Das Prinzip "Wohnung" in amerikanischen Sitcoms

Im Gespräch mit ner Freundin fiel mir gerade auf, dass in amerikanischen Sitcoms das Prinzip “Wohnung” kaum vorkommt.
Soll heißen, die meisten Sitcoms, die ich kenne, spielen sich in einem Haus ab.
Sei es Mike & Molly, King of Queens, Two and a half Men, Wer ist hier der Boss, oder Alf…
In keiner der Serien leben die Protagonisten in einer Wohnung.
Zudem haben Wohnungen und Häuser in diesen Serien alle keinen Wohnungsflur.

Hat jemand eine Vermutung oder vielleicht sogar fundiertes Wissen, woran das liegt?

In Amerika leben Menschen bevorzugt in Häusern. Das Eigenheim hat dort eine viel höhere Bedeutung als bei uns. Diejenigen, sich kein teures Haus leisten können, wohnen dann auch gerne in einem Trailer. Hauptsache Eigenheim.

In Serien wird dann dieser optimale Zustand gezeigt. Zudem spielen die ja auch häufig in Suburbs und viele Suburbs in den USA sind riesige Viertel mit Einfamilienhäusern. Amerikanische Wohnungen und Häuser haben auch in der Regel keinen Flur, so wie wir das kennen. Die Eingangstür führt direkt ins Wohnzimmer. Das ist einfach ein anderer Standard.

Ansonsten sind mir aber Serien bekannt, die auch in Wohnungen spielen. In King of Queens wohnt Deacon zum Beispiel in einer, und Dexter wohnt ebenfalls in einer Wohnung.

Es ist allerdings gerade in King of Queens äußerst verwunderlich, dass die Protagonisten in einem Haus wohnen, da die Serie in New York City spielt. Bei den Jobs könnten die sich nie ein solches Haus in der Lage leisten.

Ansonsten sind mir aber Serien bekannt, die auch in Wohnungen spielen. In King of Queens wohn Deacon zum Beispiel in einer, und Dexter wohnt ebenfalls in einer Wohnung.

Big Bang Theory :mrgreen:

Ansonsten sind jene Häuser auch alle sehr ähnlich aufgebaut (wichtig: Die Treppe im Wohnzimmer), hatten wohl alle denselben Architekten :mrgreen:

Bei Seinfeld gab es eine Wohnung und auch einen Hausflur.

Ich denke mal, es lässt sich einfacher drehen bei einem größeren Schauplatz. Sowie lassen sich da mehrere Zugänge einbauen wie Treppen nach oben, Kellerzugänge und Terassentüren. Damit hat man in der Dramaturgie viel mehr Möglichkeiten. (Beispiel: Eine schrecklich nette Familie-Married, with children).

Dazu kommt natürlich noch, wie die Sitcoms gedreht werden. Meist vor Livepublikum. Da kommt noch der Theatereffekt dazu.

[post=400508]@Scumdog[/post]

TBBT hatte ich absichtlich nicht aufgeführt, weil das die einzige mir bekannte Serie ist, die in einer Wohnung spielt. :mrgreen:

[QUOTE=Effe;400512]Ich denke mal, es lässt sich einfacher drehen bei einem größeren Schauplatz.[/QUOTE]

Das wäre eine Erklärung, wenn es sonst so nicht bei amerikanischen Häusern wäre. Diese “flurlosen” Häuser gibt es aber auch im echten Leben, wobei es eben auch viele Unterschiede gibt. Als Erklärung habe ich irgendwann auch mal gelesen, dass Flure unnötig Platz wegnehmen.

Bei Männerwirtschaft (orig. The Odd Couple) gab es auch eine Wohnung. Ist zwar uralt, aber auch ein Klassiker wie Seinfeld. Dort spielte die Handlung meist in Jerrys Apartment, aber auch in verschiedenen anderen Wohnungen, wie von George, Cramer, Elaine oder deren Eltern.

Ich habe Frasier ganz vergessen, Danke Icetwo!

[QUOTE=Punkrocker;400502]
Sei es Mike & Molly, King of Queens, Two and a half Men, Wer ist hier der Boss, oder Alf…[/QUOTE]

Das kommt immer auf die Protagonisten an. In den USA ist es üblich das man in einen Vorort zieht, sobald man verheiratet ist. Gibt es also ein verheiratetes paar, spielt die Serie meistens in einem Haus. Dagegen sind Serien, die sich um das Junggesellendasein der Protagonisten handeln wie: Frasier, Friends, HIMYM, TBBT, Seinfeld, The Exes. Die Spielen alle in Wohnungen.

