sehr gutes, interessantes, aufschlussreiches Gespräch!
Danke dafür!
Ne, sorry, aber abseits von ARD, ZDF und Deutschlandfunk muss jeder private Konkurrent damit Geld verdienen, auch bei der FAZ, der Süddeutschen und anderen. Und auch Holger muss im Idealfall mehr Geld einnehmen, als er ausgibt.
Das ist per se nicht entlarvend und auch nicht verwerflich.
Julian Reichelt hatte bei Bild laut „kress“ ein Jahreseinkommen von irgendwas zwischen 500.000 und 1.000.000 €. Sein Gönner Frank Gotthardt ist laut „manager magazin“ ca. 1,4 Mrd. € schwer. Wenn es also überhaupt irgendein privates Medienmagazin in ganz Deutschland gibt, das wirtschaftlich unabhängig agieren könnte, dann ja wohl das der beiden wirtschaftlich unabhängigen Herren.
Aber ich verstehe deinen Ansatz auch unabhängig davon nicht: es ist doch ein Riesenproblem, wenn Journalismus wirtschaftlich abhängig ist. Und das wird doch nicht besser dadurch, dass das auf fast jeden Journalismus zutrifft.
Das kann man ja nicht ehrenamtlich machen, es braucht Mitarbeiter, Redaktionen, Ausrüstung etc. Man muss auch damit Geld verdienen.
Und das problematische ist nicht die Intention, Geld zu verdienen. Problematisch wäre, wenn eine inhaltliche Abhängigkeit daraus folgt, wenn sich eine Zeitung also von einer Partei oder der Autoindustrie sponsern ließe und daraufhin keine kritische Berichterstattung mehr erfolgt. Aber es ist doch nicht problematisch, mit dem Verkauf von Abos oder dem Schalten von Werbung mit dem Journalismus Geld zu verdienen.
Wenn das ein Problem wäre, dann gäbe es keinen regierungsunabhängigen Journalismus.
- Reichelt und Gotthardt könnten es eben doch ehrenamtlich machen, wenn sie denn wollten - das habe ich doch oben dargelegt.
- Natürlich ist das so, wie du sagst. Aber natürlich ist es auch so, dass darunter die journalistische Unabhängigkeit leidet. Das ist doch so logisch, dass ich mich ernsthaft wundere, warum ich das hier verargumentieren muss.
Es gibt keinen unabhängigen Journalismus. Den hat es nie gegeben und wird es auch nie geben. Abgesehen von wirtschaftlichen Interessen, gibt es einfach auch inhaltliche Färbungen, die man niemals überwinden kann, was einfach der Tatsache geschuldet ist, dass Journalismus von Menschen gemacht wird und Menschen immer einen Bias haben.
So einen Hochkaräter wie Reichelt zu bekommen, Respekt Holger, Angenehmes, sachliches Gespräch. Die Dämonisierung von Reichelt ist einfach nur lachhaft.
Hat ja auch niemand behauptet. Aber es ist doch trotzdem ein Unterschied, ob ich ein Journalismusportal aus wirtschaftlichen Absichten heraus gründe oder in erster Linie aus journalistischen oder aufklärerischen.
Zum Beipsiel verfolge ich ja Massengeschmack auch deshalb, weil ich Holgers Ansatz, unabhängigen Journalismus zu betreiben und Aufklärung über gewisse Gebaren zu leisten, unterstützenswert und auch glaubhaft finde.
Ich habe mir das jetzt eine halbe Stunde angehört und dann abgeschaltet. Reichelt argumentiert geschickt, aber das funktioniert nur so lange man ihn nicht selbst mit der Frage „stimmt das eigentlich?“ hinterfragt. Er sagt populäre Dinge, die aber nur funktionieren, wenn man den letzten Schritt wie „gleiche Rechte für alle Geschlechter“ nicht mitgegangen ist, weil er dann grundsätzliche Annahmen hinterfragt. Das an sich ist weder falsch noch richtig. Nur: Wenn wir uns nicht auf einige Grundannahmen einigen können, dann kommen eben genau solche Bubbles wie die Impfgegner. Da ist auch nicht alles falsch - man kann halt nur einiges nicht überprüfen. Und wenn man Umfragen macht, kann auch das angefochten werden, ob das wirklich repräsentativ war etc.
Solange diese… nennen wir sie mal Querdenker… eine kleine Gruppe bleiben, halte ich sie für nützlich, aber wenn sie groß werden, halte ich sie doch eher für gefährlich, weil sie ein zu großes Maß an Misstrauen gegenüber seriösen Medien fördern. Wem die Leute dann glauben geht nach Gefühl - und Gefühle sind in der Sache nicht die besten Ratgeber.
Ich glaube nicht, dass Reichelt das primär aus wirtschaftlichen Gründen macht. Ich denke primär ist er von seiner Ideologie getrieben, aber er würde es nicht machen, wenn es sich wirtschaftlich nicht rechnen würde. Aber Letzteres ist kein Alleinstellungsmerkmal von Reichelt, sondern gilt für nahezu jedes Medium (auch MG).
Tja, da gehen wir halt auseinander. Für mich hat er das im Interview sehr klar entlarvend gesagt.
Aber wir werden es beide überleben, nicht einer Meinung zu sein.
Ich habe diese Kritik erwartet - und sie ist auch berechtigt. Aber hätte ich ihn andauernd unterbrochen, um jede einzelne These erstmal zu diskutieren, wäre das Interview an wenigen Thesen stecken geblieben und wir wären zu anderen Themen gar nicht mehr gekommen.
„Methode Jebsen“ ist durchaus richtig - und das ist sehr herausfordernd. Letztlich sollte es ja kein Interview um politische Themen sein, sondern ein Interview über Journalismus und NIUS.
Hätte ich machen können - dann hätte er wieder argumentiert, dass die letzten AKW sehr wohl auf Druck der Grünen abgeschaltet wurden. In der CDU-Regierung war der Gesundheitsminister übrigens auch CDU (Jens Spahn), da bringst du was durcheinander.
Im Großen und Ganzen hätte ich durchaus hier und da eher einhaken müssen, das stimmt. Ich bewege mich halt immer zwischen dem Grundgedanken, den Gast ausreden zu lassen, aber auch zugleich möglichst viele Themen anzusprechen. Andauernd nachzuhaken ist daher genauso wenig produktiv wie andauernd zu unterbrechen (und damit den Gast in die Opferrole zu bringen).
erstmal kompliment an holger, ich finde du hast dich in deiner interviewführung weiterentwickelt, bist kritischer geworden, weist darauf hin wenn deinen fragen ausgewichen wird und fragst nach, ich bin alles andere als ein fan von interviews in der mediatheke, aber sowohl die gastauswahl als auch die interviewqualität machen es zu einem muss das anzugucken…
bei aller antipathie die man als durchschnittlicher mensch gegenüber einem reichelt empfindet, er vereint cleverness, rhetorik und charisma auf aller höchstem level… mir fällt dazu direkt ein interview mit herbert diess bei jung&naiv ein, dass ich zuletzt gesehen habe, der hat es ebenfalls mit einer scheinbaren leichtigkeit geschafft tilos kritische fragen non chalant zu umgehen und mit rhetorischem geschick den fokus des gesprächs zu verschieben… ähnlich wie es reichelt hier bei holger tut… und das ist wie gesagt nicht als kritik gegenüber holger gemeint, sondern soll die gabe solcher öffentlichen (medien)persönlichkeiten hervorheben, die es schaffen trotz aller berechtigter kritik und skepsis eine überzeugung, seriösität und selbstsicherheit zu vermitteln… wären wohl auch erfolgreiche politiker geworden…
