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Folge 27: Michy Reincke


#1

Hier kann darüber diskutiert werden!


#2

Puh, vielleicht verpasse ich ja jetzt einiges, aber über die ersten fünf Minuten dieses Interviews bin ich nicht hinweg gekommen. Ich kenne den Gast nicht und bin auch nicht warm mit ihm geworden.


#3

Doch, hat sich schon gelohnt. Ich war und bin mit seinem Werk nicht vertraut, aber er hat viele interessante Dinge gesagt. Definitiv ein Interview mit Mehrwert, danke dafür.


#4

Warum gibt es nicht hunderte von Musikern die auch die Meinung von Michy vertreten, dann wäre das mit Spotify und Co ganz schnell wieder vorbei. Einigkeit macht stark. :slight_smile:


#5

Weil die Zahlen wohl nicht stimmen, da noch kein Musiker verhungert ist.


#6

Die Zahlen werden schon stimmen. Das Geld wird auf der Bühne verdient. In meinen Augen aber dennoch kein Grund Kultur, hier Musik, wofür der Mensch immer Geld übrig hatte, aus der Konserve zu verschenken. Man stelle sich einmal vor, man hätte das Angebot von Spotify als CDs im Wohnzimmer stehen. Jetzt errechne man mal den Preis und ziehe den Materialwert von CD, Hülle und Booklet ab. Wieviel Lohnkürzung mag das sein für die Facharbeiterabteilung Musik ???


#7

Interessantes Interview. Der Mann hat mit vielem Recht und seine Haltung ist bewundernswert. Aber der Fakt ist auch, dass sich der Medienkonsum und infolgedessen der gesamte Medienmarkt verändert hat. Ob Filme, Zeitungen oder Musik, alles ist dem Wandel unterworfen. Und früher oder später kommt kaum ein Kreativer umhin, der Masse zu folgen.


#8

Die Vergütung von Musik ist ein schwieriges Thema. Nach allem, was ich herausfinden konnte, ist die Auszahlung pro Stream, die Micky Reincke mit 0,001 ct angegeben hat, deutlich höher: wenn ich diversen Seiten glauben kann, im Durchschnitt bei ca. 0,4 US-ct (inkl. Label, GEMA usw.). Ohne Frage ist das im Vergleich zu Alben, die man physisch oder digital kaufen kann, wenig, zumal der Großteil in beiden Fällen nicht an den Interpreten geht. Rechenbeispiel:

Ein Digitalalbum kostet 10 Euro und enthält 15 Titel. Nehmen wir zur Einfachheit an, die Auszahlung bei Spotify beträgt 0,004 €. Um dieselben Einnahmen über Spotify zu bekommen, muss das Album von einem Konsumenten, der es sonst gekauft hätte, im Durchschnitt 10/15/0,004 = 167-mal komplett gestreamt werden. Das halte ich für ziemlich hoch. Allerdings ist die Rechnung zu Ungunsten von Spotify verschoben, da der Auszahlungsbetrag den Anteil von Spotify nicht mehr enthält, der Preis des Digitalalbums den Händleranteil hingegen schon.

Es gibt ein großes Problem an der Rechnung: Durch Streaming ändert sich das Konsumverhalten. Es ist schwierig abzuschätzen, wie viele Personen ein Album gekauft hätten, gäbe es Streaming nicht.

Eine Band hat sich übrigens mal die Auszahlung von Spotify zunutze gemacht und ihre Fans aufgefordert, ihr neues Album Sleepify mit zehn komplett stummen Tracks zum Schlafen zu hören. Das hat ihnen immerhin 20000 Dollar eingebracht, bevor das Album entfernt wurde.


#9

Ich würde mal die These aufstellen, dass Michy Reincke wenn es gut läuft vielleicht 2.000 Einheiten eines neuen Albums verkauft. Er ist jetzt nicht unbedingt das, was man bezogen auf Plattenverkäufe einen erfolgreichen Musiker nennt. Das liegt nun auch nicht unbedingt nur an den “Rahmenbedingungen”. In dieser Kategorie kann ich eine Totalverweigerung gegenüber Spotify völlig nachvollziehen. Grönemeyer, Ärzte und alle Top-Artists… da kann mir keiner erzählen, dass die nicht nach der Swift-Geschichte (die offensichtlich einiges bewegt hat) individuelle Beteiligungen aushandeln.

