Zu viel Gewalt in Filmen und Serien?

Hallo,

ich schaue sehr gerne Serien. In letzer Zeit habe ich das Gefühl, dass der Gewaltgrad in Serien in letzter Zeit deutlich zu nimmt. Zum einen werden Gewaltszenen immer länger und detaillierter, ohne dass dies zum Inhalt beiträgt. Zum anderen habe, scheinen Probleme immer häufiger mit Gewalt gelöst zu werden. Während in klassischen Thrillern/Krimis ein Detektiv einen Verbrecher findet und ihn in Handschellen abschießt, ist es heute (besonders in Serien) wohl üblich, dass der Bösewicht einfach - auf möglichst spektakuläre Art und Weise - erschoßen wird.

Früher waren Gewaltszenen ein “dramatischer Höhepunkt”, heute startet meist schon die erste Folge mit einer Serie mit extrem ausgeprägten Gewaltszenen (z.B: “Preachers” auf Amazon Prime)

Abgesehen davon, dass ich mich oft über den Unrealismus dieser Szenen aufrege oder sie einfach als überflüssig empfinde, frage ich mich auch welche Auswirkung das auf unsere Gesellschaft hat. Man kriegt ja regelmäßig das Gefühl, dass Gewalt gar nicht so schlimm ist, Selbstjustiz völlig legetim und Quälereien, Folterein, Morde und Blut was “stink normales” sind.

Auf der anderen Seite nehmen in der Realität Gewaltverbrechen zu (Amokläufe) und manche Gewaltverbrecher nennen explizit Serien-Darsteller als Vorbilder, so habe ich z.B. schon von einem Mörder gehört, der von Dexter inspiert war (wenn man das googlet, scheint es da sogar mehrere Fälle zu geben). Natürlich spielen da auch zahlreiche andere Faktoren (Waffen, Perspektiven, Umfeld, Familie, …) für solche Verbrechen eine Rolle - laufen wir aber vielleicht wirklich Gefahr, dass sich durch die zunehmende “Verklärung” der Gewalt in den Medien auch die Hemmschwelle zu dieser sinkt? Muss es wirklich sein, das 5 Minuten lang im gezeigt wird, wie ein Mensch gequält wird? Wie seht ihr das?

Das alles sind doch die Killer spiele in Schuld… Ironie off.
Also einen höheren Gewaltgrad, hab ich jetzt nicht beobachtet, liegt eventuell daran, dass ich mir diesen Unsinn meist nicht gebe.

Was man allerdings machen kann, ist zwischen Sinnvoller Darstellung und Unsinn zu unterscheiden!
Da muss ich dir recht geben, das insbesonder in Horor Filmen oft unötig viel platter eingebaut wird…
In Filmen und Serien beobachte ich es eher selten.
Gab wegen Games of Thron, zwar den kurzen hype das alle Sex und Gewalt ( ohne sinn und verstand) einbauen mussten.
Doch selbst dieser scheint nun langsam vorbei zu sein.

Grundsächlich sind Serien nicht an den verhalten der Gesellschaft schuld.
Wenn ist es umgekehrt, dass die Serien sich an den Interessen der Gesellschaft anpassen!

Auf der anderen Seite nehmen in der Realität Gewaltverbrechen zu (Amokläufe) und manche Gewaltverbrecher nennen explizit Serien-Darsteller als Vorbilder, so habe ich z.B. schon von einem Mörder gehört, der von Dexter inspiert war

Erstmal hierzu:
Passiert wäre es mit Sicherheit auch ohne Dexter, nur wäre die Methode dann eine andere gewesen.
Wenn Serien/Filme/Spiele als Vorbild genannt werden, dann geht es dabei so gut wie nie um die Tat an sich, sondern um die Art und Weise wie diese ausgeführt wird.

Etwas fies dargestellt:
Ich will jemanden umbringen.
Ohne Inspiration: Ich schnappe mir eine Waffe und ermorde das Opfer damit.
Inspiriert: Ich sehe mir irgendetwas an und übernehme die “coolste” Mordmethode. (Klavierseiten Hitman - alle Teile; Mund mit Zement ausgießen Red Hood - soon to be: Der Joker - “Batman Zero Year - Secret City”; Ein Riesenlaser innerhalb einer Bergfestung der mein Opfer langsam halbieren soll… was man halt so eben zur Hand hat)

Also die Art und Weise wie gemordet wird kann durchaus anders werden, aber es entstehen kaum neue Morde dadurch.
Wobei auch hier gesagt werden muss: Die menschliche Kreativität wenn es darum geht leid zuzufügen ist enorm und war es auch nachweislich zu allen Zeiten.

