Das Terrorwochenende

Am letzten Wochenende haben sich wie bestimmt jeder weis die Terroranschläge vom 11. September 2001 zum zehnten mal gejährt. Ja, was da passiert ist, war furchtbar. Ja, man muss den Opfern auch gedenken.
Es gab sicher auch einige gute Dokumentationen aber ich weis nicht, was die Programmdirektoren da geraucht haben. Egal was man eingeschaltet hat. Es war ständig zu sehen, wie diese Hochhäuser einstürzen. Das hatte ja schon Nazidoku ausmaße. Vielleicht sollte man einmal die ganzen Szenen aus New York zu klassischer Musik zusammenschneiden, damit die Fernsehsender einmal sehen, was sie für einen Wahnsinn da mitmachen. Oder will man uns gezielt gegen Terror abstumpfen. Ich weis nicht, wie viele Minutenprotokolle da liefen, aber einer hätte gereicht.

Ich finde, dass das durch aus ein Thema für ein der nächsten Folgen wäre.

Gruß

Der Terror kannte kein Erbarmen. Vor allem, wenn man am Samstag um 20:15 Uhr ARD eingeschaltet hat…

[spoiler][video]http://www.youtube.com/watch?v=ovJk8e330qc[/video][/spoiler]

Ja, man muss den Opfern auch gedenken.

Nö, warum auch? Gedenken tut man, abseits der eigenen Familie/Freunde/Bekanten, höchstens Personen die eine herausragende Leistung oder ein großartiges Lebenswerk vollbracht haben.
Dieses ganze “Wir trauern um Menschen die wir weder kennengelernt haben noch wollten und von denen wir nichts wissen” ist nichts weiter als Heuchelei, die zu einer höheren Akzeptanz für den Krieg “gegen den Terror” führt.

Oder will man uns gezielt gegen Terror abstumpfen.

Garantiert nicht, dazu bringt es viel zu gut Zuschauer/Wähler/Akzeptanz für “Anti-Terror”-Gesetze.
Der brave Bürger der sich von solchen Bildern erschüttern und beeindrucken lässt ist allgemein erwünscht.

Dieses ganze “Wir trauern um Menschen die wir weder kennengelernt haben noch wollten und von denen wir nichts wissen” ist nichts weiter als Heuchelei, die zu einer höheren Akzeptanz für den Krieg “gegen den Terror” führt.

Das halte ich für eine plausible psychologische Erklärung. Indem wieder dämlich emotionalisiert wird, soll die Breitschaft zur ZUstimmung zu mehr oder weniger rechtstaatlichen Anti-Terror-Maßnahmen erzeugt werden.

Ich hab mir an dem Tag lieber Terenve HIll und Bud Spencer angesehen und das waren nicht mal wirklich ihre besten Filme aber alles ist besser als unaufhörlich von diesem 9/11 Müll berieselt zu werden und ich hab sicherlich nicht diese komische Schweigeminute eingelegt. Wozu auch? Das ganze ist zehn Jahre her, in der Zwischenzeit sind sicher wieder hunderttausend Afgahnen und Iraker draufgegangen (Zivilisten), wo ist deren Schweigeminute? Ich habe kein Problem damit, dass man an die Terroranschläge erinnert und sie somit behandelt aber in dieser Art und Weise hat das einen sehr ekligen Beigeschmack.

Wenn das deine Leitlinie ist muss du auch gegen Jom haScho’a sein und bei den Gedenkfeiern in Hiroshima dir die Galle hochkommen.

Gedenkfeiern gegen den Holocaust und Hiroshima/Nagasaki sind insofern sinnvoll, als damit auch davor gewarnt werden soll, dass so etwas noch einmal geschieht. Aber wie will man einen Terroranschlag verhindern, außer indem man alle Menschen präventiv einsperrt (und wer sollte dann die Aufseher machen)?
Das Trauern um Menschen, die man nicht kennt, nur weil sie mit diesen Ereignissen verbunden sind, ist unsinnig. Weder lernt man sie dadurch besser (oder überhaupt) kennen, noch werden sie wieder lebendig.
Das Gedenken an einen Terroranschlag sollte IMO vor allem den Attentätern zeigen “Ihr bekommt uns nicht klein, wir lassen uns von euch nicht unser Leben verderben”. Also Party statt Schweigeminute.

Zumal keine 14 TV Sender über die Gedenkfeiern in Hiroshima Berichten…

@Affenboss:

  1. Ich bin nicht dagegen dass jemand einem oder mehreren Toten gedenkt die er gekannt hat, der Unsinn ist dass Leute den Toten gedenken und gedenken sollen die absolut garniemanden verloren haben.