Was mir allerdings bei den Häusern in amerikanischen Serien echt gefällt sind die Badezimmer am Elternschlafzimmer. Ich denke wenn ich mal ein Haus baue, wird das auch ein solches Bad haben

[QUOTE=Scumdog;400508]

Ansonsten sind jene Häuser auch alle sehr ähnlich aufgebaut (wichtig: Die Treppe im Wohnzimmer), hatten wohl alle denselben Architekten :mrgreen:[/QUOTE]

Man sollte mal auf das Wohnzimmer von Al Bundy und das der Strunks in dem deutschen Ableger HILFE; MEINE FAMILIE SPINNT achten, bis auf das Mobiliar nahezu identisch! :smiley:

[QUOTE=TV-Dragon;400549]…bis auf das Mobiliar nahezu identisch! :D[/QUOTE]
Das Drehbuch auch. War ja auch ein 100% Clon. Nur in schlecht und überflüssig.

Bei Scrubs sind Wohnungen auch sehr üblich. (Aber Scrubs ist nun keine “klassische” Sitcom.)

Aber z.B. Turk und J.D. leben in einer Wohnung, so wie eigentlich alle der Auszubildenden Ärzte, aber da soll ja auch die “Lebensrealität” mit widergespiegelt werden. Wobei auch Cox trotz Oberarztgehalt eine Wohnung hat.

Ich denke aber auch, dass es einfach um die “Drehbarkeit” geht. Die Verhältnisse in einer Wohnung sind häufig zu eng um wirklich eine gute Story erzählen zu können.
Nehmen wir mal “Malcom mittendrin”.
Die Mutter arbeitet im Einzelhandel und der Vater arbeitet als Büroangestellter, ob das Gehalt für so eine Wohnung reicht wäre auch fragwürdig. (Dann wiederrum, leben Amerikaner sehr viel selbstverständlicher mit Krediten und Schulden als wir hier.)

Die Darstellung kann also halbwegs realistisch sein, wahrscheinlicher ist aber, dass eseine “erhoffte” Realität darstellt oder einfach aus praktsichen Gründen so gewählt wird.

Was die Architektur angeht, dass muss ziemlich ähnlich sein, da viele der Sitcoms ja tatsächlich als Theater aufgeführt werden, dass bedeutet man hat ein Bühnenbild und da muss alles passen.
Deshalb sind die Bühnenbilder relativ eingeschränkt, ein Hausflur würde z.B. zuviel Platz nehmen und gleichzeitig hat man immer “schlauchförmige” Häuser, weil man ja auf die quais “zwei-dimensionale” Bühne angewiesen ist.

Auch bei den Sitcoms die nicht als Theaterstück aufgeführt werden hat man das oft beibehalten, wohl einfach aus reiner Gewohnheit heraus.

Ich habe gerade nochmal einen Blick in mein Amerikaforum geworfen (usa-reise.de). Dort gab es auch mal einen Thread zu diesem Thema “Häuser/Wohnungen ohne Flur”. Von in den USA Lebenden wurde bestätigt, dass das typische Architektur ist. Das hat also nichts damit zu tun, dass man das besser drehen kann. Das ist in der Realität auch so.

[QUOTE=Effe;400552] War ja auch ein 100% Clon. Nur in schlecht und überflüssig.[/QUOTE]

Stimmt, schade das Lutz Reichert sich für den Mist als deutscher Al Bundy entblödet hat, obwohl ich ihn eigentlich für einen guten Schauspieler halte!

[QUOTE=Icetwo;400531] Gibt es also ein verheiratetes paar, spielt die Serie meistens in einem Haus.[/QUOTE]

Die Jeffersons bitte nicht vergessen.

[I]… " a deluxe apartment in the sky!"[/I]

[QUOTE=Greggy;400617]Die Jeffersons bitte nicht vergessen.[/QUOTE]

Die jeffersons waren doch die nachbarn der Bunkers und die lebten in Queens.

Ich habe die Häuser in Queens gesehen. Die sind unglaublich schmal, etwa so wie eine Garage, und vielleicht doppelt so lang wie so eine Standartgarage, und dafür haben die 3,5 Stockwerke. Und überall gibt es Strommasten wo unglaublich viele Leitungen dranhängen, Während in Brooklyn oder Manhattan solche Leitungen alle unterirdisch sind

[QUOTE=Skafdir;400553]
Nehmen wir mal “Malcom mittendrin”.
Die Mutter arbeitet im Einzelhandel und der Vater arbeitet als Büroangestellter, ob das Gehalt für so eine Wohnung reicht wäre auch fragwürdig. (Dann wiederrum, leben Amerikaner sehr viel selbstverständlicher mit Krediten und Schulden als wir hier.)[/QUOTE]
Zum einen, und zum anderen wurde in dem Haus ein Grausamer Mord verübt, und das senkt den Preis

Deshalb sind die Bühnenbilder relativ eingeschränkt, ein Hausflur würde z.B. zuviel Platz nehmen und gleichzeitig hat man immer “schlauchförmige” Häuser, weil man ja auf die quais “zwei-dimensionale” Bühne angewiesen ist.

Die Familie Banks aus “Der Prinz von Bel air” hatte rechts neben dem Wohnzimmer einen Flur.

[QUOTE=Icetwo;400633]Die jeffersons waren doch die nachbarn der Bunkers und die lebten in Queens.[/QUOTE]

Die sind irgendwann ausgezogen in ihr eigenes Spinoff. Und lebten dann in einem Luxusapartment in Manhattan.

[SPOILER]
//youtu.be/FHDwRECFL8M
[/SPOILER]

[QUOTE=Icetwo;400633]
Und überall gibt es Strommasten wo unglaublich viele Leitungen dranhängen, Während in Brooklyn oder Manhattan solche Leitungen alle unterirdisch sind
[/QUOTE]

Auch die oberirdischen Leitungen sind in Nordamerika normal. Unterirdisch ist eher ungewöhnlich, kommt aber durchaus vor.

[QUOTE=Icetwo;400633]
Die Familie Banks aus “Der Prinz von Bel air” hatte rechts neben dem Wohnzimmer einen Flur.[/QUOTE]

Beim Prinz von Bel Air gab es gegen Ende einer Folge mal eine Szene in der Carlton halb schreiend, halb weinend einmal quer durch das ganze Set läuft und die Kamera dann auch so weit weg geht das man sehen kann wie groß das Set wirklich ist.
Ich kucke mal ob ich das bei youtube finde.

Edit: https://www.youtube.com/watch?v=EFX1NtxkqcE
Ab etwa 1:20 geht es los.

Wie groß das Set ist kann man leider nur erahnen wenn man die Zuschauer und die kurze Sequenz am Ende sieht.

@Maddux: Thats pretty cool :cool:

Chuck Lorre ist der Produzent von Two and a Half Men und the Big Bang Theory er klebt am Ende jeder Folge ein eigenens Bild mit einer Massage oder Grafik hinten dran, die natürlich von dem Sender weggecuttet wird aber online abrufbar ist.

Er hat mal seine „Lachmaschine“ gepostet um zu beweisen das für jede Folge die Lacher erneut und aktuell aufgezeichnet werden:

http://www.chucklorre.com/index-bbt.php

Das Set der Bill Cosby Show hatte auch keinen Flur und ich frage mich grade ob bei ToolTime, also hör mal wer da Hämmert das Publikum was Teil der Show ist nochmal vom Publikum beobachtet wird

[QUOTE=partizipator;400805]
Er hat mal seine “Lachmaschine” gepostet um zu beweisen das für jede Folge die Lacher erneut und aktuell aufgezeichnet werden:
[/QUOTE]
In den Synchroversionen hat man dann aber trotzdem die Dosenlacher.

Ich war zwar noch nie bei einer solchen Produktion, aber wird da wirklich ALLES live aufgezeichnet? Ich könnte mir gut vorstellen, dass es eine Theater-artige Vorstellung gibt, man aber anschließend noch mal die ein oder andere Szene nachdreht, weil es der Regie nicht zu 100% gefallen hat. Kann aber auch sein, dass die ihr Publikum mit mehreren Durchläufen nerven, aber dann kämen die Lacher ja auch nicht mehr.

@Topic: Mir fallen eigentlich genau so viele Sitcoms mit Wohnungen wie mit Häusern ein. Im aktuellen Jahrtausend dürften die Wohnungen sogar überwiegen, zumindest in meiner Wahrnehmung.