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Folge 165: Clint Eastwood

Hier kann darüber diskutiert werden!

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Ich bin bei Eastwood-Filmen doch immer zweigespalten – wobei ich sagen muss, dass ich nicht den kompletten Überblick über sein Schaffen habe. Es gibt bis auf einen Film kein Meisterwerk – allerdings sind alle Filme für mich stets gute Unterhaltung. Besonders die Art der Helden, die er in seiner Spätphase zeichnet, finde ich schwierig – selbst bei den biographischen Filmen. Ich bin mir oft unsicher – ist das an Patriotismus nun einen Tick drüber oder zeigt es doch ein reales Bild der Amerikanischen Seele? “Million Dollar Baby” halte ich nicht für seinen stärksten Film – die Handlung und das Ende sind mir zu holzschnittartig, zu rührselig. Figuren wie jene, die von Freeman verkörpert wird, zu klischeehaft (best black friend mit Trilby und so…). „Gran Torino“: Auch dieser ist ein guter Film, den ich auch mehrmals gesehen habe. Doch auch hier viel zu viel Klischee. Am negativsten empfand ich jedoch „Ein wahres Verbrechen“ – ein wunderbares Hollywood-Ende… was auch gleichzeitig das größte Problem des Films ist. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass Eastwood der „größte Geschichtenerzähler“ des amerikanischen Films sei. Ja – aber oftmals sind mir die Geschichten zu heldenhaft, zu sehr nach Hollywood-Handbuch geknüpft, zu moralisch. Wenngleich ich zugeben muss… dass mich dieser Dreckskerl mit bestimmten emotionalen Szenen dann doch kriegt.

“Mystic River” allerdings finde ich durch und durch großartig – eine spannende Geschichte, toll besetzt, tolles Setting, starke Schauspieler, starke Figuren.

Am meisten Spaß machen mir (neben Mystic River) noch die frühen Western und Dirty Harry. Hier ist Klischee erlaubt – coole Sprüche, Zynismus – es gehört einfach dazu.

P.S.: Marianne Koch war 2016 bei Markus Lanz und hat Anekdoten erzählt, auch über Clint Eastwood (und Bela B. unterstützt sie dabei mit seinem Nerd-Wissen) Ab 33:25 :

Sehr gute Sendung, aber die Sandalen…:scream::scream:

Volker muss mir mal erklären, wo genau denn “München-Babelsberg” liegt. :upside_down_face:

Ähm, das ist die Bezeichnung die alle Amerikaner nutzen die in Deutschland Filme produzieren.
Schließlich liegt für die bei uns alles so nah beiander, dass Berlin und München praktisch eins sind. :grimacing:

(oder jemand hat da einfach Babelsberg mit den Bavaria-Studios verwechselt)

Da ich bisher keine großen Clint Eastwood Filme gesehen habe bin ich für die kleine Zusammenfassung dankbar. Vielen Dank an alle Beteiligten der Folge!

Eine interessante Folge! C. Eastwood kann man als Filmemacher wie ich finde auch gut mit John Ford vergleichen. Beide gelten als sehr amerikanische Regisseure und stehen unter Verdacht, reaktionär zu sein - und beide haben dann doch mitunter bewiesen, dass sie das im Zweifel dann doch nicht sind, Ford mit Filmen wie “Der schwarze Falke” oder “Der Mann der Liberty Valancce erschoss”, Eastwood mit Filmen wie “Gran Tarino” oder “Erbamungslos” (wobei ich letzteren noch nicht gesehen habe).

Und die dort vertretenen Positionen überraschen und überzeugen vielleicht auch gerade weil sie aus so einer konservativen / uramerikanischen Sichtweise entspringen.

Wobei man einschränkend dazu sagen muss, dass Eastwood sicher noch ein wenig stärker kunterbunt hin und her springt mit seinen Positionen als es Ford vielleicht getan hat…

Von den Filmen mit Eastwood favorisiere ich letztlich wohl “Dirty Harry”, da dieser Film eines meiner Lieblings-Subgenres, nämlich den italienischen Polizeifilm, stark mit beeinflusst hat. Die Schlussszene wird z. B. in Umberto Lenzis “Der Berserker” zitiert.

Ich muss die aktuelle Ausgabe von Pantoffelkino noch schauen,
aber ein Film fehlt mir in der Auflistung:

Space Cowboys:

Einer meiner absoluten Lieblingsfilme bei dem “alte Säcke” dem Jungvolk mal zeigen wo der Hammer hängt - grandios! Und danach hat Clint Eastwood ja nochmal so richtig aufgedreht :slight_smile:
lg
Corny

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Space Cowboys wurde angesprochen aber nicht ausführlich kommentiert. Wenn ich mich richtig erinner, wurde der früher schonmal in Pantoffelkino besprochen.

Absolut 100 % deiner Meinung. “Mystic River” hatte das Pech, beim besten Film gegen “Herr der Ringe 3” antreten zu müssen. Die Schauspielleistungen sind unfassbar!Sean Penn und Tim Robbins haben absolut zurecht den Oscar bekommen.

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Ich hab mir gestern “Dirty Harry” angeschaut, aber so hart wie Mario fand ich den Film jetzt nicht. Wenn man die ganzen Nacktszenen zensieren würde, könnte man den Film auch ab 12 freigeben. Da ist man heute Schlimmeres gewöhnt. :wink: War eben ne andere Zeit damals.

Die Auswahl war klasse. Besonders “Mystik River” kommt definitiv auf meine “To View”-Liste.
Mir fällt auf, dass ich Clint Eastwood nahezu nur als alten Mann kenne. Bis auf seine alten Italo-Klassiker natürlich. Als würde da eine Lücke klaffen. Und die gab es ja offenbar. :grinning:

Ich habe mir die letzten Tage zwei alte Django-Filme gegeben. Die strahlen einfach nicht die gleiche Magie aus wie die Eastwood-Western.
Clint Eastwood hat die Kinolandschaft und das filmische Gedächtnis der Gesellschaft geprägt wie nur wenige andere. Gerade seine Ambivalenz macht ihn reizvoll. Er mag ein Konservativer sein, aber einer, mit dem man sich auch als Linker gern auseinandersetzt.

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Die Regie von Leone ist natürlich was ganz Besonderes, aber ich hätte in seinen Western lieber einen anderen Hauptdarsteller als Eastwood. Dieses ständige Die-Augen-Zukneifen mit Zigarillo im Mund ist mir viel zu eindimensional. Deshalb gucke ich diese Filme trotz der Brillanz der Inszenierung nicht gerne.

Dann lieber den wunderbar dreckigen Original-Django von 1966 mit Franco Nero in der Hauptrolle.

MARIO? Ich war gar nicht dabei bei der Folge… :wink:

Stimmt. Das passiert, wenn “fremde” Leute deinen Stammplatz auf der Couch einnehmen. :wink:

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