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inflationäres Denglisch - oder bin ich mit Mitte 30 schon zu alt für diese TV-Welt?

Da bin ich doch letztens beim Zappen bei dieser einen Casting Show hängen geblieben.
Gut, „The Voice of Germany“, beim Titel kann und sollte man nichts dagegen sagen,
es ist ja ein internationales Format.

Aber wenn dann innerhalb des deutschen Ablegers dieses Gesangstalent-Wettbewerbs sich
die deutschsprachigen Moderatoren und Kommentatoren permanent zu Formulierungen, wie z.B.

  • die Kohtsches betteln
  • die Tellents machen eine Tschällentsch auf der Stäitsch
  • im Singoff wird um einen Hotsieht gebettelt

hinreißen lassen, muß man sich doch wirklich fragen:

Was soll das??

Machen sie das etwa freiwillig?
Oder schämen sie sich ihrer Muttersprache?
Oder kennen oder können sie es nicht anders?
Oder soll das jetzt „hip“ und „in“ sein?
Warum ist man dann aber nicht gleich Ober-Super-Mega-Hip und moderiert komplett in Englisch?

Oder bin ich wirklich doch schon ein Grufti? :cry:

[QUOTE=der Fritz;480591]Da bin ich doch letztens beim [B]Zappen[/B] bei dieser einen [B]Casting[/B] [B]Show[/B] hängen geblieben.
[/QUOTE]

Du selber nutzt doch auch englische begriffe in deutschen Texten.

Aber diese Begriffe sind in der deutschen Sprache etabliert. Ich müsste wirklich in mich gehen, um mir dazu rein deutsche Synonyme zu überlegen.

Was der Fritz da aufzählt, ist wirklich banane…

Ja, man sollte schleunigst über eine Obergrenze für englische Begriffe im Deutschen Rundfunk nachdenken.

[QUOTE=MBS;480597]Ja, man sollte schleunigst über eine Obergrenze für englische Begriffe im Deutschen Rundfunk nachdenken.[/QUOTE]

Ich wäre ja für ne Quote wieviel englisch genutzt werden sollte, so 100% scheinen mir angemessen.

[QUOTE=der Fritz;480591]Oder bin ich wirklich doch schon ein Grufti?[/QUOTE]
Ja. Sprache wandelt sich andauernd - finde dich einfach damit ab.

Ja, aber man sollte die Quote auch nicht zu starr gestalten.
Z.B. eine flexible zwischen 0% und 100% fände ich persönlich ganz angemessen.

Vielleicht fällt das sogar schon unter (Fach-)Jargon (das klingt für Aussenstehende ja immer fremdartig), der ‚Hipness-Faktor‘ mag auch eine Rolle spielen.

Wenn mir die Spreche auf einem channel nicht gefällt kuck ich ihn halt nicht. :wink:

Censored redundant words
Die Jugend verdirbt sich den Verstand in diesem verdammten Weltnetz!!!

Meine Güte, was sind wir alle wieder witzig heute!

Die Antwort auf seine Frage hat Fritz bereits selber gegeben:

[QUOTE=der Fritz;480591]… es ist ja ein internationales Format.[/QUOTE]

Eine redliche Sprache ist ja eins meiner Hauptanliegen im Internetz, deswegen begrüsse ich den Eröffnungspfosten sehr. Es ist ja schon kaum mehr zu ertragen, all diesen unredlichen fremdzüngigen Begriffen zu begegnen, sobald man anschnur ist. Wenn es Altgriechisch oder wenigstens Latein wäre, aber die Sprache des perfiden Albion ist ganz gewiss nicht redlich - was soll man auch erwarten von einer Erfindung dieser englischen Kolonie jenseits des Atlantik.

Aber in einer Fernsehsendung sollte man doch wenigstens sicher sein vor derlei Unredlichkeiten - ich bin gar nicht mal sicher, ob meine redliche, aber leider schon alte Röhre so etwas überhaupt wiedergeben kann ohne zu platzen, und dann noch diese moderne Hipf Hüpf Musik, die unsere Jugend verdirbt… deswegen schalte ich diese Sendungen erst gar nicht an, sondern widme mich lieber dem Studium des Buches der Bücher.