Aber ich würde deine Beobachtung durchaus teilen, daher nun zum Allgemeinen:

Ja es gibt mehr Gewaltdarstellung und auch extremere Gewaltdarstellung. (Glaube ich zumindest)

Aber ich vermute das die Begründung dahinter absolut banal ist.
Es ist technisch schlicht und ergreifend möglich.
Wieder etwas sehr plakativ dargestellt:
Wenn man in den 50er Jahren eine Enthauptung darstellen wollte und die nicht völlig künstlich aussehen lassen wollte, dann musste man sich genau überlegen wie und wo man die Kamera hinhält, welche Beleuchtung es gibt, wo und wann welche Schnitte kommen usw.

Wenn ich heute darstellen will wie jemandem die Gedärme aus dem Bauch geschnitten werden dann übergebe ich das Rohmaterial an gute Grafiker und wünsche denen viel Spaß.

Das Problem entsteht dann wenn Specialeffects um ihrer Selbst willen genutzt werden, bzw. dafür da sind um über eine ansonsten platte Story hinweg zu täuschen. Dabei ist der Schock mit Gewalt natürlich ein gern genommenes Mittel.
(Was nicht heißen soll das jede Story mit viel Gewalt automatisch platt ist!)
Das Problem ist, wenn ein Gewaltschock erstmal angewendet wurde, dann schockt er beim nächsten mal nicht mehr. Ergo muss der nächste Schockmoment etwas drauf setzen und schon sind wir mitten in einer schönen Spirale.

Also dass Menschen deswegen tatsächlich gewaltätiger werden, konnte ich bis jetzt persönlich noch nicht beobachten. Ich kenne da nur Menschen, die sich die extremsten Horrorsachen reinziehen, brutale Musik hören, teilweise auch gerne daraus zitieren und auf Cool machen, aber total liebe treue Seelen sind. Könnte was mit gesundem Ausgleich (?) oder Komepensation (?) zu tun haben.

Was mir aber persönlich eher Sorgenfalten bereitet, ist der sinkende Respekt zueinander. Aber ich kann da auch nur aus meiner Perspektive reden. Hab auch schon gehört, dass folgende Generationen wieder besser sein sollen.

Dass die reale Gewalt in den letzten Jahren zugenommen hat, scheint nicht richtig oder zumindest nicht nachweisbar zu sein, und zwar weder für Gewalt im Allgemeinen noch für Morde im Besonderen.


Mindestens seit 2007 scheinen Gewalttaten rückläufig zu sein, und Morde schon länger.

(Wieso glaubt ihr (manche von Euch) eigentlich unbesehen, dass die Gewalt ständig zunimmt, oder akzeptiert diese Behauptung zumindest unwidersprochen?)

Kann natürlich dennoch sein, dass 8zunehmende) Gewaltdarstellungen dennoch irgendeinen subtileren Schaden verursachen.

Ich schaue Serien und Filme zu wenig, um da viel beitragen oder die Entwicklung beurteilen zu können. Zumindest langfristig betrachtet haben Gewaltdarstellungen zugenommen. Persönlich finde ich exzessive Gewaltdarstellungen unschön, vor allem wenn sie eigentlich völlig unnötig wären.

Was mir auch auffällt: Früher waren die Guten gut und die Bösen böse. Das ist unrealistisch, ja, aber Romane Filme sind ja auch nicht unbedingt dazu da, die Wirklichkeit eins zu eins abzubilden. Heute, so scheint es, gibt man den guten oft böse Züge und lässt die Bösen weniger böse aussehen. Scheinbar soll das der Handlung eine gewisse Tiefe geben, aber nicht jeder Shakespeare, und nach meinem Eindruck kommen dabei oft nur Absurdität und Pseudotiefe heraus.

[QUOTE=Enio;462141]
(Wieso glaubt ihr (manche von Euch) eigentlich unbesehen, dass die Gewalt ständig zunimmt, oder akzeptiert diese Behauptung zumindest unwidersprochen?) [/QUOTE]
ich glaube, das liegt mehr daran, dass man von mehr mitbekommt. Potenziert durch Internet und Social Media :wink:

[QUOTE=Enio;462141]
Was mir auch auffällt: Früher waren die Guten gut und die Bösen böse. (…) Heute, so scheint es, gibt man den guten oft böse Züge und lässt die Bösen weniger böse aussehen. [/QUOTE]

ist doch gut :smiley: Das schult differenziertes Denken ^^

[QUOTE=Miraculum;462142]
ist doch gut :smiley: Das schult differenziertes Denken ^^[/QUOTE]

Bezweifle ich.
Oft kommt es (für mich zumindest) nur albern, gekünstelt und verrenkt herüber und gibt mir das Gefühl, dass eigentlich alle schlecht sind und man sich mit niemandem identifizieren kann.
Ich bestreite ja nicht, dass man es gut machen kann; aber wie gesagt: Nicht jeder Drehbuchautor hat das Format dazu; das psychologische, geistige und dramaturgische Talent. Bei Weitem nicht jeder. Lieber eine simple gut gestrickte Geschichte als etwas Seichtes, das verzweifelt auf tiefgründig macht.

