Gezwungene Schweigeminute

Aufgrund des kurzen Themas in der aktuellen FK-TV-Folge wollte ich mal kurz das Thema der Schweigeminute ansprechen die vor 1-2 Wochen statt fand.

Zum Zeitpunkt an dem diese Schweigeminute statt fand saß ich in der Schule und wurde dann regelrecht gezwungen so eine Schweigeminute zu halten da ansonsten mit einer Strafe gedroht wurde (Ich gehe momentan in die Mittlere Stufe (12te Klasse)). Auch wenn das alles nur eine Minute (am Ende warens 3) ging, fand ich das ziemlich frech, dass ich gezwungen werde mein Mitleid für Leute auszusprechen für die ich weder Mitleid noch sonsteine Art von Gefühl hege. Ich kannte diese Toten nicht und möchte sie auch nicht kennen. In Dritte-Welt Länder sterben auch täglich Menschen und anderen Ländern auch, und selbst in Deutschland sterben Menschen, oder werden gar umgebracht. Und nur weil dieser Fall groß in den Medien eingeschlagen ist sollen wir bzw ich nun mehr Mitleid zeigen als für andere Menschen? Oder war hier wohl eher der Gedankem dass ja gezeigt werden muss, dass Deutschland kein Naziland mehr ist und alles was damit zu tun hat wird nichtmehr aktzeptiert?

Alles in einem finde ich solche Aktionen wo mir gesagt wird wie ich mich zu fühlen habe einfach nur beleidigend.

PS: Mir geht es hier weder um die Tat an sich oder die Opfer sondern eben das Gezwungene Fühlen, unabhängig vom Thema

Tja, willkommen in der Kollektivschuld! :wink:

Ich sollte mehr unter Menschen gehen, davon hab’ ich ja absolut nichts von mitgekriegt. Für wen war denn die Schweigeminute?

Das war die Trauerfeier für die NsU-Opfer.

Tja, willkommen in der Kollektivschuld! :wink:

Dabei komme ich nicht mal aus Deutschland …

Ich wäre, wenn mich der Zirkus so wie dich genervt hätte, wohl einfach demonstrativ schweigend aufs Klo pissen gegangen statt mir das aufdrängen zu lassen :smt029

Als Warnung vorweg:

Hier ist das Thema erzwungene Schweigeminuten. Eine Wiederholung des Themas rechter und linker Terror und dem NSU ist hier nicht erwünscht und wird ausgeblendet werden.

Das Problem hatte ich erst garnicht. In meiner Stadt hat man von dieser angeordneten Trauer nichts das Geringste bemerkt! Trauer kann man nicht verordnen - erst recht nicht für unbekannte Personen. Und wie Neko schon beschrieben hat, sterben jeden Tag mehr Menschen unter ähnlichen Umständen, und keine Sau interessiert es.
Das ist alles nur verlogen! :wink:

Ich habe eine Meinung zu dieser “Kollektiv-Schuld”, die dieses Bild am besten ausdrückt:

Ich wurde nach dem 11 September damals zu einer Schweigeminute… gezwungen… :roll:

Ja, auch in dieser Hinsicht bin ich froh, die Schule hinter mir zu haben…

Bei uns gab’s das gleich mehrmals im Jahr, sei es 11. September (JEDES JAHR Schweigeminute)(ja, schlimme Sache war das), zu jedem Amoklauf (ja, ganz schlimm ich weiß) und ähnliche Themen. Und gerade WEIL ICH WEIß, dass das schlimme Ereignisse sind, muss und will ich nicht mit einer möchtegern-kollektiven Betroffenheits-Orgie konfrontiert werden!

  1. Bringe ich meine Trauer zum Ausdruck, wenn ich es möchte
  2. Kann ich Heuchelei von Tod nicht ausstehen. Und nichts anderes ist das.

Und was soll ich sagen: Auf Arbeit geht’s mit der Sch… weiter. Hing doch tatsächlich am schwarzen Brett der Aufruf vom Betriebsrat, sich an der Schweigeminute zu beteiligen für die NSU-Opfer…

Ach, das wurde auch noch in ganz anderen Dimensionen zelebriert, wie dieses interne Dokument beweist. Da wird die Trauer regelrecht per Anweisung von oben angeordnet! :wink:

http://s14.directupload.net/images/120223/y88i9p5e.pdf

Im Grunde wurde schon einiges in diesem Thread dazu gesagt und ich erkenne einiges in den ersten Posts hier wieder.
Es geht meiner Meinung nach nicht um verordnete Trauer. Niemand kann dazu gezwungen werden zu Trauern und niemand darf dazu gezwungen werden Trauer zu bekunden. Das ist auch nicht passiert. Du konntest doch nachdenken worüber du wolltest während der Zeit. Hättest du allerdings während der Schweigeminute gesprochen, hättest du diejenigen, die trauern wollten, gestört.
Du wurdest also nicht, wie du behauptest, dazu gezwungen, dein Mitleid auszusprechen (bemerkenswerte Wortwahl im Zusammenhang einer Schweigeminute), sondern lediglich die Trauernden nicht zu stören.
Ich verstehe solche Schweigeminuten als Gelegenheit zum Innehalten und Nachdenken. Zu welchem Schluss man dabei kommt ist jedem selbst überlassen. Und genau das finde ich gerade an Schulen wichtig. Gut wäre natürlich, wenn man in Unterricht anschließend auch ein wenig darüber diskutieren würde.

Ich verstehe nicht, warum einige von euch hier Verbreitung von Kollektivschuldsgefühlen wittern, wenn doch auch zu anderen Anlässen, wie dem 11. September oder diversen Amokläufen, Schweigeminuten abgehalten werden.

  1. Kann ich Heuchelei von Tod nicht ausstehen. Und nichts anderes ist das.

Wie heuchelt man denn Tod :-o ?

Ich habe von dieser Schweigeminute auch erst durch FkTv Kenntnis erhalten.

Ich weiß nicht recht, ob das Konzept Schweigeminute allzu sinnvoll ist. Klar es ist erstmal sinnvoll die nicht zu stören, die sich besinnen wollen, aber was nützt so eine Schweigeminute? Die Zeit ist zu kurz, um wirklich zu sinnvollen Resultaten zu was auch immer zu kommen. In meinem Schülerleben gab es damals nur eine Schweigeminute, ich weiß nicht mehr wozu, es war vor 2000.

Für mich persöhnlich war es viel witziger auf die Uhr zu gucken und zu merken, dass eben keine 60 Sekunden geschwiegen wurde oder mich umzuschauen wie alle brav nach vorn blickten. Es war einfach nur belustigend. Gerade ein Klassenzimmer unter lauter Mitschülern im jugendlichen Schüleralter ist sicher nichts, wo man durch ein paar Sekunden gemeinsames Schweigen irgendwas erreicht.

Ich schwanke auch ein bisschen - Je nach “Thema” der Schweigeminute - will man damit echte Solidarität zu Opfern oder wasauchimmer bekunden, oder dient es nur dazu zu sagen schaut mal, wir trauern auch um diese 3000 Toten?

Oder anders: Geschwiegen wird zu gewissen Themen viel zuviel. Die Devise ist nicht “arbeiten, schweigen, weiter arbeiten”, sondern eher vielleicht “pausieren und reflektieren”. Da es für die im vorigen Absatz verlinkten 3000 Toten hier wohl nie eine Schweigeminute geben wird frage ich mich auch inwieweit selbige dazu dienen kann ein Thema als wichtiger darzustellen als das andere.

Ich verstehe solche Schweigeminuten als Gelegenheit zum Innehalten und Nachdenken.

Ich überlege.
Das heißt: Man hat sonst keine Gelegenheit, um mal darüber Nachzudenken?
Scheinbar ist jeder so sehr beschäftigt im Leben (sogar Schüler!), dass es ihnen nicht möglich ist
privat darüber nachzudenken, sodass man ihnen die Möglichkeit geben muss dieses zu tun - Oder verstehe ich das falsch?

Jeder der Trauer empfindet - und damit meine ich wirkliche Trauer. Keine aufgesetzte, weil man unbewusst
der Masse hinterher rennt- wird sich sowieso mit dem Thema auseinander setzen.
Jeder den es nicht Interessiert - aus welchen Gründen auch immer - wird dieses eben nicht tun und sich eher gestört
von so einer Schweigeminute fühlen.
Da man eben so eine Minute veranstaltet, bedeutet es, dass derjenige sich direkt oder indirekt mit diesem Thema auseinander setzen muss - ob er will oder nicht.

Und das halte ich letztendlich für Falsch.

