Folge 531: Aktuelle Neuheiten: u.a. Der Astronaut, Das Drama

Bei Ready or not 2 absoluter Zuspruch für @HannibalSmith, dass völlig alberne Rumgezicke der 2 war tierisch nervig schon nach kurzer Zeit. Wie schon die Menschenjagd läuft auf dem Grundstück, aber die zwei völlig gestört auf offenem Terrain miteinander rumschreien statt sich zu verstecken. Auch der Schluss mit dem Graben einfach nur dämlich, generell war mir der Einsatz mit quasi der Weltherrschaft viel zu dick aufgetragen für so einen Film.

Es gab paar ordentliche Szenen (oder wie Malte sagen würde Zähnen :face_with_tongue:), aber insgesamt nicht nur eine völlig überflüssige Fortsetzung, sondern ein richtig unterdurchschnittlicher Film. Eine große Enttäuschung

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Aber dass er in der Lage ist, in wenigen Minuten eine neue Filmrolle einlegen zu können, resultiert ja nicht automatisch in unscharfen Bildern. Das hat doch eher was mit der geringen Schärfentiefe und Nolans Stil zu tun.

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ab 0:35:45 „Is‘ eine scheiß fiktive Figur, die es niemals gab“.

Na dann, sooo viele neue Möglichkeiten #JamesBond

P.S.: Ich vermisse Mario!

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Mich wundert, dass Holger die Parallele zwischen „Blue Moon“ und „The Sunshine Boys“ nicht gesehen hat. Soweit ich weiß, ist er (wie ich auch) ein Fan der Neil-Simon-Komödie.

Wer sowas wie einen Thriller erwartet, ist definitiv im falschen Film.
Aber ich finde „Blue Moon“ in anderer Hinsicht hochspannend.
Auf zwischenmenschlicher Ebene passiert da fast im Minutentakt etwas Neues.

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Zu The Drama und „Achtung, Spoiler!“ #10: :innocent:

Irgendwie fühle ich, dass dieser Film 1. vor allem aus der Sicht der USA :united_states: produziert wurde… :sweat_smile: Außerdem 2. finde ich imho die ganze Story irgendwie übertrieben… naja, ist halt „ein amerikanisches Problem“. Wenn man sich in die Situation reinversetzt, ist das schon ein krasser Film… :see_no_evil_monkey: Aber generell: What’s the Problem??? Ich meine, sie hat aufgrund von Problemen in der Jugend einen Amoklauf GEPLANT!! Aber nie umgesetzt!!!
Ich meine, klar, der Film beleuchtet relativ gut die Hintergründe eines Amoklaufs, aus amerikanischer Sicht, wie gesagt. Aber Emma selbst hat ja nichts gemacht, also warum ist das so ein Thema vor der Hochzeit? :sweat_smile: :see_no_evil_monkey:
Alles in allem, super Film.
Aber: Stupid Americans… :see_no_evil_monkey:

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Den sehe ich auch jetzt noch nicht. Erklär ihn mir!

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Es gibt mehrere Parallelen.

  1. In beiden Filmen geht es um eine ausgestorbene Unterhaltungsform.
    Sunshine Boys: Vaudeville / Varieté (siehe die historischen Einspieler zu Beginn. Blackfacing und Kinder als Nummerngirls dürften schon in den 70ern bedenklich gewesen sein)
    Blue Moon: Nummernrevue mit Textunterbrechungen (Rodgers & Hart) → modernes Musical (Rodgers & Hammersmith)

  2. Differenzen zwischen zwei Altstars, die jahrelang zusammengearbeitet haben.
    Bei der Treppenszene zwischen Rogers & Hart, könnte man denken: Das sind Lewis & Clark an dem Tag, als sie sich damals geterennt haben.

  3. Im Film „The Sunshine Boys“, der in den 70ern entstanden ist, wird sogar auf die Zeit von „Blue Moon“ angespielt. Da liest Clark z.B. von einem 1878 geborenen Texter, der kürzlich verstorben sei: „Der hat nur Mist geschrieben. Wer reimt schon Lady auf Baby.“

  4. 30 Jahre nach dieser Zeit ist Wille Clark in einem desolaten Zustand.
    So stelle ich mir Larry Hart vor, wenn er überlebt hätte.
    Um weiterhin Erfolg zu haben, brauchte er seinen langjährigen Kompagnon.
    Al Lewis ist zwar auch inzwischen einigermaßen verkalkt, aber er scheint seinen eigenen Weg gegangen zu sein.

Mir ist klar, dass Blue Moon das Thema weniger knackig behandelt als Sunshine Boys.
Aber der Fundus, aus dem beide Umsetzungen schöpfen, ist derselbe.

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Naja, würde es dich gar nicht tangieren, wenn deine Verlobte dir kurz vor der Hochzeit so eine Bombe hinwirft? Da spielt ja zweierlei rein: nicht nur das, was sie ihm da gesteht, sondern auch, dass sie es bislang vor ihm geheim gehalten hat, ihm also nicht vollends vertraut/sich ihm nicht vollends anvertraut.

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Finde ich imho nicht… :sweat_smile: :see_no_evil_monkey: Dafür heiratet man ja, dass man spätestens bis zum Traumoment alles miteinander teilt. Und, wie gesagt, sie hat es ja gar nicht getan oder ausgeführt!. Von daher ist es ja keine „Bombe“… Eine „Bombe“ (im wahrsten Sinne des Wortes :sweat_smile:) wäre es ja nur, wenn sie tatsächlich getan hätte… Wie gesagt, „It’s an American thing“.

Oh man, ich hatte mich so auf „Odyssee“ gefreut und jetzt findet ihn Holger gut :scream: :rofl:

Unglaublich wie einige immernoch dieses bösartige Klischee verbreiten, dass Gosling nur (ich zitiere) „Eine Fresse hat“. Der Mann hat Komödien, Dramas, Thriller, Arthouse, Action, Musical gespielt und das alles gut. Er hat einen Neonazi Juden gespielt in „The believer“, was muss er denn noch beweisen, dass er vielfältig ist?

Zudem hat man über ihn nie schlechtes gehört als Mensch und Kollege, was nicht viele behaupten können.

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Mag ja sein - aber das Gesicht war immer das selbe :smiley:




Buster Keaton war ein Jim Carrey dagegen :smiley:

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Wäre ein guter Harry Kane in einem Biopic über selbigen. :thinking:

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:thinking:


:grinning_face:

Aber gut, du hast schließlich auch die Genialität des Films „Drive“ nicht erkannt :winking_face_with_tongue:

Egal.

Jedenfalls danke für die Besprechung vom Astronauten, den ich schon seit Wochen endlich mal anschauen will, (wollte ich schon im Kino gucken und hab’s nicht hinbekommen ) werde ich diese Woche jetzt endlich mal machen.

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Die Odyssee gestern gesehen. Guter bis sehr guter Film. Tom Holland fand ich auch blass und weibliche Charaktere funktionieren bei Nolan wie gewohnt nur bedingt bzw. gab es doch Welche die ich eher verschenkt fand.

Guten Abend lieber Holger und liebe Ora-Flixer,

vorweg eine Warnung und ein Geständnis: Es wird hier zu massiven Spoilern über Odyssee kommen. Der Stoff ist zwar 2.800 Jahre alt, aber ich will es trotzdem anmerken. Ich habe mich im Vorfeld sehr auf den Film gefreut. Wie manche vielleicht wissen, liebe ich zwar Geschichte im Ganzen, aber besonders die Antike fasziniert mich. Ich bitte Gott auf Knien um viel mehr epische Filme, die zwischen 1.500 bis 100 vor Christus spielen. Doch dann kam der zweite Trailer mit seltsamen Cast, komischer Optik und furchtbaren Dialogen, sodass ich begann ein großes Unheil zu befürchten. Nach knapp drei Stunden Kino kann ich nun sagen: Nolans „Odyssee" ist für mich in einem Wort peinlich. Der Film baut zwischen seinen Figuren keine emotionale Tiefe auf und reißt mit verquasten Dialogen, verunglückter Besetzung und absurden Details permanent aus der Immersion. Auf den lautesten Kritikpunkt, nämlich den Cast, geh ich nun bewusst nicht als erstes ein, denn das wäre zu einfach.

Damit das nicht nur als Nörgelei durchgeht, will ich eines sagen: Freilich fand ich nicht jede Interpretation Nolans schlecht. Sein Ansatz ist als Idee völlig legitim. Bei Homer ist Odysseus der Heldentyp, der als Intellektueller zunächst die vermeintliche Antithese zu Figuren wie Achilles darstellt. Denn während Achilles sich vor allem durch seine Kampfkraft hervortut, glänzt Odysseus durch seine List. Doch beide eint letztendlich doch ein Laster: Ihre Hybris gegenüber den Göttern. Während der eine vor der Eroberung Trojas durch den von Apollon gelenkten Pfeil des Paris fällt, ist es Odysseus, der die 10-jährige Irrfahrt in der Vorlage überhaupt erst verschuldet. Erinnern wir uns: Der Zyklop Polyphem bricht die Gastfreundschaft und wird geblendet, Odysseus verspottet Poseidons Sohn und muss dafür mit seinen Männern irren. Das ist für sie alle sehr belastend, aber Traumata des Krieges und Schuld wegen unschuldige Opfer thematisiert Homer gar nicht.

Der von Nolan gewählte Ansatz darauf aber den Fokus zu legen, halte ich für absolut zulässig. Er erzählt von einem vom Krieg gebrochenen Mann, dessen Heimkehr die therapeutische Aufarbeitung der eigenen Schuld ist. Die Stationen sind womöglich nur psychologische Sinnbilder und selbst das Ende lässt sich als Todesfantasie lesen. Eine antike Vorlage so radikal umzudeuten, kann durchaus spannend sein.

Passend dazu gefiel mir auch die Idee den Untergang der Bronzezeit 1.200 durch die Seevölker mit den kriegstreibenden Griechen zu kombinieren. Denn tatsächlich weiß die Forschung bis heute nicht woher genau diese Seevölker kamen, die zum Untergang der mykenischen Palastkulturen und des ganzen Orients, bis auf Ägypten, führten.

Doch leider scheitert Nolan auf zahlreichen Gebieten, die ich nun darlegen will. Beginnen wir einfach mal mit dem Trojanischen Pferd: Dieses ist so gebaut, dass man darin kaum Menschen unterbringen kann, und sitzt bei Flut mit dem Heck im Wasser – wer unten drinsteckt, muss unweigerlich ertrinken. Das soll der Entwurf des klugen Strategen Odysseus sein? Aber egal, Hauptsache es sieht cool aus.

Kommen wir zu Athene. Diese erscheint Odysseus im Kopf als jene junge Frau, die in Troja hingerichtet wurde. Wir wissen also letztendlich nicht, ob es wirklich die Göttin, oder nur eine posttraumatische-Belastungsstörung ist. Als Interpretation in Ordnung. Nur: Warum besetzt man ausgerechnet diese Figur mit einem Gesicht, das gerade in jedem zweiten Blockbuster auftaucht? Eine unbekannte Darstellerin hätte uns in der kurzen Leinwandzeit viel mehr erreichen können; so sehen wir nicht den Schrecken des Krieges, sondern erst einmal Zendaya. Immersion gelingt ohnehin nie: Die frühen Dialoge erzählen sich Dinge, die die Figuren längst wissen müssten, und Sätze wie „Deine Mutter und du bedeuten ihm alles" über einem zwei Sekunden langen Familienbild sind schlicht schwach geschrieben. Das ist handwerklich einfach schwach.

Richtig weh tut das Pacing. Die eigentliche Irrfahrt nimmt keine Hälfte der Laufzeit ein: In rund 75 Minuten quetscht Nolan acht Stationen – Zyklop, Leistrygonen, Kirke, Hades, Sirenen, Skylla und Charybdis, Helios-Insel, Kalypso. Keine zehn Minuten pro Stopp, und genau so fühlt es sich an. Die Kirk-Douglas-Verfilmung von 1954 war klüger und hat Stationen gestrichen oder zusammengelegt, um Raum zu gewinnen.

Am Zyklopen zeigt sich das Grundproblem. Polyphem darf nicht sprechen, sonst müsste er von seinem Vater Poseidon erzählen – Mythologie will der Film ja schließlich loswerden. Damit fällt aber die „Niemand"-List weg, die schließlich zur absolut entscheidenden Verspottung vom Schiff durch Odysseus führt. Es ist ja gerade diese Eitelkeit, die Poseidons Zorn entfacht und Odysseus zur 10-jährigen Irrfahrt verdammt. Ersatzweise wollen die Männer im Schmerzensschrei des Riesen das Wort „Poseidon" gehört haben; Odysseus wirft beim Fliehen einen Speer, und die Mannschaft wirft ihm später vor, er habe damit den Gott gereizt – obwohl der Speer erst nach dem angeblichen Ruf fliegt. Die Kausalkette, die überhaupt zur Irrfahrt führt, ist hinüber, und aus Hybris wird Dummheit: Odysseus wirkt nicht eitel, sondern inkompetent. Ständig heißt es, er sei Agamemnons bester Stratege; auf der Leinwand ist er das schwächste Glied. Warum er z.B. den Sirenengesang hören will, erschließt sich nie – 1954 war diese Neugier in der Figur angelegt.

Ruhe gibt es nirgends. Der Moment, in dem der Riese die Höhle verschließt, ist unheimlich; danach bleibt keine Zeit für Angst oder Trauer. Die Leistrygonen sind weg, bevor sie da waren. Kirke bekommt einen Dreiminutendialog, in dem sie zur Manifestation unterdrückter Weiblichkeit erklärt wird – Häkchen dran, weiter; immerhin hat die Verwandlung der Männer in Schweine echten Body-Horror-Reiz. Skylla bekommt dreißig Sekunden, zum Glück, denn das CGI ist Billigware. Am bittersten der Hades: Dass Odysseus nicht einmal seiner Mutter begegnet, von deren Tod er in der Vorlage bis dahin nichts weiß, streicht einen emotionalen Schlüsselmoment. Stattdessen hält ihm Sinon, den er hier selbst geopfert hat, eine zahme Moralpredigt – zu viel Tell, zu wenig Show. Zumal wir vorher gar nichts über Sinons Verhältnis zu Odysseus erfahren. Sein Tod kann dem Zuschauer daher nur egal sein und seine Klagen haben keinen Impact.

So bleibt vieles emotionale Behauptung. Die Freundschaft zu Eurylochos wird nie etabliert, sein Tod berührt ungefähr wie eine Steuererklärung. Eine Crew, die ihren Anführer verehrt und langsam in Misstrauen kippt, gibt es kaum. Und wir verlieren jedes Gefühl für die Zeit, die diese Reise frisst – ausgerechnet bei Nolan, der in „Interstellar" den Schmerz eines Vaters körperlich spürbar gemacht hat. Zwischen Odysseus und Telemachos wäre genau das möglich gewesen. „Interstellar" ist im Grunde die bessere Odyssee-Verfilmung.

Nun kommen wir zum rosa Elefanten im Raum und hier muss ich ja erstmal gestehen, dass mein doch sonst so ruhiges Gemüt an die Decke gegangen ist. Ich zitiere Christian und Malte. Christian: „Na und? Es ist ein Film!“ und Malte: „Es ist eine SCHEIß fiktive Figur, die es niemals gab“. Sorry aber das ist einfach nur oberflächlich sowie polemisch und wird einer richtigen Rezension nicht gerecht. Denn wie ist es denn nun ganz nüchtern betrachtet, wenn man sich die Verfilmung eines Stoffes, der 800 vor Christus im mitteleuropäischen Raum geschrieben wurde, anguckt? Die Besetzung reißt einen total heraus. Odysseus’ Mannschaft ist maximal durchmischt – nur ein Grieche fehlt –, und das Drehbuch erklärt das mit keinem Wort; ein Satz über verbündete Krieger aus fernen Ländern hätte genügt. Ja, die Odyssee ist kein Geschichtsbuch, sondern ein Märchen mit Zyklopen und Seeungeheuern, aber sie ist in Zeit und Raum verortet, und wer sie inszeniert, sollte das ernst nehmen. Als Homer die Geschichte verfasste, hatte er natürlich die Männer seiner Zeit vor Augen und keine Schwarzafrikaner, Asiaten oder andere Quotenmigranten. Ihr könnt mir nicht ernsthaft erzählen, dass eine Welt für Euch absolut glaubhaft ist, wenn sie behauptet einen ganz bestimmten Kulturkreis darzustellen, diesen aber optisch nicht repräsentiert.

Doch es kommt ja noch schlimmer, denn der Cast ist das Who-is-who von Hollywood, welches bis in Nebenrollen gepresst wird: Über Charlize Therons Figur erfahren wir nichts, außer dass sie attraktiv ist. Sie sieht jedoch nicht aus wie eine griechische Göttin, sondern wie ein schönheitsoperierter Filmstar des 21. Jahrhunderts, der gleich auf den roten Teppich geht; Tom Holland spielt mal wieder Tom Holland und spricht wie wir damals auf dem Schulhof in der großen Pause. Wenn alle paar Minuten Spider-Man, Batman und Catwoman durchs Bild laufen, ist das nicht immersiv. Samantha Morton ist herausragend, nur passt die Rolle nicht zu ihr. Matt Damon macht seine Sache gut, aber aus dem eitlen, klugen Strategen wird ein schwerfälliger Klotz ohne Autorität. Letztendlich hätte der Film das gebraucht, was schon „Herr der Ringe“ und „Game of Thrones“ richtigerweise getan haben. Nolan hätte auf unbeschriebene und unbekannte Darsteller setzen sollen, die aussehen wie Menschen des Mittelmeerraums. Genauso wie es etwa Mel Gibson beim fantastischen Apocalypto mit Südamerikanern gemacht hat. Will mir ernsthaft jemand sagen, dass dieser Film mit Brad Pitt, Daniel Day-Lewis und Lucy Liu genauso funktioniert hätte? Nein? Na also!

Aber weiter geht’s: Die Kampfszenen sind eine Katastrophe, und ich erwähne so etwas sonst selten, weil ich Choreografie meist für zweitrangig bei solchen Filmen halte. Aber es gibt keine eingespielte Einheit, nicht einmal eine Handvoll Krieger in Formation, daber war das in der Antike dasA und O im Kampf. Stattdessen rennen alle brüllend durcheinander und dazwischen stapft eine Hauptfigur herum, um wichtig zu wirken. Bei den Leistrygonen schlägt ein Gegner viermal denselben Querschlag auf Gesichtshöhe, und Odysseus duckt sich jedes Mal identisch weg. Im Endkampf auf Ithaka haut er drei Gegner um, während fünfzehn danebenstehen und glotzen. Dann stürzt er, wird getreten, die Kamera wackelt kurz – und schon steht er wieder, praktischerweise mit einer Axt, mit der er sich dann im Kreis dreht. Die hohe Kunst wäre, Unglaubwürdiges glaubwürdig zu machen; bei einem Film, der etwas Tiefschürfendes mitteilen will, ist das eine inszenatorische Todsünde.

Und das angeblich monumentale Ausstattungskino wirkt eher klein. Auf Ithaka sind wir zu neunzig Prozent im selben Saal, das gigantische Troja besteht gefühlt aus einer Treppe, einem Innenhof mit vier Olivenbäumen und einem Turm, der mehrfach brennend zusammenfällt; Petersens „Troja" wirkte allein durch die Kamerawinkel größer. Zugutehalten muss man Nolan, dass vieles real gebaut wurde – die riesige Zyklopenhand sieht klasse aus. Dafür sind die Kostüme bitter: Agamemnons schwarzer Anzug ist so unpassend, dass er auch im Cybertruck hätte einfahren können, und die Rüstungen der Trojaner sehen aus wie Bastelarbeiten aus Pappe. Kein Budget der Welt hilft, wenn Inszenierung und Erzählung nicht sitzen – nicht einmal Argos haben sie hinbekommen: Welpe und ausgewachsener Hund sehen aus wie zwei verschiedene Rassen. An dieser Stelle will ich auch nochmal sagen, was für ein geiler Film Troja im Vergleich war. Was würde ich für eine Odyssee Verfilmung mit Sean Bean geben! Der war zwar auch nicht perfekt, aber war einfach viel glaubwürdiger, immersiver und hat die Götter-Mythologie geschickt im Unklaren gelassen. Toll fand ich auch seine sommerliche Farbgestaltung.

