Folge 485: Sechs Filme für Sam_One

Pantoffelkino Folge 485. Hier kann darüber diskutiert werden!

Unser Lebemann Christian, im Forum als Sam_One bekannt, bestimmt diesmal das Programm und hat eine spannende Liste an Filmen zusammengestellt. Mit „Teen Wolf“ und dem Musicalfilm „Cinderellas silberner Schuh“ geht es recht mainstreamig los, aber es wird dann auch sperriger. Wir erfahren mehr über den jüngst verstorbenen Brian Wilson und sehen einen Darsteller gleich in zwei verschiedenen Filmen in skurrilen Rollen.

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*Schuh :wink:

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:grinning_face: :grin:

Das ist doch mal eine Freud’sche Fehlleistung! :face_savoring_food:

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Erst mal vielen Dank, dass ihr euch meine Filmauswahl angeguckt habt! Zwei der Filme sind mindestens zehnmal von der Liste geflogen, aber dann doch wieder raufgewandert - nicht etwa, weil ich euch ärgern wollte, sondern weil sie mir wirklich am Herzen liegen. Hier meine Erklärung (oder Verteidigung?), wie es zu dieser Auswahl kam:

Teen Wolf
Da fangen wir ja gleich mit dem Film an, der mir am meisten Kopfzerbrechen bereitet hat - pack ich ihn rauf oder nicht? Wird Christian seinen von mir am meisten gefürchteten Satz „Warum tust du uns das an?“ sagen oder wird er es mir durchgehen lassen? Und ja, natürlich ist es ein Film aus meiner Kindheit. :slight_smile:

Wobei der Begriff „Kindheit“ hier schon ein bisschen überstrapaziert wird, weil er Ende 1985 bei uns im Kino lief und ich da gerade 14 geworden war. Das Ding ist - ich mag Horrorfilme, war aber früher ein ziemlicher Schisser. Während sich meine Kumpels mit 12 FSK-18-Raubkopien reingezogen haben, hab ich von Carrie Albträume bekommen und „Jaws“ hab ich erst mit 18 oder so ganz gesehen (Und erst mit Mitte 20 ohne immer wieder zwischen den Fingern durchzugucken). „Teen Wolf“ war da eine wunderbare Einstiegsdroge, bis auf die Verwandlungsszene nicht wirklich gruselig, aber das zählt! Doch, DAS ZÄHLT!!

Ich bin mir sicher, dass ich den damals, als er dann auf VHS rauskam, 50-60 Mal geguckt hab. Erst aus der Videothek ausgeliehen, irgendwann hat sich jemand erbarmt und mir eine Kopie gezogen. Meine Eltern hat es in den Wahnsinn getrieben, aber hey: Wenigstens mal was anderes als „Flash Gordon“.

Natürlich versteh ich, warum man diesen Film schlecht findet. Und es gibt ein paar Sachen, die ich ihm auch ankreide, ganz besonders die Ballszene. Dieser „Wolf-Tanz“ ist so blöd, ich bin auch immer ein bisschen froh, wenn er vorbei ist. Der Rest der Szene ist dann in Ordnung, sie erfüllt ja auch ihren Zweck, aber den Tanz hätten wir wirklich nicht gebraucht.

Besonders glänzt der Film für mich in der Besetzung einiger Nebenrollen. Der heimliche Star ist Jerry Levine als bester Kumpel Stiles, der jede Szene klaut, in der er mitspielt. Aber auch Jay Tarses (Coach Finstock), Scott Paulin (Theaterregisseur Mr. Lolley) und James Hampton (Scotts Vater) liefern hier deutlich über dem Niveau ab, dass ich von einem Film erwarten würde, der „Teen Wolf“ heißt.

Auch wenn er der Film im Oeuvre der 80er-Jahre-Teenie-Klamotten eher einen der hinteren Plätze belegen dürfte, ist es für mich trotzdem eine sympathische Geschichte über Selbstbewusstsein und persönliches Wachstum. Nichts, was man nicht schon gesehen hat, aber trotzdem sehr schön gemacht. Und ich finde, er hat Herz. Uuuund: Ich mag den Soundtrack (Alle Songs - bis auf Surfin’ USA und Staying Alive natürlich - wurden von Miles Goodman eigens für den Film geschrieben).

The Slipper and the Rose
Dieser Film ist tatsächlich in letzter Sekunde von der Liste geflogen (quasi Minuten, bevor ich die Lebemann-Mail abgeschickt habe) und wurde durch „Achterbahn“ ersetzt. So kurzfristig, dass ich glatt vergessen habe, zu überprüfen ob „Achterbahn“ nicht schon mal dran war. Die Antwort darauf findet sich in der Tatsache, dass er wieder drauf ist. :slight_smile:

Volker hat es schon richtig erraten: Natürlich ist es für mich ein Kindheitsklassiker. Was ich an diesem Film besonders mag: Er nudelt nicht einfach nur dieselbe alte Cinderella-Geschichte runter, sondern verleiht dem Ganzen durch den politischen Aspekt deutlich mehr Tiefe. Die Tatsache, dass die Hochzeit arrangiert ist, weil ein kleines Land verhindern möchte, in einen Krieg zu geraten, den es nicht gewinnen könnte - das hatte ich in einem Märchen in dieser Form noch nicht gesehen und tut dem Film sehr gut.

Die Nebenrollen sind mit hervorragenden britischen Charakterdarstellern besetzt sind, auch das hebt den Film übers Mittelmaß - allen voran Michael Hordern, der wirklich das komplette Spektrum von witzig und schusselig bis sehr berührend in seine Performance packt und mühelos zwischen diesen Facetten wechselt.

Electra Glide in Blue
Hier kommen wir zu meinem Favoriten der heutigen Sendung. Diesen Film hab ich Anfang der 90er zufällig bei einer spätnächtlichen ARD-Ausstrahlung entdeckt. Eine Mischung aus 70er-Jahre-Cop-Film, teilweise sehr ernst, teilweise erstaunlich witzig, dazu die geile Musik aus der Chicago Schmiede (Guercio war deren Produzent, die Bandmitglieder sind fast alle in kleinen Nebenrollen zu sehen und der Abspannsong wird von Terry Kath gesungen) - das war Liebe auf den ersten Blick. Ein spannendes Gegenstück zu „Easy Rider“, quasi die andere Seite der Medaille. Im Zentrum stehen die tollen Bilder von Kameralegende Conrad L. Hall und Robert Blakes nuancenreiche Performance - lange bevor sein Privatleben seine berufliche Karriere überschattete, um es mal vorsichtig auszudrücken. Und: Wer genau hinguckt, erkennt in der Hippiekommune Nick Nolte in einer Komparsenrolle.

Was mich bis heute ärgert: Seit dem DVD-Zeitalter gibt es keine ungeschnittene Version mehr. Die deutsche Blu-ray hat immerhin zwei der drei geschnittenen Szenen von einer VHS-Kassette übernommen und ins Bonusmaterial gepackt, wenn auch im Pan&Scan-Format. Und besonders „die“ Szene verliert durch den Schnitt definitiv ein bisschen an Wucht. Kino Lorber hat in den USA vor ein paar Jahren eine Blu-ray mit neuem 4K-Scan des Original-Negativs veröffentlicht, aber selbst da ist nur die geschnittene PG-Fassung drauf. Das deutet leider darauf hin, dass spätestens nach der Erstellung der internationalen Fassung nochmal am Negativ herumgeschnitten wurde um die Altersfreigabe zu drücken und das Originalmaterial einfach weg ist. Außer es taucht wie durch ein Wunder noch eine Kinokopie auf, wie es bei „Achterbahn“ der Fall war. Ansonsten wird es bis zum Ende aller Zeiten die PG-Fassung bleiben. Ein schlechterer Film ist es deswegen nicht, aber es tut trotzdem jedesmal ein bissl weh, wenn man die ungeschnittene Fassung kennt.

Love & Mercy
Mit „Love & Mercy“ haben wir einen Film, der eigentlich perfekt auf die Liste meiner ersten Lebemann-Folge mit Musik(er)filmen gepasst hätte. Tatsächlich hatte ich ihn damals noch nicht gesehen. Auf den Film gekommen bin ich, nachdem wir von Sachen wie „Bohemian Rhapsody“ und „Rocketman“ wahnsinnig enttäuscht waren, weil das einfach alles in ein Standard-Template reingepresste Musikerbiografien sind, die in erster Linie gemacht zu sein scheinen um die Greatest Hits möglichst prominent zu platzieren und mit der Realität nur noch am Rande zu tun haben. Meine Mitbewohnerin meinte damals, sie würde gerne mal einen Musikfilm sehen, der sich zumindest weitestgehend an die Fakten hält und hat mich damit beauftragt, einen zu finden („Coalminer’s Daughter“ hatten wir schon gesehen). Ich bin im Internet auf die Suche gegangen, und „Love & Mercy“ war der Film, der immer wieder bei den Suchergebnissen dabei war. Natürlich sind auch dort Sachen fiktionalisiert, aber im Großen und Ganzen scheint er für ein cineastisches Werk doch ziemlich akkurat zu sein. Wir haben ihn uns angeguckt und fanden ihn beide ganz, ganz großartig.

Creep
Das Found-Footage-Horror-Genre ist für viele schon lange ausgelutscht, aber ich kann ihm immer noch was abgewinnen, wenn ein Aspekt dabei ist, der mich sozusagen bei der Stange hält. Das ist hier in erster Linie die Performance von Mark Duplass. Seine Darstellung ist einfach faszinierend. So eigenartig, charismatisch und vollkommen durchgedreht, dass ich von der ersten bis zur letzten Minute gebannt war, auch wenn relativ früh klar ist, in welche Richtung das Ganze geht. Aber hier ist wirklich der Weg das Ziel.

Safety Not Guaranteed
Alter, dieser deutsche Titel… AAALTER! Zum Glück bin ich auf den Film durch den Trailer auf irgendeinem anderen Sony Pictures Classics Release aufmerksam geworden, sonst wär ich bei „Journey of Love“ schon rausgewesen. Basierend auf dem Trailer (derselbe, den ihr auch in der Sendung zeigt) hab ich mir den Film angeschaut und fand ihn sehr originell, charmant und witzig. Ein perfektes Beispiel, wo du eine hübsche Idee hast und das Casting so perfekt ist, dass es das Ganze auf eine Ebene hebt, die der Film sonst vielleicht gar nicht erreicht hätte.

Es war einfach zu verlockend, den Film zusammen mit „Creep“ auf dieselbe Liste zu setzen, weil Mark Duplass im Endeffekt in beiden Filmen eine Variante desselben Charakters spielt. Beide sind Außenseiter, mit der Gesellschaft nicht wirklich kompatibel. Der eine ist ein Psychopath, der andere hat zwar auch nicht unbedingt alle Latten am Zaun, aber auf eine sehr liebenswerte Art und Weise. Habe ich schon erwähnt, dass der deutsche Titel unfassbar dämlich ist? Ja? Gut.

Und Christian hat übrigens den Nagel auf den Kopf getroffen: Die letzten beiden Filme hab ich tatsächlich mal als Wunschfilm vorgeschlagen - und sie sind beide auf den hinteren Plätzen gelandet… und von dort direkt auf meine Lebemann-Shortlist. :slight_smile:

Soooo, das war’s. Mehr hab ich nicht zu sagen… glaub ich. Ist eh schon wieder ganz schön viel Gesums geworden. Deswegen an der Stelle nochmal vielen Dank, dass ihr Euch die Zeit genommen und meine Wunschfilme angeguckt und besprochen habt. Ich liebe dieses Format und ihr seid toll.

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Creep hatte ich mal aus langweile geschaut und der hatte mich direkt faszinert, fand den wirklich hervorragend und spannend.. Der 2. Teil war auch noch ganz nett, aber der erste deutlich besser

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nice…

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