Gut, Gil Ofarim hat immer Material in sich, das man ausschlachten kann. Ich für meinen Teil bin raus. Ich kannte ihn vor dem Vorfall nicht und es ist mir ganz recht, wenn sich das genau so wieder einpendelt.
Das Alle-gegen-Einen-Prinzip in Talkshows oder vergleichbaren Formaten sollte eigentlich hinsichtlich der Reaktionen im Netz bekannt sein. Aber scheinbar sind die Verantwortlichen so hart in ihrer Blase gefangen, dass sie das weder merken, noch mitbekommen und es immer wieder für clever halten, Opfer zu erzeugen. Clownie wird es freuen.
Bei Olympia dachte ich einst, dass Politik bewusst vom Sport getrennt wird. Auch wenn ich den Unterschied der beiden Kommentare nicht ganz so krass fand, waren mir beide zu sehr eingefärbt. Geht es noch um Sport?
Bei der Klosterdokumentation haben wir gleich zwei mediale Phänomene auf einmal: den Clickbait und die Tatsache, dass dieser Clip ohne weiteren Kontext durch das Netz gereicht wird. Damit ist wohl bestätigt: Leute lesen nur noch Überschriften (wenn überhaupt) und dann zieht der Mob los.
Aber der Gipfel der Degeneration ist noch nicht erreicht, aber wir erklimmen ihn mit Schallgeschwindigkeit. KI. DAS Buzzword, bei dem ausnahmslos jeder CEO feucht im Schritt wird und bei jeder Ansprache einen Orgasmus bekommt.
Ich habe mich schon oft über das Thema ausgelassen, auch hier im Forum, und ich bin mittlerweile so weit, dass ich resigniere. Das Thema wird kommen, es wird auch meinen Arbeitsplatz bedrohen und es wird den Menschen als Speerspitze der Evolution zu einer tumben Biomasse verkommen lassen. Nicht heute, nicht morgen, aber es ist abzusehen.
Eine brandaktuelle Anekdote aus meinem Unternehmen, in dem ebenfalls KI als DER Heilsbringer ausgelobt wird: ein IT-Abteilungsleiter mit Schwerpunkt KI verfasste jüngst eine E-Mail an den IT-Bereich, dass es ab sofort heilige Pflicht sei, KI einzusetzen, wo es nur geht, denn sonst wird man abgehängt und ist am Ende seinen Job los. Eine unverhohlene Drohkulisse. Doch damit nicht genug, er hatte auch ein aus seiner Sicht plakatives Beispiel an der Hand, in dem er berichtete, seinen Chaos-Ordner auf seinem privaten PC mit Hilfe einer KI in zwei Minuten perfekt optimiert hatte.
Klingt super. Klingt effizient. Klingt nach Kosten sparen und nach Feuchtigkeit im Schritt. Es ist aber ein Paradebeispiel dafür, wohin wir uns als Menschen entwickeln. Wir degenerieren. Warum sollte ich Ordnung halten, wenn die KI hinter mir aufräumt? Warum sollte ich Sprachen lernen, wenn die KI alles für mich übersetzt? Warum sollte ich Bücher lesen? Die KI fasst mir den 8000-Seiten Zyklus von Stephen Kings Dunklem Turm auf einer Seite zusammen und liest mir diese auch noch vor.
Ich hätte nicht gedacht, dass die Rückentwicklung des menschlichen Gehirns irgendwann mal als Fortschritt gelten wird. Ja, es ist effizient, man wird schneller und kann sich auf das Wesentliche konzentrieren, aber was ist das Wesentliche eigentlich? Konsum.
Ich habe kein Netflix Abo und werde auch keines erwerben. Sollte tatsächlich der Kunstsektor von seelenloser KI übernommen werden - egal wie perfekt das irgendwann sein mag -, haben wir Menschen uns aufgegeben. Schon heute gratulieren wir uns mit digitalen Grüßen aus ChatGPT Prompts und zuvor waren es Google Suchanfragen. Anstatt zu überlegen, wo wir KI wirklich gewinnbringend einsetzen können, wird es zur Massenware und zur Nutzungspflicht erhoben, damit der Pöbel schön prompten kann, warum seine Tomatensuppe so farblos war.
Eine faszinierende Technologie, die auch sicher viele wichtige Einsatzgebiete findet und bedient, wird verunglimpft durch Geldgier und Wirtschaftsfantasien, bei denen der Mensch nicht mehr vorkommt. Erst wenn keiner mehr da ist, der den Schrott kauft, kommt das Erwachen, wenn nicht vorher schon ein Bürgerkrieg ausbricht.
Wir haben eine weltumspannende Sekte geschafften und müssen nun zum großen KI-Gott beten, wenn wir nicht ins analoge Fegefeuer verdammt werden wollen. Meine Fresse.
Aber eine Sache ist ganz wichtig: Kay-Uwe Meyer muss weitergehen!