Die ist bei Nolan diametral anders: Die alles überziehende Dunkelheit. Licht, Farben, Kostüme und Produktionsdesign erzeugen durchgehend eine bedrückende Atmosphäre; das antike Griechenland ist hier keine lichtdurchflutete Mittelmeerwelt, sondern ein graues Ödland und das kann und darf einem natürlich gefallen. Doch sowohl diese Welt als auch die Figuren bleiben einem verschlossen. Bei Homer ist die Reise eine Begegnung mit Göttern, Monstern und Versuchungen, hier eine existenzielle Wanderung durch ein leeres Nirgendwo. Der Mythos wird zum Trauma, das Abenteuer zur Therapie. Eine entscheidende Frage ist für mich deshalb nicht, ob der Film gelungen ist, sondern ob er überhaupt noch die Odyssee erzählt – oder nur Homers Namen benutzt und etwas ganz Eigenes macht. Das kann nur der Zuschauer selbst entscheiden.

Doch so oder so bleibt der schwerere Vorwurf: der fehlende Mut zur Konsequenz. Statt die Entmythologisierung radikal durchzuziehen, wie Petersen in „Troja", verfängt sich Nolan im halbherzigen Kompromiss – die Götterwelt streichen und sie gleichzeitig als bloßes Konstrukt im Drehbuch behalten. Mentor ist das Paradebeispiel: in der Vorlage die verwandelte Athena, bei Nolan irgendein Typ, dem „weise Augen wie Athena" nachgesagt werden, was wir nie sehen; als er stirbt, wirft eine Figur schnell ein, vielleicht sei es ja doch die Göttin gewesen. Das ist einfach nur Namedropping als Fanservice.

Und damit zum Fazit: Nolan traut seiner eigenen Idee nicht. Wer die Götter aus der Odyssee streicht, muss das durchhalten — Petersen hat in „Troja" vorgemacht, dass es geht: Dort glauben die Figuren an Götter, aber keiner greift ein. Nolan entmythologisiert halbherzig und behält sie als Zitat. Und er traut auch dem Format nicht, das seine Geschichte bräuchte. Eine Studie über Schuld und Verdrängung lebt von Gesichtern und stillen Emotionen. Nolan dreht sie als IMAX-Ereignis mit Massenschlachten, dröhnendem Sound und Starbesetzung. Dieses Format verlangt ständig Wucht — daher die acht abgehakten Stationen in 75 Minuten. Schlimmer noch: Wer zeigen will, dass Krieg kein Heldenabenteuer ist, sondern Trauma, darf ihn nicht als überwältigendes Spektakel inszenieren, sonst bedient die Form genau das, was der Inhalt entlarven soll. Bezeichnend, dass die begeisterten Kritiken fast nie über den Inhalt sprechen, sondern darüber, wie gigantisch und laut das Ganze war.

Konsequent wäre ein kleines, dichtes Kammerspiel gewesen, wie Uberto Pasolinis Odysseus-Film mit Ralph Fiennes. Und dazu hätte gehört, die Schuld auch zu zeigen: Odysseus hätte die junge Frau in Troja selbst töten müssen, statt nur zuzusehen. So bleibt seine Schuld Behauptung — und mit ihr die Grundaussage des Films.

5 „Gefällt mir“

Allen Nolan-Filme (außer vielleicht Interstellar) nutzen den ganzen Pomp und den Bombast, um die emotionale Leere zu kaschieren.

2 „Gefällt mir“

Troja als Positivbeispiel na ja. Brad Pitt hat den Film bereut und Peter O’Toole fand ihn kacke.

Fehlende Bindung zu den Charaktere, überwiegend den Weiblichen ist natürlich ein Problem in fast allen Nolan Filmen. Lupita Nyong’o & Mia Goth waren ziemlich verschenkt. Hier hat es mich etwas weniger gestört, hat mir Handlung an sich gereicht. Ist mir noch immer lieber als so einige Sandalenfilme die sich an ihrem hochtrabenden Gesabbel ergötzen.