Hmm, also der Beitrag hat durchaus seine Botschaft übermittelt und ich kann dieser Botschaft auch klar zustimmen, jedoch gibt es ein paar Aspekte, auf die ich eingehen möchte.
Die Charakterisierung des “typischen Konsumenten” trifft an sich vor allem den Typen des ‘Proleten’ bzw. des Prekariers, also Personen von vergleichsweise niederem sozioökonomischen [I]Stand[/I] und ggf. minderer Bildung. Der Grund ist Klar: Es geht um Rückversicherung (Philipp Walulis hat das in seiner Sendung recht erhellend ausgeführt). Überspitzt ausgedürckt, möchte jemand, der weiß, bzw. dem hinreichend oft gesagt wurde, dass er zum Dreck gehört, jemanden haben, der zum allerletzten Dreck gehört, auf dass er zumindest auf diesen herabsehen und sich selbst damit aufwerten kann. Immerhin erlebt der Konsument dies selbst auch schmerzhaft oft, während diejenigen, die ihn herabwürdigen, tendenziell dem Bildungs- bzw. Besitzbürgertum entspringen, die ihrerseits durch die Oberschicht abgewertet werden. Es besteht also eine Hackordnung, in der der Konsument diskriminierender Fernsehsendungen nur ein weiteres Glied darstellt. So ist es zwar korrekt, seine Haltung diesen Menschen gegenüber, die sich naiv und vertrauensvoll dem Fernsehen ausgeliefert haben, zu kritisieren, jedoch müsste darauf auch Kritik an den anschließenden Gliedern dieser Kette geübt werden. Natürlich hat Holger dies in anderen Beiträgen schon getan, jedoch wäre zumindest ein kurzer Seitenhieb in Richtung der Produzenten, Programmverantwortlichen und gesamtgesellschaftlichen Nutznießer durchaus willkommen gewesen; das ist etwas, worauf Kalkofe, seitdem er bei Tele 5 ist, besonders achtet. Darüber hinaus hätte die Einführung einer weiteren Persona, die ggf. mit dem Proleten im Dialog steht, aufgezeigt, wie vielschichtig der Konsumentenkreis für derartige Sendungen ist. Ich denke da speziell an den Burgeoisen, besitzstandswahrenden Arbeiterverächter, der mithilfe des “Assi-TV” sein Weltbild zu stützen versucht und dabei dazu neigt, all jene unterhalb seines eigenen Standes unter dem Stempel des Asozialen zusammenzufassen. In jüngeren Jahren mischen sich dazu wirtschaftlich bedingt Abstiegsängste hinzu, sodass der Bedarf nach Rückversicherung auch in der Mittelschicht steigt, besonders bei jenen, die unterbewusst fürchten, dass ihre Bildung ihrem Stande eventuell nicht angemessen ist und letztlich nur ihren Wohlstand haben, mit dem sie sich nach unten hin abgrenzen können.
Ein zweiter Punkt war, dass der Konsument sich ab der zweiten Hälfte eines deutlich erkennbaren NS-Jargons bediente. Nicht, dass ich grundsätzlich etwas gegen diese Art von Witzen habe, solange sie passen, aber in diesem Fall schienen sie mir nicht ganz passend zu sein. Der von Holger gesprochene Fernsehkonsument entspricht dem o.g. Typus, er ist verhältnismäßig arm, nicht überragend intelligent und sowohl charakterlich (Stichwort Oberflächlichkeit und Materialismus) wie auch äußerlich nicht allzu schön (euphemistisch würde man ihn als ‘rustikal’ umschreiben). Ich frage mich jedoch, ob daraus unmittelbar eine Nähe zum Nationalsozialismus bzw. dessen Gedankengut folgen muss. Ich erkenne an, dass eine solche Person durchaus dazu neigen könnte, bezieht man noch mit ein, dass sie sich als Konsument der BILD bekennt und ich sehe auch die Parallelen zwischen ihr und einschlägigen Strömungen innerhalb der bürgerlich-konservativen bis reaktionären Kreise, denn immerhin lassen sich viele von deren Anhängern leicht mit griffigen Parolen gegen bestimmte, meist schwächere Gruppen aufbringen, aber die Darstellung des Konsumenten als Person rechtsextremer Neigung halte ich für etwas überzogen.
Dennoch fand ich den Beitrag als ganzes gelungen, da jeder, auch wenn er selbst von höhergestellten Personen/Gruppen marginalisiert wird, in der Verantwortung steht, dies nicht an vermeintlich noch schwächere heranzutragen. Falls meine Gedanken hierzu allzu humorlos erscheinen, tut es mir leid, aber das war der im Kern ernsthaften und eigentlich recht bitteren Natur der Parodie im Clip geschuldet!
Ein letzter Punkt: WTF??? Der shit wird 10 Jahre alt? Selbst wenn man auf sowas steht, muss es doch irgendwann einfach alt werden.

