Das Studio Folge 436. Hier kann darüber diskutiert werden!
Holger hat einen Motivationscoach zum Talk eingeladen, der sich selbst „Mister Motivation“ nennt. Sein Auftreten allerdings wirkt nicht gerade so, als könne er die Massen begeistern. Egal, sagt sich Holger, es wird schon einen Grund haben, warum große Menschenmengen in seine überteuerten Seminare strömen. Etienne hingegen weiß mal wieder nicht, was er davon halten soll.
Puh, ich persönlich habe die Folge mit etwas gemischten Gefühlen geschaut, da ich ja selbst hauptberuflich als Life Coach arbeite. Es gibt leider unglaublich viele solcher Motivations- und Hobby-Coaches, die den Meschen eher schaden, als zu helfen, weshalb ich mich deutlich davon abgrenzen möchte. Doch mangels schützbarer Bezeichnungen bleibt auch mir nicht viel anderes übrig, als bei “Life Coach” zu bleiben, weil das der Begriff ist den Menschen suchen, wenn sie keine Psychotherapie brauchen oder wollen, aber sich trotzdem persönlich weiterentwickeln oder ihre Themen angehen möchten. Ich z.B. arbeite ausschließlich mit wissenschaftlich fundierten Methoden – beispielsweise aus der Verhaltenstherapie, der Tiefenpsychologie (Schematherapie) und dem systemischen Coaching – und sehe mich eher als Psychologischer Coach, was als Begriff bisher leider noch wenig verbreitet ist. Von “Selbstoptimierung” halte ich wenig, meine KlientInnen betreiben eher “Selbstfürsorge”.
Um wenigstens ein Bewusstsein dafür zu schärfen, dass es hier auch seriöse Anbieter gibt, die wirklich helfen können, möchte ich an dieser Stelle nochmal auf meinen Blog Artikel hinweisen:
Und einen Beitrag der AOK dazu, wie man seröse Anbieter von unseriösen unterscheidet:
Vielleicht sollte man mal offizielle staatliche Prüfungen einführen, also für einen geschützten Titel wie etwa „Staatlich geprüfter Life Coach“ etc.
Das hat bei anderen Titeln imo auch geholfen?! ^^
Also, für mich persönlich, ist jemand seriös, wenn man entweder unentgeltlich arbeitet ^^, oder wenn alle oder ein Großteil der Coachingkosten von der Krankenkasse übernommen werden. Bzw, wenn man generell keine unverschämten Preise verlangt (und diese direkt öffentlich kommuniziert werden).
[Anderes Thema, aber mich persönlich nerven einfach Gehalts- und/oder Verkaufsgespräche so sehr… Wenn ich ein Produkt/eine Dienstleistung kaufen möchte, möchte ich bitte ein festes Preisschild mit fester Preisliste, bezahlen und gut. Keine Verhandlung, kein unnötiges blabla. Ein Preis/Ein Gehalt für ALLE!]
Ich würde das sehr befürworten, leider hat die Politik das bisher nicht umgesetzt.
Also wer unentgeltlich arbeitet, macht es entweder als Hobby oder ist so reich, dass er es nur zum Zeitvertreib macht. Leider wird Life Coaching meines Wissens nach nie von der Krankenkasse bezahlt. Und ich stimme Dir absolut zu, dass das Honorare vorab klar kommuniziert werden sollten.
Das ganze System ist ja völlig kaputt: Menschen warten in ihrer Not i.d.R. 6-12 Monate auf einen Psychotherapieplatz, und jetzt werden die Psychotherapeuten ja noch schlechter bezahlt. Und wer dann nach Alternativen sucht (sofern er psychisch gesund ist), muss selbst bezahlen.
Klaro darfst Du alles fragen! Nein, ich habe kein Psychologie-Studium. Und mir sind die daraus entstehenden Gefahren und Grenzen bewusst: Inwieweit kann ich einschätzen, ob meine KlientInnen psychisch gesund sind? Ich habe keinen Heilauftrag und darf/will somit nur gesunde Menschen unterstützen. Ich versuche das nach bestem Wissen und Gewissen, auf Basis meiner Ausbildungen, mit stetigen Fort- und Weiterbildungen und Supervision zu meistern - und hatte in den letzten 8 Jahren den Eindruck, das gut zu schaffen.
Ein Psychologie Studium schützt auch nicht davor, Fehldiagnosen oder -einschätzungen abzugeben, aber natürlich hat man umfangreicheres Wissen über psychische Erkrankungen und deren Symptome (auch wenn ein beträchtlicher Teil des Psychologie Studiums aus Wirtschaftspsycholigie und Statistik besteht). Gleichzeitig gibt es auch viele studierte PsychotherapeutInnen, die grobe Fehler machen und nicht als solche arbeiten sollten, weil einige grundsätzliche Charaktereigenschaften (Offenheit, Empathie, Fähigkeit zur Selbstreflexion) nicht im Studium erlernt werden können. Also man kann an schreckliche Coaches geraten, aber leider auch an furchtbare PsychologInnen.
Beim Titel habe ich erst gedacht, dieser Sören (hieß der so?), der vor ca. 10 Jahren schon mal einen Coach gespielt hat, käme zurück
Ansonsten eine nette Idee, aber dann leider etwas lahm umgesetzt; Ronny am Ende war noch das Highlight.
Ich denke, die geringere Schlagzahl ab Herbst wird dem „Studio“ gut tun.
Kam es schon vor, dass du deswegen einen Klienten abgelehnt hast?
Ja, schon mehrfach. Eine gute Menschenkenntnis und das Wissen um bestimmte Symptome ist natürlich hilfreich, aber ich frage beim Erstgespräch auch ganz konkret nach Therapieerfahrung, Diagnosen, bestimmten Verhaltensauffälligkeiten … Ich arbeite auch mit PsychotherapeutInnen zusammen, die mich empfehlen, wenn nach ihrer Einschätzung keine Erkrankung vorliegt und es eher ein “Life Coaching Thema” ist.