Folge 47: Pro und Contra #allesdichtmachen

Das behauptet übrigens jemand, der über Die Linke im Osten folgendes propagiert:

Am Ende ist eben alles eine Frage der eigenen Schablone im Kopf. In welche Richtung ist man bereit, sein Auge am stärksten zuzukneifen bzw. wie groß muss der Balken im eigenen Auge sein, um daran zu erblinden? Ja, es gibt extremistische Splittergruppen unter den Querdenkern, die einen radikalen Systemumsturz, notfalls mit Gewalt und Tod, anstreben. Darauf hinzuweisen, ist völlig legitim und ich erwarte von Polizei und Verfassungsschutz, dass die Bestrebungen dieser extremistischen Querdenker-Strömungen sehr aufmerksam beobachtet werden.

Wenn man jedoch einerseits dazu in der Lage ist, solche Strömungen in einer noch sehr jungen Bewegung wie den Querdenkern zu erkennen, warum ignoriert oder verzeiht man sie dann in einer jahrzehntelang etablierten Partei wie Die Linke? @Pa1n1 legitimiert seine verharmlosenden Aussagen zu Die Linke ja mit dem eigenen Ossi-Status. Dann spiele ich diese Karte ebenfalls mal aus:

Selbst auch Ossi, habe ich mich schon als Jugendlicher sehr für Politik interessiert. Das ging spätestens in den 90ern wenige Jahre nach der Wende los. Ich durfte damals intensiv miterleben, wie sich die junge Linke in Ostdeutschland entwickelt und wie sie ein eigenes Selbstverständnis gefunden hat. Ein Selbstverständnis, das damit einherging, Extremismus in den eigenen Reihen nicht nur zuzulassen, sondern auch zu glorifizieren. So galten bspw. die Extremisten der RAF durch die Bank als Helden. Ja, genau diese RAF-Leute, die einen radikalen Systemumsturz angestrebt haben und dabei auch vor Tod und Gewalt nicht zurückgeschreckt sind. Diese Blindheit und Gleichgültigkeit ggü. linksextremistischer Gewalt war für mich der erste Anstoß, meine damals tiefrote Gesinnung zu hinterfragen. Bis ich mich komplett davon verabschiedet habe, verging zwar noch eine Weile, aber immerhin sorgte dieser Denkprozess wohl dafür, dass ich nicht auf die linksextremistische Schiene abgerutscht bin, auf der viele meiner damaligen Genossinnen und Genossen längst angekommen waren.

Viele dieser ostdeutschen Linksextremismus-Fans wählten damals schon PDS/Die Linke und tun es heute noch. Die SED-Nachfolgepartei hatte nie ein Problem mit der Gesinnung dieser Leute und hat sie dankbar in ihre Reihen aufgenommen. Meiner Erfahrung nach fand bei den wenigsten eine Abkehr vom Extremismus statt. Warum auch? Keiner ihrer Parteigenossen gab/gibt ihnen Anlass dazu. Die Linksextremisten dürfen innerhalb der Partei in ihrer Hassblase gemütlich weiterexistieren.

Nun kann man natürlich auch dieses Problem aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlicher kritischer Schärfe betrachten. Dennoch kommt es mir doch sehr seltsam vor, wenn ein Ossi wie @Pa1n1 von dieser ganzen Problematik bisher so überhaupt gar nichts mitbekommen haben will. Mir ist der Extremismus innerhalb von Die Linke in vielen unterschiedlichen Ecken Ostdeutschlands begegnet. Rechtsextremismus übrigens ebenso. Beides ist für uns Ossis immer noch ein tiefsitzendes Problem. Wenn der Balken im linken Auge allerdings so gigantisch ist, dass man nur eine Seite dieses Problems wahrnimmt (so wie jetzt völlig zurecht beim extremistischen Teil der neuen „Querdenker“-Bewegung), sollte man vielleicht dringend mal zum Augenarzt gehen. :thinking: