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Folge 145: Die "Sprachnachrichten" des Vereins Deutsche Sprache - Neues von der "Bild"-Front

Pressesch(l)au Folge 145. Hier kann darüber diskutiert werden!

Lars nimmt sich diesmal intensiv die „Sprachnachrichten“ vor, das Mitgliederblatt des „Vereins Deutsche Sprache“, das sehr konsequent gegen jegliches Gendern polemisiert. Außerdem gibt es mal wieder einiges von der „Bild“-Front zu berichten. Auch Franz Josef Wagner kommt dabei erneut mit einem bemerkenswerten Text um die Ecke.

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Ich habe zufällig kürzlich erst auf Wikipedia gelesen, dass Hebamme in Deutschland inzwischen auch für Männer gilt (in Österreich war es nie anders):

In Deutschland wurde 1987 die Bezeichnung Entbindungspfleger als Maskulinform eingeführt für männliche Personen, die als Hebamme tätig sind. Durch das Gesetz zur Reform der Hebammenausbildung wurde diese Regelung zum 1. Januar 2020 aufgehoben. Die Berufsbezeichnung Hebamme gilt jetzt auch für männliche Berufsangehörige (§ 3). Im Gesetzentwurf wurde dies damit begründet, dass der Name Entbindungspfleger irreführend sei. Die Entbindungspflege umfasse nur einen Teil der Hebammentätigkeit. Daher erwecke die männliche Berufsbezeichnung den Eindruck, dass männliche Hebammen ihren weiblichen Kolleginnen nicht gleichrangig gegenüber stünden.

HebG § 3:

(2) Die Berufsbezeichnung „Hebamme“ gilt für alle Berufsangehörigen.

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Schöne Folge :ok_hand: :blush:

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Vielen Dank, lieber Lars. Das war eine sehr aufschlussreiche Folge. :heart:

Ganz besonders interessant war der letzte Teil rund um den äußerst „sympathischen“ Walter Krämer, auch wenn Achim Mentzel diesen Vergleich nun wirklich nicht verdient hat. Schließlich sind „Hier fliegt heut die Kuh“, „Der Spreewaldgurkensong“ oder „Gott sei dank ist sie schlank“ als weitaus seriöser als die „Sprachnachrichten“ zu betrachten. :joy:

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Danke für die Aufklärung.

Das trifft mein Komikzentrum durchaus, denn ich persönlich empfinde die Begriffe „Entbindungspfleger“ oder „Geburtshelfer“ eher verständlich als „Hebamme“. Mir ist natürlich die Bedeutung des Wortes und deren Tätigkeiten weitestgehend bekannt, aber auch nur, weil es mir irgendwann mal erklärt bzw. beigebracht wurde. Vom Wortlaut alleine ist das aus meiner Sicht überhaupt nicht erklärend und noch weniger, wenn man die Bedeutung von „Amme“ kennt, auch wenn „Hebamme“ nicht den Ursprung daraus hat.

Der Herr Walter Krämer hätte sich wohl auch in der DDR wohlgefühlt. Denn dort wurde auch konsequent gegen Anglizismen angekämpft. Der Frisbee war die Wurfscheibe und eine kulinarische Abwandlung des Hot Dogs nannte sich Ketwurst (vgl. Currywurst/Wienerwürstchen im Brötchen).

Mir ist der Herr Krämer schon einmal im Synapsen - Podcast des NDR aufgefallen. In einer Folge ging es um Kiezdeutsch, in der brachte er sehr schwache Gegenargumente warum es eine schlechte Form von Deutsch sei. Die Leute, die sich dieses Dialektes bedienen würden, würden in formellen Situationen einfach nicht mehr mitsprechen können. Aber soweit ich es verstanden habe, ist die Bezeichnung Kiezdeutsch in der Sprachforschung derzeit noch umstritten.
Es ist ohne seltsam gegen die Sprachveränderung ins Felde zu ziehen, im Deutschen sind über die Jahrtausende so viele Fremdwörter eingeflossen, dann müsste ja gegen diese protestiert werden. Portmonee, Fenster, Hypochonder sind nur einige Beispiele. Ebenso die mitteldeutsche Hochlautverschiebung bei der das p als f gesprochen wird. Statt Appel sagte man plötzlich Apfel.

