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Folge 43: Pro und contra Z-Wort

Veto Folge 43. Hier kann darüber diskutiert werden!

Premiere bei Veto: Erstmals gibt es zu einem Thema zwei Gäste - und zwar mit gegenteiligen Positionen. Das Wort Zigeuner gilt weitgehend als Unwort und politisch unkorrekt. Nicht aber für Oskar Weiß, der selbst Vorsitzender der Sinti-Allianz Deutschland ist. Ihm widerspricht Marko D. Knudsen, Vorsitzender des Bildungsvereins der Roma zu Hamburg.

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Das ist wohl das, was man einen cleveren Schachzug nennt, Kompliment!

Ich würde nicht sagen, dass nach wie vor alle Fragen offen sind. Geklärt ist für mich z.B., dass die nahezu einzige Vertretung, die an dem Begriff „Zigeuner“ festhält, es aus Angst davor tut, dass sich der Begriff „Roma“ durchsetzt und der Begriff „Sinti“ verschwindet. Also im Sinne von „wir nehmen alles Negative um den Begriff ‚Zigeuner’ in Kauf, Hauptsache wir können uns als Sinti von den Roma abgrenzen“. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass sich die Bezeichnung „Sinti und Roma“ in dieser Wortreihenfolge durchgesetzt hat, Herr Knudsen aber sicher nicht zufällig konsequent von „Roma und Sinti“ spricht :wink:

Eine gelungene Sendung, die für mich Blaupause für alle VETO-Folgen sein sollte: Ein moderiertes Streitgespräch zwischen zwei Gästen.

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Exakt das waren auch meine Gedanken, von daher danke, dass du es schon geschrieben hast, dann kann ich mir die Arbeit sparen.
Mein Fazit war, dass der Begriff Sinti und Roma dann doch ein guter Kompromiss ist, den man verwenden kann, ohne darauf zu warten, dass sich die Verbände irgendwann noch einigen.

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Wohin gegen sich scheinbar ALLE darüber einig sind, dass sie mit der Rezeptur der Zigeunersauce nichts zutun haben :wink:

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Vom Setting her eine wegweisende Folge ! Man merkt welche großen Vorteile es hat, 2 Leute mit gegenteiligen Auffassungen diskutieren zu lassen und nur vereinzelt einzugreifen. Alle wichtigen Fragen werden genauso besprochen.
Inhaltlich fand ich interessant, dass der Sinti Vertreter das Wort Zigeuner selbst auch nicht besonders positiv besetzt, sondern es eher als „Schutzwall“ dient, da er sonst glaubt sich als Sinti dem Wort Roma unterzuordnen. Ob das berechtigt ist, weiß man natürlich nicht, es erklärt aber die Ausweglosigkeit die sich als Betrachter aufdrängt

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Besonders erstaunlich und erschreckend finde ich, dass sich der „deutsche Zentralrat der Sinti und Roma“ anscheinend nur für deutsche Staatsbürger zuständig fühlt und „Zigeuner“ aus anderen EU Staaten in Deutschland nicht vertreten will. Darin zeigt sich ein verbreitetes Phänomen unter „Opferverbänden“ etc. dass sie untereinander bzw mit anderen Betroffenen oftmals extrem hart und teils diskriminierend umgehen. Als Außenstehender bzw als Gesellschaft, die ja grade den Betroffenen in ihrer Gesamtheit helfen möchte (Denkmal etc), eine besonders absurde und traurige Situation. Man muss leider erwarten können, dass bzgl. Betroffenen auch Oberbegriffe etc gebildet werden, anders ist es insb. unteren Gesellschaftsschichten nicht mehr vermittelbar und erzeugt eher wieder negative Vorurteile.

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Youtube-Pöbel hat sich auch gleich eingeschaltet:

edit:
… und von euch gelöscht worden. Super! :slight_smile:

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Insbesondere aus Bulgarien und Rumänien kamen viele, die zur Großgruppe der „Zigeuner“ gehören. Typischerweise leider bildungsfern und nicht integrationsbereit - insbesondere im Ruhrgebiet ein Problemklientel. Einen schlechten Ruf kann man sich auch sehr aktiv selber erarbeiten. Ein Aufbegehren der „ehrbaren Sinti und Roma“ gegen diese „schlimmen Einzelfälle“ konnte ich bisher nicht feststellen.

Dass sowas nicht in die korrekte Denkweise mancher Filterblase passt, ist nicht mein Problem. Würde der Grün-affine Studienrat nicht fernab im Mittelschichtsstadtteil wohnen, sondern direkt neben der 6-Köpfigen Problemfamilie, würde er vermutlich auch anders denken :tipping_hand_man:

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Wohnst du denn dort ?

Ich wohne in direkter Nähe eines Straßenzuges, auf dem es durch osteuropäische Neubürger zu einer Massenschlägerei kam. Ein eher unschönes Gefühl.

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Eine Ergänzung:

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Interessante Folge von VETO!

Zwei, drei Dinge sind mir beim Zusehen durch den Kopf geschwirrt:
Die Aufteilung des Bildschirms, war nicht optimal. Für meinen Geschmack hätten die beiden Diskutanten ruhig oben nebeneinander platziert werden können und Holger unten.

Die Diskriminierung auf vergangene, teilweise historische Zuschreibungen (Brunnenvergifter, Pestverbreiter, Spione) zu schieben, trifft meiner Meinung nach das Problem nicht. Im Gegenteil. Es hält davon ab, sich den wirklichen Hintergründen zu stellen.

Der Eiertanz um die Begrifflichkeiten ist offensichtlich nicht nur ein Thema bei Außenstehenden, sondern auch bei den Betroffenen. Finde es schwierig, da allgmeingültig zu verkünden, man dürfe „Zigeuner“ nicht mehr äußern.

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Ja, aber was ich mitgenommen habe ist, dass von einigen wenigen der Begriff „Zigeuner“ als Selbstbezeichnung zwar gewählt, aber offenbar lediglich instrumentalisiert wird, um sich abzugrenzen. Deswegen finde ich es nicht schwierig, das Wort zu tilgen, das Gegenteil ist der Fall. Es bleibt aber dabei, dass es „unübersichtlich“ ist, zumal der Begriff „Roma“ doppelt belegt ist, weswegen sich der Vertreter der Sinti offenbar dagegen sträubt, „Roma“ als Oberbegriff zu akzeptieren.

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Von den Gesprächstteilnehmern haben sich 50% davon distanziert, NICHT mehr Zigeuner genannt werden zu wollen.

Wie kommt man auf „wenige“?

Herr Knudsen hat geäußert hat, dass die meisten Aktivisten dieses Wort ablehnen.
Ja nee, is klar… Nur sieht eben nicht jeder alles durch die Brille von Berufsempörten.
Letztlich ist es auch eigentlich egal, wieviele sich davon distanzieren. Wenn ein anderer Begriff gefunden werden sollte (was sich als scheinbar unlösbare Aufgabe herausstellt), wird auch der negativ besetzt sein. Zumindest bei denen, bei denen „Zigeuner“ auch schon als Schimpfwort genutzt wurde.

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In erster Linie hat der Vertreter des Sinti-Verbands sich gegen Ende selbst entlarvt, warum er an dem Begriff „Zigeuner“ festhält. Ob das von ihm gewollt war, keine Ahnung. Der Begriff „Roma“ ist offenbar der allumfassende Begriff, der auch Sinti einschließt, nur gibt es auch innerhalb dessen eine Minderheit der Roma, von denen man sich abgrenzen will. Wie auch immer … „Sinti und Roma“ ist die Bezeichnung, nach der offenbar einige immer noch suchen und sie nicht finden.

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Nur gibt es ja nicht nur Sinti und Roma.
Die sind vielleicht in der Mehrzahl, aber es gibt weitere Gruppen. Ich will auch nicht als Bayer bezeichnet werden, nur weil ich in Deutschland lebe und das Bild des Deutschen im Ausland eher einem biertrunkenen, lederbehosten und feisten Bartträger entspricht.

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Und ich denke, das ist der Irrglaube. Denn „Roma“ ist der umfassende Begriff, der alle anderen einschließt und die Nennung der Sinti ist gewissermaßen eine Respektsbekundung, aber offenbar auch Zeichen einer mehrheitlichen Zugehörigkeit, obwohl sie durch „Roma“ eigentlich auch eingeschlossen sind. Es ist aber nicht unkompliziert und ich kann nicht sagen, dass ich das alles korrekt überblicke. Aber dass sich mir die Z-Frage nicht stellt, soweit bin ich.

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Genau das ist doch der Punkt.
Er wird für alle gebraucht, obwohl das längst nicht jeder so möchte.

Die wirklichen Roma sind selbst ja nur eine Teilmenge. Trotzdem wird der Begriff allen übergeholfen, ob gewünscht oder nicht.

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Ich lasse mich aber auch ungern auf Stellvertreterdiskussionen um den Begriff „Zigeuner“ ein. Weder mit einem Vertreter einer Sinti-Organisation, der den Begriff instrumentalisiert noch mit anderen, die an diesem Begriff hängen. Wenn Du den Begriff Zigeuner als Integrationsmaßmahme gegen Diskriminierung betrachtest, dann ist diese Absicht relativ neu. Für mich ist der Begriff getilgt und sollte sich jemand von „Sinti und Roma“ nicht angesprochen fühlen, kann man mich gerne korrigieren. Nur an dem Interview sieht man ja auch deutlich, dass es schwer ist für einen Außenstehenden, das alles zu überblicken, man müsste da ja offenbar hinein bis in Familienstrukturen. Selbst die beiden haben ja gesagt „das besprechen wir privat“ und mussten lachen …

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Danke für diese Sendung Holger.
Ich glaube das ist eine der, wenn nicht gar die beste Veto Folge bisher.
Ich habe sehr viel hieraus mit nehmen können, es war sehr spannend und wirft ein interessantes Licht auf die Debatte die man vorher so nicht hatte.

Sehr gut gemacht und dieses Pro und Contra zweier intelligenter und sich gut ausdrückender Menschen sollte wann immer es geht im Format Veto wiederholt werden, zu beliebigen Themen.
Denn genau so geht debatte. keine False Balance, keine Aneignung einfach ein gutes Gespräch mit interesssanten Fragen und guten Gästen.

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