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Sonntagsfrühstück #20: Die 90er

Hier kann darüber diskutiert werden!

Frage an Mario: Hattest du damals ein spezielles Portemonnaie um deine 15 Mitgliedsausweise immer dabei haben zu können oder hast du immer nur gezielt 2-3 Videotheken an einem Tag abgegrast?

Hab gerade ein Bild vor Augen wie Mario, nach der Frage nach seinem Mitgliedsausweis, sein Portemonnaie aufklappt und die Karten sich fast bis zum Boden abwickeln.

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Musik, Musik, Musik. Anfang der 90er mit 11, 12 war ich in meiner Klasse der Einzige, der nicht auf aktuelle Charts-Musik abgefahren ist. Ich habe in erster Linie und voller Leidenschaft die Beatles gehört. Kurze Zeit später kam die Befreiung für mich… Britpop kam und damit die Rückbesinnung aktueller englischer Bands auf die 60er Jahre. Die Frage danach, ob die Musik in den 90ern besser war, wurde leider sehr schmalspurig beantwortet. “Eines der schlechteren Jahrzehnte” ist natürlich großer Quatsch. Das bezieht sich dann offensichtlich auf Popmusik der Top 50. Nirvana wurde mit keinem Wort erwähnt. Was ist mit Indie und Alternative? Und elektronische Musik wurde ausschließlich mit Verweis auf Mainstream-Acts genannt. Hip Hop/Rap ist im Mainstream angekommen. Musikalisch gehören die 90er sicherlich zu den Spannendsten und Vielseitigsten. Musikgenres, die sich in den 70ern und 80ern gegründet haben, bestanden weiterhin in ihrer “reinen” Form. In den 90ern hat sich das aber sehr viel weiter differenziert.

Also die Aussage, dass die 90er politisch ruhig waren… auch da kann ich nur widersprechen. Ich war Jugendlicher und wurde in den 90ern politisiert. Es gab verdammt Vieles, was einen beschäftigt hat, Angst gemacht hat, aufgeregt hat, national wie international. Beispiele? Rechtsradikalismus… Solingen, Hoyerswerda, Rostock, Mölln. Der Irak-Krieg und die „Kein Krieg für Öl“-Proteste, die vielleicht sogar mehr Schüler auf die Straße gebracht haben wie „Fridays for Future“, ebenso Proteste und Lichterketten gegen Rechtsradikalismus. Dann der Balkan. Eine unglaubliche Ansammlung von Verbrechen… vor unserer Haustür. Wer sich das ganze Ausmaß noch einmal vor Augen führen will, dem sei zum Einstieg die Dokumentationsreihe „Bruderkrieg – Der Kampf um Titos Erbe“ empfohlen. Weitere brisante Themen… die Atomwaffentests Frankreichs. Der Putsch gegen Gorbatschow und die Angst vor einer Militärdiktatur.

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Danke ich kann dir in allen Punkten nur zustimmen. Bin aber halt auch ganz zu Beginn der 80er geboren und war dementsprechend in den 90ern Teenager bzw. “fast erwachsen”. Echt interessant, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen sind aufgrund von zehn oder zwanzig Jahren Altersunterschied.

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Ach ja, die Musik der 90er!
Skate- und Skapunk erschienen auf der (Mainstream-)Bildfläche und haben damit maßgeblich zu meiner heutigen Frisur beigetragen :grin:

Das erste Mal “Basket Case” ,“Self Esteem” und “Da Strike”- eine Offenbarung!
:thinking: Hm, gäbe es bloß sowas wie einen Musikthread, dann müsste ich jetzt nicht diesen damit vollspammen:

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Eine weitere Köstlichkeit der 90er Jahre war der Frufoo-Kinderquark :smiley::drooling_face:

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Und “Bärenmarke Bären-Snack”!

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Die Mär, dass mit dem Euro ALLES teurer geworden ist hält sch auch hartnäckig und dann Preise von heute mit denen von vor 20 Jahren vergleichen.

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In den 90ern habe ich auch gerne aktuellen Rock, u. a. Radiohead oder die Stone Temple Pilots, gehört. Das war schon Musik, die sich vor derjenigen anderer Jahrzehnte nicht zu verstecken brauchte. Auch mochte ich ganz gerne melodischen Punk wie z. B. NOFX und Bad Religion. Aber mit dem Hard Rock und Progressive Rock der 70er und dem Metal der 80er können die 90er nicht mithalten. Letztlich ärgert es mich schon, mit was für einem Mist man damals per VIVA u. Konsorten andauernd belästigt wurde (Stumpfsinniger Eurodance und Boygroups ohne Ende). Die nennenswerten Metalbands der 90er habe ich leider zum großen Teil erst später kennengelernt. Nach den 90ern wurde es leider noch schlechter. Wenn ich aktuelle Musik höre, dann von Künstlern, die selbst die meisten Fans der betreffenden Genres (in meinem Fall vor allem Progressive Rock und Verwandtes) nicht kennen und die in den Medien schon mal gar nicht stattfinden.

Damals war der Videothekenbesuch immer ein ganz besonderes Erlebnis, obwohl es Zeiten gab, in denen ich fast jeden Tag mal da war. Es herrschte eine fast schon andächtige Atmosphäre. Regale voller Filme. Im Gegensatz zu heute, hat man früher auch mal einen Film nur aufgrund des Covers ausgewählt. Ausleihgebühr: 1 D-Mark bei Rückgabe am gleichen Tag. Ansonsten 2 D-Mark für Standardfilme. Neuerscheinungen lagen bei 3 oder 4 D-Mark. Dass man die dicken VHS-Kassetten früher auf diese Weise hin- und hergeschleppt hat, mutet aus heutiger Sicht völlig primitiv an.

Ich würde sagen, die 90er waren ein wichtiges Jahrzehnt für den Blockbuster. Effektfilme wie Terminator 2 und Jurassic Park haben Standards gesetzt. Aber es gab auch Filme wie Schweigen der Lämmer, Der mit dem Wolf tanzt, Sieben, Murmeltier und viele andere, die die Filmwelt nachhaltig beeinflusst haben. Außerdem waren die 90er DAS Jahrzehnt des Indie-Films. Kevin Smith, Robert Rodriguez, Tarantino, Miramax, usw. Die 90er waren praktisch das Jahrzehnt, in dem der Indie-Film kommerziell wurde.

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Die 90er waren musikalisch ziemlich divers. Neben dem ganzen Eurodance- und Boygroup-Kram, gab es Indie, Alternative, Grunge, Britpop, usw. Die 90er sind außerdem das Jahrzehnt, in dem der Metal Mainstream geworden ist. Plötzlich haben Leute Metallica und Megadeth gehört. Und das ist von MTV und Viva schon abgebildet worden. Die hatten dann eigene Sendungen wie Headbanger’s Ball, Beavis & Butthead, Rock Block, Metalla, und wie sie alle hießen. Bis Mitte der 90er war Musikfernsehen tatsächlich noch Musikfernsehen.

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Ich habe eine große Schallplatten und CD (leider) Sammlung. CD höre ich so gut wie nie. Ich bin mit Musik ab Ende der 60er aufgewachsen. Für mich waren die Hochzeit der populären Musik die Zeit von 67-78. Klar eine Frage des Alters. Ich war immer offen für neue Musikrichtungen.

Für mich waren die 90er das Sinnbild für den Beginn der Musik als Wegwerfprodukt. Ich habe das auch an mir selbst festgestellt. Es ist nichts besonderes wenn Band X oder Y einen neuen Tonträger veröffentlicht.
Wahrscheinlich gibt es einfach auch zuviel davon.

Wirklich relevant waren im nachhinein aus den 90ern für mich Pearl Jam, Oasis, Rammstein und vielleicht noch Porcupine Tree. Klar gab es eine Reihe von guten Sachen die ich jetzt vielleicht vergessen habe.
Aber wenn ich heute sehe wer aus den 60ern und 70ern immer noch bekannt und aktiv ist merke ich schon einen großen Unterschied.

Ich lese und höre immer öfter das Band X oder Y klingt wie der oder der. Höre ich mir dann an und denke mir “ja ganz ok oder gut”. Aber anhören werde ich mir es bestimmt nicht nochmal, weil ich dann lieber auf die “Originale” zurückgreife. Aber auch die sogenannten etablierten Musiker bringen kaum oder fast nichts mehr auf den Markt was wirklich in Erinnerung bleibt. Nehmen wir mal als Beispiel die Rolling Stones, Neil Young oder Andere. Sie veröffentlichen immer noch mehr oder weniger konstant neue Tonträger. Diese sind meistens auch recht gut. Aber relevant? Eher nicht.

Und die neuen Musikrichtungen? Oft kennt nach ein paar Jahren den oder die Künstler kein Mensch mehr. Eben weil Musik zum Wegwerfprodukt geworden ist. Streamen und löschen ist heute angesagt. Das kann aber auch am Überangebot liegen. Es kann ja heute fast jeder ganz leicht Musik herstellen. (Nein am PC erstellte “Musik” ist keine Musik für mich).

Mein Fazit: Ich höre fast immer die alten Sachen als Single oder LP. CDs liegen einfach im Regal und stauben vor sich hin. Auf Youtube höre ich mir manche Sachen an und finde sie auch gut. Aber kaufen? Eher nicht.

Das Thema hatten wir vor Monaten glaube ich schon einmal… aber das was Du beschreibst, ist definitiv eine subjektive Sicht und eine Generationenfrage. Ich habe mir immer gesagt, ich werde nie wie meine Alten und werde niemals Dinge wie “früher war alles besser” oder “damals war Musik noch von Hand gemacht” sagen. Ich bemühe mich bis heute darum. Nicht dass es eine Überwindung wäre… nein… es gibt tatsächlich heute die Musik, die genauso gut und leidenschaftlich ist wie es sie in jedem Jahrzehnt gab. Wenn ich mir diesen “Oldies but Goldies”-Rotz im deutschen Formatradio für die Generation Ü50 anhöre, denke ich auch manchmal “jedes Jahrzehnt hatte seinen Haddaway, auch die 60er”.

Ja… auch die “etablierten” Rockstars haben ein Generationenproblem. Wenn es nicht das viel beachtete Alterswerk nach einer Durststrecke ist (Cash, Dylan etc.), dann ist das durchaus eine Beobachtung, die ich teile. Das hat aber weniger mit der “heutigen Zeit” zutun, sondern scheinbar mit dem Älterwerden. Welche Flamme brennt denn noch in den Rolling Stones ausser die Freude darüber, es gesundheitlich noch zu schaffen, die Cash-Cow des Live-Geschäfts zu melken?

Oldie-Radio höre ich nie. Ich stehe eher auf Progressive Musik.

Man sollte sich ja auch nur mal die Auswahl von den älteren Bands bei Live-Shows ansehen. Vielleicht 2 Neu und der Rest ist eher alt.

Die Musik der Neunziger würde ich definitiv nicht auf irgendwelchen Eurodance-Quatsch reduzieren. Aus meiner Sicht waren die Neunziger zumindest im Bereich der Rockmusik das letzte Jahrzehnt, in dem noch in grösserem Ausmass kreativ und innovativ gearbeitet wurde. Ähnliches gilt für die elektronische Musik. Danach dreht sich bis heute vieles nur noch im Kreis; nicht alles ist schlecht, aber neue Impulse sind kaum noch zu hören. Gute Popmusik hat es auch nachher noch gegeben, aber das einzige Genre, das sich seither wirklich weiterentwickelt hat, ist der Hip-Hop, den ich selber kaum höre.

Es ist halt immer problematisch, das musikalsche Schaffen auf das zu reduzieren, was gerade vorne in den Charts ist. Auch in den Siebzigern, zweifelsohne ein sehr tolles und vielfältiges Musikjahrzehnt, war gerade in den kontinentaleuropäischen Charts viel Schrott präsent.

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Du hörst Progressive Rock. OK. Also da hast Du in den 70ern auch zu einer Gruppe gehört, die auch nicht unbedingt dem Mainstream zuzuordnen ist. Da Du sinngemäß sagtest, es würde heute ein Überangebot geben… wenn ich mich recht entsinne, wurde es in den 60ern und 70ern auch ganz schön unübersichtlich, wenn man an die ganzen Band-Gründungen dieser Zeit denkt. Und das mit den Live-Bands… meinst Du in deinem bevorzugten Musikgenre? Falls Du es generell meinst, kann ich dir ein paar Festivals in diesem Jahr nennen, bei denen Nostalgie und alte Bands überhaupt keine Rolle spielen.

Ist Musik heute anders wie in den 60er Jahren? Ja. Der Stellenwert? Kommt auf die Definition an. Gesellschaftlich gibt es da sicherlich Unterschiede. Früher wurde in Musik halt noch sehr viel mehr projiziert, was nicht nur mit der Musik an sich zutun hatte. Das war unter Umständen ein Instrument, gegen das Elternhaus zu rebellieren. Und diese Rebellion hatte in den 60ern eine andere Bedeutung wie pubertäres Auflehnen heute. Auch ist es natürlich etwas anderes, wenn ein Musikgenre entsteht, welches vorher nie auch nur annähernd in dieser Weise da war. Das ist natürlich eine Kraft und eine Offenbarung, die wirst Du heute nur noch schwer entfalten können. Aber war der künstlerische Stellenwert höher? Definitiv nein. Was sagt man einem Jeff Tweedy? “Ja sorry Alter… Du gibst Dir zwar Mühe, klingt auch nicht übel… aber es ist objektiv und wissenschaftlich nachweisbar, dass dein künstlerischer Ausdruck nicht so viel Wert ist wie der von Young 1971”. Und glaubst Du, das man damals mit mehr Leidenschaft Musik gehört hat, nur weil man wochenlang auf eine VÖ gewartet, dann eine LP im Plattenladen gekauft hat und nur die Informationen über die Band hatte, die man in Fanzines gelesen hat? Heute kann man z.B. etwas machen, dass man damals nicht im Ansatz konnte. Man kann auf Spotify auf Entdeckungsreise gehen und wird auf Musik aufmerksam, die man ansonsten niemals zu Gehör bekommen hätte.

Wenn meine Mutter im Radio „Silence is Golden“ von den Tremeloes hört und dann sagt „das war noch Musik“… da denke ich nur… „ja, genau das wird die heute 14-Jährige in 40 Jahren über „7 Rings“ von Ariana Grande sagen“. Bei diesem Muster ist es auch völlig egal, welches Musikgenre man hört. Man wird immer die Musik hoch halten, die man als Jugendlicher entdeckt hat und die dementsprechend mit Emotionen besetzt ist.

P.S.: Was glaubst Du, wie sehnsüchtig ich auf die CDs (!) “13” von Blur, “OK Computer” von Radiohead oder “This is Hardcore” von Pulp gewartet hatte und was für eine Offenbarung die für mich (und viele andere meiner Generation) waren?

Naja… also Radiohead haben “Kid A” 2000 veröffentlicht. Also knapp im neuen Jahrzehnt. Das Album hat sehr großen Einfluss gehabt. Es gab zwar auch einen Roger Waters, der über dieses Album meinte “das klingt ja wie Pink Floyd… alles kopiert”. Aber ich denke, da sprach dann auch der Neid aus dem alten Herrn, der nicht zugeben wollte, dass auch in der Gegenwart große, relevante Musik entstehen kann. Und in den letzten 10, 15 Jahren? Da ist Folk-Musik tatsächlich noch einmal auf ein neues Level gehoben worden. Alternative Country, Singer Songwriter. In diesem Zuge muss man auch die relativ neuen Mischformen aus Electronic und Folk nennen, wie z.B. Julia Holter. Innovativ würde ich das nicht oder nur bedingt nennen. Aber kreativ in höchstem Maße.

Grossartiges Album! Du würdest mir aber sicherlich zustimmen, dass zwischen 2000 und 2019 eine ziemliche Zeitspanne liegt und dass Radiohead allgemein mit den Neunzigern in Verbindung gebracht werden, auch wenn sie danach noch herausragende Alben veröffentlicht haben.

Da muss ich zugeben, dass das Musik ist, die grösstenteils ohne jeglichen Effekt an mir vorbeirauscht.

Kid A war ein Paukenschlag, eine Offenbarung. Dieses Gefühl, etwas völlig neues zu hören, hatte ich seit dem zugegebenermaßen eigentlich nicht mehr. Das zum Thema Innovation. Für mich war das auch musikalisch das Gefühl, dass jetzt ein neues Jahrhundert beginnt. Die Assoziation Radiohead und 90er liegt für viele sicherlich an dem wichtigen, sehr erfolgreichen Album “OK Computer”. Oder auch an der ikonenhaften Single “Street Spirit (Fade Out)”. Soundtrack der eigenen Jugend und so (den es in jeder Generation gibt). Aber Kreativität? Da habe ich eigentlich auch an allem, was Radiohead nach “Kid A”/“Amnesiac” veröffentlicht haben, meine Freude.

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Ich auch. Aber repräsentativ für alles, was nach 2000 kam? Eher nicht, auch wenn der Einfluss sicherlich da ist.