  2. Es geht nicht um die Existenz von Gedenkfeiern an sich, sondern um die Erwartungshaltung dass in diesem Fall alle um die Toten zu trauern haben obwohl sie nix damit zu tun haben.

  3. Man kann sich natürlich an ein Ereignis wie Hiroschima erinnern, aber als Unbeteiligter ein Verlustgefühl vorzutäuschen bzw. dies von Unbeteiligten zu erwarten ist Heuchelei.

  4. Merkst du was? “Israelischer Nationalfeiertag”, “Gedenkfeiern in Hiroshima” das sind regionale beschränkte Ereignisse zu denen die Leute (die dann auch meist jemanden verloren haben) erstmal anreisen müssen, das ist was anderes als diese “Die ganze westliche Welt gedenkt der Opfer von 11.9”-Scheiße.

Ich habe am Sonntag nicht getrauert, sondern den sonnigen Tag genossen.

Zumal keine 14 TV Sender über die Gedenkfeiern in Hiroshima Berichten…

In Japan wahrscheinlich schon. Die Medienpräsenz war aber auch nicht mein Punkt. Ich ging auf die Aussage ein, dass es heuchlerisch sei in diesem Fall zu trauern.

Geplante Terroranschläge wurde bereits mehrfach verhindert, Stichwort “Sauerlandgruppe”.

Trauern ist ein Gefühl. Entweder es ist da oder nicht. Ich möchte niemand vorschreiben wie man gefälligst zu fühlen hat oder Kriterien einführen wann trauern erlaubt ist. Wann darf man sich verlieben? Wann glücklich sein? Und wie empfindet ihr wenn man hungernde Mensche sieht?

Als Besucher der Gamescom Freakshow-Artig bei RTL vorgeführt wurden habe ich mich geärgert obwohl ich keinen einzigen von ihnen kannte und bis heute nicht kenne.

Ich stimme der Kritik zu wenn Sender Trauernde ausnützen um starke Bilder und Gefühle zusenden.

Durchaus richtig. Ich habe nur Ausschnitte der Trauerfeier in New York gesehen. Das es weltweite Trauerveranstaltungen gab hab ich nicht mitbekommen. Hast du da einen Link für mich?

Derzeit nicht, aber wenn du dich mal zurückerinnerst gab es auch hier in Deutschland Schweigeminuten etc., etwas was es bei den anderen Ereignissen nicht gab.
Und die ganze Sache wird auch medial mehr ausgeschlachtet als Hiroshima, worum es hier eigentlich geht.

Ich möchte nicht bestreiten, dass keiner von uns wohl einen der Toten kannte, oder zumindest nur sehr wenige, v.A. sehr sehr wenige Deutsche. Von daher sind wir da natürlich ein wenig außen vor und können nicht so derartig trauern wie die Amerikaner, bei denen Patriotismus und nationales Zusammenhangsgefühl möglicherweise stärker ausgeprägt ist (das hat keine Wertung, sondern ist nur eine Feststellung).

Aber ich möchte bemerken:

Wenn ich Videos von Atombombentests sehe, dann zieht sich mir der Magen zusammen. Wenn ich Fotos von Hiroshima sehe, wird mir übel. Wenn ich ein KZ sehe, werde ich sehr traurig. Wenn ich Videos vom 11. September 2001 sehe, wie Menschen vor Verzweiflung aus den Hochhäusern springen, in sicherer Gewissheit dass sie sterben werden, aber lieber aufschlagen als verbrannt zu werden…dann wird es alles 3 zusammen (auch hier keine Relation oder Wertung).

Natürlich können wir vielleicht nicht das ganze Ausmaß der Trauer nachvollziehen, denn das wäre eine respektlose Anmaßung. Aber mitfühlen können wir, und da gibt es auch Gründe zu, wie ich finde. Wenn Menschen sinnlos sterben, macht mich das immer wütend; so auch jetzt bei diesem Pipeline-Unglück in Afrika, wo 120 Menschen sinnlos starben, weil die Pipeline-Firma zu bonzig war, um Leute zu evakuieren, sind ja nur arme kleine Schwarze.

Ansonsten ein weiterer Kritikpunkt bei den Medien, dem ich nahtlos zustimme: Wenn Medien diese Trauer instrumentalisieren (wie meines Erachtens nach vielfach geschehen, allen vorran die Bild, deren Aufhänger zur Eigenwerbung (großer Artikel bei 6 vor 9 bei Bildblog heute verlinkt) nicht größer hätte ausfallen können), dann ist das mehr als kritikwürdig, denn das geht überhaupt nicht und geschieht dennoch zuhauf.

Niemand oder zumindest die wenigsten sagen etwas gegen Trauer oder Gedenkfeiern. Wer trauert oder den Opfern gedenken will - nur zu. Man braucht aber nicht auf überzogene Weise kein ganzes Wochenende jeden mit den Ereignissen zu penetrieren. Mit Trauer hat das was das Fernsehen hier veranstaltete ohnehin herzlich wenig zutun gehabt.

An 1945 kann ich mich nicht erinnern, da meinen Eltern noch nicht geboren waren. Ich denke aber zum Zeitpunkt des Abwurfs der Atombombe haben die Menschen Europas größere und eigene Probleme gehabt als wir heute. An andere Schweigeminuten kann ich mich ebenfalls nicht erinnern. Es gibt aber mitten in Berlin ein 19.000 m² großes Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Zurecht! Jetzt habe ich mich als Heuchler geoutet.

Richtig. Ich habe dies auch nur als Beispiel einer weiteren Trauerveranstaltungen genannt. Die Frage ob zuviel oder sogar zuwenig gezeigt wurde ist schlussendlich eine Frage des eigenen Interesses an dem Thema. Darüber kann man ewig ohne Ergebnis diskutieren. Ich habe die Trauerfeier nur aus den Nachrichten gekannt. Viel größer ist meine Interesse daran nicht gewesen.

Geplante Terroranschläge wurde bereits mehrfach verhindert, Stichwort “Sauerlandgruppe”.

[spoiler][video]http://www.youtube.com/watch?v=SdBn5G7Y2RA[/video][/spoiler]

Es gibt aber mitten in Berlin ein 19.000 m² großes Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Zurecht! Jetzt habe ich mich als Heuchler geoutet.

Nein, heuchlerisch wäre es wenn du behaupten würdest diese Opfer zu betrauern, obwohl du nichts mit ihnen zu tun hattest und sie nie auch nur gesehen hast, dadurch ist es schlicht unmöglich dass du ein Verlustempfinden (=Trauer) diesebezüglich hast.

So, und wenn du es jetzt nicht verstanden hast ist es mir auch egal, da es hier um die Darstellung in den Medien geht die eben die letzten Jahre immer auf “Die Welt trauert”/“War ganz schlimm für mich”-Geschwurbel rauslief, man erinnere sich nurmal an diese “tolle” Sendung in der Milski und co. ihren Senf dazu abgelassen haben.

Fest steht, der Tod dieser Leute an sich war für die wenigsten hier von irgendeiner Relevanz, aber wehe man “trauert” nicht mit und ist nicht entsetzt/fassungslos.

Ich gedenke jedes Jahr am Volkstrauertag auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz am Ehrenmal des deutschen Heeres unseren circa 8Millionen Toten aus den beiden großen Kriegen. Von denen habe ich auch keinen gekannt. Der Irsinn ist nicht das man an Tote gedenkt und diese ehrt, die man nicht kannte, sondern das man um irgendwelche Büroarbeiter “trauert” die nichts geleistet haben, mit denem man nicht mal entfernt irgend etwas zu tun hatte und die mehr oder weniger einfach Pech hatten.

Ja wenn du selbst Vollblutsoldat bist ist das ja sogar nachvollziehbar :3

Auch wenn ich finde dass dein Verständnis von Büroangestellten etwas an der Realität vorbeigeht und Grundzüge der modernen zivilisierten Welt ignoriert.

@Klassenfeind:

  1. Es ging bei diesem Absatz ausschließlich um den 11.9, erkennbar an „der Unsinn ist dass Leute den Toten […] gedenken sollen die absolut garniemanden verloren haben“ wobei dieser, wie soll man sagen, „Gedenkzwang“ bei deinem Beispiel eben nicht anzutreffen ist.

  2. Wirst du wohl kaum behaupten, dass du diese Menschen vermisst, „ehren“ (an Taten/Opferbereitschaft/Leiden erinnern) ist was anderes als „trauern“ (einen Verlust empfinden) :wink:

Bitte nicht die Unterscheidung zwischen Gedenken (Erinnerungskultur) und Trauer (Gemütsstimmung, durch Verlust nahestehender oder verehrter Personen/Tiere) außer acht lassen, zumindest wenn es meine Beiträge sind. :wink: