Mit Verspätung habe ich diese sehr gut gelungene Mediatheke nachgeholt und will eigentlich nur einen Beitrag kommentieren: den kurzen Clip um das Social Media Verbot für 60-jährige, gefordert von einem jungen Menschen, der offensichtlich nicht sehr weit über den eigenen Horizont hinausblickt und ein Stück weit auch das repräsentiert, was mir schon länger bei nachfolgenden Generationen auffällt: fehlender Respekt.
Es mag nur ein kurzer Clip sein und da ich die gesamte Debatte nicht kenne, kann es im Rahmen des Kontextes auch verkürzt oder falsch dargestellt sein. Dennoch beziehe ich mich einfach mal auf das, was gezeigt wurde.
Dieser junge Mann scheint nicht zu begreifen, dass es bei der Verbotsdebatte nicht (nur) darum geht, junge Menschen vor Fakes zu schützen, sondern vor einer - ich verkürze extrem - Verblödung.
Schon heute sieht man doch überall mit eigenen Augen und sogar hier auf dem Land, was passiert: jeder läuft mit Ohrstöpseln durch die Gegend und riskiert im Alter Genickprobleme vom dauerhaften Starren auf das Display des Smartphones.
Die Konzentration reicht gerade mal für ein paar Sekunden “Inhalt” und dann muss entweder was passieren oder es muss was Neues her. Und man sieht die Auswirkung auf Schule, Unterricht und sogar Studium. Langeweile dominiert die Lernfähigkeit sinkt, notfalls übernimmt Chat GPT.
Ob eine Altersbeschränkung von Social Media allein ausreicht, darf hinterfragt werden, klar. Auch ich bin kein Fan von Verbotsdebatten, denn das erzeugt immer Gegenwehr und Gegenbewegungen und in meiner Welt der Hosentaschenpsychologie auch den Reiz, es erst recht auszuprobieren. Eigentlich brauchen wir Medienkompetenz und das für Jung und Alt, aber für Jung vor allem deshalb, weil sich im Heranwachsen das Gehirn noch ausprägt. Es in dieser Phase darauf zu trainieren, dass man nicht mehr denken muss, weil das Gerät in der Hosentasche alle Antworten kennt, ist fatal und es mit älteren Menschen zu vergleichen, die auf Fake-Videos hereinfallen, ist schlicht Whataboutism.
Es geht auch um Sucht, deren Ausmaß noch gar nicht vollständig absehbar ist, in meiner Wahrnehmung aber psychische Krankheiten gerade bei jungen Menschen zuzunehmen scheinen. Depression hier, ADHS da und mittlerweile sind das sogar Labels, die man mit Stolz vor sich herträgt. Für mich klare Anzeichen von übermäßigem Medienkonsum und Stressfaktoren, die daraus entstehen.
Und zum Respekt, den ich eingangs erwähnt hatte, sei gesagt, dass hier auch eine Verachtung gegenüber älteren Generationen mitschwingt. Das mag vielleicht ein durch meine Stimmung gefärbter Eindruck sein, aber es ist auch nicht das erste Mal, dass sich Heranwachsende despektierlich über ihre Eltern- oder Gorßelterngeneration auslassen und sich überlegen und erhaben fühlen.
Ich glaube, dass wir hier noch einige blaue Wunder erleben werden, denn der KI-Müll beginnt gerade erst und wir werden sehen, wer am Ende schlauer aus der Sache herausgeht: der junge Medienjunkie, der keinen geraden Satz mehr formulieren kann und das Einmaleins nicht mehr beherrscht oder der Alte, der den Kram nicht braucht oder vielleicht auch als das begreift, was es ist: ein teures Spielzeug, an dem sich vor allem Konzerne und Scammer bereichern und dessen eigentliches Potenzial in den riseigen Müllbergen untergeht - sowohl KI als auch Social Media gleichermaßen betreffend.
