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Lexikon des Internationalen Films

Moin Jungs,

Sagt mal, was haltet ihr eigentlich vom Lexikon des Internationalen Films?
Ich weiß zwar nicht, wer hinter diesem Werk steckt, aber ich habe den Eindruck, dass diese Person(en) wohl ziemlich verbittert zu seint scheint/scheinen.

Es ist egal, über welchen Film ich mich bei Wikipedia belese, im Bereich “Kritiken” wirds fast immer das Lexikon des Internationalen Films zitiert und nur sehr selten kommt der Fim dabei gut weg.

Was sagt ihr dazu? Ist euch das möglicherweise auch schonmal aufgefallen? Oder habe ich einfach einen mega schlechten Filmgeschmack?

Gruß vom Punkrocker

Antwort von Olaf Brill:

Das Lexikon des Internationalen Films basiert, wie auch aus Punkrockers Link hervorgeht, auf Filmkritiken der Zeitschrift Filmdienst. Diese entstand schon in den 1940er Jahren als Organ der katholischen Kirche. Allerdings nicht, wie im verlinkten Text angegeben, in der DDR, sondern in Bonn. Die Kirchen gehörten zu den gesellschaftlichen Gruppen, die in der damals gerade gegründeten BRD versuchten, Einfluss auf Beurteilung und Bewertung von Filmen in Deutschland zu nehmen. So sind viele der älteren Kritiken mit erhobenem Zeigefinger und aus explizit katholischer Sicht verfasst. Manchmal ist das unfreiwillig komisch, wie da Filme bei ihrer Erstaufführung verrissen wurden, die heute als Klassiker gelten. Ein klassisches Verdikt des Filmdienstes am Ende der Besprechung lautete damals: “Wir raten ab.” Fürs Lexikon des Internationalen Films wurden meines Wissens viele veraltete Kritiken überarbeitet. Dennoch sind da noch viele der überholten Ansichten nachzulesen.

Heute ist der Filmdienst (erscheint 14-tägig) eine angesehene Fachzeitschrift, in der renommierte Kritiker schreiben, die nicht mal mehr unbedingt katholisch sein oder katholische Positionen vertreten müssen. Beweis: Auch ich habe schon öfter für die Zeitschrift geschrieben, unter anderem zum Beispiel positiv über die TV-Serien “From Dusk Till Dawn” und “Fargo”, die vom Filmdienst früher typischerweise mit einem “Wir raten ab” bedacht worden wären.

Fun fact: Auch die andere führende deutsche Film-Fachzeitschrift epd Film (erscheint monatlich) entstammt der Tradition der kirchlichen Filmkritik. Man sieht es schon am Namen: epd steht für Evangelischer Pressedienst.

Der freundliche Filmhistoriker aus der Nachbarschaft

[QUOTE=Fernsehkritiker;418719] Auch die andere führende deutsche Film-Fachzeitschrift epd Film (erscheint monatlich) entstammt der Tradition der kirchlichen Filmkritik. Man sieht es schon am Namen: epd steht für Evangelischer Pressedienst.
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Zu der Bezeichnung “die andere führende deutsche Film-Fachzeitschrift” von Olaf Brill möchte ich dann aber doch noch anmerken, dass diese beiden Magazine zwar zweifelsohne qualitativ hochwertig und anspruchsvoll sind und auch gute Autoren beschäftigen.

Als “führend” im Sinne von bedeutend, einflußreich oder viel gelesen sehe ich die aber nicht.
Die Auflagen sind meines Wissens vierstellig und beide verkaufen aktuell gerade mal um die 5.000 Hefte pro Ausgabe.

Da setzen dann Publikumszeitschriften wie CINEMA (trotz in den letzten Jahren ebenfalls deutlich gesunkener Auflage),
Moviestar oder Widescreen doch noch ein Vielfaches von ab und selbst mein kleines Online-Magazin hat bei einigen Artikeln mehr Leser.

Wirtschaftlich rentabel sind diese beiden Zeitschriften eigentlich nicht, sie existieren nur deshalb immer noch, weil halt eine finanzkräftige Institution dahinter steckt der das Thema kulturell wichtig ist und die es deshalb subventioniert
(womit ich kein Problem habe).

Aber “führend”? - Nicht wirklich…