@Enio das hast du aber doch auf beiden Seiten :wink: Also ich würd’ sagen, eine gut gemachte Geschichte bleibt eine gut gemachte Geschichte ^^

[QUOTE=Enio;462150]man sich mit niemandem identifizieren kann.[/QUOTE]

Also wie in der echten Welt. Wäre nur schön, wenn das jeder so sehen würde.

@ Miraculum:

Eine gute Geschichte zu erzählen, wo der Held auch hervorstechende dunkle Seiten hat, ist aber schwieriger als eine zu schreiben oder zu verfilmen, in der alle Figuren komplex und mit negativen Seiten ausgestattet sind. Schlecht gemacht gibt es im zweiten Fall kein interessantes Schattenspiel, sondern alles versinkt in Grau. Dilettantisch aufgezogen (was IMHO sehr oft der Fall ist), kommen am Ende nur ein moralischer Nihilismus und eine Handlung heraus, die psychologisierend sein soll, in Wahrheit aber nur peinlich ist ob ihres n und ihrer Konstruiertheit.

Eine fein und glaubwürdig gezeichnete vielgestaltige Figur ist eben etwas anderes als der Held, der plötzlich und ohne Vorwarnung als menschenverachtendes Subjekt agiert; ein einfühlsam geschilderter psychologischer Prozess ist etwas anderes als ein an den Haaren herbei gezogener Konflikt, nur damit man sagen kann, dass die dargestellten Figuren schön “schillern”.

[QUOTE=menag;462154]Also wie in der echten Welt. Wäre nur schön, wenn das jeder so sehen würde.[/QUOTE]
Ja, das echte Leben ist ja oft genau so, und das ist im Grunde doch schon furchtbar genug; wenn ich dann etwas lese oder sehe, um mich zu regenerieren, will ich nicht dieselben Exkremente haben, nur in Dunkelbraun. Wenn ich eine Welt sehen möchte, die zutiefst frustrierend ist, dann kann ich auch die Nachrichten anmachen oder politische Analysen lesen.
Wie gesagt: Ich weiß, dass es auch wirkliche Kunst gibt, die ein “naives” Handlungsschema verlässt; aber darum geht es mir wie gesagt nicht.

Es gibt doch wirklich genug Filme, die das von dir bevorzugte Schema vollführen. Alle Marvel-Filme, Transformers und ähnliche Action-Filme. Da ist doch ziemlich genau abgesteckt, wer böse und wer gut ist.

Jap das ist wirklich nicht so einfach:)
Gut und Böse stellen halt auf den ersten Blick ein Wiederspruch da, dabei ist es eigentlich nur ein schmaler Grad…
Damit zu spielen ist schwirig.
Und ich rede hier aus Erfahrung wo Stella ja auch zwischen Unschuldig, Lieb, Schwach. zu Eiskalt , Hasserfüllt und Mächtig hin und her tänzelt^^

Ich finde brutale Filme nicht so schlimm wie diese ganzen brutalen Spiele.
Einen Film “beobachtest” du ja nur von außen und fühlst das Leid mit. In diesen Spielen ist man ja tatsächlich selber der Gewalttätige…

Naja. Auf gewöhnliche Filmgewalt, eingebunden in eine dramatische Storyline, mag das zutreffen, aber Folterpornos wie “Hostel” dürften etwas anderes erregen als Mitleid. (Und was “Freitag, der 13.” etc. angeht, so muss ich auch als Gegner jener Folterpornos gestehen, dass mir die Monster meistens sympathischer sind als ihre Opfer.)

Und welche Spiele meinst du? Manhunt? Da würde ich zustimmen. GTA? Da würde ich eingeschränkt zustimmen. Oder pauschal alle, in denen man irgendjemanden umbringt? Das hielte ich für Unfug.

Wie hier schon beschrieben, liegt es wohl daran, das es an fehlenden guten Ideen fehlt. Da füllt man eine Serie oder einen Film lieber mit Action und Co., als mit einer pfiffigen Story.

Mir ist das schon länger bei Kinofilmen aufgefallen. Daher interessiert mich das Thema Filme schon lange nicht mehr so. Ich habe da das Gefühl, das ein Film genauso ist, wie der andere.