Globalisierung von Sprache

Letztens habe ich wieder irgendwo ein Pamphlet über die “Verrohung der Sprache” gelesen: Fremdworte und Jugendsprache führen zur Zersetzung der hochwertigen deutschen Sprache. Goethe und Schiller würden sich im Grabe umdrehen etc.

Mir hat sich darauf die Frage ergeben, welchen Gründe eigentlich gegen eine radikale Öffnung von Sprachen sprechen (hehe).

Aus sprachtheoretischer Sicht (vgl. Ferdi de Saussure) sind Worte nicht mehr als verbale Laute, die wir im Konsensverfahren mit Sinn füttern und institutionalisieren, also im Gebrauch wiederholen und vererben. Wir wissen alle, dass eine Banane eine gelbe Staudenfrucht ist. Doch genauso gut könnten man diese Frucht auch “Kakapopo” nennen. Es macht keinen Unterschied, solange jeder weiß was damit gemeint ist.

Nehmen wir mal an, dass sich die deutsche Sprache der englischen radikal, auch außerhalb der Telekommunikationseben, öffnet. Wir ersetzen konsequent in allen Subsystemen der Gesellschaft deutsche Worte durch englische, bis wir schließlich 2111 oder 2211 die englische Sprache etabliert haben.

Da es ein schleichender Prozess ist, wird die klassische Literatur jedes halbe Jahrzehnt an die neuen Sprachgegebenheiten angepasst. Also wie es schon immer der Fall war - Goethe konnte kein Hochdeutsch! Ein Informationsverlust wird durch die Sprachrevolution nicht gefördert.

Nehmen jetzt an, dass sich die Entwicklung nicht nur hier in Deutschland, sonder auch in vielen Teilen der Welt vollzieht. Jeder auf der Welt spricht Englisch mit regionalen Eigenheiten.

Diese utopisch anmutende Vorstellung wäre doch ein Garant zur Herstellung von “kommunikativem Handeln” (Habermas). Man kann sich mit jedem Mensch auf der Welt problemlos unterhalten, gemeinsam Situationen deuten und Handeln koordinieren. Verständigungsschwierigkeiten gibt es nur in absolut geringem Maße. Die Sinninhalte aller Sprachen dieser Welt wären in einer vereint. Sprache würde ihre “gate keeper-Funktion” verlieren, niemand könnte aus Kommunikation, auf Grundlage der Sprache an sich, ausgeschlossen werden.

Welche rationalen Gründe gibt es nun, um eine Internationalisierung von Sprache zu verhindern?

Mir stellt sich die Frage, wie man solch eine Sprachrevolution fördern könnte, ohne auf repressive Maßnahmen zurückzugreifen. Dies könnte ein größeres Problem meiner Utopie darstellen.

Gleichzeitig muss man auch bedenken, dass die Konservierung von Sprache mit Repressionen verbunden ist. So z.B. gibt es feste Grammatik- und Rechtschreibregeln. Wer sich diesen entzieht, wird gesellschaftlich (“Schau mal, der Dorfdepp da kann nicht richtig schreiben. Er muss ja richtig unintelligent sein!”) und institutionell (Abwertung von schriftlichen Arbeiten in der Schule und im Beruf) sanktioniert. Es gibt eine klare sprachliche Trennlinie zwischen Sprachen, die man nicht überschreiten darf, da es Alltagspraxis und institutionellen Rahmen zuwider laufen würde. Sprache stellt also auch ein Machtverhältnis zwischen dem, der sie beherrscht und dem, der es nicht tut, her. Diese könnte man mit einer globalen Sprache wahrscheinlich beseitigen, wobei es auch dann bestimmt “bessere” Dialekte gäbe.

Was haltet ihr von meinen etwas unsortierten Ausführungen? Wäre eine globale Sprache erstrebenswert, oder eher was für linke Gutmenschen, die in ihrer Kindheit nicht mit Soldatenfiguren spielen durften?

Anmerkung: Hab kein Wörterbuch-Plugin installiert, also Vorsicht vor Rechtschreibfehlern und Orthographiefehlern sowieso.

Nein, eine globale Einheitssprache wäre nicht erstrebenswert, da Sprache Kulturträger ist und unsere durch die Globalisierung profitierende Kultur nur durch möglichst viele Einflüsse gut wachsen und sich entwickeln kann und eine Einheitssprache würde somit das Wachstum der Kultur extrem verlangsamen, da mit einer Einheitssprache auch die verschiedenen Kulturen selbst weniger ausgeprägt sein würden.

Ich denke, man muss diese Fragen unter mehreren Aspekten sehen.
Zunächst einmal basieren ganze Kunstformen (Gedichte, Romane usw.) auf der Sprache. Diese Kunst äußerst sich meistens darin, dass das Potenzial der jeweiligen Sprachstruktur möglichst gut ausgenutzt oder sogar erweitert wird. Bei der sogennanten “Verrohung der Sprache” muss ich persönlich immer an eine Einschränkung dieses Potenzials denken, dadurch, dass zum Beispiel Worte kaum noch genutzt oder vereinfacht werden. Besonders äußerst sich dieser Umstand auch in der simplen Satzstruktur, die mit dieser Verrohung einhergeht. Unter dem künstlerischen Gesichtspunkt muss ich also sagen, dass ich diesen Prozess der Simplifizierung der Sprache schädlich finde. Allerdings nur und das ist wichtig, weil die meisten Menschen die komplexere Sprache gar nicht mehr beherrschen, sondern nur noch die Lite-Version (ja, ganz recht, das ist ein englisches Wort). Und das führt mich gleich zum nächsten Punkt.

Effizienz ist ein weiterer Aspekt unter dem man die Sprache vielleicht einmal betrachten sollte. Würden die Menschen tatsächlich nur aus Effizienzgründen so sprechen, die ausgeprägtere Form aber dennoch beherrschen, um sie eben künstlerisch zu nutzen. wäre das eigentlich ideal. Die Realität ist da allerdings anderer Meinung.

Die Frage nach der Effizienz will ich auch gleich mit der Frage nach einer globalen Sprache verknüpfen. Eine Sprache ist effizient, wenn sie leicht zu erlernen, schnell zu sprechen und möglichst vollständige Informationen übertragen kann. An sich ist die Idee einer wirklichen Weltsprache sehr gut und fortschrittlich, aber der Weg dorthin ist die Schwierigkeit.
Meiner Meinung nach müsste diese Sprache absolut auf Effizienz ausgelegt sein. Dazu muss sie am Besten von Grund auf entwickelt werden, was wiederum mit einem anderen Problem kollidiert: Die Menschen würden diese neue Sprache nur schwer annehmen. Dabei muss die alte Sprache nicht einmal verdrängt werden, die neue “Einheitssprache” würde lediglich als gemeinsame Basis dienen.
Eine andere Möglichkeit wäre, dass sich eine solche Sprache von selbst im Laufe der Zeit, also durch Sprachevolution dorthin entwickelt. Diese Variante ist für die Menschen leichter anzunehmen, aber dafür ist das Ergebnis kaum vorhersehbar und möglicherweise alles andere als Effizient. Ich halte diese Variante leider für die wahrscheinlichere, denn die allermeisten Menschen denken nicht langfristig und kümmern sich, wenn überhaupt, um ihre eigene Entwicklung.

Zum Schluss will noch den Aspekt der Verständigung einbringen. Damit sich Menschen ohne Informationsverlust und andere Probleme austauschen können, sind innerhalb der genutzten Sprache Regularien erforderlich, da es ansonsten zu Missverständnissen kommen kann. Im Sinne einer allgemein guten Verständigung und einer stabilen Sprache, sollten Veränderungen daher umfassend (durch alle gesellschaftlichen Schichten hindurch) und mit entsprechend langsamer Geschwindigkeit passieren.

Also ich bin ein großer Freund der zugrundeliegenden Idee Weltsprache.

Eine universale Sprache würde die Menscheheit sicher etwas weiter zusammenbringen, und der Kultur wäre es wohl kaum nicht abträglich, sie würde sich anders entwickeln, aber entwickeln würde sie sich.

Zur Verrohung der Sprache kann ich nur sagen das eine Sprache die sich nicht entwickelt zum Ausslaufmodel wird, eine lebendige Sprache hat sich täglich zu ändern.

Zumindest was Anglizismen betrifft gehen die z.B. Franzosen einen Sonderweg. Dort wird peinlich genau darauf geachtet das die Französische Sprache frei von Fremwörtern bleibt, ungeachtet dessen entwicklet sich auch diese Sprache nicht immer so wie sich die älteren Generation es sich wünschen würden :wink:

Zurück zur deutschen Sprache, das tolle an ihr ist das sie mittlerweile so viel erlaubt und auch verbietet das nichteinmal Deutschlehrer 100% „Fehlerfrei“ schreiben können :ugly

Mein persöhnlicher Fovourit ist der „Joghurt“, den man auch wahlweise als „die“ oder „das“ Joghurt schreiben kann, ohne das es ein Rechtschreibfehler ist :mrgreen:

Ich als Germanistikstudent stehe einer globalen Einheitssprache auch sehr kritisch gegenüber - besonders, wenn es das Englische ist.

Zugegeben: Für uns, die wir in der selben Sprachfamilie wie das Englische stecken und daher das Englische recht einfach erlernen können, da es sowohl im Vokabular als auch grammatischen Wendungen vergleichbare Strukturen gibt, mag es vielleicht “verlockend” sein, Englisch bereits jetzt als Weltsprache zu sehen. Dabei wird aber gerne vergessen, dass auch das Englische in bestimmten Regionen der Erde eine eher untergeordnete Bedeutung gegenüber anderen Sprachen hat. Besonders in Asien kann - auch durch die entsprechende Landesgröße und lange Sprachgeschichte - das Chinesische als Universalsprache angesehen werden. Viele Sprachsysteme Asiens sind stark chinesisch beeinflusst, sei es in Grammatik oder Vokabular, so dass es den Sprechern dementsprechend auch leichter fällt, Chinesisch als Zweit- oder Fremdsprache zu lernen, statt sich mit dem Englischen zu beschäftigen. Das Englische ist sozusagen der “Klotz am Bein”, den man hauptsächlich benutzt, um mit dem “Westen” kommunizieren zu können.

Dementsprechend gibt es aktuell gerade (mindestens) zwei Weltsprachen, die konträrer kaum sein könnten: Englisch und Chinesisch. Aus unserer eurozentrischer und stark von den USA beeinflussten Sicht vergessen wir diese “Konkurrenzstellung” aber sehr, sehr gerne, was ein gewaltiger Fehler ist.

Nehmen wir also nun an, dass es eine Einheitssprache geben soll, würde es wieder auf den altbekannten China-Amerika-Konflikt herauslaufen, wobei Englisch dadurch, dass es zumindest als Arbeitssprache weitgehend beherrscht wird, wahrscheinlich bessere Chancen hat, sich endgültig durchzusetzen. Mit der absoluten (und utopischen!) Vorherrschaft des Englischen würden wir aber auf Dauer folgende Probleme bekommen:

[ul][li]Das Englische ist nicht für alle Sprecher der Welt gleich leicht bzw. schwer zu erlernen. Würde es nun repressiv vorangehen, dass alle auf Englisch umstellen müssten, würde es wahrscheinlich nicht nur zu Aufbegehren in verschiedenen Völkern kommen, sondern auch zu Auswirkungen auf Wirtschaft und Kultur des “okkupierten” Landes an sich: Ohne “eigene” anerkannte Sprache erlahmt selbst die innere Kommunikation im Lande. (Was, zugegeben, auch wieder völlig utopisch ist, weil sich kein Maul der Erde derart bevormunden lässt :smt023 )[/][/li][li] Das Englische ist - aus meiner persönlichen Sicht - eine reichlich rudimentäre Sprache: Ich empfinde es als schwer bis unmöglich, auf Englisch einen ästhetischen Text zu verfassen oder auch nur zu finden, da die Sprache aus meiner Sicht schlichtweg nicht für künstlerische Ergüsse geeignet ist. Ich will nun nichts gegen Shakespeare und Konsorten sagen, aber ich vermisse im Englischen die Variationsmöglichkeiten, die zum Beispiel im Deutschen vorhanden sind. Als Arbeitssprache ist Englisch völlig in Ordnung, aber ich kann weder englischsprachigen Liedern noch Gedichten oder Romanen wirklich eine Ästhetik zusprechen, da alles irgendwie einförmig, grob und nichtssagend klingt.[/][/li][li] Es würden sich zwangsläufig weitere “Sprachsorten” ausbilden, um die kulturelle Vielfalt des Sprecherlandes darstellen zu können - viele Phänomene einer Gesellschaft sind derart einzigartig, dass es in anderen Sprachen keine vollständige Entsprechung dafür gibt. Spreche ich beispielsweise von einer Geisha, so ist es schwer, für das damit assoziierte Konzept eine eindeutige und hundertprozentige Entsprechung im Deutschen oder Englischen zu finden, da es - meines Wissens nach - kaum vergleichbare Konzepte im Verlauf unserer Geschichte gab. Dementsprechend entsteht eine sprachliche Lücke, die wir nur mühselig mit unzureichenden Vergleichen oder umfassenden Umschreibungen zu schließen versuchen.[/][/li][li] Es kommt zu “Falschbildungen”, die nur pseudo-englisch wirken. Das populärste Beispiel ist dafür sicherlich das Handy, das als solches nicht auf Anhieb von einem englischsprachigen Muttersprachler identifiziert werden kann, weil “handy” eigentlich eine andere Bedeutung besitzt und nicht einmal ein Nomen ist. Es ist anzunehmen, dass diese “Falschbildungen” auch bei einer Einheitssprache weitergehen würden.[/][/li][li] Einige Völker sind durch ihre Muttersprache kaum in der Lage, die englische Phonetik zu adaptieren. Nicht wenige Völker bedienen sich der Silbensysteme, wodurch alleinstehende Konsonanten kaum bis gar nicht bildbar sind. Besonders das berühmt-berüchtigte “th” würde zu absonderlichen Aussprachen führen, die dann für diese Region als normativ richtig angesehen werden würden. Und die man außerhalb kaum versteht. [/*][/ul][/li]
Selbst wenn das Englische/Chinesische als solches nicht die Vorherrschaft übernehmen würde, gäbe es andere Probleme: Wir bräuchten eine Kunstsprache, die dann wahrscheinlich genauso wie das Esperanto-Experiment scheitern könnte. Als Universalsprache geplant, ist Esperanto nun eine absolute Randerscheinung, die, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, nur wenige hundert oder tausend Sprecher hat. Zudem muss man bei einer Kunstsprache bedenken, dass jene erst einmal erarbeitet werden müsste, was zu folgenden Fragen führt: Welche Sprachstruktur soll sie haben? Soll es eine Ergativsprache werden, sollen die Partikel alles lösen, stehen die Nebensätze vor oder hinter dem, auf was sie sich beziehen? Wie bilden wir die Worte, woran orientieren wir uns? - Spätestens, wenn man sich orientiert, kommt es zu Konflikten um die “Vorherrschaft” in Lexik und Grammatik, und bei dem umfassenden Sprachrepertoire, die nahezu jede Sprache besitzt, tüftelt man noch in 200 Jahren daran …

Erstmal klugscheißen:

Goethe konnte natürlich Hochdeutsch. Hochdeutsch bezeichnet eigentlich erstmal eine Gruppe von Dialekten und Mundarten zu deren Gruppe auch das heutige Standard-Deutsch gehört. (Auch jemand aus Bayern, der im tiefsten Dialekt spricht, spricht Hochdeutsch, aber kein Standard-Deutsch.)

Zum Thema:
Ich halte eine Weltsprache für sinnvoll, wenn sie das Ergebnis von halbwegs natürlichen kulturellen Entwicklungen sein sollte. Eine gemeinsame Sprache erhöht logischerweise die Kommunikation und die gegenseitige Identifikation und reduziert das Konfliktpotential, wissenschaftlicher und kultureller Austausch wird durch eine gemeinsame Sprache verbessert. Das Erlernen von anderen Sprachen neben der eigenen Muttersprache ist auch nicht für alle Menschen mal eben getan, besonders nicht wenn der Sprachkontakt mit Fremdsprachen erst später einsetzt.

Aber: Der Weg hin zu einer Weltsprache darf nicht über direkten Zwang erfolgen, eine Weltsprache darf nicht nur als Symbol der Dominanz einer bestimmten Kulturgruppe verstanden werden, sondern sollte das Ergebnis einer längeren kulturellen Entwicklung sein.

Ich bin dementsprechend ein Gegner von Sprachprotektionismus aber auch des gegenteiligen Verhaltens. Sprache sollten sich auf natürliche Weise entwickeln dürfen. Sollten sie deswegen aussterben, so ist das ok. Sollten sie an Bedeutung erlangen, ist das auch ok.

Eine Kunstsprache würde ich nicht für sinnvoll für eine Weltsprache halten. Es gibt soviele natürliche Sprachen auf der Welt, da gibt es keinen Bedarf für eine Kunstsprache. Es wird auch keine Sprache geben, die für alle Weltbürger einfach zu erlernen sein wird. Esperanto ist z.B. immernoch eindeutig eine europäische Sprache und dürfte für asiatische Menschen wohl nicht sonderlich leichter als Englisch sein.

Was ich nicht verstehe:
Was ist bitte eine “effiziente Sprache”? Daten pro Minute? Daten pro Silbe? Pro Wort? Lerndauer? Exaktheit? Hohe Mündlichkeit-Schriftlichkeit-Übereinstimmung? Schnelle Schriftkommunikation? Schnelle mündliche Kommunikation? Verkürzungspotential?
Die Effizienz einer Sprache zu bestimmen ist meiner Meinung nach nicht wirklich möglich und nicht sinnvoll. Sprachen sind eigentlich immer in bestimmten Bereichen effizient und in anderen weniger effizient.

Für mich würde sich noch eine ganz andere Frage stellen:

Wie lange brauchen wir überhaupt noch eine Weltsprache?
Klar, Google-Translate ist momentan noch nicht ganz so pralle, aber ich kann mir gut vorstellen, dass in 50 bis 100 Jahren über Computer-Übersetzungen fast alles in die wichtigsten 30 Standard-Sprachen übersetzt werden kann. Und da bis dahin auch die Spracherkennung wohl ausgereift sein dürfte, würde es auch alltagstauglich sein.
(Wer jetzt meckert, dass für eine vernünftige Übersetzung künstliche Intelligenz nötig sei: Im Notfall gibt man per brachialer Datengewalt einfach Milliarden von Redewendungen und ihre professionelle Übersetzung in Kombination mit Kontext-Erfassung ein, so wie man es jetzt auch bei Google versucht.)

@DerZyniker

Die mangelnde Ästhetik des Englischen ist meiner Meinung nach einfach persönlicher Geschmack. Wir sind Deutsche und im Deutschen groß geworden. In der Sprache hören wir jeden Unterton und jede Schwankung, was wir im Englischen meist nie können, egal wie sehr wir uns etwas auf unsere Englisch-Kenntnisse einbilden. Wir sind einfach nicht in der Sprache zuhause und assoziieren die einzelnen Wörter und Klänge nicht so sehr wie unsere Muttersprache.

Was ich nicht verstehe:
Was ist bitte eine „effiziente Sprache“? Daten pro Minute? Daten pro Silbe? Pro Wort? Lerndauer? Exaktheit? Hohe Mündlichkeit-Schriftlichkeit-Übereinstimmung? Schnelle Schriftkommunikation? Schnelle mündliche Kommunikation? Verkürzungspotential?
Die Effizienz einer Sprache zu bestimmen ist meiner Meinung nach nicht wirklich möglich und nicht sinnvoll. Sprachen sind eigentlich immer in bestimmten Bereichen effizient und in anderen weniger effizient.

Ich denke mal, das richtet sich an mich und daher will es noch einmal kommentieren. Effizient ist eine Sprache meiner Meinung nach, wenn sie es ermöglicht, mit wenig Aufwand viele Informationen zu übertragen und schnell zu erlernen ist, aufgrund intuitiver Strukturen.
Damit meine ich eine ganzheitliche Effizienz, was heißt, dass nicht nur bestimmte Teileauf Kosten anderer effizient ausgeprägt sind, sondern dass in gewisser Weise ein Optimum besteht.
Eine Sprache effizient auszulegen, bedeutet nach meiner Sicht, die grammatikalischen Strukturen auf so wenig wie möglich grundlegenden Prinzipien zu begründen und basierend darauf, es so weit es geht zu ermöglichen (wo die Grenze ist, geht über dieses Thema hinaus) jede Information, die ein Mensch erzeugen kann (beispielsweise durch Gedanken), vollständig weiterzugeben, also zu kodieren und zu dekodieren, wenn man so will.

Das Englische ist - aus meiner persönlichen Sicht - eine reichlich rudimentäre Sprache: Ich empfinde es als schwer bis unmöglich, auf Englisch einen ästhetischen Text zu verfassen oder auch nur zu finden, da die Sprache aus meiner Sicht schlichtweg nicht für künstlerische Ergüsse geeignet ist.

:ugly :ugly :ugly :ugly

Scheiße Mann, das ist echt ignorant. Nie Poe gelesen? Nie Clockwork Orange gesehen? Nie Neutral Milk Hotel gehört?

Mandelbrotbaum

Was du haben möchtest, kann es so nicht geben. Du forderst praktisch gleichzeitig eine simple Sprache, die schnell zu erlernen ist, die aber gleichzeitig einen hohen Datendurchsatz hat, was eine komplexe Sprache nötig macht, die entweder komplexe Grammatik oder extrem viele Wörter haben muss.
Simple Sprachen werden immer die Gefahr von Ungenauigkeiten haben. Exakte Sprachen werden immer einen hohen Lernaufwand haben.

Goethe konnte natürlich Hochdeutsch. Hochdeutsch bezeichnet eigentlich erstmal eine Gruppe von Dialekten und Mundarten zu deren Gruppe auch das heutige Standard-Deutsch gehört. (Auch jemand aus Bayern, der im tiefsten Dialekt spricht, spricht Hochdeutsch, aber kein Standard-Deutsch.)

Diese Definition ist mir noch nie untergekommen. Tatsächlich gibt es überhaupt keine griffige Definition einzelner Sprachschichten, bzw. wird darüber in der Linguistik heftig gestritten. Was du wohl meinst ist, dass eine Gruppe von Dialekten (was auch immer das sein mag) Subsysteme einer bestimmten Sprache sind, die alle eine bestimmte Sprachtiefenstruktur besitzen.

Das ist übrigens keineswegs Off-Topic, da ich in die Diskussion werfen möchte, dass eine Weltsprache ungleich heftiger von x verschiedenen Dialekten geprägt wäre. Eine „echte“ Einheitssprache kann ich mir daher nicht vorstellen, obgleich ich einen identischen Standard für erstrebenswert halte. Die Pro-Argumente (globales Verständnis, weniger Konflikte) halte ich für driftiger, als das Kulturargument. Apropos Kultur: Das perfide ist doch, dass es ungleich weniger z.B. dänische Schriftsteller von Weltrang gibt, da der Sprecherkreis jener, die die Muttersprache des Autors beherrschen, so gering ist. Eine Weltsprache brächte daher auch eine höhere kulturelle Breitenwirkung mit sich.

Ich bin übrigens auch Germanist, wobei mich alleine die Bezeichnung dieses Fachs kirre werden lässt. Die Idee, eine Kultur innerhalb ihres nationalstaatlichen Rahmens zu studieren, ist völlig widersinnig. Ich fühle mich in der Linguistik wesentlich wohler, da dort globale Gedanken zu Sprache und Kultur gelehrt werden (was ja in der Natur der Sache liegt), und könnte mir gegen den Kopf schlagen, wenn man anstelle von Poe oder Ibsen lieber jedes noch so unbedeutende Randwerk eines deutschen Schriftstellers bespricht. Auch die Kanonpflege als Teil der Literaturwissenschaft ist ein Wasserkopf.

Absolut pro Weltsprache!

Diese Definition ist mir noch nie untergekommen. Tatsächlich gibt es überhaupt keine griffige Definition einzelner Sprachschichten, bzw. wird darüber in der Linguistik heftig gestritten. Was du wohl meinst ist, dass eine Gruppe von Dialekten (was auch immer das sein mag) Subsysteme einer bestimmten Sprache sind, die alle eine bestimmte Sprachtiefenstruktur besitzen.

Also nach meinen Studieninhalten gibt es grob in Deutschland den niederdeutschen Sprachraum und den hochdeutschen Sprachraum. (Benrather-Linie trennt die beiden Räume grob. Niederdeutsch ist grob in Norddeutschland anzusiedeln.)
Goethe sprach ein Dialekt der zum hochdeutschen Sprachraum gehörte, genauer noch zum Oberdeutschen.
Unser Standarddeutsch hat sich aus dem Hochdeutschen entwickelt, ist aber auch „nur“ sprachgeschichtlich gesehen eine mögliche Varietät des Hochdeutschen, die aber soweit dominierte, dass sie zum Standard-Deutsch wurde. Umgangssprachlich bezeichnet man das Standard-Deutsch auch als Hochdeutsch, was aber eben nicht korrekt ist, weil auch die schlimmsten Dialekte in Bayern hochdeutsch sind, aber kein Standard-Deutsch. Eine niederdeutsche Standardsprache gibt es nicht, da die dominante Variätet des Hochdeutschen zu stark ist, es gibt aber immer noch niederdeutsche Dialekte. Dazu gibt es noch die Schwestersprache des Niederdeutschen, das Niederländisch.

Dass darüber gestritten wird, wäre mir neu. Gestritten wird natürlich über die Einordnung von Dialekten in den Mischbereichen des Hoch- und Niederdeutschen, über die gegenseitige Beeinflussung und über den Beginn und die Ursachen der Dominanz und die Herkunft der aktuellen Standard-Varietät.

Achja, mein Fehler. Ich habe die Polysemie des Wortes “Hochdeutsch” vergessen und nur an das Synonym für Standardsprache gedacht. Allerdings glaube ich, dass der Threadersteller ebenfalls die Standardsprache meinte.

Deswegen hatte ich ja auch “klugscheißen” geschrieben. :ugly
Aber da ich das Niederdeutsche eigentlich viel hübscher als das Hochdeutsche finde, auch wenn ich es nicht beherrsche, bestehe ich immer auf die korrekte Verwendung der Begriffe Hochdeutsch und Niederdeutsch.

Wobei ich damit eigentlich gegen meine eigene Philosophie verstoße, dass man den aktuellen Sprachgebrauch eigentlich immer beachten sollte und nicht am Standard-Sprachgebrauch rummeckern sollte.

Was mich zu einer anderen Sache führt:

Menschen nehmen Sprache viel zu ernst. Sprache ist natürlich wichtig, sie ist unser einziges Kommunikationsmittel. Aber einige benutzen Grammatik- und Rechtschreibregeln quasi als Folterinstrument um andere quälen zu können und nennen es dann Bewahrung der Kultur. Dass ein Text verständlich bleibt, ist natürlich wichtig, aber viele viele übertreiben es.
Ich mag auch das Heiligtum “Duden” nicht gerne. Da schreibt irgendjemand vor, wie angeblich das Standard-Deutsch auszusehen hat bzw. angeblich aussehen würde und weiter wird es dann instrumentalisiert um Leute fertig zu machen, obwohl man ohne Probleme den Text richtig verstehen kann. Am liebsten benutze ich den Duden noch, um Leuten zu zeigen, dass sie jemand falsch korrigiert haben.

@ Baru

Ich bin kein Sprachwissenschaftler, aber hältst du es nicht für möglich, eine Sprache zu entwickeln, die auf Prinzipien basiert, die es ermöglichen, Bestandteile der Sprache zur Erzeugung komplexerer Information zu nutzen, ohne diese Bestandteile vorher auswendig gelernt zu haben? So könnten Wörter oder Satzstrukturen auf Basis eines Prinzips an die zu übertragende Information angepasst werden, ohne dass mehrere Sonderfälle gelernt und angewandt werden müssten.

Du kannst ja mal schauen, wie einfach du diese Sprache findest: http://de.wikipedia.org/wiki/Lojban
Diese Sprache wurde wohl grob nach den Kriterien geschaffen, die du im Sinn hast.

Ich halte eine vernünftig lernbare und sprechbare Sprache mit logischen und nachvollziehbaren Grundprinzipien für nicht möglich. Denn wir kennen nicht die Grundprinzipien nach der wir unsere Sprachen überhaupt bilden und die Sprachen der Welt unterscheiden sich fundamental, was es eher unwahrscheinlich macht, dass es überhaupt eine ausreichende Anzahl von Grundprinzipien gibt.

Wie gesagt, ich bin kein Sprachwissenschaftler und sehe das ganze aus einer anderen Perspektive. Aber in dem Fall wäre es für eine Weltsprache wohl besser, wenn sie vor allem die vollständige Übertragung von Informationen ermöglicht, statt schnell erlernbar zu sein.

Das Erschaffen einer Weltsprache halte ich praktisch gesehen für aussichtslos. Eine Regel über Sprachwandel, die der Germanistik-Student schon im ersten Semester lernt ist, dass Sprachwandel ungesteuert und unbeabsichtigt funktioniert, also nicht lenkbar ist. Sobald Sprachen benutzt werden bilden sie immer auch Varietäten aus. Also Dialekte, Soziolekte, Ethnolekte etc.
Übrigens ist es ein Trugschluss zu glauben, es gäbe Sprachen die objektiv leicht oder schwer zu lernen sind. Wie schwierig ein Fremdsprachenerwerb empfunden wird, hängt davon ab, wie ähnlich sich die Strukturen der Fremdsprache und der Muttersprache sind. Ein deutscher tut sich - im Vergleich mit dem Engländer - mit Latein zum Beispiel leichter, weil er es gewohnt ist, dass unterschiedliche Kasus unterschiedlich markiert werden und es Kongruenzregeln gibt (z. B. zwischen Adjektiv und Substantiv). Außerdem haben deutsche Hauptwörter wie im Lateinischen ein grammatisches Geschlecht.
Und über Sprachverfall durch Anglizismen würde ich mir auch keine Sorgen machen, der wird nämlich überschätzt. Bisher werden meines Wissens nach ja nur Wörter übernommen, aber das machen alle Sprachen ständig. Etwas anderes wäre es, wenn z. B. Wortendungen übernommen würden. Mit dem Französischen, das sprachgeschichtlich einen viel größeren Einfluss auf die deutsche Sprache hatte, als das Englische momentan, ist genau das passiert. die deutsche Endung “ität” wie in Identität ist nur die eingedeutschte Form der franz. Endung “ité” .Und davon ist das Deutsche auch nicht untergegangen.

[Edit]

Maschendraht

Du übersiehst eine Kleinigkeit:
Die bisherige Sprachentwicklung war nicht beeinflusst von der radikalen Form der Globalisierung, die wir heute haben. Die wichtigsten Sprachen wie Englisch, Chinesisch, Arabisch und Spanisch dominieren große Teile der Erde und jemand der diese vier Sprachen beherrschen sollte, kann sich in so gut wie jeder Region mit einem Teil der Bevölkerung zumindest rudimentär verständigen, weil eine dieser Sprache spätestens als Fremdsprache von einem größeren Teil der Bevölkerung gesprochen wird.
Das wäre 1800 noch undenkbar gewesen.

Wenn man sich das Englische anschaut, gibt es damit jetzt schon eine Weltsprache für die Wissenschaftler. Und das Englische hat sich auch als wichtigste Sprache des Internets etabliert und wird deswegen vermutlich eine starke Verbreitung finden, noch stärker als vorher.

Natürlich werden sich auch Dialekte und Co. entwickeln. Pidgin-Sprachen wären mehr als nur wahrscheinlich, aber keiner sagt, dass neben einer Weltsprache nicht noch andere Sprachen existieren können.

Die Frage der Weltsprache ist stark davon abhängig, in welche Richtung sich die Kulturen der Welt entwickeln und ob wir große, ernsthafte Katastrophen erleben müssen oder nicht, ob eine, zwei oder viele Kulturen sich als dominant erweisen und für welche Sprachen diese sich wiederum entscheiden.
Und wie ich schon vorher ausgeführt habe, auch von der technischen Entwicklung. Sollten Computerübersetzungen irgendwann vernünftig funktionieren, was ich für wahrscheinlich halte, dann gibt es keinen Bedarf und keinen Zweck mehr für eine Weltsprache.

Es kommt darauf an was du unter Weltsprache verstehst. Wenn du damit eine Sprache meinst, die von selbst Dank einer großen Anzahl von Sprechern an vielen Orten verstanden wird, ist das durchaus möglich. Was nicht funktioniert ist eine Sprache in einem offiziellen Akt zu einer Weltsprache für alle behördlichen und wissenschaftlichen Vorgänge zu erklären, am besten noch eine einheitliche.

Regional übergreifende Sprachen gab es allerdings schon immer. In der Antike war es Griechisch, im Mittelalter Latein, in der frühen Neuzeit Französisch und heute ist es eben in der westlichen Welt Englisch. Wenn ich einen international verständlichen wissenschaftlichen Artikel schreiben will mache ich das auf Englisch, daneben wird im deutschen Sprachraum trotzdem immer sehr viel auf Deutsch geforscht.

Der Einfluss des Internets ist sehr interessant, darüber habe ich aber keine Ahnung ehrlich gesagt. Einerseits fördert er den Kontakt zwischen verschiedenen Sprachen, andererseits wird im Inet kaum gesprochen und Sprachwandel hat sehr sehr viel mit Phonetik zu tun. Ich halte die tägliche Kommunikation von Angesicht zu Angesicht deshalb immer noch für einflussreicher. Das ist aber nur eine Vermutung. Wenn dies jemand mit einer Studie bestätigen oder widerlegen könnte wäre mir das eine rigoros erquickende Pläsier.

Zum Thema “Verfall der deutschen Sprache” empfehle ich immer gerne dieses Video:

[video]http://www.youtube.com/watch?v=krDRo0Y7WAM[/video]