Tja jetzt habe ich mich extra angemeldet, nur weil hier Barry Lyndon angesprochen wurde. Und diesem Zitat hier möchte ich mich ausdrücklich anschließen:
Ich möchte mich mal sehr weit aus dem Fenster lehnen und behaupten:
Der beste Film aller Zeiten, jemals, es wird nie einen besseren geben, ist die bibliographische Verfilmung von:
BARRY LYNDON
Ein Überfilm, ein Meisterwerk, der Meisterwerke, DAS Gesamtkunstwerk für die Filmgeschichte… mindestens.
Auf jeden Fall absolut sehenswert
Nun ja, Mamalupe hat ja Erläuterungen gefordert und ich möchte diese hier auch geben und andererseits auch Calio einige Filme nennen, die ihm vielleicht auch gefallen werden, denn das Gefühl
Oder, Mamalupe, kennst du da auch mindestens fünf bessere. Dann immer gerne her damit, würde mich freuen noch bessere Filme zu sehen.
kenne ich. Und auch wenn ich in den vielen Jahren, seit ich Barry Lyndon zum Ersten mal gesehen habe, keinen besseren Film gesehen habe, haben doch selbstverständlich auch andere Filme Bedeutung für mich.
Doch der Reihe nach: Warum würde ich soweit gehen, um mit Calios Worten zu behaupten: Barry Lyndon ist der beste Film aller Zeiten, jemals, es wird nie einen besseren geben.
Nun, zuerst einmal denke ich, dass man die Reaktionen zu diesem Film (und zu Kubricks Filmen allgemein) im wesentlichen in drei Gruppen aufteilen kann:
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Die Ignoranten: Ja ich weiß, das klingt böse, aber ich meine dies so, wie ich es schreibe. Es gibt einfach Menschen, die nicht willens sind, sich auf echte Kunst einzulassen. Ich meine damit jetzt nicht unbedingt den „gewöhnlichen“ Konsumenten, der vielleicht noch nie außergewöhnlichen Filmen ausgesetzt wurde, sondern insbesondere einen großen Teil (!) der Kritiker. Natürlich blöcken sehr viele Menschen LANGWEILIG wenn Filmemacher etwas Eigeninitiative von ihnen erwarten oder HERZLOS bzw. SEELENLOS wenn ein Film nicht komplett in irrationalem Irrsinn versinkt, aber bitte, dass ist ihr Pech. Filmkritiker dagegen, die aus purer Ignoranz solche Filme niederschrieben richteten Schaden an. Und Kubricks Filme (auch Barry Lyndon) wurden damals von nahezu allen Kritikern mit großer Reichweite (allen voran Pauline Kael) gebasht und niedergeschrieben - und zwar, weil sie statt Trash große Kunstwerke sind und sich auch ganz bewusst als solche verstanden. Die vorherrschende Auffassung von Film als Medium, dass seine Erfüllung als Jahrmarktspektakel oder für narzisstische Egotrips durch Identifikationsfiguren und Story findet, steht natürlich diametral der Intention von Kubricks Werken entgegen. Diese Filmkritiker haben die Auffassung, dass wenn ein Film in einem Ansehen nicht gut als Häppchen für Zwischendurch konsumierbar ist, dann taugt er nichts, sie brüsteten sich teilweise sogar damit einen Film niemals mehr als einmal zu sehen. Nun ja, jedenfalls: Wenn man nach einer sehr großen Anzahl an Filmkritiken aus der Zeit, zu der Barry Lyndon veröffentlicht wurde, geht, dann ist dieser Film kein besonders guter Film, sondern langweilig, kalt und langsam. Aber: Wenn man nach diesen Kritikern gehen würde, müsste man auch den Werken Bressons hölzerne Darsteller als Schwäche vorwerfen - kurz gesagt: Es sind Ignorante Kritiken, die man so behandeln sollte, wie sie es verdienen: Ignorieren.
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Diejenigen, die den Film respektieren, denen er persönlich aber nicht viel oder auch gar nichts bedeutet: Nun, hierzu muss man nicht viel schreiben. Es ist offensichtlich, dass es einer der oder sogar der schönste Film ist, der jemals gemacht wurde. Von einem qualifizierten Standpunkt aus betrachtet kann man nicht wirklich bestreiten, dass er mindestens in dem, was man Technik nenne würde, ein herausragendes Werk der Filmgeschichte ist. Auch wenn man persönlich eventuell nicht mit dem Film auf einer Wellenlänge liegt, kann man erkennen, dass es ein absolut konsequentes Kunstwerk ist, an dem es nicht wirklich einen validen Kritikpunkt gibt. Ich z.B. kann mit den Filmen von Tarkovsky (obwohl ich sie gerne sehe) persönlich nichts anfangen, da ich ein fundamental anderes Weltbild habe. Ich empfinde sie als unwahr, dennoch kann ich es absolut, sofort und bedingungslos akzeptieren, wenn jemand einen dieser Filme als besten aller Zeiten bezeichnet. Wenn jemand sagen wir Dirty Dancing nennen würde, sähe es anders aus.
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Die, die ihn uneingeschränkt verehren: Nun, erstmal möchte ich klar machen, dass dies eine sehr persönliche Sache ist, die ich nicht einmal ansatzweise in Worten ausdrücken kann, oder um besser Regisseur Bennett Miller (Capote) zu zitieren:
„Experiencing this film feels like a private event. It communicates on such an intimate level, it reaches a place I don’t really get to with people.“
„There is something very personal about it,“ he says. „It assumes you have a measure of life experience and buried existential concerns, and it just goes after them. It’s not so much a film that you watch, it’s something you relate to. It works on you. It hypnotizes you, disarms you with its spell, and makes you fluent in the unspoken dialogue and communicates what is unspeakable. It’s so quiet and still and yet so loaded, wrought, and tense, it’s like waking up in the death squeeze of a python. I love it.“
http://www.dga.org/Craft/DGAQ/All-Artic … iller.aspx
Der verlinkte Artikel ist übrigens einer der besten mir bekannten zu diesem Film. Und was Miller zum Ausdruck bringt, empfinde auch ich.
Durch diesen Film hat sich meine Wahrnehmung, mein Weltbild und meine Lebenseinstellung erheblich verändert. Durch ihn verstehe ich Kunst, er hat beeinflusst, wie ich handle, wie ich über andere Menschen urteile, wie ich die Gesellschaft betrachte. Durch ihn hat sich das, was ich als meine Auffassung vom Sinn meines Lebens bezeichnen möchte, gebildet. Das sehen von Barry Lyndon und 2001 A Space Odyssey sind die zwei Ereignisse in meinem Leben, die wohl dem am nächsten kommen, was manche als Spirituelles Ereignis bezeichnen würden. Und ich kann nicht einmal verbal formulieren, warum dies so ist. Es ist nicht eine Stelle, ein Moment oder ein Dialog in diesem Film, es ist auch nicht das Ansehen des Films im eigentlichen Sinne, sondern etwas, was mich in Gedanken wieder und wieder auf diesen Film zurückkommen lässt. Es ist auch nichts statisches, sondern etwas, dass sich mit der Zeit, mit mir selbst verändert. Es ist Kunst als tief persönlicher Dialog, als Konfrontation mit den Realitäten meines Lebens, den Auswirkungen meiner Existenz, meines Tun und Handelns. Es ist ein Film, der mir sowohl mehr über Geschichte beigebracht hat als jedes Lehrbuch und gleichzeitig verändert hat, wie ich jeden Moment erfahre.
Auch wenn dies pathetisch klingen mag: Ich bin dankbar, dass ich diesen Film erleben durfte und ich denke, dass es nicht möglich ist, von einem Film mehr zu erwarten. Wie viel er mir bedeutet, sieht man ja alleine daran, dass ich überhaupt diesen Text schreibe. Daher kann ich Caliop hierbei zustimmen:
„Der beste Film aller Zeiten, jemals, es wird nie einen besseren geben“
Bevor ich es vergesse, wer Barry Lyndon mag, wird vielleicht wie ich auch folgende Filme toll finden:
- The Scarlet Empress (Josef von Sternberg)
- The River (Renoir)
- Fanny und Alexander (Bergman)
- Badlands (Malick)
- Der letzte Mann (Murnau)
- Lola Montez (Ophüls)
- Fellinis Casanova (Fellini)
- die anderen Kubricks (auch das Frühwerk wie The Killing ist großartig!)
Und natürlich an alle, die Barry Lyndon noch nicht gesehen haben: Unbedingt umgehend nachholen.