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Der Comic-Thread

Nachdem ich hier komischerweise noch keinen Thread zu dem Thema gefunden werden, ich aber denke dass sich hier viele comicaffine Menschen herumtreiben, mache ich mal einen Thread auf.
Ich habe selbst eine recht große Comicsammlung, bin seit frühester Kindheit mit Carl Barks, den italienischen Meistern wie Romano Scarpa oder Giorgio Cavazzano und frankobelgischen Alben wie Spirou oder Gaston aufgewachsen, die ich heute noch viel mehr liebe als Mangas oder Spidey und Batman, zu denen ich erst in den letzten Jahren einen eher halbherzigen Zugang gefunden habe.
Wie dem auch sei, ich würde gerne über “Die Gruft derer von Rummelsdorf” reden, geschrieben und gezeichnet vom aufstrebenden, aber noch relativ unbekannten Farbice Tarrin, und Yann Leppenetier, der vielleicht manchen als Szenarist an der Seite von André Franquin, DEM Spirou-Autor schlechthin bekannt ist.
Ich hatte selten an einem Spriou-Album so viel Freude wie hier, die Zeichnungen lehnen sich stark an Franquins Stil an, sind dabei aber sehr modern und eigen:


Wie man an dem gebrochenen Arm sehen kann, richtet sich dieser Band (Note: Es ist kein reguläres Spiroualbum sondern ein “Spirou Spezial”, wo verschiedene Autoren und Zeichner die Figuren neu interpretieren) nicht unbedingt an Kinder, es wird auch nicht an sexuellen Anspielungen gespart und das Liebesdreieck Steffani - Spirou - Fantasio ausstaffiert (ähm… Spirou und Fantasio werden hier auch als leicht verkorkst und unterschwellig ein bisschen schwul dargestellt).
Kommen wir zur Story: Okay, die hat man recht schnell wieder vergessen, Steffani (ein toller Charakter, der ansonsten viiieel zu sehr vernachlässigt wird, ihr cockblocking gegen Fantasio und ihre freche Art sind in dieser Geschichte einfach herrlich), der Graf von Rummelsdorf, Spirou und Fantasio reisen nach Tibet, um eine im Eis konservierte Prinzessin zu suchen. Nix spektakuläres, aber der Humor, der Slapstick, die ganzen kleinen fiesen und liebevollen Anspielungen, dass man Charaktere wie Wachtmeister Wastl oder den Alki Salberich und Maschinen wie die Zyklostrahlen wieder aus den untersten Schubladen ausgegraben hat ist super, man merkt dass Tarrin ein glühender Franquinverehrer und mit viel Liebe und Leidenschaft an das Projekt gegangen ist und nicht die Charaktere dekonstruieren wollte. Wie gesagt, ich hatte selten so viel Spaß an einem Comic und kann es jedem, der auf S&Fsteht sehr ans Herz legen.

Reanimation eines totgeborenen Threads eingeleitet

So, Freunde der sequenziellen Kunst, meine Bewunderung für japanische Comics und insbesondere für die Lebensleistung von Osamu Tezuka dürfte hinreichend bekannt sein. Andere Mangakünstler, die ich sehr schätze, sind Yoshihiro Tatsumi, Shigeru Mizuki und Jirō Taniguchi, an die ich vielleicht an anderer Stelle genauer eingehen werde.

Mit westlichen Comics kenne ich mich zu meiner Schande nicht besonders gut aus. Ich habe nur ein paar Superheldengeschichten gelesen, die ich allesamt entsetzlich flach fand, aber auch den großartigen “Graphic Novel” [I]Maus[/I] von Art Spiegelman, welcher mit Sicherheit einer der besten Holocaustromane seiner Zeit sein wird.

Ich muss offen sprechen. Mein Eindruck ist sicherlich unvollständig, doch ich unterstelle dem amerikanischen Comic im Vergleich zum japanischen eine künstlerische und vor allem intellektuelle Unreife, im Großen und Ganzen. Der Standard im Layout ist bei japanischen Comics um einiges weiter entwickelt mit einer atemberaubenden Bildsprache, die einerseits den Innovationen Tezukas geschuldet ist und andererseits auf der starke Bildbezogenheit der japanischen Kultur aufbaut. Das starre Raster, welches der Normalfall im amerikanischen Comic zu sein scheint, wirkt schal und langweilig im Vergleich zu den aufregenden und kreativen Layouts des japanischen Comics.

Wohlan, welche Werke der Amerikanischen oder Europäischen Comickultur könnt ihr mir empfehlen? Ich bin gespannt.

Nakki der Totengräber…

[QUOTE=Nakkinak;388427]Mein Eindruck ist sicherlich unvollständig, doch ich unterstelle dem amerikanischen Comic im Vergleich zum japanischen eine künstlerische und vor allem intellektuelle Unreife, im Großen und Ganzen.
[/QUOTE]
Du hast grundsätzlich recht, der amerikanische Markt ist in den letzten Jahrzehnten inhaltlich und auch künstlerisch zunehmend verflacht. Besonders hinsichtlich der Gewalt besteht eine andauernde Steigerung bishin zur Überschreitung der letzten Tabus (Beispielszene im Spoiler), während auf Inhalt zunehmend weniger Wert gelegt wird.

Zu Gewalt in amerikanischen Comics hatte ich auch vor Ewigkeiten was in meinem Blog geschrieben… http://dereugster.tumblr.com/post/86232104793/rezension-2-deadpool-killustrierte-klassiker
Ich zitiere mich mal selbst:

Ich habe oft das Gefühl, dass Mark Millar mit “Kick-Ass” den Auftakt zu einer neuen Art Comic gegeben hat: Vermischung von selbstreferenziellen Charakteren, der Meditation über das Thema selbst und Gewaltszenen, die sich in ihrer Intensität und ihrem geschmacklosen Kontext selbst zu überbieten versuchen. Ich meine hier das Merkmal zu erkennen, dass der Comic selbst unbedingt darstellen muss dass er sich selbst nicht ernstnimmt, um eine Rechtfertigung für Szenen wie in “Kick-Ass 2” zu erzeugen (nicht zu erhalten, denn eine legitime Rechtfertigung sieht anders aus!), wo der Antagonist zuerst eine Gruppe kleiner Kinder hinrichtet, um danach ein Haus einzubrechen und den Familienvater in einem stylisch kolorierten Panel zu erschießen. Daraufhin greift er sich die weinende minderjährige Tochter und schlägt ihr ins Gesicht, um sich danach mit den Worten “Du knallst keine Superhelden mehr, Baby… jetzt kriegst du mal richtig böses Schwanzfleisch auf den Tisch” den Hosenschlitz zu öffnen. Später sieht man das blutüberströmte Mädchen auf dem Boden liegen und einer der Schurken meint: “Oh mein Gott. Diesmal sind wir zu weit gegangen.” Leider ist Mark Millar selbst zu dieser Einsicht anscheinend nicht in der Lage. Auf die häufigen Vergewaltigungsszenen in seinen Comics angesprochen meint er: “Das ultimative Ding um zu zeigen dass jemand böse ist, wär das Tabu, dass er jemanden vergewaltigt, verstehst du?” Ich verstehe schon, allerdings passt das nicht mit seinem postmodernen Das-ist-doch-alles-nicht-so-ernst-gemeint-Schreibstil zusammen. Millar und Romita zeigen genüsslich verstümmelte Leichen und explodierende Schädel, die schönsten davon präsentieren sie am Schluss sogar in “Greatest Hits” noch einmal komplett von der Handlung isoliert (womit meine Pornoanalogie jetzt vollkommen greift), und diese Vergewaltigungsszene ist dann plötzlich nicht mehr so witzig und selbstironisch gemeint? Woran genau erkenne ich das? Wann weiß ich, ob Millar etwas ernst meint oder nicht? Zumal er meint, dass für ihn Vergewaltigungen dem selben Zweck wie Enthauptungen dienen: Darzustellen, dass der Bösewicht wirklich böse ist. Meiner Ansicht nach wirkt es eher, als soll der Leser beides, die Vergewaltigung und die Enthauptung, in ihren stylischen schnellen Abfolgen und grellen Farben voyeuristisch in sich aufsaugen. Und dass das alles nicht ernst gemeint sei ist ein Kommentar, den ich nicht mehr hören kann. Natürlich ist es nicht ernst gemeint, und gerade das macht diese Art von Gewalt in meinen Augen so schlimm. In einem Comic wie “Maus - Die Geschichte eines Überlebenden” wird Gewalt “ernstgemeint” dargestellt- gerade dadurch erreicht dieses Holocaustdrama seine emotionale Dichte. Ich verstehe nicht, was dieses “nicht ernstgemeint” heißen soll- Dass Millar sich durchaus bewusst ist, dass er die niedersten Instinkte seiner Leser anspricht und sich einfach denkt “Who cares?” Oder diese Autofellatio, dass die ganze Zeit auf die Comicszene und das Nerdtum an sich angespielt wird? Ein anderes Argument “für” diese Art von Gewaltdarstellung ist dann immer die angebliche kathartische Funktion, also dass man sich beim Lesen solchen Quatschs “abreagiert”. Hier muss ich aber ganz klar sagen, dass ich es schon äußerst bedenklich finde, ein Menschenbild zu erschaffen, indem der von Alltags- und Berufssorgen geknechtete kleine Mann nur ein funktionierendes Mitglied der Gesellschaft sein kann, wenn er sich regelmäßig gezeichnete Bilder von verstümmelten Leichen ansieht.

Das ist aber durchaus nicht bei allen amerikanischen Comics so. Will Eisner z.B. hat mit dieser klassischen Struktur aufgebrochen, er erhob die Panelgestaltung gemeinsam mit Text, Geschichte und Bildern zu einer neuen Kunstform, die eigentlich die Viereinigkeit des Comics darstellen sollten. Beispiele im Spoiler.

Wenn du filmhaft angeordnete Panels wie bei Tezuka magst, lies unbedingt die Spirou-Interpretation von Emile Bravo. Du kommst dir vor wie in einem französischen Arthousefilm, nur auf Papier. Wenn du monumentale Gangstergeschichten magst, lies “Batman - The long Halloween”, den “Der Pate” der Comicgeschichte. Wenn du eine sehr schöne Reinterpretation des Superman-Mythos kennenlernen möchtest, lies “Superman - Erde Eins”. Du hasst klassische Panelstrukturen? Will Eisners “Spirit” wirst du lieben. Möchtest du merkwürdig-makabre Alltagsgeschichten mit antromorphen Tieren? Trondheims “Herrn Hases haarsträubende Abenteuer” wird dir merkwürdige Stunden bescheren. Du stehst auf LSD, eregierte Nippel und riesige Schwänze? Sieh dich mal nach Raymond Martins “U-Comix” um.
Ansonsten: Die europäischen Klassiker. Franquins “Spirou und Fantasio”, Peyos “Benni Bärenstark” und Karabajics “Mausi und Pauli” (wenn du sehen willst, was europäisches Charakterdesign kann).

Ich würd den hier empfehlen:

Aber vorher die Serie gucken :stuck_out_tongue:

[QUOTE=Nakkinak;388427]japanische Comics[/QUOTE]
Fand ich auch mal gut, bis mich der immer gleiche Zeichenstil richtiggehend angenervt hat und ich meine Kollektion Filme & Comics weggegeben habe.

Heute lese ich dann und wann noch mal Tank Girl oder Lobo, ansonsten zeichne ich die Dinger lieber selbst, anstatt sie zu konsumieren ^^

Vielen Dank für die Empfehlungen. Ich werde besonders deinen Post, Kirin, als Ausgangspunkt für weitere Lektüre nutzen. Besonders Will Eisner reizt mich.

[QUOTE=Scumdog;388436]Fand ich auch mal gut, bis mich der immer gleiche Zeichenstil richtiggehend angenervt hat und ich meine Kollektion Filme & Comics weggegeben habe.[/QUOTE]
In zeitgenössischen Mangas hasse ich das auch. Klassischer Fall vom Eisverkäufer am Strand-Problem, wenn du mich fragst. Manga ist eine Marke geworden, an der möglichst viele verdienen wollen. Das ist ja kein Problem des 21sten Jahrhunderts, auch wenn dieser Trend erst dann wirklich zur Pest geworden ist.

Früher war nicht alles besser, aber Manga war sicher vielfältiger, stilistisch gesehen, auch wenn schon in den 60ern sicherlich 70% versucht haben Tezuka nachzuahmen.

Ich suche schon seit Ewigkeiten ein Comic zu dem ich nicht mehr viel weiß.

Was ich glaube zu wissen (könnte also nicht 100%ig korrekt sein):

  • Ursprung: USA
  • Jahrgang: wahrscheinlich 90er eventuell 80er
  • Sammelband vor etwa 10 bis 15 Jahren in den USA erschienen
  • Auf dem Cover sind Mutanten oder Monster, die aus den Gullys steigen, dazu eine bewaffnete Straßen oder Punk-Gang
  • Indie-Verlag (der Sammelband könnte bei einem anderen Verlag erschienen sein als die Einzelausgaben)

Vorschläge?

Sorry, aber das ist ein bisschen dünn, von hunderten anderen US-Comicsaus der Zeit im Grunde nur durch die Coverbeschreibung zu unterscheiden. Da fällt mir leider nichts Konkretes zu ein . :worried:

Ja, das ist das Problem. Deshalb bin ich bisher auch nicht fündig geworden. Wenn ich das Cover sehe, erkenne ich es sicherlich direkt wieder. Aber obwohl ich schon etliche Datenbanken und Webseiten durchsucht habe, nada.

Die Ninja Turtles sind es natürlich nicht. Ich hasse die Turtles. :stuck_out_tongue_winking_eye:

War das ein Kriterium?
(Ein TMNT Cover hatte ich auch gleich vor Augen…)

Die Turtles kenne ich ja. Es muss etwas bedeutend weniger Bekanntes gewesen sein.

Das Ganze hört sich an als käme es aus dem Shadowrun Universum.
Keine Erinnerung mehr an den Inhalt?
War es vielleicht ein Cyberpunk-Comic oder ähnliches?

Ich hatte lange Zeit auch mal nach einem alten Comic mit Echsenmenschen gesucht, der in der Zukunft spielt. Es stellte sich heraus das er den einfachen Titel “Drachen” trug. :roll_eyes:

Von Shadowrun scheint es aber keine Comics zu geben. Ich glaube auch nicht, dass es Cyberpunk oder Fantasy war. Eher Horror und/oder Endzeit. Die Szene auf dem Cover war eine Straßenkreuzung in der Stadt oder so ähnlich.

Mach ma ne Skizze :grin:

Nein, leider gibt es keinen Comic zu Shadowrun, aber eine Menge Bücher und Spiele.
Ich habe es allerdings nur erwähnt, weil ich dachte es hätte eine ähnliche Thematik.
Gibt es sonst keine Anhaltspunkte? Story relevantes vielleicht.

Für eine Skizze habe ich weder die Erinnerung noch das Talent. :grin:
Ansonsten weiß ich auch tatsächlich nichts mehr, sonst wäre die Suche viel einfacher.

Neue Interviews mit Comiczeichner Flix, einmal im öffentlichrechtlichen Fernsehen und einmal bei den Rocket Beans. Letzteres ist inhaltlich deutlich ergiebiger.

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Dann verrate ich doch schon mal, dass “Spirou in Berlin” von Flix Thema im nächsten ComicTalk sein wird.

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