Zumal wirklich nur Schweigeminuten eingelegt werden für Themen, die in den Medien breit getreten wurden, was in meinen Augen einen nur die Weitsicht auf die Probleme nimmt, die min. genauso schlimm sind, aber beiweiten länger existieren.

Ich finde derartige erzwungene Schweigeminuten unsinnig.

Wer ein kleines bisschen Anstand hat, der ist von den Vorfällen bestürzt und denkt eh darüber nach (Das Menschen mit dem Sarrazin-Buch im Avatar diesen Anstand nicht haben, ist zwar bedauerlich, aber eine Gesellschaft muss auch Idioten ertragen können.). Eine verordnete Schweigeminute braucht dafür niemand.

Trotzdem weiß ich nicht, warum sich jemand meint, einen Zacken aus der Krone zu brechen, wenn er ein paar Sekunden in Gedenken an ein paar unschuldig ermordete Menschen schweigt.

Rein statistisch verhungern in jeder Schweigeminute ~70 Menschen weltweit, bei den meisten Schweigeminuten wird aus Gründen geschwiegen die rein menschlich betrachtet weniger als 70 Menschenleben entsprechen.

Kommt mir jetzt bitte nicht mit dem Bullshit man könnte Menschenleben nicht zu Zahlen degradieren oder gegeneinander aufrechnen.

Wo ich selbst Schweigeminuten für angebracht halte ist im Kreise der unmittelbar Betroffenen. Wenn an Schule X ein irrer Morgen 10 Mitschüler über den Haufen schießt, und dann an dieser Schule fortan jährlich eine Schweigeminute gehalten wird dann stimmt die Verhältnismässigkeit.

Und es ist auch wahr das 9/11 weltbewegender war und ist als ein Genozid mit 1.000.000+ bestialisch abgeschlachteten Menschen in Land XY. Das muss ich nicht gutheißen, aber 9/11 ist mit seinen paar Toten im Vergleich wichtiger (traurig aber wahr). :smt011

Kommt wohl auch darauf an, welcher Religion die Opfer angehörten. :ugly
Schweigeminuten sind schwachsinnig und werden es auch immer sein! Die meisten Menschen haben schlicht und ergreifend wichtigere Probleme, als dass sie um wildfremde Personen trauern müssten. Und je mehr man das Gefühl hat, dass so etwas von oben angeordnet wird, desto heftiger ist der innere Widerstand dagegen. Ich persönlich trauere nur um Sachverhalte, die mich persönlich betreffen.

Wer ein kleines bisschen Anstand hat, der ist von den Vorfällen bestürzt und denkt eh darüber nach (Das Menschen mit dem Sarrazin-Buch im Avatar diesen Anstand nicht haben, ist zwar bedauerlich, aber eine Gesellschaft muss auch Idioten ertragen können)

Wow. Danke :mrgreen:

Wieso sollte ich keinen Anstand haben?
Ich finde ich habe Anstand in dem ich mich aus Sachen raushalte, mit denen ich nichts zu tun habe, bzw worüber ich keine Ahnung habe.
Und ich habe die Leute in Ruhe Ihre Minute halten lassen, nur habe ich dabei halt meinen Tagesplan zurechtgelegt anstatt zu "trauern"
PS: Das Buch ist nur deshalb im Bild, weil zum Zeitpunkt der Aufnahme waren alle am Meckern über Sarazzin, und da wollte ich mir mit dem Bild ein kleines späßle erlauben :smt006

Wir reden doch von Schülern, die noch auf bestimmte Dinge aufmerksam gemacht werden sollen. Viele Schüler haben sich eben noch keine Gedanken gemacht und das wäre eine Gelegenheit dazu. Schüler sind doch nicht immer reife, kritikbewusste Menschen.

Was ist das denn für eine Mentalität wenn man sagt, dass mich nur das etwas angeht, was unmittelbar mir oder nächsten Verwandten/Bekannten passiert? Wir leben doch in einer Gesellschaft. Und Entwicklungen, deren Folgen andere zu spüren bekommen, bekomme vielleicht auch ich irgendwann zu spüren. Deshalb lohnt es sich schon sich zumindest dafür zu interessieren.

Letztlich hat die Schule auch die Aufgabe Schüler mit verschiedenen aktuellen Geschehnissen zu konfrontieren. Das gehört für mich zum schulischen Bildungsauftrag dazu.