Wissen ist Olli Folge 40. Hier kann darüber diskutiert werden!
Olli erzählt die Geschichte der Fußball-WM weiter. Diesmal wird u.a. das berühmte Wembley-Tor im Jahr 1966 thematisiert, das England den Titel brachte, aber seitdem höchst umstritten war. Und dann geht es natürlich um die WM 1974, wo Deutschland Weltmeister im eigenen Land wurde. Unter einem schlechten Stern stand die WM 1978 in Argentinien, das zu der Zeit eine Militärdiktatur war.
Oops, sorry, hatte tatsächlich nach der Aufnahme kurz überlegt, ob ich Cruyff gesagt hatte…
Kleine Ergänzung zur WM 1994: ich wollte eigentlich noch das Drama um die Ermordung des kolumbianischen Fußballers Andres Escobar ansprechen. Auch diesmal ist ein Teilnehmer der WM in den USA noch während des Turniers ums Leben gekommen: Jayden Adams aus Südafrika.
Schöne Zusammenfassung mit einigen Dingen, die ich noch nicht wusste.
Trotz allem: Fans mit der deutschen Brille auf reden immer wieder über das Wembley-Tor oder zuletzt bei der EM 2024 über das Handspiel von Cucurella. Bleiben wir mal ganz objektiv und fair: JEDER unserer WM-Titel war umstritten! Und ja, ich weiß, das hören die meisten Fans mit Deutschland-Brille auf nur sehr, sehr ungern.
WM-Titel 1954: Ich hatte es an anderer Stelle im Forum bereits mal erwähnt, und kann mich nur nochmal wieder holen.
WM-Titel 1974: Hier wurde verschwiegen, dass beim WM-Finale dem Elfer zum 1:1-Ausgleich von Paul Breitner eine Schwalbe von Bernd Hölzenbein vorausging. Ja, nicht unumstritten, aber Hölzenbein selbst hat später ehrlich zugegeben, dass es eine solche war https://www.youtube.com/watch?v=2cZ5BuHNh9s
WM-Titel 1990: Hier hast du immerhin zugegeben, dass der Elfer für das „Foul an Völler“ im Finale eine reine Konzessionsentscheidung war…
WM-Titel 2014: So wie Neuer damals im WM-Finale gegen Gonzalo Higuaín eingestiegen ist, ist das eine völlig rücksichtslose Notbremse im Strafraum, wo Neuer durchaus auch eine ernste Verletzung von Higuaín in Kauf genommen hat, gerade wenn man mit dem Knie ins Gesicht springt. Der Schiri sah das in der Situation umgekehrt und gab ein Offensivfoul . https://www.youtube.com/watch?v=z9XYzG2nyYk
Dass die deutschen WM-Titel „umstritten“ gewesen wären, geht mir ein bisschen weit:
Du beziehst dich bei den letzten 3 Titeln auf einzelne Situationen jeweils eines Spiels. Strittige Entscheidungen, die an der ein oder anderen Stelle für und nicht gegen eine Mannschaft ausgehen, gibt es aber im Turnierverlauf nahezu für alle Teams. Das macht den WM-Titel an sich nicht umstritten oder schmälert die Gesamtleistung der Mannschaft.
Und für das Doping 1954 gibt es nur Indizien und keinen Beweis. Abgesehen davon hatten in dieser Hinsicht wohl eher die Stollenschuhe auf dem regennassen Untergrund den größten Impact auf das Spielgeschehen.
Neuer 2014 war eben damals gut genug, erst den Ball zu fausten und dann Higuain abzuräumen. Das sorgt in den ungeschriebenen Gesetzen eines Finales ja meist für die Absolution.
Moment mal, wir reden hier nicht darüber, ob man aufgrund einer Fehlentscheidung in irgendeinem x-beliebigen Vorrundenspiel nur mit einem statt 3 Punkten rausgeht oder etwa bei diesen Entscheidungen darüber, dass ein Einwurf irgendwo direkt an der Mittellinie für die falsche Seite gegeben wurde. Wir reden hier jeweils von Finals und damit dem letzten und alles entscheidenden Schritt bei der Frage: WM-Titel - ja oder nein? Und gerade da sind Fehlentscheidungen, wenns um Elfmeter oder rote Karten geht, umso gravierender und können sowohl das Spiel als auch die Frage, wer nach 90 oder 120 Minuten die WM-Trophäe in die Höhe strecken darf, komplett im weiteren Verlauf kippen und auf den Kopf stellen!
Psychologisch ist es ein intressantes Phänomen und geht viel tiefer als nur über Fußball: Die Holländer haben lange über die Szene mit Hölzenbein von 1974 geredet, die Argentinier über Neuers Foul an Higuaín, wir Deutschen eben über Wembley und oft immer noch über Cucurella. Das Muster ist klar: Es spricht in erster Linie immer nur die benachteiligte Seite über die Szenen, die man als Verlust bzw. Ungerechtigkeit empfindet. Die Frage, auf die es keine Antwort gibt: „Was wäre ohne die Fehlentscheidung passiert?“ lässt die benachteiligte Seite in dem Moment nicht los. Während es die andere Seite eher abwiegelt, so nach dem Motto „War eben ein glücklicher Teil dieses Erfolgserlebnisses“. Ja, eine ehrliche Aufarbeitung könnte ja Erfolge ziemlich relativieren: „Vielleicht hätten wir ohne jegliche Fehlentscheidung gar nicht gewonnen und waren dann eben möglicherweise doch nicht ganz so gut, wie wir uns heute noch gerne sehen würden…“
Es gibt zumindest eine veröffentlichte Studie, die das Doping belegen soll, haben Medien übereinstimmend berichtet. Was wir auf jeden Fall wissen, ist dass die Spieler gespritzt wurden. Die Offiziellen haben immer wieder behauptet, Traubenzucker bzw. Vitamin C. Nun, das hätte es zu der Zeit bereits zur oralen Einnahme gegeben und hätte nicht gespritzt werden müssen. Aber angeblich war es ja „nur ein Versuch, wie es wirkt, wenn man es direkt ins Blut spritzt“ (, wobei ich den Spielern von damals durchaus abnehme, dass sie diese offizielle Version naiv geglaubt haben). Viel wahrscheinlicher als diese Story ist dann doch das Aufputschmittel Pervitin, von dem die Studie und Medien ausgehen…
Und ums klar zu sagen: Ungarn war zu der Zeit DIE Übermannschaft. Ein halbes Jahr vor der WM war Ungarn die erste Mannschaft, der es überhaupt gelungen ist, England in Wembley zu schlagen, was damals als geradezu unmöglich galt. Und das schafften sie nicht irgendwie bloß mit Ach und Krach, sondern schlugen England in ihrem Wohnzimmer mit 6:3, was für England noch schmeichelhaft war und pure Demütigung! Von daher wage ich zu bezweifeln, dass nur das Fritz-Walter-Wetter, Stollenschuhe und die Kameradschaft des krassen Außenseiters zum „Wunder“ verholfen haben…
Du sagtest das Trainer Helmut Schön nach der Niederlage gegen Österreich seinen „Hut nehmen“ musste - das ist so nicht ganz richtig.
Helmut Schön hatte schon vor der WM 1978 erklärt nach der WM von seinem Trainerposten zurückzutreten (steht auch so in seinem Wikipedia-Artikel).
Zudem:
Vor der WM hatte Udo Jürgens nicht nur den Hit „Buenos dias, Argentina“ gemeinsam mit der Nationalmannschaft eingesungen sondern eine ganze LP (Veröffentlicht am 01.03.1978). Auf dieser LP ist auch der Helmut-Schön-Abschiedssong