Wie weit müsste ich dann in der Sprache zurückreisen um wirklich „korrektes“ Deutsch zu sprechen, kann ich dann noch am Alltag adäquat teilhaben weil sich unser Alltag doch massiv gegenüber dem Mittelalter verändert hat.

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Leider hast du Wagner falsch wiedergegeben: Es schrieb nicht von Rentner*innen, sonder von Renter*innen, also den englischen Mieter*innen, … oder so…

PS: Da Ironie und Sarkasmus im Geschriebenen schlecht rüber kommt, ich weiß, dass es ein Schreibfehler war…

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Oh mein Gott du hast Recht ^^
Wieso ist mir das nicht aufgefallen? Vielleicht sind Renter*innen auch einfach Fans des Musicals „Rent“?

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Die konsequente vermeidung von Angliziszem erinnert mich an diese „Löblichen“ die anfang des Jahrtausends das Internet bevölkert haben.

Grüss Gott lieber Internetzstehsegler,

willkommen auf meiner elektronischen Heimseite im weltweiten Internetz.

Auf den folgenden Seite will ich löblichen Menschen eine Heimat im unlöblichen Netz bieten und unredlichen Personen löbliche Denkanstösse geben.

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Ja, wie ich sagte - die Grenze zur Realsatire überschritten

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Vielleicht meinte er Rentiere - und Rentierinnen?

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Rentiert sich denn sowas?

Frisch im Angebot: Wunschkanditen. Wenn Sie drei zum Preis von vier kaufen, bekommen Sie einen gratis…

Ich muss immer wieder schmunzeln, wie viele Rechtschreibfehler die alleine in Ihre Titel packen. Und dabei lese ich die Bild weder intensiv, noch möchte ich groß darauf achten, aber sowas springt mir dann doch ins Auge.

Das die sowas nicht mit ne Rechtschreibprüfung absichert…

https://www.stupidedia.org/stupi/Deppen-Binde-Strich

Was das Gender-* und dessen Holprigkeit beim Aussprechen betrifft:
Bei Presseschlau fällt das Aufgrund des Jumpcut-Stakkatos nicht weiter auf. :ugly:
Bei „flüssigeren“ Produktionen sieht das anders aus.

Ich würde mich ja damit anfreunden können, wenn die Forderung danach wirklich eine Verbesserung der Situation in Richtung Gleichberechtigung bewirken würde (Man beachte den Konjunktiv!)- mir sind aber nur gegenteilige Analyseergebnisse bekannt. Länder mit gendergerechter Sprache sind keine Pro-Beispiele.

Kurz: Der zu beabsichtigende Effekt bleibt aus - aber die Sprache dafür holpriger, als wenn man einfach „Damen und Herren“ - bzw. im Sinne der Gleichberechtigung auch „Herren und Damen“ sagt.
Man kann beides problemfrei und flüssig aussprechen. :man_shrugging:

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Es ist naiv zu glauben, dass gendergerechte Sprache sich etabliert (was ja selbst noch ein Prozess ist, der dauern wird) und dann sofort positive Effekte bemerkbar sind. Dies ist ja nur ein kleiner Teil eines gesellschaftlichen Entwicklungsprozesses, der schon lange vor der Debatte um das Gendersternchen begann und noch lange danach existieren wird. Ob die gendergerechte Sprache einen Teil zu dieser Entwicklung beitragen wird lässt sich jetzt natürlich noch nicht mit Studien belegen.

Zu sagen: „Naja, einige Länder haben das jetzt ein paar Jahre und dort gibts auch noch keine Gleichberechtigung, von daher ist das nutzlos.“ ist ein wenig so, als würde man die Badewanne mit dem Kind umkippen, bevor man überhaupt Badewasser eingelassen hat.

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Genau diese Schlussfolgerung halte ich für naiv. …und zwar für äußerst.
Es fehlt letztendlich der Beleg der Wirksamkeit.
Wenn man sich Völker mit gendergerechter Sprache ansieht (z. B. türkisch und die Türkei) dann ist dies ein existierender Gegenbeweis.

Es ist m. E. sehr naiv anzunehmen, dass Gerechtigkeit und Gleichberechtigung aus einer Sprache entstehen kann - vor allem, wenn man diese einfordert.
So was muss dem Herzen des Menschen entspringen. Da genügt kein Lippenbekenntnis.

