Dass das Niveau des Abiturs runtergeschraubt wurde, ist eine völlig andere Feststellung. Das ist kein Generationenproblem, und eher dadurch zu lösen, dass die Abschlüsse drunter auf dem Arbeitsmarkt wieder mehr Wert kriegen. Aber man nimmt halt heutzutage am liebsten Abiturienten auch für Ausbildungen.
Bei Kritik an Schulpolitik bin ich gerne dabei, aber das macht die Jugend doch nicht pauschal dümmer. Und eine höhere Abiturientenquote bedeutet zwar im zweiten Schritt vielleicht, dass das Abitur-Niveau gesunken ist, im ersten Schritt aber dennoch eine Steigerung des allgemeinen Bildungsniveaus gegenüber früheren Jahrzehnten. (Wenn in den 50ern 5 % eines Jahrgangs studienberechtigt waren und heute über 50 %, kann wohl keiner ernsthaft behaupten, das Niveau des Abiturs sei proportional zu dieser Steigerung gesunken.)
Zumal man immer noch darüber diskutieren kann, ob Schulbildung (insbesondere die klassischen Inhalte von früher) wirklich notwendig sind bzw. ob das Fehlen davon eine Generation unselbständiger macht.
Oder provokant gefragt: Verblödet eine Generation automatisch, wenn sie Schillers Glocke nicht mehr auswendig kann?
Also ist Schulpolitik letztlich eh völlig wurscht, wenn sie keinerlei relevanten Einfluss auf die Entwicklung und Befähigung der beschulten Menschen hat?
Warum haben dann Ausbildungsbetriebe vor allem in den letzten 10-20 Jahren zunehmend Probleme, Azubis zu finden, die den Herausforderungen der Ausbildung kognitiv und praktisch gewachsen sind? Warum war das vorher anders? Und warum begegnet uns dasselbe Problem inzwischen auch immer mehr an deutschen Hochschulen?
Sinkende Geburtenzahl?
Da du den Satz am Ende abgeschnitten hast, ist meine Frage unvollständig. Du hast die Frage anscheinend nicht sinnhaft erfassen können. Auch das lernt man eigentlich in der Schule.
Weniger Babys = weniger Jugendliche = weniger potenzielle Auszubildende = weniger
(habe ich in der Schule (Gymnasium) gelernt)
- grundlegende Kenntnisse darüber haben, wie man technische Geräte bedient
- grundlegende Kenntnisse über die Selbstverteidigung
(hat man das je in der Schule gelernt?)
- grundlegende Kenntnisse darüber haben, wie Programme (Windows, Word, Email-Verkehr, Linux etc.) funktionieren
(hat man früher nicht gelernt, heute schon)
Ich sehe nicht wo Schulen bei den von dir genannten Punkten heute schlechter abschneiden als früher.
Ich hoffe, wir müssen hier jetzt nicht auch noch Nachhilfe in Empirie machen.
Jahr 1990:
Stell dir vor, du hast 500.000 Schüler. Davon sind 50 Prozent für die Ausbildung geeignet.
Jahr 2020:
Jetzt hast du 50.000 Schüler. Davon sind 20 Prozent für die Ausbildung geeignet.
Und das liegt dann wirklich nur daran, dass die Schülerzahl gesunken ist?!
Wie gesagt, das Problem besteht nicht nur in Ausbildungsbetrieben, sondern auch an Unis. Lehrer konnten das sinkende Niveau bereits vor 20 Jahren feststellen, Pisa-Tests ebenso.
Quelle für die Zahlen?
„Stell dir vor“! Es ist eine hypothetische Aufgabe. Meine Güte, es ist doch wohl klar, dass wir im Jahr 2020 hierzulande nicht nur 50.000 Schüler hatten und 1990 nicht nur 500.000. Es ging um leicht verständliche Veranschaulichung durch ein vereinfachtes empirisches Beispiel.
Warum reden wir über ausgedachte Zahlen? Ich kann mir auch Zahlen ausdenken, die andersherum sind: Höhere Quote von geeigneten Jugendlichen, aber niedrigere Jahrgangstärke auf gleichbleibende Zahl von Ausbildungsplätze.
Spar ich mir jetzt.
Leute, ihr seid der Knaller.
Eigentlich kann ich Fragenabschneider Bittesehrs letzten Beitrag tatsächlich am besten mit diesem Zitat beantworten:
Sagt der Mensch, von dessen Diskussionsstil ich viel gelernt habe, was ich gerade gut anwenden kann. (Zum Beispiel dummstellen, um zu zeigen, dass vermeintliche Argumente keine sind.)
Zum Thema Bildungspolitik finde ich eine Aussage von Lesch ziemlich gut: Wir leben immer länger, warum komprimieren wir dann die Zeit am Beginn unseres Lebens immer mehr?
Warum sollen die Kinder eigentlich ein Abitur in 12 Jahren machen anstatt in 13 oder 14 Jahren?
Ich bin eigentlich ein großer Freund des Humboldtschen Bildungsideals. Ich finde den Kindern und Jugendlichen sollten von hevorragenden Lehrern Impulse in alle Möglichen Richtungen gegeben werden und der anschließende Freiraum eingeräumt werden sollte um in der Praxis Dinge zu vertiefen. Ich glaube eine Halbierung der Kinder pro Klasse und besserte Personal würde Wunder wirken.
Just my 5 cents.
Nein, du hast schlichtweg die Sachaufgabe nicht verstanden. 
Es ging darum, zu veranschaulichen, dass nicht nur die Anzahl junger Menschen sinkt, sondern innerhalb dieser Zahl auch der Anteil derjenigen zurückgeht, die zu einer Ausbildung (sowohl betrieblich als auch universitär) befähigt sind. Deshalb stellte ich am Ende die Frage, ob du tatsächlich glaubst, diese Entwicklung ließe sich allein durch den Rückgang der Schülerzahl erklären. Einfach mal nachlesen: In den von mir weiter oben genannten Quellen wurde bereits erklärt, dass nicht nur die Schülerzahlen sinken, sondern auch der Bedarf an Nachhilfe sowie die Nichterlangung von Schulabschlüssen zunimmt. Glaubst du, Schüler werden immer dümmer, je weniger es sind? Falls ja: Quelle für diese These?
Um nochmal ernsthaft zu antworten: Ich habe nie behauptet, dass eine niedrigere Geburtenzahl der einzige Faktor für Probleme bei der Suche nach geeigneten Auszubildenden ist. Aber es ist natürlich ein Faktor.
Dann kommt natürlich die höhere Zahl von Abiturienten dazu, die auch zu einer höheren Zahl von Studienbeginnern führt. Dadurch beginnen Menschen ein Studium, die früher eine Ausbildung gemacht hätten und für ein Studium eigentlich nicht geeignet sind, weswegen das Niveau der Studienbeginner sinkt, während die Zahl der potentiellen Azubis auch noch abnimmt (Person macht ja ein Studium).
Das heißt aber nicht automatisch, dass die Gesamtheit der Schüler dümmer geworden ist.
Hmmm… Und woran könnte es wohl liegen, dass heute viel mehr Menschen ein Abi bekommen, obwohl sie eigentlich nicht die Befähigung fürs Studium mitbringen? ![]()
Was wiederum gegen die These spricht, dass Schule leichter geworden ist und Schüler dadurch verdummen. Sondern im Gegenteil dafür, dass zu viele Schüler auf Schulen sind, die zu schwer für sie sind (Gymnasium statt Realschule, Realschule statt Hauptschule).
Wie du den Quellen oben entnehmen kannst, hat der Nachhilfebedarf vor allem während der Ausbildungszeit zugenommen. Ausbildungsbetriebe müssen heute immer häufiger für ihre Lehrlinge Nachhilfe organisieren. Es ist die Rede von bis zu 60 Prozent Azubis, die solche Angebote benötigen. Auch das ist ein völlig neues Phänomen, das es in diesem Ausmaß vor 10-20 Jahren nicht gab.