Folge 51: Die Basis

Eher typisch, und zwar auf zweierlei Art:

Erstens ist israelbezogener Antisemitismus extrem weit verbreitet in Deutschland, und zweitens wird er in den allermeisten Fällen relativiert oder geleugnet - es sei denn, er kommt von jemandem, der bereits aus anderen Gründen als Bösewicht markiert ist. Okay, außerdem hat Bhakdi vergessen, dass der Code der neuen Antisemiten vorschreibt, dass man „Zionisten“ statt „Juden“ sagen muss, um auf der sicheren Seite zu sein.

Ich finde es prinzipiell richtig, dass man ihm das nicht durchgehen lässt, und fände es schön, wenn es tatsächlich um die Sache ginge und nicht nur darum, Material gegen einen renommierten Mediziner zu sammeln, der zum Thema Covid aus der Reihe tanzt. Als Norbert Blüm vor Jahren bei „Hart aber fair“ ähnliche Töne spuckte, konnte er sich jedenfalls vor Solidaritätsbekundungen von allen Seiten kaum retten.

Es macht seine Aussagen nicht wirklich besser, aber Bhakdi schien es wichtig zu sein, in der Einleitung seines Statements zu betonen, dass er nie irgendwelchen Hass gegen Juden verspürt hat. Kann man als bequeme Relativierung betrachten, allerdings ist Bhakdi meines Wissens nach nie durch antisemitische Äußerungen aufgefallen. Er verurteilt Israel aus seiner verqueren Perspektive heraus, dass der „Impfzwang“ mit Massenmord gleichzusetzen ist (dass dort nun eine dritte Impfkampagne gestartet werden soll und auch Kinder massenhaft geimpft wurden, schien Bhakdis Anlass für die oben zitierte Aussage zu sein). Diesen Vergleich hat er auch schon bei anderen Ländern gemacht. Und egal über welches Land er bisher gesprochen hat, wenns um die jeweilige Impfpolitik ging, greift Bhakdi leider immer wieder zu völlig überzogenen, abseitigen Vergleichen.

Mich persönlich würde vor allem interessieren, was mit diesem Mann in den letzten Jahren passiert ist. Sollte er tatsächlich zu extremen Gesinnungen wie Antisemitismus neigen, stellt sich die Frage, wie das vorher nie jemandem im Medienbereich auffallen konnte. Es fiel zumindest nie auf, solange Bhakdi willkommener Gast in Mainstream-Sendungen gewesen ist. Vor Ausbruch der Corona-Pandemie war er immer wieder in öffentlich-rechtlichen Sendungen wie NANO (3sat) eingeladen:

Entweder hat er seit damals einen extremen Wandel durchgemacht oder es war schon immer bekannt, dass er zu zweifelhaften Ansichten neigt - aber die Medienmacher haben jahrelang großzügig weggeschaut, solange er vor der Kamera die erwünschten Narrative bedient hat. :thinking:

Ich kann dir das natürlich nicht beantworten, kann aber aus meiner Unizeit in Mainz bis 2010 berichten, in der ich einige Male mit Bhakdi zu tun hatte. Unter anderem hat er damals auch die Festrede meiner Abschlussfeier gehalten.

Er war schon immer ziemlich exzentrisch und nach Erfahrungsberichten von Studenten zufolge zwischenmenschlich schwierig (vorsichtig ausgedrückt) bis hin zu einem gewissen Narzissmus.
Auch sein Abgang nach Kiel ein paar Jahre später soll wohl etwas unschön gewesen sein.

Erklärt natürlich noch lange nichts, aber vielleicht neigen exzentrische Charaktere in besonderen Situationen eher zu Extrempositionen, wer weiß

Klingt wie ein klassischer Medienvertreter. :ugly: Die anderen Experten, die ihre Nase bei jedem Furz in die Kamera halten und in öffentlich-rechtlichen Talkshows einen Dauerplatz reserviert haben, sind charakterlich wahrscheinlich ähnlich gestrickt. Vor allem was Narzissmus betrifft.

Aber gut, zynisch betrachtet, könnte man aufgrund deiner Bhakdi-Erfahrungen sagen: Hätte er in der Corona-Pandemie ohne große Widerworte das gängige Narrativ unterstützt, hätten sich die Mainstream-Medien wohl auch weiterhin nicht für seine extremeren Seiten interessiert.

Hier ist das Original Interview in voller Länge.
Ich denke, ob da was aus dem Kontext gerissen wurde oder nicht, dass
kann man dann sehen wenn man das Originalinterview in voller Länge gesehen hat.

Also die was sie so sagen ist ja okay und Ansichtssache, gewisse Sachen bin ich voll bei ihnen. Aber ich finde die Dame ist ein absolutes NOGO, die lässt ja nicht mal ihren „Genossen“ aussprechen, was ja selbst ihn nervt, was man oft genug an seinem Gesicht sieht.