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Klassische Musik

Wie tickt ihr bezüglich klassischer Musik? Seid ihr eher Freunde von harmonischer Musik wie etwa JS Bach, braucht ihr den romantischen Pomp von Wagner, oder sagt ihr alles vor dem zwanzigsten Jahrhundert ist tingeltangel? Oder meint ihr, alles Moderne ist unmusikalischer Schund? Oder hört ihr alles querbeet, wie es euch gefällt?

Ich mag sehr gute moderne Klassik. Mit Beethoven und Co kann ich nix anfangen. Highlights für mich sind da Ludovico Einaudi, Michael Nyman und, weiß nicht ob das noch als moderne Klassik gilt, aber: Agnes Obel und Tori Amos!?

[SPOILER][video=youtube_share;dfwe5LiSBe0]http://youtu.be/dfwe5LiSBe0[/video][/SPOILER]

Toll finde ich besonders moderne Interpretationen von Klassik wie z.B. von Wendy Carlos, die viele durch “Uhrwerk orange” kennen - aber auch ihre anderen Bearbeitungen sind empfehlenswert, unter anderem von Monteverdi, Bach und Händel. Es ist noch mal ein ganz anderes Gefühl, wenn “l’Orfeo” auf einem Siebziger-Jahre-Moog durch die Boxen quäkt und schmatzt oder die Europahymne nicht mehr von Menschen, sondern von einem Vocoder interpretiert wird.
Auch im Hip-Hop gibt es da viele Neuinterpretationen, Kool Keith hat zudem auf “Blue Flowers” Bela Bartoks Violinkonzert No. 2 wunderschön gesamplet.

Viele bezeichnen ja Filmscores als moderne Klassik, mit aktuellen Kompositionen kann ich da aber oft wenig anfangen. Sich episch gebender Donner und Getöse wie bei Hans Zimmer oder Christopher Drake hat für mich keinen Mehrwert. Bin aber großer Fan von Daniel Licht, insbesondere seine Arbeiten zu “Dexter” und “Dishonored” möchte ich hervorheben.

Anspieltipps:
Yuhki Kuramoto - Romance
Daniel Licht - Wink
John Barry - Mountains and Sunsets
Wendy Carlos - Bachs Air
Carmine Coppola, Festa March & Marcia Religioso - Murder of Don Fanucci
Kool Keith - Blue Flowers

[QUOTE=Miraculum;440579]Highlights für mich sind da Ludovico Einaudi, Michael Nyman und, weiß nicht ob das noch als moderne Klassik gilt, aber: Agnes Obel und Tori Amos!?[/QUOTE]

Ludovico Einaudi und Michael Nyman kenn ich auch, der letztere macht wirklich sehr geile Scores.

Tori Amos würde ich nicht als moderne Klassik bezeichnen, auch wenn sie eine klassische Ausbildung hat. Da schließt sich natürlich sofort die Frage an, was denn klassische Musik ist. Leonard Bernstein bezeichnet klassische Musik als Musik, die nach klaren Vorgaben gespielt werden, und schlägt daher den Namen “exakte Musik” vor.

Da kommen wir bei der Avantgardemusik z.B. von John Cage an die Grenzen, da er bewusst zufällige Klänge einbezieht (aus dem Grund lehnen viele klassische Musiker diese Aleatorik als beliebig und unmusikalisch ab). Popmusik ist im Gegensatz dazu um einiges freier in der Gestaltung, meistens ist ein kompletter Song ja nur an der Leadmelodie erkennbar.

[QUOTE=Kirin;440597]Wendy Carlos[/QUOTE]
Diese Neuarrangments sind immer sehr interessant.

[QUOTE=Kirin;440597]Viele bezeichnen ja Filmscores als moderne Klassik, mit aktuellen Kompositionen kann ich da aber oft wenig anfangen.[/QUOTE]
Viele Scores falles sicher darunter, wenngleich es eher seichte Musik ist (im Vergleich zu “richtiger” moderner Klassik).

Im Bezug auf Scores fällt mir noch Joe Hisaishi ein, der viele Filme von Miyazaki gescored hat.

Mich würde jedoch interessieren, wieso so viele Menschen mit “alter”, also romantischer, klassischer und barocker und älterer Musik nichts anfangen können, auch Menschen mit großer Liebe zur Musik finden keinen Zugang dazu.

Klassik, also die “alten” Sachen (nur instrumentale Stücke), kann ich durchaus immer mal hören. Allerdings schätze ich mich da nicht kompetent genug ein um eine Expertise abgeben zu können. In meinen Playlisten findet sich zumindest öfter mal die eine oder andere Klaviersonate (Chopin mag ich da zum Beispiel) oder ähnliches, manchmal harmonisch eingefügt und manchmal bewusst als Bruch.

Insgesamt bin ich aber eher der Meinung: klassische Musik aus der Konserve funktioniert, ähnlich wie Jazz, nur bedingt. Live ist das eine ganz andere Sache.

[QUOTE=KingMö;440700]Klassik, also die “alten” Sachen (nur instrumentale Stücke), kann ich durchaus immer mal hören. Allerdings schätze ich mich da nicht kompetent genug ein um eine Expertise abgeben zu können.[/QUOTE]
Ist es das? Das man klassische Musik quasi wie eine Sprache erst erlernen muss, um sie genießen zu können?

[QUOTE=KingMö;440700]Insgesamt bin ich aber eher der Meinung: klassische Musik aus der Konserve funktioniert, ähnlich wie Jazz, nur bedingt. Live ist das eine ganz andere Sache.
[/QUOTE]
Stimmt, aber live ist [I]fast[/I] jede Musik ne ganz andere Sache, sagen wir, dass klassische Musik und Jazz weniger produktionsorientiert als Pop und Rock sind.

Naja, so einfach ist es vielleicht doch nicht. Mir fallen sofort Gegenbeispiele ein, wie Miles Davis Fusionsachen, was totale Studioprodukte sind, oder die Tatsache dass klassische Releases meistens die beste Aufnahme- und Produktionsqualität haben und alle Fehler herausgebügelt werden. Elektroakustische Musik (ist aber Moderne) funktioniert auch nur über Tonbänder.

Es fällt mir auch Rock-Produzent Steve Albini ein, der seine Klangerzeugnisse immer versucht, so genau wie möglich dem unverfälschten live-sound nahezukommen und “Produktion” an sich ablehnt.

Im großen und ganzen würde ich jedoch wenig lieber tun als ein gutes Konzert einer Mahlersinfonie zu besuchen.

Andererseits gibt es dann noch die Referenzaufnahmen die man hören sollte um sich zu bilden. Wenn man den Aufwand vergleicht alle Beethovensinfonien einmal live zu hören oder sie als Boxset von Karajan für knapp 20 Euro immer wieder zu studieren, zeigen sich die Vorzüge des Aufgenommenen.

Und wie gesagt, bei Rock- und Popmusik ist es ja oft genauso, ein Konzerterlebnis ist besser als die Platte, trotz Produktionsbombast.

Wie auch immer, nicht jeder hat mal eben einen virtuosen Pianisten zur Hand, der einen Liszt-stücke vorspielt, oder ein Sinfonieorchester im Garten, weil man Bock auf Bruckner hat.

[QUOTE=Nakkinak;440705]Ist es das? Das man klassische Musik quasi wie eine Sprache erst erlernen muss, um sie genießen zu können?[/QUOTE]
Das gilt doch für jedes Genre, abgesehen von Pop vielleicht.

Da widerspreche ich jetzt mal :slight_smile: Analoge Synthesizer kommen live auch besser :wink:

Bei Klassischer Musik ist es bei mir so, dass ich es entweder sehr gerne mag oder eben gar nicht, etwas dazwischen scheint es bei mir irgendwie nicht zugeben. Es scheint aber weniger von einzelnen Werken, sondern mehr von den Komponisten Abhängig zu sein. (eigentlich selbstverständlich, da irgendwie jeder Komponist seine eigene Note in sein Werk miteinfließen lässt)

Ein Bsp.:

  • Alles von Ludwig van Beethoven ist absolut genial, da er für mich das größte musikalische Genie ist das es gibt oder gegeben hat.
  • Hingegen kann ich mit W. A. Mozart irgendwie nichts anfangen. Wenn ich es beschreiben müsste, dann würde ich sagen, es ist mir schlicht weg einfach zu kindisch, auch wenn es wahrscheinlich das falsche Wort ist.

Ganz besonders fasziniert bin ich auch von diversesten Märschen. Mir fällt es gerade sehr schwer hier ein Beispiel zu nennen welches nun der beste Marsch überhaupt ist, hierfür gibt es zuviele Anwärter.
Um dennoch zwei Bsp. zu nennen habe ich jetzt schnell blind in mein Regal gegriffen und kann somit folgende Bsp. nennen:

  • Tschaikowski - Slawischer Marsch
  • Julius Fucik - Florentiner Marsch

Edit:
Mit moderner Musik (ganz besonders Elektronischer Musik) kann ich schlicht weg gar nichts anfangen. Hin und wieder finde ich jedoch vereinzelt auch etwas modernere Musik die mir gefällt, das Kriterium hierfür ist recht eindeutig: Ich muss die Musik als “Schön” befinden und es muss auf jedenfall ein Mann singen! Bsp. hierfür gibts im “Was hört ihr gerade Thread”. Dort hab ich auch einmal eine kleine Playlist veröffentlicht. (Allgemein mit moderner Musik meine ich überwiegend Musik seit dem Jahr 2000 herum)

Ich finde einfach zum Beispiel Hardrock oder Metal funktionieren, wenn auch nicht so gut wie live, als kalte Platte eher als eben klassiche Musik. Ska ist zum Beispiel auch so eine Musik die meist nicht so für Konserve geeignet ist. Ausnahmen gibt es natürlich hier wie da.

Wie Scumdog schon sagt: Dies gilt für jede Musik. Oder zumindest für alles jenseits typischer Fahrstuhlmusik.

Wenn man den Aufwand vergleicht alle Beethovensinfonien einmal live zu hören oder sie als Boxset von Karajan für knapp 20 Euro immer wieder zu studieren, zeigen sich die Vorzüge des Aufgenommenen.

Nur die wenigsten dürfte alle paar Wochen mal eine Sinfonie live geniessen können. Wobei ich der Meinung bin mit Bild kommt eine entsprechende Aufzeichnung dann doch besser rüber als nur akustisch. Also in diesem Fall Musik schauen.

Würde ich auch so sehen.

Die Analogie mit der Sprache ist gar net schlecht: Einige sind schwerer zu erlernen als andere :slight_smile:

[QUOTE=KingMö;440732]

Wie Scumdog schon sagt: Dies gilt für jede Musik. Oder zumindest für alles jenseits typischer Fahrstuhlmusik.
[/QUOTE]

Also das hätte ich dann doch gerne mal erläutert… Ich kann es verstehen, wenn man sagt, man kann die Qualität erst beurteilen, wenn man selber Ahnung von der Materie hat… aber ich brauch doch kein Musikstudium, um mich daran zu erfreuen?? Demnach wäre klassische Musik für Babys ungenießbar… :?
Ich glaube mal nicht…

edit: oder muss ich mir das so vorstellen, dass man es viel mehr zu schätzen weiß und man die Musik daher als wertvoller empfindet, als jemand der keine Ahnung hat, und sich daran eben deshalb erfreut??

[QUOTE=Miraculum;440736]Also das hätte ich dann doch gerne mal erläutert…[/QUOTE]
Mit mancher Musik muß man sich beschäftigen, um sie mögen zu können - aber nicht im Sinne von “Fakten lernen”.

[QUOTE=Miraculum;440736]Also das hätte ich dann doch gerne mal erläutert… Ich kann es verstehen, wenn man sagt, man kann die Qualität erst beurteilen, wenn man selber Ahnung von der Materie hat… aber ich brauch doch kein Musikstudium, um mich daran zu erfreuen?? Demnach wäre klassische Musik für Babys ungenießbar… :?[/QUOTE]

Man muss vor allem Geduld mit klassischer Musik haben, ist meine Erfahrung. Und noch wichtiger: einen guten Guide, der über die wichtigsten Komponisten und die besten Einspielungen Bescheid weiß. Die meisten Beethoven- oder Mozartinterpretationen sind nunmal ziemlich scheiße

Es hilft aber wirklich, wenn man zumindest etwas Ahnung von Musiktheorie hat, oder wie eine Sonate oder Sinfonie aufgebaut ist etc

[QUOTE=Miraculum;440736] oder muss ich mir das so vorstellen, dass man es viel mehr zu schätzen weiß und man die Musik daher als wertvoller empfindet,[/QUOTE]
Man entwickelt einfach einen Geschmack dafür und lernt die Musik zu hören, so würd ichs formulieren.

[QUOTE=Chris93;440712]Alles von Ludwig van Beethoven ist absolut genial[/QUOTE]
Beethoven ist der King, best composer ever

[QUOTE=Chris93;440712] - Hingegen kann ich mit W. A. Mozart irgendwie nichts anfangen. Wenn ich es beschreiben müsste, dann würde ich sagen, es ist mir schlicht weg einfach zu kindisch, auch wenn es wahrscheinlich das falsche Wort ist.[/QUOTE]

Versuch mal die Haydn-Quartette von Mozart, sechs unfassbar melancholische und tiefe Streichquartette (Nos. 14-19). Die haben mich von Mozart überzeugt.