Folge 82: WM in Katar boykottieren? - Gast: Dietrich Schulze-Marmeling

Veto Folge 82. Hier kann darüber diskutiert werden!

Es ist noch gut ein Vierteljahr hin bis zum Start der Fußball-WM in Katar. Selten war ein Turnier so umstritten wie dies. Nicht nur, dass Menschenrechte massiv verletzt werden und Katar ohnehin keine Demokratie ist: Zudem findet die WM im Winter statt. Der Fußballhistoriker Dietrich Schulze-Marmeling ruft deshalb mit seiner Initiative zum Boykott auf.

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Informatives und kurzweiliges Video. „Veto“ passt thematisch ja eigentlich nicht so richtig, da Kritik an der WM in Katar gerade sehr mehrheitsfähig ist. Ich erlebe keine Jubelstimmung oder große Vorfreude - eher diffuses Stimmungs-Mittelmaß und Kritik.

Natürlich muss man auch so ehrlich sein, dass viel des berühmten Gratismuts mitschwingt: Katar ist aus Sicht des Durchschnittsbürgers „klein, weit weg und egal“. Das Land beinflusst uns nicht musikalisch, filmisch oder modisch - Promis aus Katar in der Medienwelt sind mir spontan keine bekannt (mag es aber ggf. geben). Da haut man halt dann doch mal lieber und schneller drauf, als auf Länder, deren Landschaft, Kultur usw. man grundsätzlich mag.

Dies bedeutet nicht, dass Katar nicht viel offensichtliche Angriffsfläche bietet - es ist aber halt schon sehr einfach und bringt schnell den sozial erwünschten Schulterklopfer ein, wenn man sich sehr einfach gegen Katar positioniert.

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Ja, Boykottieren.

Genau das ist ja auch einer der wichtigsten Kritikpunkte, dass eine WM in ein Land ohne nennenswerte Fußballkultur vergeben wurde und hier nur die kolportierten Bestechungs- und die exorbitanten Sponsorengelder den Ausschlag gegeben haben. Dass Katar es mit den Menschenrechten und Demokratie nicht so hat, ist kein Geheimnis, das gilt für die FIFA aber im Umkehrschluss genauso.
Natürlich ist es leicht, Kritik aus der Ferne und dem bequemen Sessel heraus zu üben, aber noch nie zuvor hat ein Land so viel offene Angriffsfläche auf einmal geboten wie Katar. Demzufolge ist auch ein Boykottaufruf deutlich leichter zu formulieren und zu etablieren gewesen. Bei China und Russland fällt das auch aufgrund deren Kultur deutlich schwieriger, auch wenn das unter dem Blickwinkel der Lebensbedingungen im Land sicherlich vor den jeweiligen Sportgroßveranstaltungen hätte thematisiert werden können wenn nicht sogar müssen.

Das Grundproblem ist tatsächlich das angesprochene One country-one vote- Prinzip, welches zwar demokratischer
aber eben extrem korruptionsanfällig ist.
Solange das besteht, ist es für Bewerber eben ein Leichtes, sich die nötigen Stimmen bei Miniverbänden vergleichbar günstig zusammenzukaufen. Und das wird auch in Zukunft passieren, und kann vor allem durch das Exekutivkommitee (selbst wenn der unbedingte Wille bestünde) schwer verhindert werden.
Hier wäre eine Option die Umstellung auf ein Stimmensystem nach Verbandsgröße, auch wenn das natürlich eine deutliche eurozentristische Verschiebung zur Folge hätte, die dann wieder andere Probleme verursacht.

Ich bin nicht immer einer Meinung mit Philipp Köster, aber hier trifft er den Nagel auf den Kopf, finde ich:

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Ich „boykottiere“ aus Desinteresse so gut wie jede WM.
Also auch hier: Business as usual. :man_shrugging:

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Geht mir genauso. Wie Holger schon häufig in den ganzen Jahren erklärt hat, kann ich ebenso nicht verstehen, dass für Fussball praktisch Hand und Fuss abgeschnitten werden und für andere Sportarten vielleicht mal am Vormittag noch ein bisschen Zeit in Anspruch genommen wird, wenn überhaupt.
Klar, ich kann es verstehen, dass in Deutschland diese Sportart beliebt ist und dementsprechend das Programm damit gefüllter ist, aber trotzdem fand ich es schon immer übertrieben.

Fussball ist eigentlich auch der Hauptgrund, warum ich nie wirklich Sportsender geschaut habe. Immer, wenn ich es versucht habe, musste ich vor Langeweile weg, weil 95% der Zeit die Sportart behandelt wurde, die mich so gar nicht interessiert.

Und da sind die ganzen Finanzierungsangelegenheiten noch gar nicht mitgezählt. Ich will nicht wissen, wieviele Milliarden mittlerweile verprasst wurden, um irgendwelche halb-wichtigen Fussballspiele senden zu dürfen…
Aber Hauptsache der politisch geführte Rundfunk will „für alle“ etwas anbieten – ja, klar, ist doch offensichtlich…

Das erinnert mich an eine Stenkelfeldfolge zu Randsportarten.