[QUOTE=Quck;473229]Warum zitierst Du nur diesen Teil? Dein “q.e.d.” ist so nicht vollständig.
Egal, diese Rosine schenke ich Dir.
Lass es Dir schmecken.[/QUOTE]
Weil deine Abhängigkeit frei gewählt ist. Steckt dein iPhone an einer Herz-Lungen-Maschine oder was?
Man kann [U]jede[/U] Aufgabe auch mit einem Linux-Computer machen. Wenn du es ernst meinst mit deiner Wohltäterschaft gegenüber der Welt, müsstest du auf jedes Apple-Produkt verzichten, denn die werden unter höchst fragwürdigen Bedingungen bei einem Anbieter in China produziert, der in der Weltpresse damit sogar berühmt wurde.
Aber wahrscheinlich sind die lokal geschändeten Arbeitnehmer Amazons (nicht meine Meinung) einfach nur näher an dir dran als irgendwelche Chinesen, die sich selbst umbringen, weil sie keine Perspektive gegenüber den unmenschlichen Arbeitsbedingungen bei Foxconn sehen.
Und wage es ja nicht, deine Arbeit als Argument vorzuschieben - du kannst dir auch einen anderen Job suchen, wenn es dir ernst wäre. Kein Grund, von einer Abhängigkeit zu reden und die miesen Zustände bei Foxconn zu tolerieren.
Das [B]Selektieren[/B] (man kann ja nicht gegen alles sein, woll?) ist genau das, was ich an euch kritisiere. Und zwar zu Recht.
Und zum Thema kleine Firmen mit Amazon vergleichen: Lest euch noch mal durch was ich geschrieben habe: Man kann gegen jeden Arbeitgeber Vorwürfe konstruieren - soll nicht heißen, dass ich jeden Arbeitgeber mit Amazon vergleichen will. Aber man kann auf jeder Ebene Dinge finden, die als Verachtenswert durchgehen können.
Nur mal ein paar Beispiele:
Auch der lokale Klamottenladen um die Ecke lässt seine Klamotten über indirektere Wege in Indien von Kindern produzieren. Der Händler weiß das im Regelfall nur nicht.
Auf Schokolade sollte man übrigens besser ganz verzichten. Auch wenn Fair Trade drauf steht, “Fair” ist da nix dran, die Kakaobauern werden auch heute noch sprichwörtlich ausgebeutet.
Der Buchhändler von nebenan zahlt seiner studentischen Aushilfe auch nur 400 Euro im Monat - jeder 400 Euro-Job ist aber auch nur eine hübschere deutsche Variante, jemanden auszubeuten. Und selbst wenn nicht, dann hat er sicher auch Bücher von Verlagen in seinem Angebot, die ihre Autoren nicht angemessen vergütet oder sogar regelrecht bescheißt.
In den Unternehmen, in denen ich zuvor beschäftigt war, war es völlig normal, einen Familienvater mit drei Kindern, verheiratet, weniger Brutto zuzugestehen als den Leuten, die die Unternehmen selbst ausgebildet haben (Keine Kinder, nicht verheiratet, wohnt noch bei den Eltern). Alles nur schlechtes Verhandlungsgeschick oder nicht doch Ausbeutung? Ich verweise auf Beweistück A (“Hartz IV-Empfänger können sich ihren Arbeitgeber nicht aussuchen…”)
Ein Arbeitgeber, der für seine Hire & Fire-Mentalität bekannt ist mag vielleicht gutes Geld bezahlen, dafür entsteht dort ein hoher psychischer Druck - ist also ebenfalls ein Boykottgrund.
Der Vorzeigebauer, von dem du dir deine Eier besorgst, hält möglicherweise in einer versteckten Ecke einen Zuchtwagen mit schlecht versorgten (im Sinne der Lebenssituation) aber gut gemästeten Hühnern - definitiv kein Leben, das man einem Tier wünscht, aber erforderlich, damit der Bauer was gewinnträchtiges zu verkaufen hat. Er macht damit nur nicht Werbung, weil die Viecher in dem kleinen Mästwagen halt irgendwie auch nicht glücklich sind.
Wir können hier stundenlang so weitermachen. Egal welches Unternehmen du dir genauer anschaust, sobald du mehr darüber erfährst, wirst du irgendeine Form der Ausbeutung oder vermeintlich unhaltbare Zustände finden. Man müsste sie wirklich alle boykottieren. Es dann nur mit einem zu tun, der halt mehr negative Presse abbekommen hat als andere, beweist nur, dass ihr euch mit dem Thema nicht intensiv genug befasst habt und euch zugleich auf einen moralischen Highground stellt und genau das macht euch zu Heuchlern.
Gruß Iwan