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Das Studio und die Flüchtlinge


#561

Er kann sich ja theoretisch den Bart auf dem Weg nach oben gezwirbelt haben :smiley:


#562

und ein paar Kilos kann er auch auf dem Weg nach oben verloren haben :smile:


#563

Beim schauen ist mir der Filmfehler aufgefallen, dass Holger bei einer Einstellung (auf dem Weg ins Haus F) Handschuhe trägt und dann in der Kameraperspektive von hinten nicht mehr.


#564

naja aber ganz so schlimm wie z.B. bei manchen Aktualisierungen der Lindenstraße ist der Filmfehler auch nicht^^… Kann mich z.B. an die eine eingeschobene Szene erinnern, in der Klaus Beimer nach der Let´s Dance-Teilnahme deutlich schlanker war, als in den 2 Szenen davor und danach :smiley:

Und der WDR hat mehr Geld^^


#565

Ist es möglich, einen Flüchtlingsfilm zu machen, der abseits aller politischen Propaganda auch gut sein kann? Die Alsterfilm-Crew hat für mich in diesem Film bewiesen, dass es geht, wenngleich aus dramaturgischer Sicht die eigentliche Konfrontationshandlung etwas kurz kam und ins dritte Drittel des Films verschoben wurde. Dass der Film dabei nicht an große Produktionen heranreicht, ist dem Budget geschuldet, für eine Studio-Langfolge ist er jedoch von außerordentlich hoher Qualität.

Dass die klischeeüberzogene Darstellung der Rechtsextremen, die Ablehnung von Ausländern auch unter der Alsterfilm-Crew, und letztlich auch die klischeehafte, aber doch leider die Realität oftmals abbildende, Behandlung auf den Ämtern, wo der Dolmetscher im echten Leben niemals die Qualifikationen erfüllt, die er bräuchte - etwa, verschiedene arabische Dialekte voneinander unterscheiden zu können und so schon klar festzustellen, woher ein Flüchtling wirklich kommt bzw. ob er wirklich einer ist - (hier dargestellt dadurch, dass die Dolmetscherin einfach nichts zurückübersetzt), dass diese alle keine besondere Tiefe der Nicht-Hauptfiguren - also der Darsteller abseits der Alsterfilm-Crew und der Flüchtlinge - aufkommen lassen können, ist schade, zeigt aber auch die Flüchtigkeit, mit der eben solche Personengruppen auch in der Wirklichkeit bekannt sind.

Welche Motivation die Rechtsextremen antreibt, muss so letztlich ungeklärt bleiben - ist es Angst, Hass, gäbe es Möglichkeiten zur Völkerverständigung? - schade darum! Sie bleiben nur klischeeartige tumbe Fremdenfeinde. Als Beispiel für die erwähnte Völkerverständigung kann ich hier anführen, dass es einen Schwarzen gibt, der KKK-Rallys besucht hat und sich mit dem Führer dieser Rallys angefreundet hat - selbst im ganz extremistischen Bereich kann also manchmal ein Tropfen des Verstehens einen Ozean des Hasses reinigen. [1] Diese Tiefe kommt hier jedoch bei den Rechtsextremen nicht auf, und selbst die relative Tiefe der Hauptfiguren führt nicht zu einem völligen Verständnis ihrer Charaktere. Warum einer der Flüchtlinge ausgewiesen werden soll, bleibt offen. Welche Schicksale sich hinter den einzelnen Personen verbergen, wird nur randständig thematisiert. Der Aspekt, sich nicht verständigen zu können, wird gut herausgearbeitet, und letztlich überwiegt beim Zuschauer die Empathie mit einer die Überforderten spielenden Alsterfilm-Crew, die zu Verzweiflungstaten bereit sind und so in einen zunächst tragödienartig scheinenden Strudel von immer größer werdenden Problemen geraten, bis schließlich die Auflösung mehr Fragen aufwirft, als sie klärt. Leider weiß ich nun nicht, wie man Spoiler setzt, sodass ich diese nicht ausführen kann, aber es hat alles etwas mit den Konsequenzen der letzten “guten schlechten Tat” zu tun, die geeignet wäre, die Tragödie zu vollenden, doch alles noch einmal wendet. So sehen wir dann am Ende auch kein Gift, keinen Sturz vom Balkon, sondern eine aus anderen Gründen zum Weinen bringende Szene, die dem Film ein würdiges, wenn auch leider zu kurzes Ende bereitet.

Die schauspielerische Leistung aller Beteiligten ist hervorzuheben, was für ein kleines Budget nicht selbstverständlich ist - die Schauspieler der Flüchtlinge könnten so fast durchaus auch in einer großen Produktion auftreten -, die mangelnde Tiefe ist nur auf die Geschichte zurückzuführen bzw. die im Rahmen einer Komödie schwer mögliche Ausprägung des größeren Rahmens. Die Schauspieler der Afghanen wirken zwar an der einen oder anderen Stelle übertrieben, ansonsten aber überzeugend, wenn man sich vor Augen hält, dass der Film eigentlich als Komödie gedacht ist und nicht als Drama. Für ein Drama wäre die Leistung nicht ausreichend, gerade die Angst aller Beteiligten (also auch der Alsterfilm-Crew) müsste besser herausgestellt werden.

Was bleibt, ist ein Film, den es sich gelohnt hat, anzusehen, der vielleicht nicht der beste oder aufregendste Film war, aber auch nicht schlecht, niemals langweilig, und immer mitfiebernswert, wenn man sich auf die Handlung einlässt. Der Alsterfilm-Crew ist somit ein hübsches Experiment gelungen, das gerne wiederholt werden darf, da auch die Erfahrung mit solchen Langproduktionen hilft, zukünftige Filme zu verbessern. Durch die Bezugnahme auf die aktuelle politische Situation, die Flüchtlingskrise, wird “DSUDF”, so die Abkürzung, leider ein Periodenstück bleiben, für das eine Kenntnis der heutigen Lage notwendig ist. Vielleicht wird man schon in 20 oder 30 Jahren nicht mehr verstehen, was es mit der Ausweisung von Flüchtlingen auf sich hatte, oder warum so viele Afghanen nach Deutschland kamen bzw. warum dort ein - wie immer menschenverachtender - Krieg herrschte. Und vielleicht, so hoffe ich, wird man dann auch nicht mehr wissen, was der “Islamische Staat” war, der einmal angesprochen wird.

[1] Daryl Davies: “Why I, as a black man, attend KKK rallies.” Youtube. https://www.youtube.com/watch?v=ORp3q1Oaezw


#566

Hab den Film jetzt auch endlich ganz angeschaut (zudem bei IMDB die Story hinzugefügt, denn die war leer).

Hab gedacht, dass es im Film mehrere Aussendrehs geben wird, aber war dann zu gut 90% dann doch die gewohnte Kulisse, was aber nicht weiter schlimm ist. Auch schauspielerisch war völlig in Ordnung, allein Denise und die Flüchtlinge stachen negativ heraus. Die kamen mir irgendwie völlig gehemmt rüber und auch oft so, als wüden die jetzt nicht wirklich die Pointe verstehen. (Würde mich mal interessieren, wie die zB zu den Szenen mit dem Transvestiten oder dem Alkohol standen)

Die Story erfand das Rad jetzt nicht neu, aber hat für die 90 Minuten dann doch gut geklappt, was ich nicht wirklich erwartet hätte. Die Gags waren mal besser und weniger gut, aber ist bei den normalen Studio Folgen jetzt auch nicht anders, daher auch okay.

Schön, dass der Film geklappt hat, war die Mühe Wert, ein völlig solider Unterhaltungsfilm, der keinem Weh tut.


#567

Also gerade hier muss ich zugeben, dass meines Erachtens nach und das obwohl auch ich kein großer Fan des Studio-Humors bin, die Gag-Dichte überraschend hoch war. Und das ist nicht der Länge geschuldet. Während ich bei 10 Minuten “Das Studio” meist still dem Geschehen folge, musste ich hier doch alle 5-10 Minuten mal kurz laut auflachen.