Zum Thema Politik und Social Media hatte ich ja schon öfter Kritik geäußert und ich bleibe dabei, dass „Kurznachrichtendienste“ nicht dafür geeignet sind, Bildung zu vermitteln. Kurz, schnell, fehleranfällig und meinungsbehaftet sind Social Media Beiträge in aller Regel und auf Reichweite und den schnellen Klick ausgerichtet.
Und ich bin der klaren Meinung, dass der ÖRR und Politiker oder Parteien als Amtsausübende dort nichts verloren haben. Gerne ein Programmhinweis auf eine ARD-Sendung oder dergleichen, wenn man schon die jungen Leute erreichen will, aber nicht den eigenen Anspruch der Bildung untergraben, indem diese hektischen Doom-Scrolling-Mentalitäten bei jungen Menschen auch noch fördert und im schlimmsten Fall noch mit einseitigen Meinungsbeiträgen. Aber der Zug ist abgefahren und rollt, wie man ja deutlich sieht.
Zu den Messerdelikten hat Holger einen sehr wichtigen Punkt angesprochen, der viel entscheidender ist, als die Lesart irgendwelcher Statistiken: die Willkür, mit der die jüngsten Attentate (und nur so darf man diese Taten bezeichnen) begangen wurden. Kein Motiv, keine nachvollziehbar ausgewählten Opfer, kein Halt vor Kindern oder jeglichen Menschengruppen - das ist es, was die Menschen in Angst versetzt. Es folgt eine sehr steile These, die ich nicht belegen kann, aber wenn man diese Taten mit anderen Messerdelikten vergleicht, würde man eventuell feststellen, dass es um irgendwelche Streitigkeiten ging, dass bestimmte Personen beteiligt sind oder auch Alkohol im Spiel war. Das macht die Taten nicht besser, aber ich bin mir sicher, dass sich von solchen Dramen die Menschen nicht direkt betroffen sehen. Und wenn die Lösung weiterhin nur lautet „wir sagen alles ab“, „wir zäunen alles ein“, „wir kontrollieren alle“ oder „das war ein tragischer Einzelfall“, dann gibt es entweder wirklich einen radikalen Umsturz in der Politik oder die Leute bewaffnen sich irgendwann selber und übernehmen die Selbstjustiz. Ich warte darauf.
Und noch ein Wort zur „Fake News“ Sendung, denn hier teile ich Holgers Meinung absolut nicht. Gerade in der letzten Sendung hatte man sogar den direkten Vergleich mit der Politikerrunde nach der Wahl: in TV Total hat sich Puffpaff selber in die Runde schneiden lassen und einen kleinen Strip abgezogen und die verschiedenen realen Gesichtsausdrücke der Politiker als Reaktion eingeblendet. Das war zum Schreine komisch.
Und dann kommt „Fake News“ und zeigt dieselbe Runde mit gestelzter Kommentierung und schlechten, dafür aber völlig überzeichneten KI-Effekten.
Aber es geht schon beim Titel los. Früher hießen solche Formate „Switch“ und man musste nicht gleich doppelt darauf hinweisen, dass alles in dieser Sendung Quatsch ist. Ich fühle mich in meiner Intelligenz beleidigt, dass man mir unter die Nase reiben muss „pass auf, das ist nicht echt, ok?“ und zu jedem Gag noch erklären muss, dass das nun total lustig war.
Warum sich nicht trauen, das ganze seriös abzuziehen, richtige Pointen einzubauen und nicht einfach etwas reproduzieren, was kleine YouTube Kanäle wie Jules zigfach besser und unterhaltsamer hinbekommen?
Ich weiß die Antwort: man hat Angst, dass jemand auf X geht und dort postet „PRO7 enthüllt - Merz raucht einen Joint vor Augen seiner Kollegen“ und dann irgendwelche Shitposts folgen. Oder es ist diese sinnfreie, weichgespülte und redaktionell verifizierte saubere Form von Humor. Es soll lustig sein, aber bitte niemanden verletzen, oh nein! So läuft auch die Moderation im neuen „Quatsch Comedy Club“ und die ist genauso unlustig. Aber wenigstens dürfen dort noch Mittermaier oder Appelt halbwegs freidrehen. Also „Fake News“ ist eigentlich „Fake Comedy“ und damit in der Kategorie Tragik zu verorten.