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Das Sonntagsfrühstück 6: Fehlentscheidungen im Leben


#21

Hattest du heute noch keinen Kaffee? :face_with_raised_eyebrow:

Doch, da wir die Schmerz- und Bewusstseinsentstehung sehr gut kennen. Wir wissen, ab welchem Entwicklungsstadium Schmerzentstehung möglich ist und ab wann das ZNS ausgebildet ist. Ohne die dazu notwendigen Anlagen (Nozizeptoren, Prostaglandine, C- und A-Delta-Fasern, Rückenmarksfasern, Kortex und limbisches System) existiert kein Schmerz. Da die Vernetzung des ZNS erst round about in der 22. SSW stattfindet, ist Schmerzempfindung davor auf keiner Basis möglich.

Was diese Stellvertreterdiskussion jetzt soll, verstehst vermutlich nur du.

Auch wenn die Nationalsozialisten Abtreibung sogar mit der Todesstrafe belegten, benutzten nicht mal sie die Vokabel Mord; so doof waren nicht mal die Nazis. :roll_eyes: Welches Mordmerkmal erfüllt sein soll, würde mich dennoch interessieren.

ehm nein? Das hab ich nichtmal angedeutet. Vor und nach dem Leben befindet sich für mich schlichte Nonexistenz. Da es in der Nonexistenz kein Empfinden gibt (nicht gut, nicht schlecht, nicht mal neutral) kann dieser Zustand per Definition nicht als besser bewertet werden. (Das ist genauso sinnvoll wie die Frage “Was war vor dem Urknall?”. Es gibt kein vor dem Urknall, da mit ihm auch erst die Zeit entstanden ist)

dem Stimme ich zu. Allerdings allgemeiner, jegliches Empfinden ist an physische Existenz gebunden, da außerhalb dieser die Nonexistenz herrscht (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit).

Wer seine Existenz als Belastung empfindet (und nichts anderes bedeutet “meine Geburt war der größte Fehler meines Lebens”), ist nicht suizidal (hab ich auch nirgendwo behauptet), befindet sich aber mindestens in einer leicht depressiven Episode (ICD-10-GM-2018 F32.0)


#22

Deine Argumentation baut zwangsläufig auf der Aussage auf, die Nichtexistenz sei möglicherweise unangenehmer.

Schau mal:

Ginge es dir nur um das “nicht besser” und nicht auch um ein “schlechter”, sagtest du: “Der Wunsch ist pathologisch, weil es womöglich keinen qualitativen Unterschied zwischen Sein und Nichtsein gibt”. Und das ergäbe keinen Sinn.

Sie beginnt wie deine mit einer bloßen Spekulation - nämlich dass Embryonen Formen von Bewusstsein haben könnten, die die Wissenschaft nicht messen kann -, schließt wie deine aus der fehlenden Falsifizierbarkeit der schlimmsten Annahme darauf, dass man sich kein Urteil darüber erlauben könne, und daraus wiederum wie deine, dass ein Verstoß dagegen so zu deuten sei, als sei die schlimmste Annahme die wahrscheinlichste. Außerdem brauche ich, wenn du nach Vorwänden suchst, mich einliefern zu lassen, meinerseits Vorwände, dich einsperren zu lassen. :grinning:

Und auch nicht als potenziell schlechter - was du aber tun musst, damit deine Argumentation Sinn ergibt. Was sich sehr wohl bewerten lässt, ist das individuelle Empfinden, und stellt es sich größtenteils als Last heraus, ist es logisch, sich zu wünschen, man hätte sie sich nicht aufladen lassen - auch wenn, wer sie nicht trägt, wahrscheinlich nicht dazu in der Lage ist, sich an seiner Freiheit zu erfreuen.

Das “besser” ist hier keine Eigenschaft des Nichtseins, sondern der absurden Vorstellung des ungeschehen gemachten Seins.

Dieser Eindruck hatte ich bei dir auch. Werdende Mütter sollen frei darüber entscheiden dürfen, ob ein Leben gelebt werden darf (was ich aus naheliegenden Gründen unterstütze), aber sobald es um das eigene Leben geht, lässt du nur ein Urteil als gesund gelten, nämlich ein begeistertes Ja. Und um das zu verteidigen, startest du mittels Grätsche eine Diskussion, die du selbst als müßig empfindest. Also muss dich etwas triggern. Mich triggert dein grusliger Positive-Thinking-Ansatz. Und dich? Lass mich raten: nichts.

Als krank definiert wird es deshalb, weil es den Menschen daran hindert, sich seines Lebens zu erfreuen. Lebensfreude ist eine in gewisser Hinsicht rationale Eigenschaft, die von der Fähigkeit abhängt, irrationale Überzeugungen zu hegen, anders gesagt: einen wie auch immer gearteten Sinn zu sehen.

Allerdings ist auch auf dieser Basis Lebensfreude möglich. Es ist ein bisschen schwieriger, sich in hübsche Illusionen einzuspinnen, wenn man weiß, dass es Illusionen sind, aber unmöglich ist es nicht, und dann spricht nicht einmal mehr das Lehrbuch von Krankheit.


#23

Ich muss jetzt mal was arbeiten. Bis später!


#24

Dann triggert dich vermutlich meine gesamte Existenz, denn ich bin nicht nur mit grenzenlosem Optimismus gesegnet, sondern ich bewerte philosophische Überlegungen stets nach naturwissenschaftlichem Prinzip, was für dich - wie ich an anderer Stelle gelesen habe - fast unerträglich sein muss :wink:

Dann sollten wir uns beide nächstes mal erst intoxikieren.

Nein, aber es ist evolutionär nicht sinnvoll nach der Nonexistenz zu streben oder diese als “besser” zu bewerten. Folgt man dieser Überlegung, könnte man auch meinen, keine Kinder zu bekommen, sei “unnormal”. Jedoch ist in der modernen Welt das Prinzip der Selbsterfüllung zum Glück höher gestellt. Dass die Selbsterfüllung als Nichtexistenz definiert wird ist… nunja, abstrakt.

Nein, denn Leben kann nicht sinnvoll nach Nichtleben streben. Der Zustand nach oder vor dem Leben ist für das aktuelle Leben irrelevant, weil biologisch unbedeutend.

das ist uU nachvollziehbar, dennoch bewerten wir es als pathologisch, weswegen meine erste Aussage wahr bleibt.

natürlich. ich verstehe ehrlich gesagt nicht mal den Widerspruch, den du sehen willst. Aber wir sollten wirklich nicht den 4. Thread mit dem Thema Abtreibung vollspammen.

Der Logik zu Folge ist auch “Gesundheit” oder “Gute Besserung” eine Grätsche. ich habe nur darauf hingewiesen, dass diese Gedanken nicht gesund sind.

Nein, es ist krank, weil es nicht gesund ist.
von griechisch παθολογικός (pathologikós) → grc „die Leiden betreffend“

Jede Abweichung vom Gesunden ist pathologisch. Mein Schnupfen ist auch pathologisch. Wenn man das als kränkend auffasst, liegt das Problem nicht beim Wort.