ein beispiel: holger fragt warum innerhalb einer woche 7 beiträge zu trans-themen kommen und erklärt damit was er meinte mit „gehabe“. reichelts erster kniff, er stellt infrage ob die zahl überhaupt real oder „symbolisch“ ist wie er sagt. reichelts zweiter kniff, statt auf holgers intention der frage einzugehen (muss man ein randthema wie trans-frauen im profi-frauensport so oft thematisieren und damit „aufbauschen“ oder hätte es nicht ein beitrag getan und dafür hätte man beispielsweise noch 6 beiträge über soziale ungerechtigkeit gemacht?): er perspektiviert anders als holger, zu seinem gunsten, und vergleicht diese 7 beiträge mit allen beiträgen auf allen kanälen der ör und sagt gegen die anzahl an beiträgen dieser vielen kanale ist 7 garnichts und eigentlich hätte nius 70 beiträge machen müssen. er schafft es also mit der antwort zum einen eine vermeintlich große zahl in einem anderen kontext ganz klein wirken zu lassen und ändert zum anderen die perspektive, holger wollte über nius sprechen, reichelt schwenkt das bild auf die gesamte medienlandschaft… rhetorisch brilliant und in einer live-situation wie in einem interview schwer bis nicht zu entlarven…
Aber dadurch, dass Ihr es alle auch ohne mein Nachhaken bemerkt habt, dann vielleicht doch recht durchschaubar ![]()
da hast du recht, aber ich würde sagen nicht durchschaubar weil er es rhetorisch schlecht macht, sondern weil man die figur reichelt halt kennt, sehr viel über ihn weiß, man hintergründe, einzelheiten und kritik an ihm, seinem leben und seiner arbeit kennt… wollte nur erklären, warum ich es für nachvollziehbar halte, dass es sehr leicht ist sich von leuten ala reichelt oder diess blenden, einlullen oder rhetorisch austricksen zulassen… die sind einfach gut im debattieren und scheinargumentieren
Der Amokläufer von Halle im Jahr 2019 war deutscher Staatsbürger und zwar - dem Namen nach zu urteilen - ein sogenannter „Bio-Deutscher“. Wäre sein Plan aufgegangen, hätte er in der Synagoge ein Blutbad angerichtet.
Ähnlich liegt der Fall bei dem Amoklauf von Hanau ein Jahr später. Auch hier war der Täter ein Deutscher.
Soviel zu Reichelts Behauptung, sowas täten nur Ausländer.
Wörtliches Zitat: „Ich halte es für ausgeschlossen, dass ein Deutscher über einen Weihnachtsmarkt fährt.“
Sorry, Holger.
Aber das war nix.
Du wolltest Herrn Reichelt entlarven, kamst aber eindeutig eher als einer seiner Anhänger rüber. Wenn ARD/ZDF Mist erzählen, machst du es jede Woche in der Mediatheke (zurecht) zum Thema, aber hier hakst du überhaupt nicht ein, wenn er Dinge behauptet die eindeutig unwahr sind.
Das du die Grünen genauso sch… findest wie er ist uns allen bekannt (hören wir ja jeden Samstag zur Genüge)und das ist auch völlig ok. Aber er macht die Partei mehrfach für Dinge verantwortlich, die sie nicht zu verantworten haben. Wurde ja alles schon dargelegt.
Da hätte ich von dir erwartet das du dich um mehr Objektivität bemühst.
Da fand ich dein Interview vor ein paar Jahren mit Herrn Jebsen besser.
PS: ich hab noch nie Grüne/ SPD gewählt und werd es auch nicht tun.
Nein, diese Absicht hatte ich nicht. Wie kommst du darauf?
Dachte ich schon, weil du früher oft genug Kritik an seinem Kanal geübt hast und dich nicht gerade als einer seiner Befürworter gezeigt hast ![]()
Was ich spannend fände: wie kritisch wäre ein Interview das du mit einem Intendanten oder sonstigen leitenden Funktionär von ARD/ZDF führen würdest?
Da würdest du wahrscheinlich härter rangehen, oder?
Auch ich bin der Ansicht, das du Reichelt viel häufiger hättest unterbrechen müssen.
Es war stellenweise kaum zu ertragen, wie Reichelt seine nicht enden wollenden Wasserfälle von populistischem Müll auskotzen konnte. Dadurch, dass du kaum widersprochen hast, machte es den Eindruck, als ob du ihm in vielen Teilen zustimmst. Die Tatsache, dass du dich mit ihm per du bist, hat auch nicht gerade das Gegenteil bewirkt.
Natürlich hast du auch Kritik geübt - aber viel zu oft hast du seine darauf folgenden zweifelhaften Erklärungen einfach im Raum stehen lassen.
Ich frage mich, was die Intention dieses Interviews war.