Sich mit Grausen abwendend,
Corbeau

[QUOTE=Corbeau;480610]deswegen schalte ich diese Sendungen erst gar nicht an, sondern widme mich lieber dem Studium des Buches der Bücher.[/QUOTE]
Aber… das ist doch auf A[B]rab[/B]isch! Ist das eine redliche Sprache? :-o

Ich finde das Thema durchaus streitwürdig und finde es schade, dass sich die meisten hier nur drüber lustig machen.

Ich kenne die Sendung nicht, bzw. Habe ich nie eine Folge gesehen, aber ich vermute mal, dass das nicht unbedingt Teil des Konzeptes ist, sondern automatisch entsteht, wenn man viel in englisch reden muss, in seinem Leben. Ich bin absolut kein Freund von Vermischung der Sprachen, ertappe mich aber auch immer selbst dabei. Entweder es sind Fachbegriffe aus meinem Beruf, wo es mir echt affig vorkäme, das zu übersetzen; oder ich finde manche englische Wörter einfach passender, weil sie am besten beschreiben, was ich meine und ich somit weniger Worte brauche und nicht drumrum reden muss.

Es ist völlig okay, keine Anglizismen zu mögen.

Die Lösung dafür ist ganz einfach: Keine verwenden. Entweder man findet ausreichend viele Leute, die diese Meinung teilen und die deutschen Varianten bleiben erhalten oder man steht irgendwann halt ganz alleine mit archaischen Begriffen dar.

Sprache verändert sich halt und die Sprecher als Kollektiv entscheiden, wie das nun genau abläuft. Wenn wir nicht von kleinen indigenen Völkern reden, würde ich auch von einem künstlichen staatlichen Sprachprotektionismus abraten.

In meinem Kopf schwirrt eine Zahl von nur 30 % im Kopf als die Anzahl der Wörter der deutschen Sprache, die sich so lange in der deutschen Sprache befinden, dass man ihren Ursprung nicht in einer anderen Sprache ausfindig machen kann.

[QUOTE=Baru;480648]Wenn wir nicht von kleinen indigenen Völkern reden, würde ich auch von einem künstlichen staatlichen Sprachprotektionismus abraten.
[/QUOTE]

Und warum sollten die schützenswert sein?

[QUOTE=TomK.;480652]Und warum sollten die schützenswert sein?[/QUOTE]

Weil in dem Fall einfach eine Sprache komplett ausstirbt. Das ist bei der deutschen Sprache für die nächsten Jahrhunderte eher nicht zu erwarten.

Fragst du dich auch immer, warum Delfine und Wale geschützt werden, aber nicht Stadttauben?

[QUOTE=Miraculum;480643]Ich finde das Thema durchaus streitwürdig und finde es schade, dass sich die meisten hier nur drüber lustig machen.[/QUOTE]
Ich finde ja, dass das Thema überhaupt nicht streitwürdig ist, wenn man am Ende nicht bereit ist “Deutsch-Quoten” oder ähnliches zu fordern. Ansonsten ist es nämlich absolut müßig darüber zu reden, denn es führt zu nichts. Sprache wandelt sich und vermischt sich seitdem es Sprache gibt.

Ich glaube, der französische Staat betreibt Sprachprotektionismus.
Z.B. mit Höchstquoten für ausländische Songs im Radio.
Kann gut sein, dass dem Fernsehen auch die Vermeidung von Anglizismen aufoktroyiert wird.
Ich bezweifle aber, dass es im Endeffekt was bringt.

      • Aktualisiert - - -

erster Google-Treffer:

Sprachpflegerische Bemühungen haben besonders in Frankreich eine lange Tradition. Die Ursprünge der strikten Sprachpolitik gehen bis ins 16. Jahrhundert zurück, sodass das Land im Vergleich zu anderen „den längsten sprachnormativen Diskurs“ (Braselmann 2008: 7)vorzuweisen hat. Eine der entscheidendsten Grundlagen für die heutige Sprachpolitik wurde im 17. Jahrhundert gelegt, als das am Hof gesprochene und in der klassischen Literatur verwendete Französisch zur Idealnorm erklärt wurde und so „der Mythos von der absoluten Perfektion des Französischen“ (Braselmann 1999: 5) der Klassik entstand. Die Erhaltung und Reinhaltung dieses Französisch war fortan das vordringlichste Ziel, was sich in der Form von zahlreichen Sprachgesetzen und der Schaffung von Institutionen der Sprachpflege niederschlug. Doch das sture Festhalten an einer archaischen Norm, die die sprachliche Realität ihrer Sprecher verkennt, hat nicht etwa einen vermeintlichen „Sprachverfall“ verhindert, sondern hat weitreichende Probleme geschaffen. Infolge der „Unflexibilität“ und mangelnden „Innovationsbereitschaft“ des Französischen werden Entlehnungen1 aus
anderen Sprachen, insbesondere aus dem Englischen2, begünstigt (Braselmann 2008: 7).
Und auch heute noch ist Frankreich dafür bekannt, dass es von staatlicher Seite präventiv Maßnahmen trifft und auch regulativ eingreift, um eine übermäßige Präsenz des Englischen zu verhindern. Die Grundlage dafür bilden im Wesentlichen zwei Gesetze:

Diese intensive Förderung der Sprachkultur führte bei den Sprechern zu einem „einzigartigen Sprachbewusstsein“ (Braselmann/Ohnheiser 2008: 1). Doch es stellt sich die Frage, ob sich die von offizieller Seite betriebene Sprachpolitik auf den tatsächlichen Sprachgebrauch der Menschen auswirkt, oder ob sich die Alltagssprache im Privaten dem präskriptiven Eingreifen des Staates entzieht. Ganz konkret lautet die Frage: Erzielen die Gesetze und Maßnahmen ihre gewünschte Wirkung?

Es lässt sich feststellen, dass ein Großteil der französischen Bevölkerung die staatlichen
Bemühungen wahrnimmt und die Maßnahmen kennt, mit den vorgeschlagenen
Ersatzwörtern jedoch nicht immer einverstanden ist. Oft sind die Ersatzwörter den Franzosen gar völlig unbekannt, sodass diese stattdessen die gängigen und verständlicheren Anglizismen verwenden (vgl. Braselmann 2008: 10). In der Folge wurde auch immer wieder Kritik laut, denn nicht selten wirken die vorgeschriebenen Ersatzwörter künstlich und schwerfällig und widersprechen so dem natürlichen Sprachgefühl der Sprecher, sodass sie dann letztlich nicht verwendet werden: „Der usage erweist sich als das wesentlichste Kriterium für die Akzeptanz, […]: je fester der verbotene Anglizismus im Sprachgebrauch verankert ist, umso weniger ist die Akzeptanz seines Ersatzwortes zu erwarten.“
(Braselmann 1999: 114) Um eine größere Akzeptanz zu erreichen, hat in der französischen Sprachpolitik ein Umdenken stattgefunden: „Es zeigt sich, dass Frankreich seine rigide Haltung gegenüber Anglizismen im Rahmen einer sprachpolitischen Wende ab 1996 zugunsten einer liberaleren Einstellung aufgibt.“ (Braselmann/Ohnheiser 2008: 4) Einer der Neuerungen ist beispielsweise, dass die Institutionen mehr mit der Bevölkerung kooperieren und weniger autoritär auftreten.

Quelle:
https://www.philhist.uni-augsburg.de/lehrstuehle/romanistik/sprachwissenschaft/downloads/material-workshop-sprachpolitik/Handreichung-Sprachpolitik-in-F-und-D.pdf

[QUOTE=Miraculum;480643]Ich bin absolut kein Freund von Vermischung der Sprachen[/QUOTE]
Warum?

Wegen der Verständlichkeit. Wenn jemand halb deutsch und halb türkisch redet, verstehe ich nur die Hälfte, wenn überhaupt. Wenn jemand deutsch-englisch mit mir spricht, brauch ich nur etwas länger, komme aber zurecht. Wenn jemand nur deutsch mit mir spricht, kann ich mich einfach auf den Inhalt konzentrieren und darauf eingehen. Gerade wenn beide Gesprächspartner die gleiche Muttersprache haben, ist es am verständlichsten. Man muss sich nicht fragen, was jenes (noch) bedeuten könnte, oder warum mein Gegenüber dieses rhetorische Mittel der Sprachvermischung nutzt.

Kurz: aus Bequemlichkeit :smiley: