Es gab keine politische Einflussnahme durch Welt-Journalisten. Du hast offenbar den Sachverhalt nicht verstanden. Es wurden aus den Sitzungen von CDU und CSU Informationen an die Welt durchgestochen. Und da ist es doch klar, dass die Welt solche Infos dann natürlich auch berichtet. Das nennt sich Pressefreiheit. Den Vorwurf musst du den Teilnehmern dieser Sitzungen machen, die die Welt mit Infos versorgt haben - aber eben nicht der Welt, die nur ihre journalistische Arbeit gemacht hat.
Und der Vergleich mit den ÖRR ist nun völlig absurd. Ich wüsste nicht, dass die Welt von einem Gremium kontrolliert wird, in dem Union, SPD, FDP und Grüne sitzen.
Wenn ich mit aktiven Handlungen, Einfluss auf etwas nehme, kann ich mich nicht mit Pressefreiheit herausreden. Niemand will der Welt oder sonstwem verbieten, ihre Infos zu veröffentlichen und zu verbreiten. Ein Problem wird es aber dann, wenn die Verbreitung dieser Informationen aktiv Einfluss auf die Politik und deren Gestaltung nimmt. Vor allem die „Gleichzeitigkeit“ durch das Medium Twitter wurde ja angesprochen. Natürlich sind die Politiker, die die Informationen durchsickern lassen, selbstverständlich ebenso Schuld an der Situation. Aber es ist sehr wohl die Aufgabe des Journalisten, der ebenso Teil der Demokratie ist, wie der Politiker, eventuelle Gefahren von der Demokratie und deren Abläufe abzuwenden. Alles andere ist mMn nicht mit einem journalistischen Berufsethos vereinbar.
Warum gibt es denn z.B. soetwas wie Quellenschutz? Doch wohl, weil Journalisten sehr genau wissen, dass das Veröffentlichen von Informationen an die Öffentlichkeit, negative Folgen für Personen haben kann. Warum sollte ein Journalist also nicht auch verpflichtet sein, sicherzustellen, dass die Veröffentlichung von sensiblen Informationen, keinen direkt Einfluss auf laufende politische Prozesse nimmt?
Und selbst wenn man daran nichts Problematisches sieht(was ja durchaus eine legitime Sichtweise ist), muss man doch dennoch konstantieren, dass die Macht, welche Journalisten auf Politik und Demokratie ausüben, kein Hirngespinst irgendwelcher Verschwörungserzähler ist, sondern eine reale Gefahr darstellt. Wie man das alles so lapidar abtun kann, ist mir unbegreiflich.
Und ich wüsste nicht, wo ich das konkret behauptet habe. Es geht einzig und allein darum, dass (politische) Journalisten ebenso eine eigene, politische Agenda bzw. ein Narrativ haben und dieses ihre politische Arbeit beeinflusst. Dies ist u.A. ein wichtiger Grund, warum viele Menschen ihr Vertrauen in die Medien verloren haben. Diese annekdotische Evidenz, mit der Robin Alexander versucht hat, über die tatsächliche Situation in der heutigen Presselandschaft hinwegzutäuschen, ändert an dieser Tatsache nichts.
Es sollte klar sein, dass man als Journalist auch nur ein Mensch ist. Als solcher hat man natürlich auch eine wie auch immer geartete politische Haltung. Das Problem ist nicht, dass Journalisten diese Haltung haben, sondern das sie zum einen wehement abstreiten, das ihre eigene politische Haltung NATÜRLICH auch ihre Arbeit beeinflusst und zum anderen oft weder bereit noch fähig zu einer angemessenen Reflexion ihrer Position und ihrer Macht sind. Im Gegenteil: Das Gespräch hat ja eindrucksvoll dokumentiert mit welcher Arroganz und Uneinsichtigkeit die Anwesenden, etablierten Journalisten immer wieder auftreten…
Anstelle, dass es zu einer produktiven Diskussion über die aufgeworfenen Punkte kam, kamen von Seiten der etablierten Journalisten vor allem arrogante Diffarmierungen ala „Sie können ja nicht mal richtig recherchieren“, etc. Harald Welzer z.B. ist ein studierter, renommierter Sozialforscher und Philosoph, nicht irgendein dahergelaufener Schwätzer, der noch nie eine wissenschaftliche Arbeit geschrieben hat. Von Reflexion oder minimalen Respekt für die Position des Gegenübers war da rein gar nichts zu sehen. Nur die immer gleiche Reaktion von Journalisten auf Kritik an ihrer Arbeit: Arroganz und komplette Uneinsichtigkeit.
Übrigens zu dem ganzen Thema empfehlen sich diverse Videos von Friedrich Küppersbusch, z.B. diese Podcast-Folge von Hotel Matze:
Also, dieses Verhalten kam ja im konkreten Fall nun eindeutig von den Herren Precht und Welzer. Du stellst hier den gesamten Sachverhalt auf den Kopf. Das ist mir dann ehrlich gesagt unbegreiflich.
Eine solche Gefahr bestand hier nicht. Es ging um schnöde Sitzungen von CDU und CSU.
Küppersbusch, bekanntermaßen selbst Journalist, meint mit Sicherheit nicht das konkrete Beispiel mit der Welt. Du vergleichst Äpfel mit Birnen.
Ja Holger, du hast Recht und man kann es auch nur genauso sehen, wie du es siehst, gut das wir das ausdiskutiert haben und zu der einhelligen Erkenntnis gekommen sind, dass du zu 100% Recht hast und jeder der das anders sieht hat Unrecht.
Dafür ist mir dann auch meine Zeit zu Schade. Schönen Abend.
Jetzt wo du neben Dean auch Holger doof findest, wirst du also dein Abo kündigen? ![]()
Also ja, dann darf man also gar nicht mehr über Politik berichten. Hätten die Medien also gar nicht über die gefälschten Dissertationen von Guttenberg und Shavan, den Urlaub von Anne Spiegel oder andere Skandale berichten dürfen, denn durch die Berichterstattung dadurch haben sie ja die Politik beeinflusst. Jede Berichterstattung beeinflusst die Politik, stell dir vor, das ist eine Kontrollaufgabe, die Medien zu leisten haben. Sowas abstruses wie Politik darf durch Medien nicht beeinflusst werden hab ich ja noch nie hier gehört und das will was heißen, denn ich hab Polarstorm noch miterlebt.
Nein, der Herr macht nur den Doppelwumms-Precht und wünscht keine Kritik an seiner Kritik ![]()
Hier hat wohl keiner seit Jahren ein Welt Edition Abo. Es gibt von der Chefredaktion eine Meinung, junge Redakteure können in der Zeitung aber genauso ihre Meinung abgeben. Es gibt bei der Welt keinen politischen Kurs, dafür sind sie zu breit aufgestellt ist.
Euer Problem ist einfach, dass ihr eure Algorithmen-Suppe konsumiert. Welt Edition ist eine gedruckte Zeitung in einer App oder Web.
Ich erkenne solche Diskussionen immer, dass die Menschen an sich kein Abo haben.
Bei allen Beispielen, wie wichtig es ist, daß Medien in der Politik Skandale aufdecken, sollten wir Christian Wulff nicht vergessen.
| ![]()
| ![]()
Ist das nicht der Sinn von Presse? Aus Missstande und Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen damit die Gesellschaft einen Diskurs darüber hat und die Politik sich darauf anpassen kann. Und ist es nicht vielmehr ein Problem der Politik wenn sie zum „Fähnchen im Wind wird“ als das Problem derjenigen, die irgendetwas fordern?
War Herr Wulff nicht von allen Vorwürfen rechtlich freigesprochen ?
Ich habe das genau anders herum wahrgenommen. Robin Alexander hat die Geschichte mit den Tweets ausführlich erklärt und kritisch angemerkt, dass an einer bestimmten Stelle die Gefahr dieser Form der Berichterstattung erkannt wurde. Bei Precht und Welzer war von einer solchen Selbstreflexion nichts zu sehen. Die hatten einfach schwache Argumente, die sie nicht mal mit konkreten Beispielen untermauern konnten.
Ich fand Precht eigentlich mal ganz gut. Aber je mehr Platz der in den Medien bekommen hat, desto losgelöster von der realen Welt sind seine Thesen geworden. Ich halte ihn mittlerweile für einen reinen Elfenbeinturmtheoretiker. Er trumpft eigentlich auch nur auf, wenn er Freiraum bekommt, ausufernde Monologe zu halten. Sieht man sehr schön an dieser Sendung. Von ihm selbst kommen kaum Argumente. Gefühlt hat er hier den geringsten Redeanteil und oft guckt er so, als würde er jetzt lieber woanders sein wollen.
Wer noch nicht genug hat, kann sich dieses Gespräch von Precht und Welzer mit Stefan Niggemeier anschauen. Die Lanz-Diskussion wird auch noch mal kurz erwähnt. Insgesamt wenig Neues. Aber mir scheinen Precht und Welzer hier deutlich kleinlauter und versöhnlicher zu sein. Es wird tatsächlich zugegeben, dass das Buch Fehler enthält und gar behauptet, es sei nicht der Anspruch gewesen, überhaupt ein fehlerfreies Buch zu schreiben.
Es gibt immer noch die Vorgaben von Axel Springer. Pro USA und Israel.
Hab dieses Video von einem sehr interessant ausschauenden neuen YouTube-Kanal mit noch unter 10.000 Abonnenten vorgeschlagen bekommen:
Sind ein paar gute Analysen drin, auch wenn es noch länger hätte gehen können für meinen Geschmack.
Aber der Kanal wäre vielleicht eine Vorstellung in der Mediatheke wert, es gibt auch ein wirklich gutes, neutrales Video zum Thema Gendern, auch anhand von Ausschnitten aus Talkshows:
(Habs jetzt mal hier gepostet wegen dem Bezug zur Lanz-Sendung, hätte aber genauso gut auch in die Themenvorschläge gepasst.)
Auf der Metaebene, die natürlich niemanden interessiert, fällt vor allem auf, wie schnell und wie radikal (und konzertiert!) die Medien ihr Framing ändern. Solange Precht politisch auf Linie war, wurde er als bedeutendster deutscher Philosoph der Gegenwart durch die Talkshows gereicht, obwohl er bereits damals mangelnden Geist mit radikaler Rhetorik zu übertünchen pflegte. Und kaum weicht er in einem Punkt vom Mainstream ab, wissen plötzlich alle, dass er nie etwas getaugt hat.
Eine medienkritische Plattform sollte sich meiner Meinung nach darauf fokussieren, anstatt mit den medialen Wölfen zu heulen, wenn’s dem Inhaber politisch passt. Aber wie gesagt: Das will außer mir niemand sehen.
Wer sollen denn „die Medien“ sein? Precht polarisiert schon seit geraumer Zeit. Eigentlich von Anfang an, da sein Erfolg aus dem Nichts so manchen verdächtig erschien. Wobei das vielleicht auch dem Neid einiger Journalisten geschuldet war. Prechts Hang zum Selbstdarstellertum und zur Besserwisserei war jedenfalls immer schon überall ein Thema gewesen. Auch Sloterdiks Vorwurf, Precht sei der André Rieu der Philosophie, wurde von etlichen Kommentatoren nicht ohne Schadenfreude verarbeitet.
Dass „die Medien“ ihr Framing geändert hätten, stimmt einfach nicht. Wahrscheinlich ist hingegen, dass Precht ein paar Fans verloren und ein paar neue Fans gewonnen hat. Auch unter den Journalisten. Ich sehe aber nicht, dass Precht plötzlich eine Persona non grata geworden wäre oder sonstwie gegancelt wurde. Seine ZDF-Show hat er jedenfall immer noch und nach wie vor macht er mit Lanz den Podcast.