Im Augenblick liegt diese Sprachphilosophie bestenfalls auf den Niveau von Esotherik und Weltnachauung.
Die Forderung danach bedeutet demnach: Anderen ihre Weltanschauung überstülpen zu wollen.

Mit ist es ehrlich gesagt wuppe, ob jemand das Gender-* benutzt oder nicht - aber die Forderungdanach ohne Belege der beabsichtigten Wirksamkeit geht schon in Richtung Glaube oder gar in Richtung Heuchelei (wenn man es besser wissen müsste.)

So geschrieben ist das nur Weltanschuung oder gar Esotherik. Mehr nicht. :man_shrugging:

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Es ist auch naiv zu glauben, dass gendergerechte Sprache mit 100%tiger Sicherheit irgendeinen positiven Effekt haben wird. Aber von den Verfechtern(zu denen du ja offenbar ganz wehement gehörst) wird eine entsprechende Wirkung einfach „naiv“ vorrausgesetzt. Angebracht werden dann meistens Studien, die maximal kurzfristige, isolierte Effekte zeigen können. Aber das es einen plausiblen Grund gibt, dass es eine Langzeitwirkung geben wird und wie diese dann aussieht, kann sachlich und mit Fakten untermauert, niemand stichhaltig belegen.

Es ist und bleibt eine Ideologie. Und als solche wird sie unkritisch und ohne sie zu hinterfragen angenommen und als „einzig richtig“ propagiert. Jedem der ein Interesse an einem vernünftigen Diskurs hat, muss zwangsläufig auffallen, dass es einfach eine „red flag“ ist, dass man Kritik an dieser Ideologie nicht annimmt bzw. die gar nicht erst versucht auf Augenhöhe zu diskutieren. Ideologien einfach unkritisch zu verfolgen ohne Kritik daran anzunehmen bzw. als valide anzuerkennen, kann kein Zeichen eines vernünftigen, demokratischen Diskurses sein.

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Ich finde das Argument bzw. die Erwartung, dass sich durch gendergerechte Sprache irgendetwas tatsächlich ändert, falsch. Ich denke nicht, dass das passieren wird. Da muss man Maßnahmen ergreifen, die wirklich Dinge verändern, wenn auf gewissen Gebieten Ungleichheiten oder Diskriminierungen bestehen.
Ich verstehe diese Bestrebungen eher als einen Versuch der Höflichkeit bzw. der Respekterweisung, wenn man möglichst alle Menschen anspricht.
Das ist wie wenn man „Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer“ sagt, auch das verändert nichts wirklich im Leben der Zuschauerinnen, wenn sie explizit erwähnt werden. Es ist einfach eine Höflichkeitsfloskel.

Dementsprechend sehe ich das Gendern - auf welche Art auch immer - auch nicht als Muss, nicht als unbedingt überall einzusetzen, sondern als kontextabhängige zusätzliche Möglichkeit dafür, zu betonen, dass man wirklich Menschen aller Geschlechter meint. Ob das im Einzelfall passend, sinnvoll, angemessen ist, muss man sich halt anschauen und daraufhin entscheiden, ob und wie man gendert.

Beispiel: Es ist absolut unnötig von Einwohner*innen(zahl) zu sprechen, weil es beim Wort Einwohner klar ist, dass man Menschen aller Geschlechter meint. Würde man nur über die männlichen Einwohner einer Stadt oder eines Landes reden, würde man das extra betonen.
Andererseits kann es gerade bei klischeehaft sehr männlich konnotierten Berufen durchaus sinnvoll zu sein, zu betonen, dass auch Frauen in der Gruppe vorhanden sind, über die man spricht, wenn das für die Aussage, die man machen möchte relevant ist oder man das aus Höflichkeit erwähnen möchte.

Ich sehe die verschiedenen neuen Formen des Genderns daher als zusätzliche, häufig auch kürzere Möglichkeit, auf diesen Punkt abzustellen, allerdings nicht als etwas was ich konsequent in meiner Sprache verankern werde.

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Sie haben sich beim Ersten mal wohl offensichtlich vertan. Anstatt Wunschkanditen ziehen wohl Wunschkanidaten…

Sie scheinen mit dem Wort echt Probleme zu haben …

Und nein, ich hab hier nichts bearbeitet :wink: