht, geht er sogar noch weiter als seine Vorgänger.
tl;dr / m.a.W.: ob Demokraten oder Republikaner, alle führen Krieg gegen den Rest der Welt, wenn es sein muss auch Europa (dann allerdings eher einen Handels- und Wirtschaftskrieg).
Vielleicht hat Gerhard Schröder ja das gemeint mit seinem zu Recht viel kritisierten Satzes, Putin sei ein “lupenreiner Demokrat”: wenn die USA eine lupenreine Demokratie sind, dann ist Russland da nicht mehr weit von entfernt: beide sind viel mehr Plutokratien als etwas anderes.
Heute ist es vlt noch zu früh, das zu sagen und mit grossem Zuspruch zu rechnen, aber imo brauchen wir neue Verbündete, und ein von den USA unabhängiges Europa. Ansätze gibt es dazu ja, aber bislang nur halbherzig wenn überhaupt: Galileo statt GPS, Europäische Ratingbehörde statt amerikanischer Agenturen wie Fitch, Moodys und Standard & Poor , Europäische Suchmaschine statt google…
Das ist angesichts der aktuellen Wirtschaftsordnung aber leicht gesagt, und wenn man auf China setzt treibt man vermutlich nur den Teufel mit Beelzebub aus…