Ich habe Mitte der 2000er mal ein Radio-Feature über die Band Donots gehört. Da haben sie vor allem von dem schwierigen Überlebenskampf gesprochen und davon, wie schwer es ist, von Plattenverkäufen leben zu können. Damals war bereits das Live-Geschäft sehr viel wichtiger als die Plattenverkäufe. Das war nach und während Filesharing und vor Spotify. Die Büchse der Pandora wurde nun einmal schon vor vielen Jahren geöffnet, damit muss man sich arrangieren und es ist heute eine Mischkalkulation, die dem Musiker offenbar mehr abverlangt als zu früheren Zeiten . Ein Kompromiss bzgl. Spotify könnte natürlich sein: Die alten Alben streamt man auf Spotify, das jeweils aktuelle im ersten Jahr nicht (das machen vor allem die, die wie Adele oder Helene Fischer entgegen dem allgemeinen Trend immens viele Platten verkaufen. Das funktioniert vielleicht auch bei Nischenkünstlern mit kleiner aber treuer Fanbase, die auf die Verkäufe des aktuellen Albums angewiesen sind!?).


#10

Muss man diesen Musiker eigentlich kennen?


#11

Vermutlich nicht. Beschreibung klingt nach One Hit Wonder aus den 80ern. Von diesem großen Hit habe ich aber auch noch nie gehört.


#12

Ehrlich gesagt isses mit egal. Die Zahlen stimmen aber Nachweislich nicht. . Es schwanken die Vergütungen je nach Anbieter um das 3 bis 5-fache dessen, was der Typ behauptet hat (Veröffentlicht von Künstlern auf den Plattformen).

Und ich sehe auch Julians Argument, dass man manche Musik ansonsten gar nicht hören würde. Nehmen wir mal spaßeshalber an die 3000 Abonnenten von MG würden jetzt alle von ihm ein Album einmal durch hören. Zehn Tracks mal 3000 Abonnenten mal 0,4 Cent. 120€. So kauft den mist aber keiner von uns. Haben oder nicht haben.

Und die 160 Streams, die hier eben schon erwähnt wurden, habe ich bei meinen Lieblingsalben schon locker drüber. Insofern verdienen meine Lieblingskünstler sogar mehr als wenn ich die CD (sowieso auf dem Flohmarkt!) Gekauft hätte.


#13

Michy Reinke gehört vielleicht nicht in die Riege eines Marius Müller Westernhagen oder Peter Maffay, aber “Taxi nach Paris” und “Valerie” sind in der Tat schon sehr bekannt.
Natürlich sind diese Songs aus den 80ern, aber dennoch hört man diese Lieder immer wieder mal.

Es steht auch außer Frage, dass man nicht jeden Künstler kennen kann oder auch will, dafür ist das Musikspektrum einfach zu groß. Ich kenne mich auf dem Gebiet des Rap oder des Soul auch nicht aus ( mal als Beispiel ), dennoch gibt es da sicher Künstler, die auf diesem Gebiet ihre Daseinsberechtigung haben.

Ich persönlich verbinde mit Michy Reincke tatsächlich Erinnerungen. Damals haben wir tatsächlich mal einfach spontane Reisen nach Paris unternommen und unter dem Eiffelturm dann das Lied gehört. Das klingt zwar kitschig, hat es aber gegeben.


#14

Ich hoffe, ihr habt kein Taxi gewählt, sondern ein günstigeres Verkehrsmittel. :smiley:


#15

Damals war es ein Opel Manta. Eines Freitags am Abend spontan losgefahren, am nächsten Morgen in Paris gefrühstückt. Dann mit Käse, Baguette und Wein an der Seine Picknick gemacht und unter dem Eiffelturm im Auto geschlafen ( damals war das noch möglich ). Kitschig ohne Ende, aber zu der Zeit konnte man das tatsächlich noch machen. Heutzutage absolut undenkbar


#16

Nein, natürlich nicht.
Michy Reincke ist aber auch kein “No Name”, er verkauft in Hamburg regelmäßig an mehrern Abenden das Schmidts Tivoli auf der Reeperbahn mit über 600 Plätzen aus und seine drei letzten Alben haben sich allesamt in den Charts platziert, das erfolgreichste auf Platz 44. Die von ihm produzierten und getexteten Stefan Gwildis-Alben landeten mehrfach sogar in den Top Ten.
"One Hit Wonder aus den 80ern " triftft es da also nicht wirklich,er ist schon auch aktuell präsent.
Dass man das nicht als “megaerfolgreich” bezeichnen kann was die reinen Zahlen angeht sagt er ja selbst.
Auch, dass er finanziell durchaus zurecht kommt und seine Kritik am System von Spotify & Co. eher eine grundsätzliche und prinzipielle ist.

Im Übrigen kann ich seine selbstbewusste Aussage, dass er einer der besten Songschreiber sei die wir haben, nur voll und ganz bestätigen. :blush: