Leider habe ich keinen wirklich passenden Thread gefunden, daher hier vielleicht ein Vorschlag für „kurz kommentiert“:
http://www.ardmediathek.de/ndr-fernsehe … d=13890780
In dem Beitrag geht es um Demonstrationen gegen den „Rundfunkbeitrag“. Das wurde zum teil von der populistischen Partei „Partei der Vernunft“ organisiert. Was macht der Beitrag nun? Er stellt die Kritik an der Neuregelung sehr - und zwar wirklich sehr - geschickt in eine rechtspopulistische Ecke, klassifiziert sie als Meinung, die eigentlich nur von einer Minderheit vertreten wird.
Das beginnt bereits am Anfang: Es werden Bilder gezeigt, auf denen ein Fernseher zertrümmert wird; Gewalt. Dazu der ironische Kommentar der Sprecherin: „Jubel für den Vorschlaghammer. Höhepunkt der Proteste in Köln.“ Mit dem ersten Cut sollen also schon mal die Zuschauer für sich eingenommen werden, denn Zerstörung von Gegenständen wird mehrheitlich in der Bevölkerung ja abgelehnt. Zudem wird gleich deutlich, dass das hier nur eine komische kleine Minderheit ist, die protestiert, wenn es weiter heißt: „Hier hatten sich 1700 Teilnehmer im Internet angekündigt. Rund 200 sind gekommen - um unter anderem einen kaputten Fernseher zu feiern.“
Ähnlich weiter geht es dann, wenn das Anzünden von „GEZ-Papieren“ gezeigt wird und der Fokus auf ein Schild mit der umgangssprachlich-vulgären Aufschrift „Habe kein TV, Glotz’ kein TV, Leck mich am A…“ gerichtet wird, von dem dann natürlich nur die beiden zweiten Zeilen durch die Sprecherin zitiert werden. Auch hier wird wieder betont: „Dort ziehen am Samstag etwa 400 - statt wie angekündigt 1500 - GEZ-Gegner zum ARD-Hauptstadtstudio.“
Nun rückt erstmals die „Partei der Vernunft“ ins Bild. Von der halte ich persönlich auch nichts, das soll hier also keine Verteidigung werden. Was aber durch den Beitrag ab jetzt suggeriert wird, ist, dass diese Demonstrationen alle von der PdV instrumentalisiert werden. Da sind selbst die arglosen Teilnehmer schockiert, die jetzt in O-Tönen eingeblendet werden.
Jetzt gibt es einen wunderbaren Exkurs in die fremde Welt des Internets. Eine Veranstaltung dort hat offenbar 37.000 Zusagen. Gesagt wird aber: „Gut 37.000 Facebook-Profile teilen den Aufruf oder empfehlen ihn weiter.“ Das ist natürlich totaler Unsinn, denn die Zusage bei einer Veranstaltung muss noch lange nicht auf keiner Pinnwand erscheinen - den Aufruf teilen oder gar empfehlen tue ich aber selbst dann noch lange nicht.
Etwas später wieder rhetorisch geschickt eine Pause eingelegt: „Der Hamburger Vorsitzende macht Stimmung gegen die - Zwangsgebühr.“ Hier wird auf jeden Fall nochmal deutlich gemacht, dass die Demonstration eine Partei-Veranstaltung sei. Dies hätten auch viele Medien im Vorfeld nicht wirklich verstanden. Was jetzt aber kommt ist arg fragwürdig. Weder im Artikel der Bild noch in dem des Handelsblatt kann ich eine Würdigung oder ein Befeuern der Demos erkennen. Und dass die Hamburger MoPo eine Großdemo vermutet ist ja erstmal auch nicht schlimm. Es stimmt, dass die drei Artikel nicht die Partei erwähnen. Trotzdem ist hier auch nicht von der suggerierten Unterstützung zu reden, die der Sprecherinnentext nahelegt.
Nun kommt mit Daniel Bakir ein freier Journalist, der seine Meinung kundtut. Zusammenfassen lässt sich diese ungefähr mit: „Die Kritik an der Rundfunkgebühr ist unberechtigt, weil viele generell gegen die GEZ sind und sich ‚in diesem konkreten Fall‘ nicht darüber informiert haben, wer die Veranstaltungen organisiert hat.“ - Das ist doch mal eine sinnvolle Argumentation… :?
Wer nun diese Veranstaltungen organisiert hat, wird aber sofort erklärt: Oliver Janich, der Parteigründer. Mit düsterer Musik und Fotos wird er nun wie ein Sektenführer inszeniert. Man kann von Janich halten, was man will, aber ob die PdV intern auf eine Person ausgerichtet ist, wage ich zumindest zu bezweifeln.
Nun kommt wieder ein Göttinger Politikwissenschaftler zu Wort, der feststellt, dass die Klientel der Partei sich in einem verschwörungstheoretischen Spektrum bewegt. Durchaus möglich, das wird er besser einschätzen können als ich. Auch die anschließend hergestellte Verbindung zur Rechtsextremen ist wahrscheinlich nicht ganz von der Hand zu weisen. Aber hier wird ja immer noch die Verbindung zur Kritik an den Rundfunkbeiträgen gezogen und das ist eben das Problem.
Interessant ist in diesem Zusammenhang sicher auch, dass Bildmaterial von Felix Benneckenstein verwendet wird. Der einzige Mensch mit diesem Namen, der mir bekannt ist, ist ein ehemaliges Mitglied des rechten Rands der rechtsextremen Szene, der über Jahre als nationalistischer Musiker und Aktiver bekannt war und bereits wegen verschiedener Vergehen im Gefängnis saß. Interessant, dass hier offenbar gerade hier mit ihm zusammengearbeitet wird, wo zugleich die Offenheit für rechtsradikale Ideen kritisiert wird. Benneckenstein ist zwar ausgestiegen, gehörte aber vor seinem Gefängnisaufenthalt noch zum harten Kern der Szene, die bewaffneten Kampf „bis zum letzten Tropfen Blut“ propagiert haben. Das finde ich hier am Rande zumindest erwähnenswert.
Gegen Ende wird dann nochmal auf die Teilnehmerzahlen hingewiesen und den Demonstranten dei Diskussionsbereitschaft abgesprochen. Eine Erklärung, wieso letzteres der Fall sein sollte, bleibt der Beitrag allerdings schuldig.
Vielleicht ist das ganze ja zumindest für „Kurz Kommentiert“ was…
Viele liebe Grüße

