Also ich hab vor 20 Jahren ja mal versucht eine Kochlehre zu machen und ich weiß mein aller erstes Praktikum war damals hier bei uns im Krankenhaus in der Küche. Die haben zu 100 % ausschließlich mit Convenience Produkten gekocht da gab es null Komma gar keine frischen Lebensmittel, nichts, gar nichts. Selbst die Paprikastreifen, die frischen wurden in Plastikbeutel fertig geschnitten, angeliefert. Nur Saucen aus Pasten aus dem Eimer, Knödel nur aus dem Plastikbeutel, Püree nur aus Pulver, alles aus Dosen, Eimer, Tüten, Säcken und sonst was. Und der Clou: dadurch dass dort in der Küche ein Meister angestellt war, durften die sogar ausbilden. Die mussten die Lehrlinge dort dann aber speziell mit extra frisch eingekauften Zutaten auf die Abschlussprüfungen vorbereiten, weil die die Sachen, die dort in der Prüfung verlangt werden nie im Alltag gemacht haben.
Deine Geschichte mit dem Saumagen aus dem Restaurant überrascht mich jetzt aber nicht wirklich. Also das ist selbst bei hier uns in der Pfalz die extreme Ausnahme das so etwas selbst gemacht wird. Und wenn, dann musst du da schon ordentlich Schotter auf den Tisch legen, da kommst du nicht mit 20 € für eine Portion oder so hin. Was aber oft so ist, dass das dann vom örtlichen Metzger hergestellt und im Restaurant zubereitet wird.
Ich kann verstehen, wenn man nicht vom Fach ist, dass das ein wenig schockt. Aber Rührei oder Eigelb oder Eiweiß aus dem Tetrapack, das ist absolut Standard und da merkst du auch keinen Unterschied und da gibt es faktisch und 100 % definitiv auch kein Qualitätsunterschied. Weil das eben einfach genau das ist: aufgeschlagene Eier im Tetrapack und nichts anderes. Das finde ich absolut in Ordnung, wenn man sowas verarbeitet. Gerade wenn du zum Beispiel einen Betrieb mit Frühstück hast, wo am Tag 200 oder 300 Portionen Rührei über den Tisch gehen.
Bratkartoffeln kaufe ich zum Beispiel zu Hause auch immer fertig aus dem Alubeutel weil DAS ist mir tatsächlich auch viel zu viel extrem zu viel Arbeit. Die Kartoffeln kochen, schälen, schneiden, Speck und Zwiebel und so weiter das ist mir dann doch echt zu viel Aufwand für so ein bisschen essen. Für ein Restaurant sollte das aber kein Anspruch sein, das gebe ich zu.
Was man außerdem bedenken muss, ich hab damals vor 20 Jahren noch 200 Bewerbungen schreiben müssen und überhaupt eine Lehrstelle zu bekommen, heute ist die Situation eher so dass auf 200 Stellen ein Bewerber kommt. Du hast heute einfach nicht mehr die Manpower und das ganze Zeug selber zu machen.
Man darf außerdem nicht vergessen: viele Leute gehen in ein Restaurant essen und wollen dort nicht viel Geld ausgeben. Ich hatte auch so Leute im Bekanntenkreis, wenn da ein Schnitzel mit Pommes mehr als 12 oder 15 € kosten war das ein Kriterium dieses Lokal nicht zu besuchen.
Nein, es ist kein möglicherweise Betrug wenn der Gastwirt auf die Karte schreibt SauceHollandaise und verkauft dir dann ein Tütenprodukt. Weil, es ist faktisch SauceHollandaise. Dazu kommt: hast du wirklich schon mal selber eine Sauce Hollandaise gemacht? Das ist echt eine Scheißarbeit das kann ich dir sagen. Wenn du das 4 oder 5 mal am Tag machst, bekommst du Oberarme wie ein Preisboxer. Dazu kommt, dass die Sauce sich höchstens 10 Minuten hält und dann gerinnt und weggeschmissen werden kann. D.h., du musst faktisch jedes Mal, wenn das Gericht bestellt wird die Sauce à la Minute für jeden Gast frisch machen. Ich hab damals in einem Lokal gearbeitet, die das so gemacht haben, da hat jeder immer gekotzt, wenn der Scheißdreck bestellt wurde.Das geht in einem normalen Restaurant kaum bis gar nicht
Ich mag zugeben, dass ich durch meine Lehre damals, da vielleicht ein wenig desillusioniert bin, was das Thema angeht aber trotzdem bleibe ich bei meiner Meinung: entscheidend ist was hinten rauskommt. Wenn das Essen schmeckt und der Preis für den Geschmack angemessen ist. Ja wo ist denn dann da das Problem?
Und das ist nicht mittlerweile in Restaurant so, sondern das ist seit 40 oder 50 Jahren schon so.
Vielleicht ist da unser Anspruch auch ein anderer, du gehst ins Restaurant, weil du gut essen willst. Ich gehe ins Restaurant, weil ich zu faul bin um mir zu Hause etwas zu kochen.
Ich fand es lustig, wie Holger sich da so hinein gesteigert hat: das ist doch alles möglicherweise möglicherweise Betrug! 
Ich weiß nicht, vielleicht gehe ich einfach mit einer anderen Erwartungshaltung essen. Ehrlich gesagt hat mich Holgers Anspruchsdenken am Ende dann doch ein wenig geschockt.
Du zahlst das teure Geld im Restaurant ja nicht dafür, dass du geile Zutaten bekommst, sondern dafür, dass du deinen Hintern auf dem Stuhl parken musst und wirst bekocht. Die Zutaten sind an dem, was du für das Essen bezahlst, ja der geringste Teil, das viele Geld, was du im Restaurant lässt, ist für die Miete, den Strom, das Gas, die Heizung, das Personal die Versicherung und so weiter.
Bei den Spiegeleiern aus dem Backofen: natürlich zahlt er dafür mehr, denn er spart sich ja die Arbeit, die Arbeitsersparnis kauft er sich mit dem mehr an Geld. Aber hier gebe ich dir tatsächlich recht, so etwas würde ich auch weder kaufen noch essen.
Und bei dem Stangenei: da gibt es sogar ein Video von der Sendung mit der Maus dazu. Das finde ich tatsächlich eine super geniale Erfindung. Denn diese Eischeiben werden ja ganz oft für zum Beispiel belegte Brötchen verwendet und wenn du da immer schöne perfekte Eischeiben haben willst mit Eigelb in der Mitte dann kannst du von dem gekochten Ei die Hälfte wegschmeißen, weil oben und unten kein Eigelb drin ist.
Und was man bei dem Thema auch nicht vergessen darf, jeder Mensch darf in Deutschland ein Restaurant eröffnen. Ohne Ausbildung ohne Fachwissen, ohne Fachkenntnisse, ohne dass er jemals irgendwann irgendwie auch nur in irgendeiner Weise mit Lebensmitteln vorher in Berührung gekommen ist. Du musst nur einen halbstündigen Vortrag dir auf dem Gesundheitsamt anhören wo du so Zeug gesagt bekommst wie Kratz dich nicht am Hintern und finger dann am Essen rum. Das war’s. Nicht umsonst gibt’s bei uns hier zu Hause in der Pfalz, den Spruch: wer nichts wird wird Wirt.