Folge 71: Atomkraft - Gast: Dr. Anna Veronika Wendland

Veto Folge 71. Hier kann darüber diskutiert werden!

Die Energieversorgung in Deutschland ist akut gefährdet. Gas und Öl aus Russland sollen gekappt werden, zugleich gibt es den Ausstieg und Kohle- und Kernergie. Die Energie-Expertin Anna Veronika Wendland fordert deswegen eine Rückkehr zur Atomkraft. Die Risiken seien gering, zugleich könne auf relativ kleiner Fläche viel Energie erzeugt werden.

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Sie hat eigentlich viel nachvollziehbares gesagt und mir ist nichts groß aufgefallen, dass man einfach widerlegen könnte.

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Ich fand das Interview gelungen, da Frau Dr. Wendland sehr um eine Versachlichung bemüht war. Um ihre Aussagen überprüfen zu können, hätte ich mir als Zugabe gerne Quellen gewünscht, in denen man nachlesen kann, wie es um die Endlagerung bestellt ist.

Ich stimme ihr grundsätzlich zu. Kernkraft einseitig zu verdammen, hilft einem im Kampf gegen den Klimawandel nicht weiter. Natürlich ist die Entsorgungsfrage bedeutsam, aber da erneuerbare Energien einfach sehr volatil in ihrer in puncto dauerhafter Energieversorgung sind, müssen dafür Lösungen her und solange diese Lösungen noch nicht marktreif sind, ist Kernenergie eine wichtige Brückentechnologie, die wir nutzen sollten, solange sie eben technisch sauber gewartet und überwacht wird und gegen alle erdenklichen Vorkommnisse gesichert wird.

Auch die Doppelmoral vieler normaler Bürger wurde wunderbar aufgegriffen. Ein AKW oder ein Endlager will niemand neben seinem Haus haben, aber eine Windkraftanlage auch nicht. So kann man natürlich keine Fortschritte erzielen, wobei Frau Wendland auch klar gezeigt hat, dass diese Debatte um die Windkraft das eigentliche Problem (eine stabile Grundlast) nicht lösen kann.

Danke für das Interview!

@Fernsehkritiker Hattest du nicht schon einmal einen Atomkraft-Befürworter bei Veto zu Gast? Ich meine mich erinnern zu können, dass der Gast damals bei weitem nicht so valide argumentiert hat. Ah ja, Folge 11 war das. Lange ist es her.

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Deshalb wundert es mich, dass man bei der ganzen Atom-Debatte nicht von den Atommüll-Recycling-Ansätzen, wie zum Beispiel den „schnellen Reaktor“ BN-800 - ach so - russische Technik - da dann… :ugly:

Aber auch in der EU gibt es Ansätze.

…oder was ist mit der Transmutation, mit der man die Lagerzeit von 300.000 Jahre auf 300 kürzen könnte…

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Also bzgl. Umgang mit Atommüll hat man relativ wenig von Frau Wendland gehört (ab Minute 40:30). Das Thema sorgt ja auch nur für schlechte Laune. Dass man Atomkraftwerke halbwegs sicher bauen kann, bezweifle ich nicht. Aber solange so ein Kraftwerk Müll produziert, der zig tausend Jahre auf der Erde betreut werden muss, ist das Thema für mich undenkbar. Sie spricht dann leider nur davon, wo man das Problem theoretisch vergraben und nicht wie man es lösen könnte. Es ist einfach der Elefant im Raum, über den man eine Decke legt und hofft, dass ihn keiner mehr wahrnimmt.

Wenn durch neuartige Verfahren die Radioaktivität massiv verkürzt werden kann (bspw. < 50 Jahre), kann man sich das Thema nochmal anschauen. Von mir aus können wir den Müll auch auf den Mars schießen. Alles besser als die Erde auf ewig zu verseuchen.

Hochinteressantes Interview, Frau Wendland scheint wirklich zu wissen, wovon sie spricht - sie macht den Eindruck, als hätte sie sich sehr detailliert und tief mit Atomenergie, Reaktorsicherheit und Endlagerung befasst.
Es wäre wünschenswert, wenn Menschen wie sie politische Verantwortung übernehmen, oder zumindest eine Beratertätigkeit für die Bundesregierung.
Und dann aber auch gehört werden.

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Wie weiter oben schon gesagt, gibt es Verfahren, die die Langlebigkeit des strahlenden Atommülls vermindern.

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Sehr sympathischer, kompetenter Gast. Kam bisher nur dazu, mir den Youtube-Ausschnitt anzuschauen, aber der hat mich dann doch sehr schnell neugierig auf den Rest gemacht. Und das, obwohl ich vorher eher skeptisch war, denn Schwurbler gibt es bei dieser Thematik auf beiden Seiten jede Menge. Frau Dr. Wendland wirkt soweit jedoch angenehm sachlich und differenziert in ihren Ausführungen.

Also eine gute Diskussionsgrundlage für diesen Thread. Könnte interessant werden. Nachdem wir im Forum bereits eine erstaunlich große Anzahl von Epidemiologen, Virologen und Medizinern haben, bin ich gespannt, wie viele Nuklearwissenschaftler und Klimaforscher jetzt noch hinzu kommen. :stuck_out_tongue_winking_eye:

Du bist ja alles in einem :stuck_out_tongue_closed_eyes:

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Ich weiß. :innocent:

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Die Frage ist doch letztlich gar nicht „Atomkraft - ja oder nein“.

Vielmehr geht es darum, ob wir Atomstrom selber erzeugen oder aus anderen Ländern importieren, die teils viel schlechtere Reaktoren haben. Oder man macht eben mit fossilen Energiearten weiter (how dare you), wenn man keine Stromausfälle in Kauf nehmen will.

Man kann noch so viel Windräder bauen, wenn kein Wind weht, dann erzeugen 1000 Windräder genauso wenig Strom wie 10. Und „im Netz speichern“, wie Frau Baerbock mal meinte, kann man die überschüssige Energie eben auch nicht.

Es geht auch nicht darum, ob Atomkraft perfekt ist (natürlich nicht), sondern was das geringere Übel darstellt.

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Anhand dieses Gespräches wurde mir mal wieder klar, was ich an dem Format „Veto“ zu schätzen weiß:

Würde mich solch ein Redeschwall IRL und ungefiltert treffen (in derFußgängerzone an einem Aktionsstand oder so) … früher oder später müsste ich kapitulieren, zumal sich einige Argumente ja durchaus plausibel anhören. Spätestens wenn mir dann hunderte von Zahlen im Sekundentakt gegen den Kopf geballert werden, habe ich eh verloren. :sleepy:

Es scheint eine besondere Gabe zu sein, sein Gegenüber sozusagen „besoffen zu quatschen“.
Das habe ich bislang vorwiegend bei Bankberatern erlebt, die irgendwelche Anlangen an den Mann bringen wollten.
Was nicht unbedingt heißt, dass die im Recht sind oder die Weisheit für sich gepachtet haben. 2 Jahre später sind deren Empfehlungen vielleicht schon nicht mehr gültig. Aber dann sind die natürlich längst nicht mehr greifbar …

Dank Veto habe ich immerhin die Möglichkeit, mir solche Monologe in Ruhe anzuhören und dies auch jederzeit zu wiederholen … und sei es paar Jahre später.

Gegen die Argumentation von Dr. Anna Veronika Wendland ist zunächst nichts zu sagen.
Fast hat man den Eindruck, es sei dumm, ihr nicht zuzustimmen.

Was mich aber aus o.a. Gründen hellhörig macht, ist die Art ihrer Gesprächsführung.
Sie ergeht sich in Monologen und lässt kaum Dialog zu.

Das liegt hier wohl daran, dass Holger in dieser Folge die Seite der Kernkraft-Befürworter zu Wort lassen kommen wollte. Er hat sie ja entsprechend mit Bedenken konfrontiert, auf die sie dann geantwortet hat. Ob sie ein Interesse an einem Dialog hat, kann man wohl nur beurteilen, wenn neben ihr jemand gesessen hätte, der eine klare Gegenposition bezogen hätte.

Zwischen den Zeilen schimmerte aber durch, dass sie die Gegenargumente gegen Atomkraft für zu kurz gedacht hält.

Die beiden Hauptaspekte Sicherheit und Endlagerung hat sie entsprechend schlüssig dargelegt, wobei ich bei der Müllfrage auch nicht genauer weiß, was der neueste Stand der Forschung ist. Grundsätzlich habe ich bezüglich dieser Thematik auch die größten Bedenken, denn so ein AKW generiert recht zuverlässig Strom und das ist ja der ganze Aufhänger der Geschichte.

Diejenigen, die saubere Energie aus erneuerbaren Quellen fordern, haben nach wie vor kein Konzept, wie die gewaltigen Energiemengen der Zukunft zuverlässig gedeckt werden können. Dezentralisierte Ansätze mögen für private Endverbraucher eine Option sein, aber woher soll die Industrie ihren Strom beziehen? Energiespeicher sind meines Wissens nach noch nicht ausgereift genug und wenn alle anderen Länder Europas sowieso weiterhin Atomkraft benutzen, warum nutzen dann nicht auch wir die Atomkraft noch ein paar Jahre länger, bis diese kritische Frage gelöst worden ist?

Genauso könnte die Gegenseite AKW-Befürworter fragen, wie sie die Endlagerung lösen wollen. Auf beide Fragen gibt es noch keine endgültige Lösung. Allerdings deckt Kernkraft bereits einen Grundbedarf an Energie zuverlässig ab, während erneuerbare Energieanlagen diesen Strom nicht zuverlässig bereitstellen können. Atommüll ist leider da und wird es auch in Zukunft noch bleiben, diese Frage müssen wir also angehen, aber der Klimawandel schreitet ja dennoch fort. Zudem zeigt der Ukraine-Krieg ja die große Gefahr der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen überdeutlich auf. Deutschland muss hier also abwägen zwischen Nachhaltigkeit um jeden (!) Preis und einer Gewährleistung von zuverlässiger Energieversorgung auf Jahrzehnte gesehen.

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Was den Atommüll angeht bin ich Egoist: Mir ist ziemlich egal, was damit in 1000 Jahren ist, dann bin ich längst tot. Der Klimawandel wird mich dagegen in meiner Lebenszeit noch stark betreffen. Wenn Atomkraft hilft ihn abzuschwächen, dann sollte man natürlich darauf setzen.

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Also wenn man auf der Titanic ist, dann nicht versuchen gegenzusteuern, sondern lieber Schampus und Kaviar holen und eine fette Sause bis zum Ende machen? :thinking:

Leider wird dieses Thema nie beachtet.

Nein, wenn man auf der Titanic ist, ins Rettungsboot steigen, ohne sich Sorgen darüber zu machen, dass das Schiff, wenn es untergeht die Umwelt verschmutzt. Das eigene Leben zu retten hat Vorrang.

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Ja stimmt, das war Herr Hartmann von der BüSo:

Habe ihn zwar als überwiegend kompetenten Gast in Erinnerung, allerdings bin ich bei der BüSo immer ziemlich skeptisch. Herr Hartmann ist dort anscheinend nach wie vor engagiert, während Frau Wendland in ihren Aktivitäten deutlich vielfältiger aufgestellt und nicht an eine bestimmte politische Gruppierung gebunden ist. Aus meiner Sicht ein wichtiger Pluspunkt. Einseitige politisch/ideologisch eingefärbte Standpunkte hören wir zu dieser Thematik jetzt schon seit Jahren mehr als genug.

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In der Tat hat mich dieses Thema deshalb noch einmal gereizt - weil Frau Wendland zweifellos der bessere Gast ist und das Thema inzwischen natürlich einen ganz anderen Stellenwert hat.

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Sehr schöne Veto Folge. Ich bin gegen Atomkraft. Kann noch so sicher sein, aber wenn was passiert, ist die Katastrophe groß.